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Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik

Classic, 2008, 32 Pages
Author: Max Weber
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Details

Category: Classic
Year: 2008
Pages: 32
Language: German
Archive No.: V120310
ISBN (E-book): 978-3-640-23723-4
ISBN (Book): 978-3-640-23904-7
File size: 213 KB

Abstract

Akademische Antrittsrede von Dr. Max Weber, o. ö. Professor der Staatswissenschaft in Freiburg i. B. , erstmalig erschienen 1895. Vorbemerkung: Nicht die Zustimmung, sondern der Widerspruch, welchen die nachstehenden Ausführungen bei vielen ihrer Hörer fanden, veranlaßten mich, sie zu veröffentlichen. Sachlich Neues werden sie Fachgenossen wie Andern nur in Einzelheiten bringen, und in welchem speziellen Sinn allein sie den Anspruch auf das Prädikat der „Wissenschaftlichkeit“ erheben, ergiebt sich aus der Veranlassung ihres Entstehens. Eine Antrittsrede bietet eben Gelegenheit zur offenen Darlegung und Rechtfertigung des persönlichen und insoweit „subjektiven“ Standpunktes bei der Beurteilung volkswirtschaftlicher Erscheinungen. Die Ausführungen S. 20–24 hatte ich mit Rücksicht auf Zeit und Hörerkreis fortgelassen, andere mögen beim Sprechen eine andere Form angenommen haben. Zu den Darlegungen im Eingang ist zu bemerken, daß die Vorgänge hier naturgemäß wesentlich vereinfacht gegenüber der Wirklichkeit dargestellt werden. Die Zeit von 1871– 1885 zeigt in den einzelnen Kreisen und Gemeinden Westpreußens keine einheitlichen, sondern charakteristisch wechselnde Bevölkerungsbewegungen, die keineswegs durchweg so durchsichtig sind wie die herausgegriffenen Beispiele. Die Tendenz, welche an diesen zu veranschaulichen versucht ist, wird in anderen Fällen durch andere Momente durchkreuzt. Darauf werde ich demnächst ausführlicher an anderem Ort zurückkommen. Daß die Resultate, welche diese Zahlen bieten können, auf unsichereren Füßen stehen als diejenigen, welche die verdienstlichen Veröffentlichungen mehrerer Schüler Neumanns uns über die Nationalitätsverhältnisse in Posen und Westpreußen geliefert haben, liegt auf der Hand. Aber in Ermangelung korrekten Materials müssen wir uns vorerst mit ihnen begnügen, zumal die Erscheinungen, welche sie veranschaulichen, uns in ihren Hauptzügen bereits aus den ländlichen Enqueten der letzten Jahre bekannt sind.


Fulltext (computer-generated)

Max Weber

Der Nationalstaat und die

Volkswirtschaftpolitik

[Akademische Antrittsrede von Dr. Max Weber, o. ö. Professor der

Staatswissenschaft in Freiburg i. B. , erstmalig erschienen 1895]


Vorbemerkung

.

