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Jugendsprache

Subtitle: Untersuchung eines komplexen Phänomens im Lichte älterer und neuer Forschungen

Termpaper, 2008, 20 Pages
Author: Berit Eichler
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Event: Entwicklungstendenzen der deutschen Gegenwartssprache
Institution/College: University of Bremen (Sprach- und Literaturwissenschaften)
Tags: Jugendsprache, Entwicklungstendenzen, Gegenwartssprache
Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 20
Grade: 1
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V120070
ISBN (E-book): 978-3-640-24051-7
ISBN (Book): 978-3-640-24462-1

Abstract

Zu „Jugendsprache“, dem Thema meiner neuen Hausarbeit, hat jeder etwas zu sagen. Man schmunzelt über Begriffe, die man von Jugendlichen aufgeschnappt hat, schwelgt in Erinnerungen und staunt noch heute über die täppischen Versuche von Eltern und Lehrern, Jugendsprache zu sprechen. Aber benutzen wir nicht alle bei unseren Gespräch ab und zu jugendsprachliche Elemente? Oder handelt es sich dann um Umgangssprache, wenn die Sprechenden schon erwachsen sind? Was ist Jugendsprache eigentlich? Ist jedes Wort, das ein Jugendlicher äußert, Jugendsprache? Sind es bestimme Ausdrücke oder Tonlagen, die Jugendsprache bestimmen? Können auch Erwachsene Jugendsprache sprechen? Oder wird die Jugendsprache einer Generation automatisch zur Erwachsenensprache, sobald diese Generation volljährig ist? Existiert Jugendsprache überhaupt? In meiner Hausarbeit gehe ich diesen Fragen anhand älterer und neuerer Forschungsansätze nach. Dazu gebe ich zunächst einen Überblick über Forschungen zum Thema Jugendsprache. Anschließend stelle ich Helmut Hennes Vorschlag, Jugendsprache über die Betrachtung ihrer allgemeinen strukturellen Merkmale sowie ihrer Lexik zu fassen, dar. In Bezug darauf zeige ich am Beispiel des Eintrags über Jugendsprache bei ‘Wikipedia’ welche Popularität Ansätze dieser Art noch heute haben. Im dritten Teil erläutere ich, inwiefern spätere Forschungen diese Herangehensweise kritisieren und welche Ansätze sie stattdessen vorschlagen. Dabei konzentriere ich mich hauptsächlich auf den ethnographischen Ansatz, den Peter Schlobinski, Gaby Kohl und Irmgard Ludewigt in ihrem Buch „Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit“ (1993) vorstellen. Unter Punkt vier beleuchte ich mögliche Motivationen Jugendlicher, eine eigene Sprache zu sprechen. Ebenso wie bei den Annahmen bezüglich der Merkmale von Jugendsprache wird sich auch hier zeigen, dass die in der Öffentlichkeit verbreiteten Vorstellungen auf vorschnellen Schlüssen beruhen. Den Schluss bildet eine Darstellung des Verständnisses von Jugendsprache aus der Sicht von Jugendlichen selbst.


Excerpt (computer-generated)

Seminar: Entwicklungstendenzen der deutschen Gegenwartssprache

VAK: 10-408-GH-1307

SS 2008

Jugendsprache

Untersuchung eines komplexen Phänomens

im Lichte älterer und neuer Forschungen

vorgelegt von

Berit Eichler

9. Semester Deutsch LA (Sek I und II)


Inhalt

1. Einleitung 3

2. Anfänge und Entwicklung der Jugendsprachforschung 4

2.1 Konzentration auf die Lexik 5

2.2 Merkmale von Jugendsprache auf struktureller Ebene 5

Analysen von Helmut Henne und `Wikipedia′ 5

2.3 Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zu Jugendsprache 8

Ein Überblick 8

3. Jugendsprache im Kontext 9

3.1 Die Ethnographie des Sprechens 10

3.2 Elemente der Ausbildung jugendlichen Sprachstils: 10

Bricolage, Kontext und Symbole 10

3.3 Die Partikel ,ey′ 12

4. Warum sprechen Jugendliche Jugendsprache? 13

5. Jugendliche über Jugendsprache. Darstellung und Bewertung 15

5.1 Darstellung 15

5.2 Bewertung 16

6. Fazit 17

6.1 Nachtrag 17

Literatur 18

2


1. Einleitung

,,Beim Namen nennen die sich ja heute nicht mehr", meine Freundin (32 Jahre) schüttelt

verständnislos den Kopf, ,,da heißt es nur noch ,Digga′. Und dann diese ganze

Fäkalsprache...!" ,,Aber die gab es bei uns doch auch schon", kontert eine zweite,

