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Subtitle: Analyse und Darstellung der wichtigsten Themen
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Jonas Lobgesang
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Hamburg
Tags: KURZ, SCHMERZLOS, Konflikt, Türkisch-, Filme“
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1.0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-24082-1
ISBN (Book): 978-3-640-24482-9
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Abstract
„Kurz und schmerzlos“ ist eine explosive Mischung aus Großstadtpoesie, realistischem Sozialdrama und Kino-Mythen. Der Film widmet sich dem Thema „Migration“ per Genre Gangsterfilm, innerhalb dessen eine Balance zwischen Komödie und Thriller, Drama und Tragödie gehalten wird. Ich werde in meiner Hausarbeit versuchen den Film zunächst filmhistorisch einzuordnen und über eine Filmanalyse schließlich zu der filmischen Umsetzung des Themas „Migration“ in „kurz und schmerzlos“ gelangen. Der Film „Kurz und schmerzlos“ „trifft die Wirklichkeit weitaus genauer als viele gut gemeinte Filme, die das Thema "Integration" problematisieren“ , schreibt H. G. Pflaum, eine Qualität, die die Kritiker dem Film allgemein attestieren. Der Regisseur Fatih Akin hat türkische Wurzeln und ist in dem Hamburger Stadtteil Altona aufgewachsen, der für seine multikulturellen Bewohner bekannt ist. Sein Film erzählt eine Geschichte, die ihre Handlungen und Charaktere aus dem Leben Akins und seinem Umfeld schöpft. Der Film zeichnet sich auch durch seinen Verzicht auf eine anstrengende Suche nach Schuldigen und Verantwortlichen, Ursachen und Auswegen aus: Akin fehlt jegliches Mitleid in Bezug auf die Probleme seiner Charaktere. „kurz und schmerzlos“ ist daher in die die Reihe der Métissage-Filme einzuordnen, die im Gegensatz zu dem zeitlich vorangegangenen „Kino der Fremdheit“ stehen.
Excerpt (computer-generated)
KURZ UND SCHMERZLOS -
EIN FILM VON FATIH AKIN
EINE HAUSARBEIT VON JONAS LOBGESANG
,,Integration und Konflikt. Türkisch- deutsche Filme"
Wintersemester 05/06
Jonas Lobgesang
INHALTSVERZEICHNIS
KURZ UND SCHMERZLOS 3
Das ,,Kino der Métissage" 3
Fatih Akin 5
Filmanalyse 7
Handlung 7
Handlungsaufbau 8
Figurenanalyse 9
Gabriel 9
Bobby 10
Costa 10
Analyse der ästhetischen Bauformen 11
Ästhetische Inszenierung der Hauptpersonen 12
Die stilistische Umsetzung: Die Kamera 12
Die stilistische Umsetzung: Schnitt 13
Die stilistische Umsetzung: Musik 13
Die angewandte Symbolik 14
Die Themen Integration & Migration 16
Die Urbanität als Charakter 16
Der Einfluss verschiedener Kulturen 17
Die Rolle der Religion 18
Familie und Freundschaft 18
Der Generationenkonflikt 19
,,Integration" 19
QUELLENVERZEICHNIS 21
Bücher 21
Aufsätze, Zeitschriften, Artikel 21
2
KURZ UND SCHMERZLOS
,,Kurz und schmerzlos" ist eine explosive Mischung aus Großstadtpoesie, realistischem
Sozialdrama und Kino-Mythen. Der Film widmet sich dem Thema ,,Migration" per Genre
Gangsterfilm, innerhalb dessen eine Balance zwischen Komödie und Thriller, Drama und
Tragödie gehalten wird. Ich werde in meiner Hausarbeit versuchen den Film zunächst
filmhistorisch einzuordnen und über eine Filmanalyse schließlich zu der filmischen
Umsetzung des Themas ,,Migration" in ,,kurz und schmerzlos" gelangen.
Der Film ,,Kurz und schmerzlos" ,,trifft die Wirklichkeit weitaus genauer als viele gut
gemeinte Filme, die das Thema "Integration" problematisieren"1, schreibt H. G. Pflaum, eine
Qualität, die die Kritiker dem Film allgemein attestieren.