Nicht die Zustimmung, sondern der Widerspruch, welchen die

nachstehenden Ausführungen bei vielen ihrer Hörer fanden,

veranlaßten mich, sie zu veröffentlichen. Sachlich Neues werden sie

Fachgenossen wie Andern nur in Einzelheiten bringen, und in

welchem speziellen Sinn allein sie den Anspruch auf das Prädikat

der ,,Wissenschaftlichkeit" erheben, ergiebt sich aus der

Veranlassung ihres Entstehens. Eine Antrittsrede bietet eben

Gelegenheit zur offenen Darlegung und Rechtfertigung des

persönlichen und insoweit ,,subjektiven" Standpunktes bei der

Beurteilung

volkswirtschaftlicher Erscheinungen. Die Ausführungen

S. 20­24 hatte ich mit Rücksicht auf Zeit und Hörerkreis

fortgelassen, andere mögen beim Sprechen eine andere Form

angenommen haben. Zu den Darlegungen im Eingang ist zu

bemerken, daß die Vorgänge hier naturgemäß wesentlich vereinfacht

gegenüber der Wirklichkeit dargestellt werden. Die Zeit von 1871­

1885 zeigt in den einzelnen Kreisen und Gemeinden Westpreußens

keine einheitlichen, sondern charakteristisch wechselnde

Bevölkerungsbewegungen, die keineswegs durchweg so durchsichtig

sind wie die herausgegriffenen Beispiele. Die Tendenz, welche an

diesen zu veranschaulichen versucht ist, wird in anderen Fällen

durch andere Momente durchkreuzt. Darauf werde ich demnächst

ausführlicher an anderem Ort zurückkommen. Daß die Resultate,

welche diese Zahlen bieten können, auf unsichereren Füßen stehen

als diejenigen, welche die verdienstlichen Veröffentlichungen

mehrerer Schüler

Neumanns

uns über die Nationalitätsverhältnisse in

Posen und Westpreußen geliefert haben, liegt auf der Hand. Aber in

Ermangelung korrekten Materials müssen wir uns vorerst mit ihnen

begnügen, zumal die Erscheinungen, welche sie veranschaulichen,

uns in ihren Hauptzügen bereits aus den ländlichen Enqueten der

letzten Jahre bekannt sind.

Freiburg

, Mai 1895.

Max Weber.

2


Die Fassung meines Themas verspricht weit mehr als ich heute

halten kann und will. Was ich beabsichtige, ist zunächst: an

einem
Beispiel

die Rolle zu veranschaulichen, welche die physischen und

psychischen Rassendifferenzen zwischen Nationalitäten im

ökonomischen Kampf ums Dasein spielen. Daran möchte ich einige

Betrachtungen über die Stellung der auf nationaler Grundlage

ruhenden Staatswesen ­ wie es das unsrige ist ­ im Rahmen der

volkswirtschaftspolitischen Betrachtung knüpfen. ­ Ich wähle für

jenes Beispiel einen Kreis von Vorgängen, die örtlich fern von uns

sich abspielen, aber seit einem Jahrzehnt die öffentliche

Aufmerksamkeit wiederholt erregt haben ­ und bitte Sie, mir in die

Ostmarken des Reiches, auf das platte Land der preußischen

Provinz

Westpreußen

zu folgen. Dieser Schauplatz verbindet die

Eigenschaft eines nationalen Grenzlandes mit ungewöhnlich

schroffen Unterschieden der ökonomischen und sozialen

Existenzbedingungen, und dies empfiehlt ihn für unseren Zweck.

Ich kann leider nicht umhin, Ihre Geduld zunächst für eine Reihe

trockener Daten in Anspruch zu nehmen.

Die Provinz umschließt in ihren Landdistrikten Gegensätze von

dreierlei Art.

Zunächst außerordentliche Verschiedenheiten in der

Güte des
Ackerbodens

: ­ von den Zuckerrübenböden der Weichselebene bis

auf die sandige kassubische Höhe liegen Unterschiede in der

Steuerreinertragsschätzung um das 10- und 20fache. Selbst die

Kreisdurchschnitte schwanken zwischen 4¾ und 33 Mk. pro ha.

Gegensätze ferner in der

sozialen Schichtung

der Bevölkerung, die

diesen Boden bebaut. Wie im Osten überhaupt, kennen auch hier

die amtlichen Aufnahmen neben der ,,Landgemeinde" eine zweite

dem Süden unbekannte Form der kommunalen Einheit: den

,,Gutsbezirk". Und dem entsprechend heben sich im

Landschaftsbilde zwischen den Dörfern der Bauern die Rittergüter

ab, die Sitze der Klasse, welche dem Osten sein soziales Gepräge

3


giebt: der Junker ­, Herrenhöfe, umgeben von den einstöckigen

Kathen, welche der Gutsherr nebst Ackerstücken und Weide den

Tagelöhnern anweist, die das Jahr über zur Arbeit auf dem Hofe

verpflichtet sind. Etwa je zur Hälfte ist die Fläche der Provinz

zwischen beide verteilt. Aber in den einzelnen Regionen schwankt

der Anteil der Gutsbezirke von wenigen Prozenten bis zu der

Fläche der Kreise.

Endlich innerhalb dieser dergestalt in zweifacher Art sozial

geschichteten Bevölkerung der dritte Gegensatz: derjenige der

Nationalitäten

. Und auch die nationale Zusammensetzung der

Bevölkerung der einzelnen Gemeindeeinheiten ist regional eine

verschiedene.

Diese

Verschiedenheit ist es, welche uns interessiert.

