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Examination Thesis, 2007, 41 Pages
Author: Anja Bäcker
Subject: Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Details
Tags: Bewegungsbaustelle“, Konzept, Nutzung, Bewegungsbaustelle, Aspekt, Betreuungsfunktionen
Year: 2007
Pages: 41
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 31 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-23755-5
ISBN (Book): 978-3-640-23853-8
File size: 341 KB
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Abstract
Einleitung: Inzwischen kann als unstrittig angesehen werden, dass Bewegungen und ihre qualitativen und quantitativen Veränderungen im Laufe der motorischen Entwicklung einen entscheidenden Einfluss auf die gesamte Persönlichkeitsent-wicklung eines Kindes haben: Mittels Bewegung kommuniziert der Mensch von Beginn an mit der Umwelt und erschließt sich die zunächst unbekannte Welt. Hieraus resultiert, dass im Verlaufe des Heranwachsens die Entwicklung der Kognition, Emotionalität und des Sozialverhaltens wesentlich von der Qualität und der Quantität des individuellen Bewegungsverhaltens abhängt (vgl. Hildebrandt-Stramann, 2005; Kretschmer & Laging, 1994; Kretschmer, 1981). Obwohl sich unterschiedliche Studien bezüglich der „veränderten Kindheit“ und ihre Negativauswirkungen auf Entwicklung und Verhalten von Kindern und Jugendlichen noch immer widersprechen*, bestätigen die Erfahrungen an unserer Schule, dass immer mehr Kinder mit Lern- und Verhaltensstörungen einge-schult werden. Erschwerend finden wir vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder solche mit Migrationshintergrund vor. Diese Kinder weisen unterschiedliche Wahrnehmungsstörungen und sprachliche Defizite auf, wodurch sie den schulischen Anforderungen häufig nicht gewachsen sind. Gerade diese Kinder benötigen neben den vielfältigen Fördermaßnahmen in anderen Fächern auf der oben angeführten Grundlage vor allem eine spezielle Förderung im Sport- und Bewegungsbereich. Eine erste Fragestellung, die sich zunächst hieraus ergab, war: Wie muss ein (Förder-) Konzept beschaffen sein, das allen KollegInnen im Sinne des übergeordneten Anliegens - den Ansprüchen der Richtlinien und (Sport-) Lehrpläne entsprechend - eine Förderung möglichst aller Kinder mit Bedarf möglich macht? Aus dieser Problemstellung heraus entstand die Idee einer schuleigenen Bewegungsbaustelle. Dass dieses Konzept als Lösungsansatz sehr geeignet ist, soll in den folgenden Kapiteln ausführlich begründet werden. Das Ziel dieser Arbeit ist somit, ein Konzept zur Nutzung der Bewegungsbaustelle – auch und besonders für fachfremd unterrichtende KollegInnen - zu entwickeln und es im Hinblick auf seine spezifischen Betreuungsfunktionen zu überprüfen. Die Erprobung des Konzeptes erfolgt, wie in Kap. 4.2 f. beschrieben, in zwei Phasen. Die Arbeit schließt mit einem Resümee sowie dem Ausblick auf noch geplante Vorhaben. Letzteres schließt die Erläuterung der möglichen Übertragbarkeit des Konzeptes ein. [...]
