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Die Wirklichkeit der Ersten Schöpfung

Subtitle: 1Kor 15, 35 – 41

Scholary Paper (Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Wolfgang Gaßner
Subject: Theology - Biblical Theology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V119392
ISBN (E-book): 978-3-640-22249-0
ISBN (Book): 978-3-640-22407-4
File size: 129 KB

Abstract

In jeder Religion stellt sich die Frage, ob und wie der Mensch nach dem Tod weiterexistiert. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Ansätze. In Buddhismus und Hinduismus stellt man sich das jenseitige Leben beispielsweise als ein Aufgehen im Nirvana – und damit verbunden ein Verlöschen der menschlichen Existenz – vor. In Judentum, Christentum und Islam hat sich dagegen die Paradiesvorstellung durchgesetzt. Gott „belohnt“ den Menschen für seine Taten auf der Erde durch die Aufnahme in sein Reich. Auch die Philosophen der alten Griechen hatten ein Modell des Jenseitsglaubens entwickelt, das später maßgebend für mehrere theologische Auseinandersetzungen mit christlichen Splittergruppen, wie etwa den Manichäern, war. Dabei wurde der Leib als Hülle und Gefängnis des Geistes angesehen, das es unbedingt zu überwinden galt. Im Tod sahen die Griechen eine Möglichkeit der leiblichen Existenz zu entkommen und so den Geist, das Pneuma, zu befreien. Diese philosophische Ausrichtung, die auch im griechischen Korinth verbreitet war, war auch der Grundauslöser für den Abschnitt 15 im Korintherbrief, in dem der Apostel Paulus die Leiblichkeit der christlichen Auferstehung noch einmal extra offen legt. In dieser Arbeit soll dabei vor allem auf 1Kor 15, 35-41 eingegangen werden. Nach einem kurzen Einblick in die Stadt Korinth, die dortige christliche Gemeinde, inr Entstehung und Aufbau des Briefes werden die Argumente Paulus’ für eine leibliche Auferstehung erläutert. Ziel ist es dabei, seinen Argumentationsweg offen zu legen und die paulinische Position so verständlich wie möglich zu machen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Regensburg

Katholisch-theologische Fakultät

Lehrstuhl für Exegese und Hermeneutik des Neuen Testaments

Die Wirklichkeit der Ersten

Schöpfung









Wintersemester 2006/2007

Seminar: ,,Auferweckung der Toten" in der frühchristlichen

Verkündigung






1


Gliederung

Das Leben nach dem Tod ­ ein Thema das die Menschen berührt 3

I Die Stadt Korinth und ihre christliche Gemeinde 3

II Der Korintherbrief ­ Entstehung und Aufbau 5

III Die Auferstehung der Toten in 1Kor 15, 35 ­ 41 7

1. Der Streit um die Leiblichkeit der Auferstehung als Auslöser für 1Kor 15, 35 ­ 41 7

2. Der Aufbau von 1Kor 15, 35 ­ 41 8

3. Die Einführung in das Thema: Vers 35 9

4. Die Saat als Beispiel für eine leibliche Wiederauferstehung 10

5. Die Ausweitung der Leiblichkeit auf die ganze Schöpfung 12

6. 1Kor 15, 35 ­ 41 im Vergleich: Verschiedene Möglichkeiten der Übersetzung 15

Die Auferstehung ­ ein zentrales Thema des Christentums 17

Literaturliste 18

2


Das Leben nach dem Tod ­ ein Thema das die Menschen berührt

In jeder Religion stellt sich die Frage, ob und wie der Mensch nach dem Tod weiterexistiert.