Der Regisseur Fatih Akin hat türkische Wurzeln und ist in dem Hamburger Stadtteil Altona
aufgewachsen, der für seine multikulturellen Bewohner bekannt ist. Sein Film erzählt eine
Geschichte, die ihre Handlungen und Charaktere aus dem Leben Akins und seinem Umfeld
schöpft. Der Film zeichnet sich auch durch seinen Verzicht auf eine anstrengende Suche nach
Schuldigen und Verantwortlichen, Ursachen und Auswegen aus: Akin fehlt jegliches Mitleid
in Bezug auf die Probleme seiner Charaktere. ,,kurz und schmerzlos" ist daher in die die
Reihe der Métissage-Filme einzuordnen, die im Gegensatz zu dem zeitlich vorangegangenen
,,Kino der Fremdheit" stehen.
Das ,,Kino der Métissage"
In den achtziger Jahren teilt sich das Kino, das sich inhaltlich mit Migranten in Deutschland
beschäftigt, in zwei Richtungen. Dem so genannten ,,Kino der Fremdheit" oder
,,Migrantenkino", das den Film als sozial-realistisches Genre inszeniert, steht nun das
,,
Kino
der Métissage" gegenüber, ein Kino, ,,das von der Unumkehrbarkeit der kulturellen
Verschmelzung, vom Leben in zwei Kulturen (mindestens) erzählt."2
Das ,,Kino der Fremdheit", präsentiert durch Filmemacher wie Tevik Baser (Regisseur u.a.
von ,,40 qm Deutschland" 1986), beschreibt eine Stimmung des gescheiterten
Zusammenlebens der Kulturen: ,,Alle Vermischung kann nur Missverständnis sein und das
Leben in der anderen Kultur nur schreckliche Verbannung"3, schreibt Georg Seeßlen dazu.
Die Migranten werden als Opfer am Rande der Gesellschaft dargestellt unfähig zur
1 Hans Günther Pflaum ,,Kurz und schmerzlos" in www.goethe.de (vollständige e-net Seiten immer im
Quellenverzeichnis)
2 Georg Seeßlen ,,Das Kino der doppelten Kulturen" in epd Film 12/2000 in http://www.epd.de
3 a.a.O. Seeßlen ,,Das Kino der doppelten Kulturen"
3
Kommunikation und Interaktion. Menschen mit Migrationshintergrund als chancenlose Opfer
der Gesellschaft ohne Perspektive zu präsentieren wird in den Métissage - Filmen abgelehnt
und das ist der große Unterschied zwischen dem ,,Kino der Fremdheit" und dem ,,Kino der
Métissage". Im Filmlexikon heißt es zum Begriff des Métissage - Kinos: ,,Das ,,Cinema du
métissage" bezeichnet das Kino von Einwanderern und Migrantenkindern in ihrer "zweiten"
Heimat bzw. Filme, in deren Vordergrund die Lebensbedingungen transnationaler,
multikultureller Grenzgänger (vorwiegend) in der Großstadt stehen."4 Das ,,Kino der
Métissage" basiert wiederum auf dem "Cinema Beur", das schon in den 60er und 70er Jahren
entstand, als erstmals die Probleme ethnischer Minderheiten in der französischen Gesellschaft
filmisch thematisiert wurden. Ab Mitte der Achtziger begann die zweite Phase des ,,Cinema
Beur", in der die Alltagsprobleme in den Vorstädten zum zentralen Thema wurden. Mit ,, Der
Tee im Harem des Archimedes" von Mehdi Charef erreichte das ,,Cinema Beur" 1985
erstmals ein breites Publikum. Das ,,Kino der Métissage" ist ein europäisches Kino, das, nicht
zuletzt aufgrund des Migrationshintergrunds seiner Filmemacher, Ähnlichkeiten zu dem US -
amerikanischen ,,New Hollywood Kino" der 60er und 70er Jahre aufweist.5 Das ,,Kino der
Métissage" glaubt weder an die Träume der Eltern von einer Heimkehr, noch an das Märchen
von der Integration. Das Leben in der ,,Métissage" (zu deutsch ,,Mischform") bedeutet ein
Leben zwischen den kulturellen Einflüssen, in denen man gleichzeitig und doch wieder nicht
ganz zu Hause ist und die eine neue Kultur entstehen lassen. Das ,,Kino der Métissage" zeigt
keine wirkliche Fremdheit mehr, sondern beschreibt die Unterschiede
