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Die Bacchanalien und der Bacchanalienfrevel 186 v. Chr. close

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Die Bacchanalien und der Bacchanalienfrevel 186 v. Chr.

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 15 Pages
Author: Chrstiane Baltes
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V119813
ISBN (E-book): 978-3-640-23389-2
ISBN (Book): 978-3-640-23398-4
File size: 141 KB

Abstract

Im Jahre 186 v. Chr. wurde die staatliche Ordnung nach Auffassung des römischen Senats von einem Geheimkult, den Bacchanalien, bedroht. Verschiedene politische Maßnahmen sollten die nächtlichen Treffen mit orgiastischem Charakter unterbinden und die Teilnehmenden bestrafen. Wie sich diese Repression im einzelnen darstellte und wie es dazu kam, ist bei Livius 39, 8-18, wahrscheinlich zwischen 20 und 15 v. Chr. verfasst und durch den Senatsbeschluss in einer Inschrift von 186 im Corpus Inscriptorum Latinarum überliefert. Ziel dieser Arbeit ist es, den von Livius verwendeten Begriff der Verschwörung (coniuratio) im Zusammenhang mit der Ausübung des Bacchus-Kultes zu bewerten und die Gefahr der Bacchanalien für den römischen Staat zu behandeln. Vor diesem Hintergrund wird auch die Frage nach der Rolle der Frau innerhalb des Kultes gestellt und ihre Verantwortung sowohl bei der Entdeckung der Bacchanalien als Gefahr für die tradierte römische Ordnung als auch für die Ausübung und Initiation der rituellen Handlungen analysiert. Dazu wird zu Beginn ein kurzer Überblick über die Entstehung der bacchischen Verehrung gegeben, worauf eine inhaltliche Darstellung der beiden genannten Quellen folgt. Im vierten Teil wird die Gefahr der Bacchanalien für den römischen Staat erläutert, um anschließend die Gegenmaßnahmen der Magistrate darzustellen. Der fünfte Teil beschäftigt sich schließlich mit der Rolle der Frauen während des Bacchanalienfrevels und in Kapitel sechs werden die zentralen Punkte der Arbeit zusammengefasst und bewertet. Die hier unternommenen Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr wurde anhand aktueller Forschungstendenzen versucht, eine überblicksartige Behandlung des Themas zu erreichen und zu einzelnen Fragen Impulse zu geben, wobei die jeweiligen Antworten aufgrund des gefassten Rahmens der Arbeit nur angerissen werden können.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt-Universität zu Berlin

Institut für Geschichtswissenschaften

HS Frauenkulte in Rom









Die Bacchanalien

und der Bacchanalienfrevel 186 v. Chr.




eingereicht von:


Christiane Baltes

Geschichte / Skandinavistik MA

5. Fachsemester


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

1. Einleitung 3

2. Ursprung und Entwicklung der Bacchanalien 3

3. Die Überlieferung der Bacchanalien bei Livius und im Corpus Inscriptorum Latinarum 5

4. Die Gefahr der Bacchanalien für den römischen Staat 6

4.1. Der Verschwörungsvorwurf 8

5. Die Gegenmaßnahmen der römischen Regierung 9

6. Die Rolle der Frauen während des Bacchanalienfrevels 10

7. Zusammenfassung 12

Literatur 14

2


1. Einleitung

Im Jahre 186 v. Chr. wurde die staatliche Ordnung nach Auffassung des römischen Senats von

einem Geheimkult, den Bacchanalien, bedroht. Verschiedene politische Maßnahmen sollten

die nächtlichen Treffen mit orgiastischem Charakter unterbinden und die Teilnehmenden

bestrafen. Wie sich diese Repression im Einzelnen darstellte und wie es dazu kam, ist bei

Livius 39, 8-18, wahrscheinlich zwischen 20 und 15 v. Chr. verfasst1 und durch den

Senatsbeschluss in einer Inschrift von 186 im Corpus Inscriptorum Latinarum überliefert.

Ziel dieser Arbeit ist es, den von Livius verwendeten Begriff der Verschwörung (

coniuratio

)

im Zusammenhang mit der Ausübung des Bacchus-Kultes zu bewerten und die Gefahr der

Bacchanalien für den römischen Staat zu behandeln. Vor diesem Hintergrund wird auch die

Frage nach der Rolle der Frau innerhalb des Kultes gestellt und ihre Verantwortung sowohl

bei der Entdeckung der Bacchanalien als Gefahr für die tradierte römische Ordnung als auch

für die Ausübung und Initiation der rituellen Handlungen analysiert. Dazu wird zu Beginn ein

kurzer Überblick über die Entstehung der bacchischen Verehrung gegeben, worauf eine

inhaltliche Darstellung der beiden genannten Quellen folgt. Im vierten Teil wird die Gefahr

der Bacchanalien für den römischen Staat erläutert, um anschließend die Gegenmaßnahmen

der Magistrate darzustellen. Der fünfte Teil beschäftigt sich schließlich mit der Rolle der

Frauen während des Bacchanalienfrevels und in Kapitel sechs werden die zentralen Punkte der

Arbeit zusammengefasst und bewertet.

Die hier unternommenen Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Vielmehr wurde anhand aktueller Forschungstendenzen versucht, eine überblicksartige

Behandlung des Themas zu erreichen und zu einzelnen Fragen Impulse zu geben, wobei die

jeweiligen Antworten aufgrund des gefassten Rahmens der Arbeit nur angerissen werden

können.

