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Die geheimnisvollen Buchstaben des Korans

Bachelor Thesis, 2008, 37 Pages
Author: Maritana Larbi
Subject: Orientalism / Sinology - Arabistic

Details

Institution/College: University of Bonn
Tags: Buchstaben, Korans
Category: Bachelor Thesis
Year: 2008
Pages: 37
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V119681
ISBN (E-book): 978-3-640-22670-2
ISBN (Book): 978-3-640-22791-4
File size: 332 KB

Abstract

In der islamischen Tradition und zum größten Teil auch in der westlichen Orientalistik geht man davon aus, dass der Koran das authentische Wort des Propheten Mohammed ist. Allerdings stellt der Koran kein leicht zu erschließendes Buch dar. Daher entwickelten sich von Anfang an in der islamischen Welt zahlreiche exegetische Koranwissenschaften,ʽulūm al-Qurʼān, die allesamt die verschiedensten Frage rund um den Koran zu klären versuchen.Eine dieser Wissenschaften ist die Wissenschaft von ḥurūf al-fawātiḥ, also Wissenschaft von 29 Siglen des Korans, die aus unterschiedlichen Kombinationen von Buchstaben des arabischen Alphabets bestehen. Sie stehen unmittelbar nach der einleitenden Formel basmala, meistens als erster Vers am Anfang der Suren. Das Tema diese Arbeit ist eine Untersuchung des Problems von der Ursprung und der Bedeutung dieser koranischen Siglen. Um dieses Thema näher zu erläutern, war es sinnvoll, am Anfang der Arbeit zuerst eine Übersicht über die Geschichte der Offenbarung und ihre Niederschrift zu geben und zwar im Bezug auf die Ereignisse, die für diese Fragestellung von Bedeutung sein könnten, also die Sammlung des Korans unter dem Propheten bis zum seiner kanonischen Endredaktion unter dem kalifen Utman. Im zweiten Teil der Arbeit wird gezeigt, wie Siglen im Koran aufgeteilt sind und durch welche besonderen Merkmale sie gekennzeichnet sind. Anschließend wird ein allgemeiner Überblick über die Deutungsversuche sowohl seitens der islamischen als auch der westlichen Forschung dargestellt, ohne dass hier eine bestimmte These bevorzugt wird.Im Vorfeld ist zu sagen, dass trotz aller Bemühungen bis jetzt nicht gelungen ist, der Lösung dieses Rätsels näher zu kommen. Vielmehr spricht man bei allen Versuchen, sei es aus einer islamischen Tradition oder aus der Sicht einer westlichen historisch-kritischen Forschung, von einer Willkür der Erklärungsvorschläge. Das betrifft vor allem viele Deutungen der Zeichen als Abbreviaturen, die sich „im Reiche der unbegrenzten Möglichkeiten“ bewegen. Im Vorfeld kann man nur betonen, dass alle möglichen Versuche die Bedeutung und den Ursprung der Siglen zu erschließen, Mutmaßungen bleiben, die bis jetzt nicht eindeutig bewiesen werden konnten und wahrscheinlich auch nicht mehr bewiesen werden können. Das Phänomen der „geheimnisvollen“ Buchstaben unterstreicht noch einmal alle Schwierigkeiten, die genauso bei der Suche nach der Aufklärung auch anderer koranischer Streitfragen auftreten.


Excerpt (computer-generated)

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn
Philosophischen Fakultät

Bachelorarbeit
Zur Erlangung des Grades
Bachelor of Arts (B.A.)