Dichter wird das Polentum zunächst ­ natürlich ­ mit Annäherung

an die Grenze. Es nimmt aber ferner, wie jede Sprachenkarte zeigt,

zu

mit

ab

nehmender Güte des Bodens. Das wird man ­ nicht überall

mit Unrecht ­ zunächst historisch erklären wollen aus der Art der

deutschen Okkupation, welche zuerst das fruchtbare Weichselthal

überflutete. Allein wenn man nun weiter fragt: welche

sozialen
Schichten

sind auf dem Lande die Träger des Deutschtums und des

Polentums? ­ so zeigen uns die Ziffern der bisher zuletzt

publizierten1 Bevölkerungsaufnahme von 1885 ein merkwürdiges

Bild. Aus dieser Aufnahme können wir zwar die nationale

Zusammensetzung der Gemeinden nicht direkt, wohl aber ­ wenn

wir uns mit einer nur annähernden Richtigkeit der Ziffern zufrieden

geben ­ indirekt entnehmen: durch das Mittelglied der Konfession,

die innerhalb des für uns in Betracht kommenden national

gemischten Gebietes mit der Nationalität bis auf wenige Prozente

zusammentrifft. Scheiden wir die ökonomischen Kategorien der

Bauerndörfer und der Rittergüter in den einzelnen Gegenden,

indem wir sie, gleichfalls ungenau, mit den Kommunaleinheiten2 der

Landgemeinden bezw. Gutsbezirken identifizieren, so zeigt sich, daß

sie sich je nach der Bodengüte in Bezug auf ihre nationale

Zusammensetzung

entgegengesetzt

von einander verhalten: in den

fruchtbaren Kreisen sind die Katholiken, d. h. die

Polen

, relativ am

4


stärksten auf den

Gütern

und die Evangelischen, d. h. die

Deutschen

,

in den

Dörfern

zu finden, ­ und gerade umgekehrt steht es in den

Kreisen mit schlechtem Boden. Faßt man z. B. die Kreise mit unter

fünf Mark Durchschnittssteuerreinertrag pro Hektar zusammen, so

sind in den Dörfern nur 35,5 %, auf den Gütern 50,2 %

Evangelische, nimmt man dagegen die Kreisgruppe, welche 10 bis

15 Mark Durchschnittssteuerreinertrag pro Hektar umfaßt, so sind

die Evangelischen in den Dörfern mit 60,7 %, auf den Gütern nur

mit 42,1 % beteiligt. Wie kommt das? Warum sind in der Ebene die

Güter, auf der Höhe die Dörfer die Sammelbecken des Polentums?

Eins sieht man alsbald:

die Polen haben die Tendenz sich in der ökonomisch
und sozial niedrigst stehenden Schicht der Bevölkerung anzusammeln.

Auf den

guten Böden, zumal der Weichselebene, stand der Bauer in seiner

Lebenshaltung stets über dem Gutstagelöhner, auf den schlechten

Böden dagegen, die rationell nur im Großen zu bewirtschaften

waren, war das Rittergut der Träger der Kultur und damit des

Deutschtums, die kümmerlichen Kleinbauern stehen dort in ihrer

Lebenshaltung noch heute

unter

den Gutstagelöhnern. Wüßten wir

das nicht ohnehin ­ der Altersaufbau der Bevölkerung ließe es uns

vermuthen. Steigt man in den

Dörfern

von der Ebene zum

Höhenrücken hinauf, so steigt der Anteil der Kinder unter 14 Jahren

von 35­36 % mit abnehmender Bodengüte bis auf 40­41 %, ­ und

wenn man damit die

Güter

vergleicht, so ist in der Ebene der Anteil

der Kinder größer als in den Dörfern, steigt nach der Höhe zu, aber

langsamer als in den Dörfern, und bleibt

auf

derselben hinter ihnen

zurück. Die große Kinderzahl heftet sich hier wie überall an die

Fersen der niedrigen Lebenshaltung, welche die Erwägungen der

Fürsorge für die Zukunft erstickt. ­ Wirtschaftliche Kultur, relative

Höhe der Lebenshaltung und

Deutschtum

sind in Westpreußen

identisch.

Und doch konkurrieren beide Nationalitäten seit Jahrhunderten auf

demselben Boden unter wesentlich gleichen Chancen mit einander.