Excerpt (computer-generated)
Anja Bäcker
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Bochum
Seminar für das Lehramt für die Primarstufe
Schriftliche Hausarbeit gemäß § 33 OVP (GHR)
vorgelegt im Rahmen der zweiten Staatsprüfung
von Anja Bäcker
Thema: ,,Unsere
Bewegungsbaustelle"
Ein Konzept für die Nutzung
der neu angeschafften Bewegungsbaustelle wird entwickelt und
unter dem Aspekt der speziellen Betreuungsfunktionen erprobt
Fach:
Sport
Fachleiterin:
-
Schule:
Grundschule
-
-
12. Mai 2007
Inhaltsverzeichnis
I
I Inhaltsverzeichnis
I
Inhaltsverzeichnis I
II
Abbildungsverzeichnis II
III
Tabellenverzeichnis II
IV
Anlagenverzeichnis II
1
Einleitung 1
1.1
Auf das Konzept bezogene Lehrerfunktionen 2
2
Pädagogische Ausgangssituation 3
2.1
Darstellung der schulischen Voraussetzungen 3
2.1.1 Das Schulspiel als Instrument der Situationsanalyse 4
2.2
Darstellung des Sport- und Bewegungsunterrichts 4
3
Entwicklung des Konzeptes 6
3.1
Pädagogische Grundlegung für den Schulsport 6
3.2
Die dritte Sportstunde 8
3.3
Die Bewegungsbaustelle - Die Lösung des Problems 9
3.3.1 Theorie der Bewegungsbaustelle 10
Warum Bauen und Bewegen: 10
Die Idee: 11
Das Material: 11
Der Sicherheitsaspekt: 12
Die spezifischen Betreuungsfunktionen: 13
3.4
Zielformulierung 16
4
Praktische Umsetzung des Konzeptes 18
4.1
Organisatorische und unterrichtliche Vorbereitungen 18
4.2
Erste Erprobungsphase 19
4.2.1 Auswertung der ersten Erprobungsphase 20
Auswertung des Materials: 20
Auswertung des Bewegungsverhaltens: 21
Auswertung der Betreuungsfunktionen: 23
4.2.2 Konsequenzen der ersten Auswertung 25
4.3
Zweite Erprobungsphase 25
4.3.1 Auswertung der zweiten Erprobungsphase 26
4.3.2 Konsequenzen der zweiten Auswertung 27
5
Resümee 29
6
Literatur 31
Anlagen
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
II
II Abbildungsverzeichnis
Abb.1:
Betreuungsfunktionen (Kretschmer, J., 1999b, S. 14) 15
Abb.2:
Auswertung des Fragebogens aus Anlage02 (n=8) 26
III Tabellenverzeichnis
Tab. 1
:
Handlungsschritte auf dem Weg zur schuleigenen Bewegungs-
baustelle 18
IV Anlagenverzeichnis
Anlage01
Evaluationsbogen der ersten Erprobungsphase 34
Anlage02
Fragebogen Kollegium: zweite Erprobungsphase 35
Anlage03
Regeln und Organisation 36
Anlage04
Materialliste 37
Einleitung
1
,,Das sieht man doch, was das ist. Guck mal: Hier ist die Schlucht und das da ist
unsere Brücke drüber mit dem Rettungstunnel, wenn′s regnet. Da muss man ganz
schön aufpassen, um nicht abzustürzen. Aber wir haben das mit Lianen festge-
bunden und immer kriechen zwei zusammen, deswegen."
Schüler, 8 Jahre während der Erprobung der selbst gebauten Rettungsstationen
1 Einleitung
Herleitung der Arbeit:
Inzwischen kann als unstrittig angesehen werden, dass Bewegungen und ihre
qualitativen und quantitativen Veränderungen im Laufe der motorischen Ent-
wicklung einen entscheidenden Einfluss auf die gesamte Persönlichkeitsent-
wicklung eines Kindes haben: Mittels Bewegung kommuniziert der Mensch von
Beginn an mit der Umwelt und erschließt sich die zunächst unbekannte Welt.
Hieraus resultiert, dass im Verlaufe des Heranwachsens die Entwicklung der
Kognition, Emotionalität und des Sozialverhaltens wesentlich von der Qualität
und der Quantität des individuellen Bewegungsverhaltens abhängt (vgl. Hilde-
brandt-Stramann, 2005; Kretschmer & Laging, 1994; Kretschmer, 1981).
Obwohl sich unterschiedliche Studien bezüglich der ,,veränderten Kindheit" und
ihre Negativauswirkungen auf Entwicklung und Verhalten von Kindern und Ju-
gendlichen noch immer widersprechen*, bestätigen die Erfahrungen an unserer
Schule, dass immer mehr Kinder mit Lern- und Verhaltensstörungen einge-
schult werden. Erschwerend im Umfeld der Gemeinschaftsgrundschule finden
wir vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder solche mit Migra-
tionshintergrund vor. Diese Kinder weisen unterschiedliche Wahrnehmungsstö-
rungen und sprachliche Defizite auf, wodurch sie den schulischen Anforderun-
gen häufig nicht gewachsen sind. Meines Erachtens benötigen gerade diese
Kinder neben den vielfältigen Fördermaßnahmen in anderen Fächern auf der
oben angeführten Grundlage vor allem eine spezielle Förderung im Sport- und
Bewegungsbereich.
Eine erste Fragestellung, die sich für mich zunächst hieraus ergab, war: Wie
muss ein von mir angestrebtes (Förder-) Konzept beschaffen sein, das allen
KollegInnen im Sinne des übergeordneten Anliegens - den Ansprüchen der
Richtlinien und Lehrpläne entsprechend - eine Förderung möglichst aller Kinder
mit Bedarf möglich macht? Aus dieser Problemstellung heraus entstand die
Idee einer schuleigenen Bewegungsbaustelle. Dass dieses Konzept als Lö-
* nachzulesen in: Thiele, J.: ,,Unbewegte Kindheit?" Anmerkungen zur Defizithypothese in aktuellen Kör-
perdiskursen.