Die geheimnisvollen Buchstaben des Korans

Maritana Larbi

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 4

2. Die Geschichte des Korans in der islamischen Geschichtsschreibung ... 7

2.1 Die Sammlung des Korans unter dem Propheten ... 7
2.2 Die ′utmānische Redaktion des Korans ... 10
2.3 Vor-′utmānische Kodizes ... 13
2.4 Zusammenfassung ... 14

3. Die koranischen Siglen ... 15

3.1 Einleitungsverse der „chiffrierten“ Suren ... 17
3.2 Verszählung ... 19
3.3 Surennamen ... 21
3.4 Siglen in den vor-′utmānischen Sammlungen ... 21

4. Erklärungstheorien zu Ursprung und Bedeutung von Siglen ... 22

4.1 Die Siglen aus der islamischen Sichtweise ... 23
    4.1.1 Die klassischen Interpretationen der Siglen ... 23
    4.1.2 Die modernistische Deutung der Siglen als „mathematisches Wunder des Korans“ ... 24
4.2 Deutungsversuche der Siglen in der westlichen Orientalistik ... 26
    4.2.1 Die Deutungsversuche nach Eduard GOOSSENS ... 26
    4.2.2 Sigle als technische Zeichen für die Länge der Suren nach Hans BAUER ... 28
    4.2.3 Sigle als Abbreviaturen im Zusammenhang mit dem Redaktionsprozess bei Werner SCHMUCKER ... 30

5. Schlussfolgerung ... 32

Literaturverzeichnis ... 35

 

 

1. Einleitung

In der islamischen Tradition und zum größten Teil auch in der westlichen Orientalistik geht man davon aus, dass der Koran das authentische Wort des Propheten Mohammed ist. Die Endredaktion des Korans als mushaf wurde in der Zeit zwischen 650-656 unter der Regierungszeit des dritten Kalifen ′Utmān Ibn ′Affān (reg. 644-656) vollzogen und der Text des Korans hat bis heute seine Gestalt kaum verändert. Allerdings stellt der Koran kein leicht zu erschließendes Buch dar.1 Man denke z. B. nur daran, dass der Text der ′utmānischen Koranausgabe in einem rasm festgelegt war, in dem eine eindeutige Erkennung des Lautes für den Außenstehenden nicht möglich war. Erst auf die Initiative des Umayyaden-Kalifen ′Abdalmalik ibn Marwān (reg. 687-705) und unter der Leitung des irakischen Statthalters al-Haggāg (reg. 694-714) wurde eine Kommission gebildet, die das konsonantische Textgerüst mit Punkt-, Strich- und anderen zusätzlichen orthographischen Zeichen versehen hat, wodurch die Mehrdeutigkeit des ′utmānischen rasm- Textes beseitigt werden sollte.2 Ein anderes zentrales Problem der Koranforschung aber auch der Fiqh-Wissenschaften, ist die Tatsache, dass die Suren des Korans nicht nach einem chronologischen Prinzip angeordnet sind. Selbst die Ordnung der Verse innerhalb der Suren in Bezug auf die Chronologie und auf deren semantischen Inhalt ist nicht immer exakt. So stehen bisweilen einige Verse zusammen, die ursprünglich nicht zusammengehört haben.

Von Anfang an entwickelten sich in der islamischen Welt zahlreiche exegetische Koranwissenschaften, die allesamt die verschiedensten Fragen rund um den Koran zu klären versuchen. Später hat man sie alle mit dem Begriff ′ulūm al-Qur′ān bezeichnet. Djalāl ad- Din as-Suyūtī (849-911 d.H.) zählt in seinem Werk al-Itqān fī ′ulūm al-Qur′ān achtzig solche Wissenschaften auf. Die Hauptthemen der islamischen Koranforschung waren, um nur einige davon aufzuzählen Anlass, Zeit und Ort der Herabsendung der einzelnen Offenbarrungen, deren Sammlung, Grammatik und Syntax des Textes, die Regeln für die Koranrezitation, sprachliche Unnachahmlichkeit des Korantextes, die Abrogation bestimmter Verse, die Prinzipien der juristischen Interpretation des Korans, dessen Themen und die Koranexegese.3