Worin ist also jene Scheidung begründet? Man ist alsbald versucht,

an eine auf physischen und psychischen Rassenqualitäten beruhende

5


Verschiedenheit der

Anpassungsfähigkeit

der beiden Nationalitäten an

die verschiedenen ökonomischen und sozialen Existenzbedingungen

zu glauben. Und in der That ist dies der Grund, ­ der Beweis dafür

liegt in der Tendenz, welche in der

Verschiebung

der Bevölkerung und

der Nationalitäten zu Tage tritt und welche zugleich das

Verhängnißvolle jener verschiedenen Anpassungsfähigkeit für das

Deutschtum des Ostens erkennen läßt.

Es stehen uns zur Beobachtung der Verschiebungen in den

einzelnen Gemeinden allerdings nur die Zahlen von 1871 bis 1885

zum Vergleich zur Verfügung, und diese lassen uns den Anfang

einer Entwicklung erst undeutlich erkennen, die sich seither nach

allem, was wir wissen, außerordentlich verstärkt fortsetzt. Die

Deutlichkeit des Zahlenbildes leidet ja überdies naturgemäß durch

die notgedrungene, aber nicht ganz genaue Gleichsetzung von

Konfession und Nationalität einerseits, Verwaltungseinteilung und

sozialer Gliederung andererseits. Allein trotzdem sehen wir das,

worauf es ankommt, deutlich genug. ­ Die Landbevölkerung der

Provinz, wie diejenige großer Teile des Ostens überhaupt, zeigte

während des Zeitraumes von 1880­1885 eine Tendenz zur

Abnahme

:

in Westpreußen betrug sie 12 700 Köpfe, d. h., während die

Bevölkerung des Reiches sich um etwa 3½ % vermehrt hat,

verminderte sie sich um 1¼ %. Auch diese Erscheinung, wie die

bisher besprochenen, verteilt sich aber ungleich: in manchen

Kreisen steht ihr eine Zunahme der Landbevölkerung gegenüber.

Und zwar ist die Art,

wie

sich beide verteilen, recht eigentümlich.

Nehmen wir zunächst die verschiedenen Bodenqualitäten, so wird

Jeder vermuten: die Abnahme wird am stärksten die

schlechtesten

Böden betroffen haben, wo unter dem Druck der sinkenden Preise

der Nahrungsspielraum zuerst zu eng werden mußte. Sieht man sich

die Zahlen an, so zeigt sich: das

Umgekehrte

ist der Fall: gerade eine

Reihe der gesegnetsten Kreise: Stuhm und Marienwerder z. B. mit

rund 15­17 Mark Durchschnittsreinertrag, hatten den stärksten

Abfluß

: 7­8 %, während auf der Höhe die Kreise Konitz, Tuchel mit

5­6 Mark Reinertrag mit die stärkste schon seit 1871 konstante

6


Vermehrung

erlebten. Man sucht nach Erklärung und fragt zunächst:

welche sozialen Schichten sind es, denen einerseits jener Abfluß

entstammte, und denen andererseits diese Vermehrung zu Gute

kam? Sieht man sich die Kreise mit starken Verminderungsziffern

an, Stuhm, Marienwerder, Rosenberg, so sind es durchweg solche, in

denen der

große Grundbesitz

besonders stark herrscht, und betrachtet

man nun weiter die

Guts

bezirke der ganzen Provinz zusammen, so

kommen, trotzdem sie 1880 auf derselben Bodenfläche ohnehin

eine um zwei Drittel geringere Volkszahl aufwiesen als die Dörfer,

doch fast ¾ der Verminderung der Landbevölkerung, über 9000

Köpfe, auf sie allein: ihre Bevölkerung hat um etwa 3¾ %

abgenommen. Aber auch

innerhalb

der Güter ist diese Abnahme

wieder verschieden verteilt, teilweise fand Zunahme statt, und wenn

man die Gegenden mit starker Abnahme der Gutsbevölkerung

aussondert, so zeigt sich: gerade die Güter auf

guten

Böden haben

einen besonders starken Abfluß erlebt.

Die

Zunahme

der Bevölkerung dagegen, welche auf den schlechten

Böden der Höhe stattfand, ist vornehmlich den

Dörfern

zu Gute

gekommen, und gerade den Dörfern auf

schlechten

Böden am

stärksten, im Gegensatz zu den Dörfern der Ebene.