,,Hauptsache es klang derb." ,,Am peinlichsten war immer, wenn mein Dad versucht hat,

Jugendsprache zu sprechen", mischt sich ein Freund ein, ,,der hatte irgendwo gehört, dass wir

Jugendlichen zu Erwachsenen ,Gruftis′ sagen, dabei hat das Wort mit dem Alter ja überhaupt

nichts zu tun." ,,Das hatte er bestimmt aus einem dieser Jugendsprache-Lexika. Da standen

sowieso immer total falsche Sachen drin... "

So oder ähnlich klingen die Kommentare, wenn ich von dem Thema meiner Hausarbeit

erzähle. Man schmunzelt über Begriffe, die man von Jugendlichen aufgeschnappt hat,

schwelgt in Erinnerungen und staunt noch heute über die täppischen Versuche von Eltern und

Lehrern,

Jugendsprache

zu sprechen. Aber benutzt man bei Gesprächen, wie dem oben

zitierten, nicht auch jugendsprachliche Elemente? Oder handelt es sich dann um

Umgangssprache, weil die Sprechenden schon erwachsen sind? Was ist

Jugendsprache

eigentlich? Ist jedes Wort, das ein Jugendlicher äußert,

Jugendsprache

? Sind es bestimme

Ausdrücke oder Tonlagen, die

Jugendsprache

bestimmen? Können auch Erwachsene

Jugendsprache

sprechen? Oder wird die

Jugendsprache

einer Generation automatisch zur

Erwachsenensprache, sobald diese Generation volljährig ist? Existiert

Jugendsprache

überhaupt?

In meiner Hausarbeit gehe ich diesen Fragen anhand älterer und neuerer Forschungsansätze

nach. Dazu gebe ich zunächst einen Überblick über Forschungen zum Thema

Jugendsprache

.

Anschließend stelle ich Helmut Hennes Vorschlag,

Jugendsprache

über die Betrachtung ihrer

allgemeinen strukturellen Merkmale sowie ihrer Lexik zu fassen, dar. In Bezug darauf zeige

ich am Beispiel des Eintrags über

Jugendsprache

bei `Wikipedia′ welche Popularität Ansätze

dieser Art noch heute haben. Im dritten Teil erläutere ich, inwiefern spätere Forschungen

diese Herangehensweise kritisieren und welche Ansätze sie stattdessen vorschlagen. Dabei

konzentriere ich mich hauptsächlich auf den ethnographischen Ansatz, den Peter Schlobinski,

Gaby Kohl und Irmgard Ludewigt in ihrem Buch ,,Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit"

(1993) vorstellen. Unter Punkt vier beleuchte ich mögliche Motivationen Jugendlicher, eine

eigene Sprache zu sprechen. Ebenso wie bei den Annahmen bezüglich der Merkmale von

Jugendsprache

wird sich auch hier zeigen, dass die in der Öffentlichkeit verbreiteten

3


Vorstellungen auf vorschnellen Schlüssen beruhen. Den Schluss bildet eine Darstellung des

Verständnisses von

Jugendsprache

aus der Sicht von Jugendlichen selbst.

Alle Zitate sind in der neuen Rechtschreibung wiedergegeben.

2. Anfänge und Entwicklung der Jugendsprachforschung

,,Forschungen zum Thema Jugendsprachen waren und sind ein Spiegelbild der jeweiligen

gesellschaftlichen Verhältnisse, der Meinungen und Haltungen gegenüber der Jugend im

jeweiligen historischen Kontext" (Schlobinski 2002: 15).

Die ersten Auseinandersetzungen mit der speziellen Sprechweise von jungen Menschen

konzentrierten sich auf die Ausdrucksweisen von Studenten und damit auf junge, männliche

Akademiker. Anfänge einer speziellen, deutschen Studentensprache werden bereits mit dem

Beginn des 16. Jahrhunderts datiert, wurden aber in der darauf folgenden Zeit nicht

eingehender beleuchtet. Eine im strengen Sinne wissenschaftliche Erforschung der

historischen Studentensprache setzte mit den Untersuchungen der hallischen

Studentensprache durch Meier (1894) und Kluges ,,Deutscher Studentensprache" (1895)

gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein. Dabei wurde die Studentensprache als Sondersprache

definiert und insbesondere ihr Einfluss auf den gesamtgesellschaftlichen Sprachstil analysiert.

