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‘A choice of nightmares’: Der Trieb-Kultur-Konflikt in Texten von William Shakespeare, Emily Brontë, Joseph Conrad und Ian McEwan

Diploma Thesis, 2008, 115 Pages
Author: Stephan Ester
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2008
Pages: 115
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 50  Entries
Language: German
Archive No.: V120151
ISBN (E-book): 978-3-640-23774-6
ISBN (Book): 978-3-640-23876-7
File size: 507 KB

Abstract

Der Dualismus von Natur und Kultur sowie die Beziehung des Menschen zu beiden bilden seit jeher ein zentrales Motiv der Literatur unterschiedlichster Gattungen und Epochen. Da der Mensch als hybrides Natur- und Kulturwesen stets in beide Sphären verstrickt ist, ist zu erwarten, dass sein Verhältnis zu beiden stets ambivalent und potenziell konfliktbehaftet sein wird und er Strategien entwickeln muss, um diesen Konflikt zu überbrücken oder zumindest zu entschärfen. Es sind ebendiese Überlegungen, welche Sigmund Freud in seinem Essay Das Unbehagen in der Kultur aufgreift und zu einer umfassenden Theorie der Entstehung und Entwicklungsdynamik menschlicher Kultur weiterentwickelt. In dieser Hinsicht weisen Untersuchungsgegenstand und Zielsetzung seiner Arbeit eine beträchtliche Schnittmenge mit dem Reflexionspotential literarischer Texte auf, welche sich ebenfalls mit der Dynamik individueller und kollektiver Kulturentwicklung bzw. Kulturversagung auseinandersetzen. Während sich die Theorie Freuds und vergleichbare Kulturtheorien jedoch zumeist auf einer makrosoziologischen und metapsychologischen Ebene bewegen, stellen literarische Texte vielmehr Fallstudien oder Gedankenexperimente dar, welche kulturtheoretische und kulturkritische Überlegungen auf individueller, innerpsychischer Ebene inszenieren und diskutieren. Hierbei kommt ihnen insofern besondere Bedeutung zu, als dass sie gerade die Übertretung und Zurückweisung kultureller Normen und Zwänge auf eine Art und Weise durchspielen können, welche in der realen Welt nur sehr begrenzt möglich wäre und mitunter erhebliche Sanktionen nach sich ziehen würde. Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit sind daher vier Texte der britischen Literatur, welche den Konflikt von Trieb und Kultur thematisieren und unter jeweils verschiedenen Vorzeichen diskutieren. Dies sind im Einzelnen William Shakespeares Römerdrama Antony and Cleopatra, Emily Brontës Roman Wuthering Heights, Joseph Conrads Erzählung Heart of Darkness sowie Ian McEwans Roman The Cement Garden. Es soll dabei vor allem erläutert werden, wie das Triebleben des Menschen als Motor der Kulturentwicklung wirkt, wieso die wechselseitige Dynamik zwischen Trieb und Kultur – sowie der menschlichen Triebe untereinander – zwangsläufig zu tiefgreifenden Widersprüchen und Konflikten auf individueller wie auf gesellschaftlicher Ebene führen muss sowie die Frage, ob es überhaupt Wege aus dem Dilemma von Triebbedürfnis und kultureller Triebversagung geben kann.


Excerpt (computer-generated)

Universität Mannheim
Anglistisches Seminar

Diplomarbeit

Lehrstuhl Anglistik ... II
April 2008

‘A choice of nightmares’: Der Trieb-Kultur-Konflikt in Texten
von William Shakespeare, Emily Brontë, Joseph Conrad und Ian McEwan

Vorgelegt von:
Stephan Ester


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 1

2. Theoretischer Teil: Freuds Kulturtheorie in Das Unbehagen in der Kultur ... 4

2.1 Wofür überhaupt Kultur? ... 4
2.2 Der Ursprung des kulturellen Unbehagen ... 6
2.3 Die (Un-)Lösbarkeit des Unbehagens in der Kultur ... 7
2.4 Kritik und Modifikationen: Kritische Theorie ... 9

3. William Shakespeare, Antony and Cleopatra ... 13

3.1 Die Signifikanz von Dichotomien und Alterität für das Stück ... 14
3.1.1 Die Dichotomie Rom – Ägypten ... 14
3.1.2 Antonys Dilemma ... 15

3.2 Antony and Cleopatra aus Sicht der Freudschen Kulturkritik ... 18
3.2.1 Rom und Ägypten als Paradigma von Kultur und Trieb ... 18
3.2.2 Antony, Cleopatra und der Ero ... 19
3.2.3 Die Signifikanz des Todestriebs für das Stück ... 21
3.2.4 Octavius Caesar: ein römisches Über-Ich? ... 23
3.2.5 Antonys Versuch der Synthese und sein Scheitern ... 26

3.3 Fazit ... 28

4. Emily Brontë, Wuthering Heights ... 30

4.1 Kulturelle und soziale Spannungsfelder in Wuthering Height ... 31
4.1.1 Die Abgrenzung der Sphären ‚Stadt‘, ‚Land‘ und ‚Wildnis‘ ... 31
4.1.2 Die Opposition von Wuthering Heights und Thrushcross Grange ... 34

4.2 Die Kulturkritik in Wuthering Heights aus Freudscher Perspektive ... 36
4.2.1 Krankheit als Ausdruck kultureller Neurosen ... 37
4.2.2 Heathcliff als monomanischer Kulturmensch ... 40
4.2.3 Eine Liaison von Kultur und Trieb? Zwei Generationen im Vergleich ... 46