2. Ursprung und Entwicklung der Bacchanalien

Die mystische Verehrung des Weingottes Bacchus stammt aus Griechenland, wo derselbe Gott

unter dem Namen Dionysos angebetet wurde und in Italien umgangssprachlich auch unter

Liber Pater bekannt war. Die Verehrung des Liber implizierte allerdings weniger ekstatische

Riten als später die des Bacchus.2 Die Ausbreitung des Bacchus-Kultes erfolgte von

Griechenland über Süditalien, Etrurien bis nach Rom, wobei eine eindeutige zeitliche

1 Cancik-Lindemaier, Hildegard: Der Diskurs Religion im Senatsbeschluss über die Bacchanalia von 186 v. Chr.

und bei Livius (B. XXXIX), in: Geschichte-Tradition-Reflexion. Festschrift für Martin Hengel zum 70.

Geburtstag, hrsg. v. Hubert Cancik u.a., Bd. II: Griechische und Römische Religion, Tübingen 1996, S. 86.

2 Gruen, Erich S.: The Bacchanalian Affair, in: ders.: Studies in Greek Culture and Roman Policy, Cincinnati Cl

assical Studies, N.S. 7, Leiden/NY/Kopenhagen/Köln 1990, S. 39.

3


Einordnung nicht nur aufgrund der mangelnden Darstellung bei Livius3 und des Fehlens

weiterer Quellen, sondern auch wegen der inoffiziellen und im Verborgenen stattfindenden

Ausübung des Kultes unmöglich ist. Fest steht, dass es zur Zeit des hier behandelten

Senatsbeschlusses bereits Bacchanalien gab, diese aber 186 v. Chr. neue Merkmale in ihren

Kulthandlungen aufwiesen. Die Verbreitung des Kultes in Süditalien wird in der Forschung oft

auf die soziale Unzufriedenheit durch den Krieg mit Hannibal in Italien (218-203 v. Chr.)

zurückgeführt.4 Selbst ein 213 verfasstes Dekret zur Beschränkung fremder religiöser

Praktiken konnte dieser Ausbreitung nicht entgegen wirken.5

Als Gründer des Bacchus-Kultes wird ein namenloser Grieche genannt, der als Wahrsager

nächtliche Kulthandlungen abhielt und so den Aberglauben propagierte.6 Während der

Ausbreitung in Italien handelte es sich zunächst um einen reinen Frauenkult, in dem

verheiratete Frauen als Priesterinnen auftraten. Die Kulthandlungen fanden am Tage statt und

wurden an drei Festtagen im Jahr vollzogen. Die neuen Bedingungen, unter denen die

Bacchanalien zelebriert wurden, führt Livius auf die Kampanerin Paculla Annia zurück, die

den Kult auch für Männer öffnete ­ allen voran ihren Söhnen - , die Zahl der Festtage auf fünf

im Monat erhöhte und die Kulthandlungen vom Tag in die Nacht verlegte.7 Durch die

gemeinsame Teilnahme von Männern und Frauen und dem verstärkten Weingenuss sei es zu

sexueller Ausschweifung gekommen8, bei der die Beziehung von Männern zu Männern im

Mittelpunkt stand.

Von der ursprünglich für alle Bürger einzusehenden, eher selten vollzogenen, weiblichen

Verehrung des Weingottes entwickelten sich die Bacchanalien zu einem nächtlichen, in

dichten Abständen stattfindenden Mysterienkult, der Menschen unterschiedlichen Geschlechts

und sozialer Herkunft offen stand. Livius bemerkt außerdem die Einzigartigkeit in der Zahl

der am Kult Beteiligten und in der Betrachtung als Größtes aller römischen Übel.9

Die Bacchanalien waren 186 v. Chr. jedoch keine Neuheit. Diverse Anspielungen in den

Plautus-Komödien weisen auf einen hohen Bekanntheitsgrad der Bacchanalien hin und

3 Liv. XXXIX 8, 3 ­ 9, 1.

4 Nippel, Wilfried: Orgien, Ritualmorde und Verschwörung? Die Bacchanalien-Prozesse des Jahres 186 v. Chr.,

in: Ulrich Manthe, Jürgen v. Ungern-Sternberg: Große Prozesse der römischen Antike, München 1997, S. 71 ;

Gruen, S. 39; Rouselle, Robert: Persons′s in Livy′s Account of the Bacchic Persecution, in: Carl Deroux (Hg.):

Studies in Latin Literature and Roman History V, Brüssel 1989, S. 57.

5 Gruen, S. 39.

6 Liv. XXXIX 8, 3-4.

7 Liv. XXXIX 13, 8-9; Kraemer, Ross Shepard: Her Share of the Blessings. Women′s Religions Among Pagans,

Jews and Christians in the Greco-Roman World 1993, S. 43.

Kraemer, S. 43.

8 Liv. XXXIX 8, 6; Kowalewski, Barbara: Frauengestalten im Geschichtswerk des T. Livius, in: Beiträge zur

Altertumskunde hrsg. v. M. Erler, D. Gall u. a., Bd. 170, München/Leipzig 2002, S. 255.

9 Liv. XXXIX 16, 2.

4



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