Dabei gibt es die unterschiedlichsten Ansätze. In Buddhismus und Hinduismus stellt man sich

das jenseitige Leben beispielsweise als ein Aufgehen im Nirvana ­ und damit verbunden ein

Verlöschen der menschlichen Existenz ­ vor. In Judentum, Christentum und Islam hat sich

dagegen die Paradiesvorstellung durchgesetzt. Gott ,,belohnt" den Menschen für seine Taten

auf der Erde durch die Aufnahme in sein Reich. Auch die Philosophen der alten Griechen

hatten ein Modell des Jenseitsglaubens entwickelt, das später maßgebend für mehrere

theologische Auseinandersetzungen mit christlichen Splittergruppen, wie etwa den

Manichäern, war. Dabei wurde der Leib als Hülle und Gefängnis des Geistes angesehen, das

es unbedingt zu überwinden galt. Im Tod sahen die Griechen eine Möglichkeit der leiblichen

Existenz zu entkommen und so den Geist, das Pneuma, zu befreien. Diese philosophische

Ausrichtung, die auch im griechischen Korinth verbreitet war, war auch der Grundauslöser für

den Abschnitt 15 im Korintherbrief, in dem der Apostel Paulus die Leiblichkeit der

christlichen Auferstehung noch einmal extra offen legt. In dieser Arbeit soll dabei vor allem

auf 1Kor 15, 35-41 eingegangen werden. Nach einem kurzen Einblick in die Stadt Korinth,

die dortige christliche Gemeinde, inr Entstehung und Aufbau des Briefes werden die

Argumente Paulus′ für eine leibliche Auferstehung erläutert. Ziel ist es dabei, seinen

Argumentationsweg offen zu legen und die paulinische Position so verständlich wie möglich

zu machen.

I Die Stadt Korinth und ihre christliche Gemeinde

Die am westlichen Rand des Isthmus gelegene Stadt Korinth wurde 900 v. Chr. gegründet.

Während der makedonischen Herrschaft von 350 bis 250 v. Chr. war Korinth mit 40 000 ­

50 000 Einwohnern die größte Stadt in Griechenland.1 146 v. Chr. wurde die Stadt von den

1 Vgl. Lindemann, Korintherbrief, 2000, 9.

3


Römern erobert und größtenteils zerstört. Aber schon 44 v. Chr. veranlasste Julius Caesar den

Wiederaufbau, hauptsächlich um seinen Armeeveteranen und freigelassenen Sklaven eine

Heimat zu geben.2 Obwohl auf diese Weise eine breite Unterschicht angesiedelt wurde,

konnte sich Korinth innerhalb eines Jahrhunderts zu einer blühenden Handelsstadt entwickeln.

Begünstigt wurde diese Entwicklung auch dadurch, dass der Sitz des Prokonsuls in die Stadt

verlegt wurde. All dies ermöglichte den Aufstieg zur bedeutendsten Stadt Griechenlands nach

Athen.3 Die Bevölkerung setzte sich nach der Wiedererrichtung nicht nur aus Römern,

sondern auch aus Griechen, hellenisierten Orientalen und vielen Juden zusammen.4

Begünstigt durch diesen Schmelztiegel an Kulturen und Religionen konnte sich unter anderem

auch das Christentum in Korinth ungestört entfalten. Entstanden ist die dortige Gemeinde

durch Missionstätigkeiten des Paulus. Er besuchte die Stadt wahrscheinlich um 50 n.Chr. und

hielt sich eineinhalb bis zwei Jahre dort auf. Die Datierung lässt sich auf Iunius Annaeus

Gallio zurückführen. Dieser war vermutlich von Juli 51 bis Juni 52, eventuell auch ein Jahr

später Statthalter der Provinz Achaia. Da Paulus von Juden angeklagt wurde, wurde er vor

Gallio geführt. Daraus lässt sich schließen, dass er sich entweder von 50 ­ 52 oder von 51 ­

53 in Korinth aufgehalten haben muss.5 In dieser Zeit gelang es ihm den Grundstock für eine

christliche Gemeinde zu legen, die sich auch nach seiner Abreise immer weiter entwickelte.

Diese Entwicklung verlief jedoch nicht immer reibungslos, was Paulus dazu veranlasste durch

seine beiden Briefe an die Korinther ordnend in das Geschehen einzugreifen und die

Gemeinde auf den rechte Weg zurückzuführen. Dafür, dass er auch nach seiner Abwesenheit

noch so enormen Einfluss auf seine Gemeinde besaß, zeigt sich die Struktur der Gemeinde

verantwortlich. Die Mitglieder orientierten sich an Leitfiguren, welche für die Gemeinschaft

von Bedeutung waren. Dabei war es ihnen aber nicht wichtig, ob diese Menschen noch

unmittelbar der Gemeinde angehörten. So konnte Paulus, ebenso wie sein ,,Gegenspieler"

Apollos und auch Kephas ihren Einfluss wahren und Mitstreiter um sich sammeln.