Abnahme der
Tagelöhner

der Güter auf den

besten

Böden,

Zunahme der Bauern

auf

den

schlechten

also ist die Tendenz. Um was es sich dabei handelt und

wie das zu erklären ist, wird klar, wenn man schließlich auch hier

fragt: wie sich die

Nationalitäten

zu diesen Verschiebungen verhalten.

Das Polentum im Osten schien in der ersten Hälfte des

Jahrhunderts langsam und stetig zurückgedrängt zu werden, seit den

60iger Jahren aber ist es, wie bekannt, ebenso langsam und stetig im

Vordringen begriffen. Das letztere ergeben für Westpreußen die

Spracherhebungen trotz ihrer mangelhaften Grundlagen doch auf

das Deutlichste. Nun kann die Verschiebung einer

Nationalitätengrenze auf zweierlei, grundsätzlich zu scheidende,

Arten sich vollziehen. ­ Einmal so, daß nationalen Minderheiten im

national gemischten Gebiet Sprache und Sitte der Mehrheit

7


allmählich oktroyiert wird, daß sie ,,aufgesogen" werden. Auch diese

Erscheinung findet sich im Osten: sie vollzieht sich statistisch

nachweisbar an den Deutschen katholischer Konfession. Das

kirchliche Band ist hier stärker als das nationale, Reminiszenzen aus

dem Kulturkampf spielen mit, und der Mangel eines deutsch

erzogenen Klerus läßt sie der nationalen Kulturgemeinschaft

verloren gehen. Wichtiger aber und für uns interessanter ist die

zweite Form der Nationalitätenverschiebung: die

ökonomische
Verdrängung

. ­ Diese liegt hier vor. Prüft man die Verschiebungen

des Anteils der Konfessionen in den ländlichen Gemeindeeinheiten

1871­1885, so zeigt sich: der Abfluß der Gutstagelöhner ist

regelmäßig mit einer relativen Abnahme des Protestantismus in der

Ebene, die Zunahme der Dorfbevölkerung auf der Höhe mit einer

relativen Zunahme des Katholizismus verknüpft3.

Es sind vornehmlich
deutsche

Tagelöhner, die aus den Gegenden mit hoher Kultur abziehen, es sind
vornehmlich polnisch Bauern, die in den Gegenden mit tiefem Kulturstand sich
vermehren.

Beide Vorgänge aber ­ der Abzug hier, die Vermehrung dort ­

führen in letzter Linie auf einen und denselben Grund zurück: die

niedrigeren Ansprüche an die Lebenshaltung

­ in materieller teils, teils in

ideeller Beziehung ­, welche der slawischen Rasse von der Natur auf

den Weg gegeben oder im Verlaufe ihrer Vergangenheit angezüchtet

sind, verhalfen ihr zum Siege.

Warum ziehen die deutschen Tagelöhner ab? Nicht materielle

Gründe sind es: nicht aus den Gegenden mit niedrigem Lohnniveau

und nicht aus den schlecht gelohnten Arbeiterkategorien rekrutiert

sich der Abzug; kaum eine Situation ist materiell gesicherter als die

eines Instmanns auf den östlichen Gütern. ­ Auch nicht die

vielberufene Sehnsucht nach den Vergnügungen der Großstadt. Sie

ist ein Grund für das planlose Wegwandern des jungen

Nachwuchses, aber nicht für den Abzug altgedienter

Tagelöhnerfamilien, ­ und warum erwacht jene Sucht gerade da

unter den Leuten, wo der Großbesitz vorherrscht, warum können

8


wir nachweisen, daß die Abwanderung der Tagelöhner abnimmt, je

mehr das

Bauerndorf

die Physionomie der Landschaft beherrscht?

Dies

ist es: zwischen den Gutskomplexen der Heimat giebt es für

den Tagelöhner nur Herren und Knechte, und für seine Nachfahren

im fernsten Glied nur die Aussicht, nach der Gutsglocke auf

fremdem Boden zu scharwerken. In dem dumpfen, halbbewußten

Drang in die Ferne liegt ein Moment eines primitiven Idealismus

verborgen. Wer es nicht zu entziffern vermag, der kennt den Zauber

der

Freiheit

nicht. In der That: selten berührt uns heute ihr Geist in

der Stille der Bücherstube. Verblichen sind die naiv freiheitlichen

Ideale unserer frühen Jugend, und manche von uns sind vorzeitig alt

und allzu klug geworden und glauben, einer der urwüchsigsten

Triebe der Menschenbrust sei mit den Schlagworten einer

niedergehenden politischen und wirtschaftspolitischen Anschauung

zu Grabe getragen worden.