4.3 Schlussfolgerung ... 49

5. Joseph Conrad, Heart of Darkne ... 51

5.1 Anthropologischer und kolonialer Kontext ... 52
5.1.1 Zivilisation und Barbarei als Funktion von Evolution und Regression ... 52
5.1.2 Kolonialismus als Menschheitsbestimmung? ... 55

5.2 Der Trieb-Kultur-Konflikt in Heart of Darkness ... 57
5.2.1 Kulturversagung und Kulturbehauptung bei den Europäern ... 58
5.2.2 Die ‚barbarische‘ Gemeinschaft der Afrikaner ... 62
5.2.3 Die Verbannung des Ero ... 65
5.2.4 Kurtz: barbarisches Es oder kulturelles Über-Ich? ... 67
5.2.5 Marlows ‚choice of nightmares‘ ... 72

5.3 Ergebnisse ... 76

6. Ian McEwan, The Cement Garden ... 78

6.1 Ausgangssituation: Patriarchalische Gesellschaft und kränkliche Zivilisation ... 79
6.1.1 Das brüchige Regiment des Vater ... 79
6.1.2 Der zementierte Garten als Symbol einer verfehlten Kultur ... 82
6.1.3 Formen und Funktion der Männlich-Weiblich-Dichotomie im Roman ... 83

6.2 The Cement Garden als Parabel kulturellen Unbehagens ... 85
6.2.1 Die Erosion der Kultur ... 86
6.2.2 Inzestuöse Geschwistergemeinschaft als Alternative? ... 89
6.2.3 Das väterliche Über-Ich zwischen Schuldgefühl und Auflehnung ... 92
6.2.4 Derek als ambivalenter Kulturmensch ... 96

6.3 Fazit ... 100

7. Schlussbetrachtung ... 102

8. Bibliographie ... 107


1. Einleitung

Der Dualismus von Natur und Kultur sowie die Beziehung des Menschen zu beiden bilden seit jeher ein zentrales Motiv der Literatur unterschiedlichster Gattungen und Epochen. Da der Mensch als hybrides Natur- und Kulturwesen stets in beide Sphären verstrickt ist, ist zu erwarten, dass sein Verhältnis zu beiden stets ambivalent und potenziell konfliktbehaftet sein wird und er Strategien entwickeln muss, um diesen Konflikt zu überbrücken oder zumindest zu entschärfen. Es sind ebendiese Überlegungen, welche Sigmund Freud in seinem Essay Das Unbehagen in der Kultur (1930) aufgreift und zu einer umfassenden Theorie der Entstehung und Entwicklungsdynamik menschlicher Kultur weiterentwickelt. Seine Absicht lässt sich dabei wie folgt charakterisieren:

Freud geht es im Unbehagen keineswegs darum, die Kultur als Unterdrückungsinstanz herauszustellen. [...] Sein Interesse gilt vielmehr der Entstehungsdynamik von Kultur, er will Licht auf die Ursprünge unserer großen kulturellen Institutionen, der Religion, der Sittlichkeit, des Rechts usw. werfen.

In dieser Hinsicht weisen Untersuchungsgegenstand und Zielsetzung seiner Arbeit eine beträchtliche Schnittmenge mit dem Reflexionspotential literarischer Texte auf, welche sich ebenfalls mit der Dynamik individueller und kollektiver Kulturentwicklung bzw. Kulturversagung auseinandersetzen. Während sich die Theorie Freuds und vergleichbare Kulturtheorien jedoch zumeist auf einer makrosoziologischen und metapsychologischen Ebene bewegen, stellen literarische Texte vielmehr Fallstudien oder Gedankenexperimente dar, welche kulturtheoretische und kulturkritische Überlegungen auf individueller, innerpsychischer Ebene inszenieren und diskutieren. Hierbei kommt ihnen insofern besondere Bedeutung zu, als dass sie gerade die Übertretung und Zurückweisung kultureller Normen und Zwänge auf eine Art und Weise durchspielen können, welche in der realen Welt nur sehr begrenzt möglich wäre und mitunter erhebliche Sanktionen nach sich ziehen würde.
Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit sind daher vier Texte der britischen Literatur, welche den Konflikt von Trieb und Kultur thematisieren und unter jeweils verschiedenen Vorzeichen diskutieren. Dies sind im Einzelnen William Shakespeares Römerdrama Antony and Cleopatra, Emily Brontës Roman Wuthering Heights, Joseph Conrads Erzählung Heart of Darkness sowie Ian McEwans Roman The Cement Garden. Kapitel 2 liefert zunächst den theoretischen Rahmen der Arbeit und dient der Darstellung der Kulturtheorie Sigmund Freuds, soweit sie zur Analyse der besprochenen Texte relevant ist. Es soll dabei vor allem erläutert werden, wie das Triebleben des Menschen als Motor der Kulturentwicklung wirkt, wieso die wechselseitige Dynamik zwischen Trieb und Kultur – sowie der menschlichen Triebe untereinander – zwangsläufig zu tiefgreifenden Widersprüchen und Konflikten auf individueller wie auf gesellschaftlicher Ebene führen muss sowie die Frage, ob es überhaupt Wege aus dem Dilemma von Triebbedürfnis und kultureller Triebversagung geben kann. Darüber hinaus soll anhand der Freud-Rezeptionen Horkheimers und Adornos sowie Marcuses im Kontext der Kritischen Theorie exemplarisch auf spätere Kritik bzw. Modifikationen der Freudschen Kulturtheorie eingegangen werden, um zu einer umfassenden Darstellung ihres Deutungspotenzials sowie auch der Grenzen ihrer Erklärungskraft zu gelangen.

[...]


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