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Scholary Paper (Seminar), 2002, 16 Pages
Author: Elisabeth Heidecker
Subject: Musicology
Details
Tags: Passionen, Johann, Sebastian, Bach
Year: 2002
Pages: 16
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-22487-6
ISBN (Book): 978-3-640-23051-8
File size: 166 KB
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Abstract
Unter dem Begriff „Passion“ versteht man die Geschichte des Leidens und Sterbens Jesu Christi, wie sie durch die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes im Neuen Testament überliefert ist. Die Leidensgeschichte nimmt im Christentum eine zentrale Stellung ein: Jesus opfert sich selbst am Kreuz, nimmt durch dieses „Sühneopfer“ die Schuld der Welt auf sich und erlöst die Gläubigen durch seine Auferstehung: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden“ (Mk 16, 16). Der Karfreitag ist somit einer der wichtigsten Feiertage in der christlichen Kirche, nicht, weil Christus an diesem Tag leiden und sterben musste, sondern weil nur durch dieses Leiden und Sterben die Erlösung der Menschen ermöglicht wurde. So wurde dieser Tag schon immer mit besonderen Feierlichkeiten begangen, bei der natürlich auch eine besondere musikalische Gestaltung nicht fehlen durfte. Diese Arbeit wird nun einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Passion als musikalische Gattung bis hin zu Johann Sebastian Bach geben und dann auf dessen Werk besonders eingehen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Bayreuth WS 2002/03
Musikwissenschaft
PS Quellen zu Leben und Werk J.S.Bachs
Die Passionen
von
Johann Sebastian Bach
Elisabeth Heidecker
1. Fachsemester
Inhalt
1. Einleitung
S. 3
2. Geschichtlicher Überblick der Passion bis Bach
S. 3
3. Die Passion bei Bach
S. 4
3.1 Al gemeines zum Stil und den theologischen Bezügen
S. 5
3.2 Die Johannes-Passion BWV 245
S. 6
3.3 Die Matthäus-Passion BWV 244
S. 9
3.4 Die Passionen nach Markus und Lukas (BWV 247 & 246)
S. 12
4. Conclusio
S. 13
Literaturverzeichnis
S. 15
2
1. Einleitung
Unter dem Begriff ,,Passion" versteht man die Geschichte des Leidens und
Sterbens Jesu Christi, wie sie durch die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas
und Johannes im Neuen Testament überliefert ist. Die Leidensgeschichte
nimmt im Christentum eine zentrale Stel ung ein: Jesus opfert sich selbst am
Kreuz, nimmt durch dieses ,,Sühneopfer" die Schuld der Welt auf sich und erlöst
die Gläubigen durch seine Auferstehung: ,,Wer da glaubet und getauft wird, der
wird selig werden" (Mk 16, 16). Der Karfreitag ist somit einer der wichtigsten
Feiertage in der christlichen Kirche, nicht, weil Christus an diesem Tag leiden
und sterben musste, sondern weil die Erlösung der Menschen nur dadurch
ermöglicht wurde. So wurde dieser Tag schon immer mit besonderen
Feierlichkeiten begangen, bei der natürlich auch eine besondere musikalische
Gestaltung nicht fehlen durfte. Diese Arbeit wird nun einen Überblick über die
geschichtliche Entwicklung der Passion als musikalische Gattung bis zu Johann
Sebastian Bach geben und dann auf dessen Werk besonders eingehen.
2. Geschichtlicher Überblick der Passion bis Bach
,,Bachs Passionen bedeuten Höhe- und Endpunkt einer über mehrere
Jahrhunderte reichenden Tradition."1
Frühe Aufzeichnungen belegen, dass es bereits im neunten Jahrhundert üblich
war, die Passionsgeschichte mit verteilten Rollen und unter der Verwendung
unterschiedlicher Deklamationsvarianten zu rezitieren: Durch den Buchstaben
C (
celeriter
schnell) wurde die Vortragsweise des Evangelisten
gekennzeichnet, die Worte Jesu durch T (
tenere
aushalten, später einfach
durch ein Kreuz symbolisiert) und die der Soliloquenten, der weiteren
Personen, mit S (
sursum
oben, höhere Stimmlage).2 Die jeweiligen
Rezitationstöne bilden auch den Ursprung für die Stimmlagen der Sänger: f für
die Christusworte (Bass), c′ für den Evangelisten (Tenor) und f′ für die
Soliloquenten. Ab dem 13. Jahrhundert war diese Vortragsart schon fest in die
1 Werner-Jensen, 1993, S. 233
2 Vgl. Scholz, S. 8
3
Karwochen-Liturgie integriert, ab dem 16. Jahrhundert wurde sie durch die
Einführung so genannter Turba-Chöre immer dann ergänzt, wenn eine Gruppe
oder die Volksmenge sich äußerten.
Unter den verschiedenen Passionstypen, die sich bis zum 16. Jahrhundert
entwickelt hatten, sind zwei besonders erwähnenswert: Die motettische und die
responsoriale Passion. In der motettischen Passion wird der gesamte
Evangeliumstext mehrstimmig durchkomponiert, ein Beispiel hierfür liefert
Antoine de Longueval, der um 1500 eine Passion bestehend aus den Texten
al er vier Evangelien komponierte (,,Evangelien-Harmonie"). Die Kompositionen
von Heinrich Schütz dagegen sind Beispiele für die responsoriale Passion,
hierbei trägt der Evangelist den Bibeltext im Wechsel mit den Soliloquenten und
dem Chor vor.
Im 17. Jahrhundert wurde die neue Form der Monodie mit ihren beiden
Extremen, das syllabische Secco-Rezitativ und die melismatische Arie, sowie
die Zwischenformen wie Accompagnato-Rezitativ und Arioso, aus dem
Oratorium und der italienischen Oper übernommen: Das Secco-Rezitativ für
den Evangelisten und die Soliloquenten mit Continuo-Begleitung, das
Accompagnato-Rezitativ als lyrische Betrachtung und schließlich Da-Capo-
Arien, Ariosi und Chöre mit frei hinzu gedichteten Texten. Die Entwicklung
dieser oratorischen Passion war mit dem Jahr 1700 im Wesentlichen
abgeschlossen.
3. Die Passion bei Bach
Im Jahr 1721 fand in der Thomaskirche zu Leipzig unter Bachs Amtsvorgänger
Johann Kuhnau zum ersten Mal die Aufführung einer oratorischen Passion im
Rahmen der Vesperandacht am Karfreitag statt. Im Zentrum der Vesper stand
eine Predigt, die von zwei musikalischen Teilen umrahmt wurde. Zwei Jahre
später ermöglichte eine Stiftung auch der anderen Hauptkirche Leipzigs, der
Nikolaikirche, eine solche Karfreitagsvesper. Da man aber die erforderliche
Anzahl an Sängern und Instrumentalisten nicht gleichzeitig in beiden Kirchen
einsetzen konnte, einigte man sich, diese Karfreitagsvesper immer im
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