Ab den 20er Jahren wurde diese Form der Erforschung studentischer Sprache jedoch nicht in

nennenswerter Weise weiterentwickelt (Neuland 2007: 91-93).

Der Beginn der Erforschung jugendlicher Sprechweisen über Geschlecht und Stand hinweg

und damit die Erforschung des Phänomens

Jugendsprache

ist nach Schlobinksi um 1945 zu

verorten. Mit dem Aufkommen des Rock ′n′ Roll in den 50er Jahren entwickelte sich ein

neues Verständnis von Jugend und jugendlicher Lebensweise, was zu einer Etablierung der so

genannten ,Jugendkultur′ führte. Diese Kultur wurde bald auch Gegenstand verschiedener

Wissenschaften. Speziell die Sprachforschung blieb dabei jedoch nicht frei von Wertungen.

Erhebungen zum Thema waren in den Anfängen immer in sprach- und ideologiekritische

Zusammenhänge eingebunden, wobei als zentraler Aspekt der Sprachverfall durch

Jugendsprache

akzentuiert wurde (Schlobinski 2002: 16).

4


2.1 Konzentration auf die Lexik

Da Jugendliche lange als am Rande der Gesellschaft stehend betrachtet wurden, wurden ihre

Ausdrucksformen als Sondersprache aufgefasst, welche demzufolge auf sondersprachliche

Merkmale hin untersucht wurden. Laut Schlobinski und Heins war dies die

Forschungsstrategie, die über Jahrzehnte verfolgt wurde und die sich hauptsächlich im

Sammeln von Wörtern niederschlug (Schlobinski, Heins 1998: 10). Ein Beispiel, ,,zu welchen

Abstrusitäten eine ideologisch voreingestellte Lexikographie führen kann", zeigt sich bei der

Betrachtung der Synonyme für ,Mädchen′, die Joachim Stave 1964 veröffentlichte. Unter

diesen befanden sich Bezeichnungen wie ,,

Ische, Brieze, Irze, Mosse, Schramma, Kante

" und

,,

Brumme

" (Stave 1964: 195). Schlobinski und Heins kritisieren, dass es sich bei den ersten

beiden Wörtern sowie bei ,Brumme′ um berlinerische Ausdrücke handelt und ,Schramma′

möglicherweise eine r-vokalisierte maskuline Form von ,Schramme′ ist. Es fand also keine

Einbeziehung des Kontextes in die Bedeutungsanalyse sowie keine regionale und soziale

Stratifizierung statt. Nach Schlobinski und Heins wurden Jugendliche pauschal stigmatisiert,

indem ihnen der Gebrauch dieser Wörter unreflektiert unterstellt wird (Schlobinski, Heins

1998: 11).

2.2 Merkmale von Jugendsprache auf struktureller Ebene

Analysen von Helmut Henne und `Wikipedia′

Über den beschriebenen Ansatz hinaus gibt es in der Forschung die Tendenz,

jugendsprachliche Ausdrücke unter bestimmte strukturelle Merkmale zu subsumieren.

Einer der bekanntesten Vertreter dieser Herangehensweise ist Helmut Henne. In seinem Buch

,,Jugend und ihre Sprache. Darstellung, Materialien, Kritik" (1986), schreibt er, dass

Jugendsprache

eine vorausgesetzte Standardsprache schöpferisch abwandelt, ,,stereotypisiert"

und ,,spezifische Formen ihres sprachlichen Spiels" (Henne 1986: 208) pflegt. Seiner Ansicht

nach ist

Jugendsprache

also keine homogene Varietät des Deutschen, sondern ein

,,spielerisches Sekundärgefüge" (ebd.: 208). Seine These stützt er auf eine

Fragebogenuntersuchung, die 1982 in 23 Klassen der Jahrgangsstufen acht bis elf

durchgeführt wurde (ebd.: 64-65). Henne fand heraus, dass

Jugendsprache

zu dieser Zeit

folgende strukturelle Merkmale aufwies:

5



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