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Der frühmittelalterliche Holzkirchenbau und seine archäologische Erforschung

Scholary Paper (Seminar), 2008, 16 Pages
Author: Janis Witowski
Subject: Archaeology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 16
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V119684
ISBN (E-book): 978-3-640-23624-4
ISBN (Book): 978-3-640-23831-6
File size: 305 KB

Abstract

Im 21. Jahrhundert erscheint das Mittelalter als eine weit entfernte, fremde Epoche. Dennoch stößt man auf Urlaubsreisen oder Städtetouren sehr häufig auf die architektonischen Spuren einer Zeit, die auf die meisten Menschen der Gegenwart grausam, unkultiviert und dunkel wirkt. Ganz im Gegensatz dazu würdigten die Romantiker des 19. Jahrhunderts mittelalterliche Burgruinen als Symbole einer verwunschenen, idealen Vergangenheit, bestaunt täglich eine Vielzahl von Touristen die gewaltigen Dome in Mainz, Köln oder Speyer. Insbesondere die Sakralbauten beeindrucken den Betrachter als Denkmäler mittelalterlicher Baukunst und Prachtempfindung. Obgleich die Bauwerke in späteren Jahrhunderten meist umgebaut oder restauriert worden sind, bildet das Baumaterial den uneingeschränkten Garant für deren Langlebigkeit. Stein erwies sich als überaus haltbar und witterungsbeständig und ermöglichte damit eine intensive Erforschung der Gebäude durch Architekten, Archäologen und Kunsthistorikern. Lange Zeit jedoch vernachlässigte man darüber hinaus einen Bereich der Kirchenbauforschung, der in Mittel- und Nordeuropa das sakrale Bauwesen des Frühmittelalters wesentlich bestimmte: Die Holzkirchen wurden -nach bescheidenen Anfängen in Skandinavien- erst im vorigen Jahrhundert in die historische und archäologische Betrachtung miteinbezogen. Durch intensive Grabungen ist diesem Manko abgeholfen worden. Obwohl selten ein mittelalterlicher Holzkirchenbau die Zeiten überdauert hat und die Fundlage oft nur Vermutungen zu lässt, ist der Forschung die Bedeutung und der Erkenntnisgehalt solcher Bauwerke bewusst geworden. Die vorliegende Arbeit rückt die archäologische Betrachtung der Holzkirchenbauten in den Vordergrund. Basierend auf dem umfangreichen Werk Claus Ahrens’ Die frühen Holzkirchen Europas soll versucht werden, einen kurzen Abriss zu wesentlichen Forschungsbereichen zu geben. Den Schwerpunkt bildet hierbei zum einen die allgemeine Charakteristik der Bautypen, zum anderen der archäologische Umgang mit den Befunden und die Deutung der selben. Die zu behandelnden Beispiele stammen meist aus England, Skandinavien und Nord- und Süddeutschland. Eine geographische Einschränkung auf die oben genannten Regionen erwies sich als unabdingbar, da die Ausführungen den vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit von acht Seiten zweifellos gesprengt hätten.


Excerpt (computer-generated)

Der frühmittelalterliche Holzkirchenbau und seine

archäologische Erforschung

Hausarbeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

PS Einführung in die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit

Von Janis Witowski

Fächerkombination und Semesterzahl

Mittelalterliche Geschichte 5

Archäologie des MA/NZ 1

Historische Hilfswissenschaften 5

1


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

Seite 03

2. Die Missionen des frühen Mittelalters als Bedingung für

den Holzkirchenbau in Mittel- und Nordeuropa

Seite 04

3. Die mittelalterliche Holzkirche als Gegenstand der

archäologischen Untersuchung

3. 1. Forschungsgeschichte

Seite 05

3. 2. Grabungsbefunde als archäologische Quelle

Seite 06

3. 3. Typische Bauarten mittelalterlicher Holzkirchen

Seite 09

3. 4. Die Funktion der frühmittelalterlichen Holzkirchen

Seite 11

4. Aus Holz wird Stein ­ Die Holzkirche im hohen und

späten Mittelalter

Seite 12

5. Nachwort

Seite 14

6. Literaturverzeichnis

Seite 15

2


1. Vorwort

Im 21. Jahrhundert erscheint das Mittelalter als eine weit entfernte, fremde Epoche. Dennoch stößt

man auf Urlaubsreisen oder Städtetouren sehr häufig auf die architektonischen Spuren einer Zeit,

die auf die meisten Menschen der Gegenwart grausam, unkultiviert und dunkel wirkt.

Ganz im Gegensatz dazu würdigten die Romantiker des 19. Jahrhunderts mittelalterliche

Burgruinen als Symbole einer verwunschenen, idealen Vergangenheit, bestaunt täglich eine Vielzahl

von Touristen die gewaltigen Dome in Mainz, Köln oder Speyer. Insbesondere die Sakralbauten

beeindrucken den Betrachter als Denkmäler mittelalterlicher Baukunst und Prachtempfindung.

Obgleich die Bauwerke in späteren Jahrhunderten meist umgebaut oder restauriert worden sind,

bildet das Baumaterial den uneingeschränkten Garant für deren Langlebigkeit. Stein erwies sich als

überaus haltbar und witterungsbeständig und ermöglichte damit eine intensive Erforschung der

Gebäude durch Architekten, Archäologen und Kunsthistorikern.