Auf dieser Grundlage entstand auch die Wissenschaft von hurūf al-fawātih. Damit bezeichnet man die Wissenschaft von den 29 Siglen des Korans, die aus unterschiedlichen Kombinationen von Buchstaben des arabischen Alphabets bestehen. Sie stehen unmittelbar nach der einleitenden Formel basmala, meistens als erster Vers am Anfang der Suren. Nach der herrschenden islamischen Tradition werden diese Siglen als fester Bestandteil des Offenbarungstextes angesehen, die bis auf den Propheten Mohammed zurückzuführen sind. Die Erklärungen dessen, was diese Siglen bedeuten könnten, reichen bis zum ersten Jahrhundert der Higra zurück und sind sehr vielfältig. Demnach waren die Siglen als Abkürzungen für Worte bzw. Phrasen, als arabisches Alphabet oder auch als Zahlenwerte zu interpretieren. At-Tabarī und ar-Razi haben etwa einige Siglen als Teile des Gottesnamens gedeutet: wie z.B. ergab sich aus dem Zusammenschluss der drei Siglen ALR, HM und N ar-rahmān „der Barmherzige“.4

In der westlichen Orientalistik bekamen die Siglen den Namen „mysterious letters“, also „geheimnisvolle Buchstaben“. Im Gegensatz zu der islamischen Tradition werden sie durch eine historisch-kritische Forschung auf ihre Bedeutung untersucht. Die Theorien zu diesem Phänomen wurden im Ganzen in zwei Kategorien unterteilt: es gibt einige Theorien, die Siglen auf unterschiedlichste Weise auch als Abkürzungen für die Worte bzw. Wörter-gruppen erklären und andere, die sie als irgendwelche Hilfszeichen oder Markierungen ansehen, die im Laufe der Koranredaktion entstanden sein könnten.5

Parallel zu der Frage nach Bedeutung und Ursprung der Siglen stellen sich auch andere Streitfragen, die in der Koranforschung bis jetzt nicht geklärt sind. Die zentrale Frage wäre dann, ob die Sammler des ′utmanischen Korans während der Redaktion irgendetwas in den Text aufnahmen, was nicht zum ursprünglichen Offenbarungstext gehört hat, oder im Gegenteil von der ursprünglichen Offenbarung etwas weggelassen wurde.6 Im Bezug auf die Siglen heißt das, erstens, ob die Siglen bereits schon zu Lebzeiten von Mohammed existieren konnten oder erst später im Laufe der Koranredaktion entstanden sind. Zweitens, stellt sich die Frage was es mit diesen Siglen auf sich haben könnte.

Um dieses Thema näher zu erläutern, ist es sinnvoll, am Anfang der Arbeit zuerst eine Übersicht über die Geschichte der Offenbarung und ihre Niederschrift zu geben und zwar im Bezug auf die Ereignisse, die für diese Fragestellung von Bedeutung sein könnten. Im zweiten Teil der Arbeit wird gezeigt, wie die Siglen im Koran aufgeteilt sind und durch welche besonderen Merkmale sie gekennzeichnet sind. Anschließend wird ein allgemeiner Überblick über die Deutungsversuche sowohl seitens der islamischen als auch der westlichen Forschung dargestellt, ohne dass hier eine bestimmte These bevorzugt wird. Denn, wie schon angedeutet wurde, es existiert eine Fülle von Versuchen, dieses Phänomen zu erklären. Trotz aller Bemühungen ist es bis jetzt nicht gelungen der Lösung dieses Rätsels näher zu kommen. Vielmehr spricht man bei allen Versuchen, sei es aus einer islamischen Tradition oder aus der Sicht einer westlichen historisch-kritischen Forschung, von einer Willkür der Erklärungsvorschläge.7 Das betrifft vor allem viele Deutungen der Zeichen als Abbreviaturen, die sich „im Reiche der unbegrenzten Möglichkeiten“8 bewegen. Letztlich wurde die Frage gestellt, ob es überhaupt noch möglich sei, die wahre Bedeutung und den Ursprung der Zeichen zu erschließen.9

 

[...]


1 Bobzin, S. 9
2 Hamdan, S. 133-148
3 Krawulsky, S.46
4 Schmucker, S.102
5 Massey, S. 473
6 Watt/Welch, S.184
7 Schmucker, S.94
8 Schwally, II S. 70
9 Schmucker, S.90


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