Rückschlüsse auf Organisationsstrukturen und Machtverhältnisse lassen sich aber deshalb

nicht bilden.6

Die Gemeinde hatte aber nicht nur mit den verschiedenen Meinungen ihrer Führer zu

kämpfen, sondern auch mit ganz normalen sozialen Problemen. Obwohl Korinth um 50 n.

Chr. schon eine blühende Handelsstadt war gab es noch immer große Gegensätze zwischen

der kleinen reichen Oberschicht und der großen armen Masse in der Unterschicht. Ähnlich

2 Vgl. Lindemann, Korintherbrief, 2000, 9f.

3 Vgl. Maly, Brief, 1971, 9.

4 Vgl. Maly, Brief, 1971, 9.

5 Vgl. hierzu Lindemann, Korintherbrief, 2000, 11.

6 Vgl. Lindemann, Korintherbrief, 2000, 12.

4


gestaltete sich die Situation in der christlichen Gemeinschaft: Auch hier waren die Armen den

Reichen deutlich an Zahl überlegen.7 Zudem ergaben sich durch die unterschiedlichen

sozialen und vor allem auch kulturellen Hintergründe teilweise gravierende Unterschiede in

ethisch-moralischen Fragen.8 Vor allem die Differenzen zwischen den Judenchristen und den

hellenistische geprägten Heidenchristen müssen zum Teil sehr groß gewesen sein wie man

auch bei der Auseinandersetzung um die Leiblichkeit der Auferstehung sehen wird. Apollos

ist dabei Verfechter der philosophischen Seite, während Paulus sich eher auf Seiten der

Christen mit jüdisch geprägtem Hintergrund einordnen lässt. Die Gemeinde muss 100

Mitglieder und mehr gehabt haben, da sich ansonsten all diese vielfältigen Strömungen nicht

erklären lassen. Trotz dieser Zahl waren die Christen noch immer eine deutliche Minderheit,

so dass es zwangsläufig oft zu Mischehen zwischen Christen und Nichtchristen kommen

musste. Auch dies mag auf unterschiedlichste Weise auf das Sozialverhalten und die

ethischen Einstellungen der Einzelnen eingewirkt haben. Die christliche Gemeinde in Korinth

kann also bis zu einem gewissen Grad als Spiegelbild für die sozialen Verhältnisse in der

ganzen Stadt dienen, die durch ihre ,,Multi-Kulti-Gesellschaft" sehr geprägt war. Es handelte

sich um eine ,,typische Großstadt an der Grenzscheide zwischen Orient und Okzident."9

II Der Korintherbrief ­ Entstehung und Aufbau

Nach Paulus′ Abreise aus Korinth begann sich die Gemeinde in eine Richtung zu entwickeln,

die ihm nicht gefiel. Aus diesem Grunde griff Paulus vermutlich zwischen 54 und 56 n. Chr.

mit seinem ersten Brief in das Gemeindeleben der Korinther ein.10 Verfasst wurde er in

Ephesos, was aus Kapitel 16,8 des Briefes hervorgeht. Zu seiner Gemeinde gelangte er

vermutlich auf dem Seeweg.

Der Brief selbst ist ungewöhnlich lang. Zahlreiche verschiedene Themen weisen zum einen

auf gravierende Missstände in Korinth hin, zum anderen wird es dadurch auch unmöglich ihn

7 Vgl. Maly, Brief, 1971, 10.

8 Vgl. für den Rest des Abschnitts, sofern nicht anders vermerkt, Lindemann, Korintherbrief, 2000, 12f.

9 Maly, Brief, 1971, 9.

10 Vgl. Lindemann, Korintherbrief, 2000, 17. Eine noch genauere Datierung findet sich bei Ortkemper,

Korintherbrief, 1993, 12. Er geht davon aus, dass sich Paulus von 52 ­ 55 in Ephesus aufgehalten hat und den

Brief vermutlich Ostern 55 geschrieben hat. ,,Dazu würde die sonst etwas unmotivierte Erwähnung des

Paschalammes in 1Kor 5,7 gut passen."

5



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