Lange Zeit jedoch vernachlässigte man darüber hinaus einen Bereich der Kirchenbauforschung, der

in Mittel- und Nordeuropa das sakrale Bauwesen des Frühmittelalters wesentlich bestimmte: Die

Holzkirchen wurden -nach bescheidenen Anfängen in Skandinavien- erst im vorigen Jahrhundert in

die historische und archäologische Betrachtung miteinbezogen. Durch intensive Grabungen ist

diesem Manko abgeholfen worden. Obwohl selten ein mittelalterlicher Holzkirchenbau die Zeiten

überdauert hat und die Fundlage oft nur Vermutungen zu lässt, ist der Forschung die Bedeutung und

der Erkenntnisgehalt solcher Bauwerke bewusst geworden.

Die vorliegende Arbeit rückt die archäologische Betrachtung der Holzkirchenbauten in den

Vordergrund. Basierend auf dem umfangreichen Werk Claus Ahrens′

Die frühen Holzkirchen

Europas

soll versucht werden, einen kurzen Abriss zu wesentlichen Forschungsbereichen zu geben.

Den Schwerpunkt bildet hierbei zum einen die allgemeine Charakteristik der Bautypen, zum

anderen der archäologische Umgang mit den Befunden und die Deutung der selben.

Die zu behandelnden Beispiele stammen meist aus England, Skandinavien und Nord- und

Süddeutschland. Eine geographische Einschränkung auf die oben genannten Regionen erwies sich

als unabdingbar, da die Ausführungen den vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit von acht Seiten

zweifellos gesprengt hätten.

3


2. Die Missionen des frühen Mittelalters als Bedingung für

den Holzkirchenbau in Mittel- und Nordeuropa

Der Holzkirchenbau ist eng mit der Verbreitung des Christentums verknüpft. Die Christianisierung

nördlich der Alpen am Beginn des Mittelalters muss als Wegbereiter konstatiert werden.

Nachdem der Merowinger Chlodwig I.1 im Jahre 486, mit einem Sieg über den römischen Dux

Syagrius, die letzten Reste des weströmischen Reiches beseitigt hatte, begann er, seine Herrschaft

nach Osten zu erweitern. Ein Jahrzehnt nach dem Sturz Syagrius′ drang Chlodwig in das Gebiet der

Alamannen ein und eroberte es fast vollständig. Diesem Triumph folgte im sechsten Jahrhundert die

Unterwerfung der Baiern und Thüringer. In der Folge suchte Chlodwig, die fränkische Herrschaft in

den gewonnenen Gebieten zu etablieren.

Des Königs Gemahlin hatte ihren heidnischen Ehemann noch vor dem Ende des fünften

Jahrhunderts zur Taufe bewegen können2 und gab ihm damit ein wirksames Mittel an die Hand, um

die neuen Gegenden in das Frankenreich einzugliedern: Der Aufbau einer funktionierenden

Kirchenstruktur sollte die Verschmelzung der neuen Untertanen mit den fränkischen Herren

vollziehen und somit -mittels eines einheitlichen religiösen Bekenntnisses- eine Sympathieebene

zwischen den verschiedenen (Volks-)Stämmen schaffen. Hier nun hat eine erste Welle von

Holzkirchenbauten seinen Ursprung. Um eine weitgreifende Mission verwirklichen zu können, trieb

Chlodwig den raschen Aufbau einer Vielzahl von Sakralbauten, die als Bekehrungsstützpunkte

dienen sollten. Kapellen, Kirchen und Klöster aus Holz zu errichten, drängte sich in dieser Situation

regelrecht auf. Nicht nur, dass mit diesem leicht zu verarbeitenden Baumaterial Gebäude in kurzer

Zeit hochgezogen werden konnten, die hiesigen Wälder verfügten auch über ausreichend Bauholz.

Die fränkischen Missionare vermochten aber zumeist nur die einheimische Oberschicht zur Taufe

zu animieren und erreichten hier lediglich die äußere, scheinbare Bekehrung.

Erst im Laufe des sechsten und siebenten Jahrhundert war irofränkischen Missionaren ein größerer

Erfolg beschieden. Von den Britischen Inseln ausgehend, durchzogen irische Mönche ­als

namenhafte Vertreter seien Columban, Gallus und die in Bayern wirkenden Eustasius und Emmeran

genannt- das Frankenreich. Zahlreiche Kirchen- und Klostergründungen initialisierten einen

regelrechten Holzbauboom. In diesem Sinne charakterisiert die Vita des Heiligen Kentigern aus

dem sechsten Jahrhundert die Kirche in Glasgow als

more Britanorum3

. Die Bezeichnung ist auf die

Holzbautradition der Briten zu beziehen und steht im Gegensatz zu den

more romano4

erbauten

1

Fränkischer König 482-511.

2

Weihnachten 497 oder 498 in Reims.

3

Ahrens, Claus: Die frühen Holzkirchen Europas, S. 17.

4

Fehring, Günther: Einführung in die Archäologie des Mittelalters, S. 87.

4



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