Sportunterricht
48 (1999) 4, S. 141 ff.
Einleitung
2
sungsansatz sehr geeignet ist, soll in den folgenden Kapiteln ausführlich be-
gründet werden.
Ziel der Arbeit:
Das Ziel dieser Arbeit ist somit, ein Konzept zur Nutzung der Bewegungsbau-
stelle auch und besonders für fachfremd unterrichtende KollegInnen - zu ent-
wickeln und es im Hinblick auf seine spezifischen Betreuungsfunktionen zu
überprüfen. Die Schwerpunktsetzung, die Benennung eventueller Teilziele so-
wie die Formulierung dazu notwendiger Evaluationskriterien werden ausführli-
cher in Kapitel 3.4 vorgenommen.
Gliederung der Arbeit:
Der Aufbau der Arbeit ist so angelegt, dass durch eine lineare Darstellung des
Ist- und Sollzustands (Kap.2 und Kap.3) sowie der sich daraus ergebenden
Diskrepanz die Notwendigkeit zur Entwicklung des Konzeptes (Kap.3.3 f.) und
die Art und Weise der Durchführung (Kap.4) ersichtlich wird. Die Erprobung des
Konzeptes erfolgt, wie in Kap. 4.2 f. beschrieben, in zwei Phasen. Die Arbeit
schließt mit einem Resümee sowie dem Ausblick auf noch geplante Vorhaben.
Letzteres schließt die Erläuterung der möglichen Übertragbarkeit des Konzep-
tes ein.
1.1
Auf das Konzept bezogene Lehrerfunktionen
Um den fachspezifischen "Lesefluss" nicht zu unterbrechen, wird die nach den
Rahmenvorgaben geforderte Verknüpfung mit den entsprechenden Lehrerfunk-
tionen bereits an dieser Stelle vorgenommen. Die zur Realisierung meines
Konzeptes notwendigen Kompetenzen beinhalten:
· das Diagnostizieren und Fördern,
· das Unterrichten,
· das Organisieren und Verwalten,
· das Evaluieren, Innovieren und Kooperieren.
Bedingt durch den sehr eng gesteckten Rahmen dieser Arbeit möchte ich mich
vor allem auf zwei wesentliche Funktionen beziehen, da sich generell die zutref-
fenden Lehrerkompetenzen durch die Erläuterungen innerhalb der Arbeit herlei-
ten lassen. Geprägt ist dieses Konzept durch das Organisieren während der
Entwicklungsphase, indem zunächst eigenverantwortlich Fördergelder beschafft
wurden, um geeignete und notwendige Organisationsmittel finanzieren zu kön-
nen. Im weiteren Verlauf mussten Materialien besorgt, gelagert und verwaltet
werden. Ein weiterer Schwerpunkt war die Lehrerfunktion des ´Innovierens´.
Einleitung
3
Das Konzept nahm zunächst Ergebnisse interner Evaluationen auf, um dann
einen neuen Beitrag zur Unterrichts- und Schulentwicklung zu leisten. Im Sinne
des formulierten Schulprogrammpunktes der ,,Bewegten Schule" werden mit der
Bewegungsbaustelle an der Grundschule XX "neue Wege" beschritten, die eine
Aneignungskompetenz des sachlichen Hintergrundes auf der Basis pädago-
gisch-aktueller Ansätze erforderten. Die Kompetenz des Innovierens zeigt sich
durch eine gelingende Durchführung unter Einbeziehung aller an dieser Schule
beteiligten Akteure (KollegInnen, Kinder, Eltern und Hausmeister). Die Fähigkeit
zur schulinternen Kooperation war daher ein unverzichtbarer Bestandteil meiner
Arbeit und wird auch durch die Transparenz des Konzeptes in Form der inter-
nen Fortbildung für das Kollegium ersichtlich. Die Bereitschaft zur externen Ko-
operation wird abschließend, im Hinblick auf die Übertragbarkeit des Konzep-
tes, beschrieben.
2 Pädagogische
Ausgangssituation
An dieser Stelle erfolgt die Beschreibung, Analyse und Interpretation des Ist
Zustandes an der Grundschule XX.