des täglichen Lebens in
zwei oder mehreren Kulturen. Die Filmemacher gehen dabei gegen Vorurteile vor, spielen mit
ihnen, und sie vermeiden es eine Seite nur gut oder nur schlecht darzustellen. Yüksel Yavuz
beispielsweise zeigt in seinem Film ,,Aprilkinder" (1998), wie die Kinder der ehemaligen
Gastarbeiter eine Art Doppelleben führen. Ausgestattet mit zwei Sprachen springen sie
zwischen Freunden und Eltern, zwischen zwei Welten hin und her. Dabei müssen die
Protagonisten die eigenen Wünschen in diesen so unterschiedlichen Lebensentwürfen erst
finden. Der Held der Métissage ist ein Überlebenskünstler, der begreift, dass er auf die
chaotische Situation mit Kreativität reagieren muss.6 Die Filmemacher der Métissage drücken
diese neue, frische und hoffnungsvollere Sicht auch in ihrem Stil aus: ,,Sie verbindet", so
schreibt G. Seeßlen, ,,eine Ästhetik der Furchtlosigkeit im Umgang mit Bildern und
4 http://www.filmportal.de
5 vgl. a.a.O. Seeßlen ,,Das Kino der doppelten Kulturen"
6 vgl. a.a.O. Seeßlen ,,Das Kino der doppelten Kulturen"
4
Selbstbildern".7 Der Métissagebegriff ist an sich ist sehr allgemein, weil er wiederum in
verschiedene Genres unterteilt werden kann. ,,Kurz und schmerzlos" ist eindeutig ein Film der
Métissage, aber auch ein Gangsterfilm. Seeßlen schreibt zu Kurz und schmerzlos in diesem
Zusammenhang: ,,Fatih Akins Hamburger Gangsterfilm Kurz und schmerzlos (1997) führt
zum ersten Mal in eine Welt, die der französische und der britische Film längst als Genre-
Hintergrund konstatiert, in der sehr unterschiedliche Métissage- Erfahrungen noch einmal in
einem dynamischen Milieu miteinander vermischt sind."8
Regisseure wie Fatih Akin nutzen die Tatsache, zwischen zwei Kulturen aufgewachsen zu
sein, als Chance etwas ganz Neues zu entwerfen und bedienen sich inhaltlich und
filmästhetisch aus den verschiedenen Kinotraditionen.
Fatih Akin
Fatih Akin wird 1973 in Hamburg geboren. Seine Eltern sind Türken, der Vater Arbeiter, die
Mutter Lehrerin. Er übernimmt nach dem Abitur kleine Theater- später auch Fernsehrollen als
Schauspieler. Mit seinem ersten Kurzfilm ,,Sensin Du bist es!" (1995) bekommt er den
Publikumspreis des Hamburger Kurzfilmfestivals, auch das Nachfolgeprojekt ,,Getürkt"
(1996) erhält mehrere Auszeichnungen. Mit dem Langfilm-Debüt ,,Kurz und schmerzlos"
(1997) (80.000 Zuschauer) hat er den nötigen Erfolg, um weitere Projekte zu realisieren. ,,Im
Juli" (2000) und ,,Solino" (2002) sind beide mit jeweils ca. 600.000 Zuschauern deutsche
Kinoerfolge. Nebenbei realisiert er den Dokumentarfilm ,,Wir haben vergessen
zurückzukehren" (2000). Akin bleibt weiter als Schauspieler aktiv und dreht auch Videoclips,
arbeitet als DJ und gründet 2003 mit ,,Corazón International" eine eigene Produktionsfirma.
Fatih Akin hat mit ,,Gegen die Wand" seinen internationalen Durchbruch geschafft. In naher
Zukunft wird er die Triologie, von der ,,Gegen die Wand" der erste Film war, komplettieren.
Zunächst aber hat er ,,Crossing The Bridge The Sound of Istanbul" realisiert eine
Dokumentation über das Musikleben Istanbuls.9
Die autobiografischen Einflüsse auf Akins Arbeit sind unübersehbar. Und der Regisseur
bestätigt die Nähe des Films zum wirklichen Leben. Im Gespräch über seinen Film ,,Gegen
7 Georg Seeßlen ,,Zwischen den Kulturen - Das Kino der dritten Migranten-Generation" in
www.goethe.de
8 a.a.O. Seeßlen ,,Das Kino der doppelten Kulturen"
9 Claus Löser ,,Berlin am Bosporus" in www.film-dienst.kim-info.de
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