2.1
Darstellung der schulischen Voraussetzungen
Die Grundschule XX befindet sich in einer durch den Strukturwandel geprägten
Region im Norden der Stadt. In der ehemaligen Bergarbeitersiedlung leben mitt-
lerweile fast ausschließlich sozial benachteiligte Familien, oder solche mit
Migrationshintergrund (vgl. Schulprogramm, S.2).
Derzeit wird die Grundschule von 117 Kindern besucht, von denen rund 45 ei-
nen Migrationshintergrund und die deutsche Sprache nicht als Erstsprache
aufweisen. Den größten Anteil stellen dabei die Kinder mit Türkisch als Mutter-
sprache. Zwar findet ein Spielverhalten außerhalb der Schule statt, jedoch bes-
tätigen auch viele SchülerInnen das in der Literatur viel besprochene veränder-
te Medien- und Konsumverhalten: Kinder, die einen Sportverein besuchen bil-
den aufgrund der geschilderten und der finanziell benachteiligten Situation (Mit-
gliedskosten) eher die Ausnahme. Trotzdem verfügen sie laut eigener Aussa-
gen über kostspielige Fernseh- oder X-Box-Spiele, die einem bewegungsfreu-
digen Spielverhalten eher im Wege stehen.
Pädagogische Ausgangssituation
4
2.1.1 Das Schulspiel als Instrument der Situationsanalyse
Zur Grobeinschätzung des Bewegungsverhaltens der zukünftigen SchülerIn-
nen, zur Erfassung ihres Lern- und Arbeitsverhaltens sowie zur Grobeinschät-
zung der Entwicklung ihrer Wahrnehmungsfähigkeiten wird jährlich ein schulin-
ternes Diagnoseverfahren (Schulspiel) eingesetzt. Dieses Schulspiel wird im
Februar, also vor der Einschulung, von der Sportfachlehrerin der Schule durch-
geführt und durch die Schulleitung sowie die zukünftige Klassenlehrerin / den
Klassenlehrer protokolliert. Als Lehramtsanwärterin habe ich an zwei dieser
Verfahren teilnehmen können. Bereits im vorigen Jahr zeigten sich bei ca. 42%
der Kinder neben den erwarteten sprachlichen Defiziten vor allem Defizite in un-
terschiedlichen Wahrnehmungsbereichen. Diese Negativentwicklung setzt sich
bei den neuen Erstklässlern noch weiter fort.
2.2
Darstellung des Sport- und Bewegungsunterrichts
Im Sinne unseres Schulprogrammpunktes ,,Bewegte Schule" soll für alle Kinder
dieser Grundschule über ein ,,Lernen mit und ein Lernen durch Bewegung
"
ein
Übungsfeld zur Integration der Basissinne geschaffen werden. Neben den
Sportstunden ,,haben [daher] tägliche Bewegungszeiten einen wichtigen Stel-
lenwert" (Schulprogramm, S. 19 f.). Dem kausalen Zusammenhang zwischen
motorischer und kognitiver Entwicklung wird durch die Aufnahme dieses Schul-
programmpunktes nicht widersprochen, die praktische Umsetzung verfolgt die
Ansprüche einer ,,Bewegten Schule" jedoch nur bedingt:
Der Sportunterricht ist an unserer Schule mit drei Unterrichtsstunden pro Wo-
che angegeben. Entgegen der Empfehlung der Richtlinien und Lehrpläne (S.
34) finden aus organisatorischen Gründen zwei Stunden als Doppelstunde in
der Halle / auf dem Sportplatz und die dritte - als Bewegungsstunde - auf dem
Pausenhof beziehungsweise im Klassenraum oder in der Pausenhalle statt.
Eingebettet sind das Eislaufen und Inlineskaten im zweiten Schuljahr sowie der
Schwimmunterricht im dritten Schuljahr. An der Grundschule sind eine Sport-
fachkraft, eine Kollegin mit der Zusatzqualifikation ´Kompensatorischer Schul-
sport` und fünf weitere KollegInnen mit jeweils anderen Schwerpunkten tätig. Im
Rahmen des BDU führe ich momentan als Lehramtsanwärterin (Sport und
Deutsch) die jeweiligen Doppelstunden des Sportunterrichts in den Klassen 1
und 2 sowie den Schwimmunterricht (Nichtschwimmer) in der Klasse 3 selbst-
ständig durch. Der übrige Sportunterricht wird von der ,,Sportförder-Kollegin"
sowie dem jeweiligen Klassenlehrer erteilt. Die dritte Bewegungsstunde wird
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