Es ist ein massenpsychologischer Vorgang: die deutschen

Landarbeiter vermögen sich den

sozialen

Lebensbedingungen ihrer

Heimat nicht mehr anzupassen. Über ihr ,,Selbstbewußtsein" klagen

uns Berichte der Gutsherrn aus Westpreußen. Das alte

patriarchalische Gutshintersassen-Verhältnis, welches den

Tagelöhner als einen anteilsberechtigten Kleinwirt mit den

landwirtschaftlichen Produktionsinteressen unmittelbar verknüpfte,

schwindet. Die Saisonarbeit in den Rübenbezirken fordert

Saisonarbeiter und Geldlohn. Eine rein proletarische Existenz steht

ihnen in Aussicht, aber ohne die Möglichkeit jenes kraftvollen

Aufschwungs zur ökonomischen Selbstständigkeit, welche das in

den Städten örtlich zusammengeschlossene Industrieproletariat mit

Selbstbewußtsein erfüllt. ­ Diesen Existenzbedingungen sich zu

fügen vermögen diejenigen besser, welche an die Stelle der

Deutschen treten, die polnischen Wanderarbeiter, Nomadenzüge,

welche durch Agenten in Rußland geworben im Frühjahr zu

Zehntausenden über die Grenze kommen, im Herbst wieder

abziehen. Zuerst im Gefolge der Zuckerrübe, welche den

Landwirtschaftsbetrieb in ein Saisongewerbe verwandelt, treten sie

9


auf, dann allgemein, weil man an Arbeiterwohnungen, Armenlasten,

sozialen Verpflichtungen spart, weil sie ferner als Ausländer prekär

gestellt und deshalb in der Hand des Besitzers sind. Der

ökonomische Todeskampf des alten preußischen Junkertums

vollzieht sich unter diesen Begleiterscheinungen. Auf den

Zuckerrübengütern tritt an die Stelle des patriarchalisch schaltenden

Gutsherrn ein Stand industrieller Geschäftsleute, ­ und auf der

Höhe bröckelt unter dem Druck der landwirtschaftlichen Notlage

das Areal der Güter von außen her ab, Parzellenpächter- und

Kleinbauernkolonieen entstehen auf ihren Außenschlägen. Die

ökonomischen Fundamente der Machtstellung des alten Grundadels

schwinden, er selbst wird zu etwas anderem, als er war. ­

Und weshalb sind es die

polnischen

Bauern, die an Terrain gewinnen?

Ist es ihre überlegene ökonomische Intelligenz oder Kapitalkraft? Es

ist vielmehr das Gegenteil von beiden. Unter einem Klima und auf

einem Boden, welche neben extensiver Viehzucht wesentlich

Getreide- und Kartoffelproduktion gestatten, ist hier Derjenige am

wenigsten durch die Ungunst des Marktes bedroht, der seine

Produkte dahin bringt, wo sie durch den Preissturz am wenigsten

entwertet werden: in seinen eigenen Magen: ­ der für seinen

Eigenbedarf

produziert. Und wiederum ist Derjenige begünstigt, der

seinen Eigenbedarf am

niedrigsten

bemessen kann, die geringsten

Ansprüche an die Lebenshaltung in physischer und ideeller

Beziehung macht. Der polnische Kleinbauer im Osten ist ein Typus

sehr abweichender Art von dem geschäftigen Zwergbauerntum,

welches Sie hier in der gesegneten Rheinebene durch

Handelsgewächsbau und Gartenkultur sich an die Städte angliedern

sehen. Der polnische Kleinbauer gewinnt an Boden, weil er

gewissermaßen das Gras vom Boden frißt, nicht

trotz

, sondern

wegen

seiner tiefstehenden physischen und geistigen Lebensgewohnheiten.

­

Ein

Ausleseprozeß

also scheint es zu sein, den wir sich vollziehen

sehen. Beide Nationalitäten sind in die gleichen

10


Existenzbedingungen seit langer Zeit hineingestellt. Die Folge war

nicht

, daß sie, wie der Vulgärmaterialismus sich vorstellt, die gleichen

physischen und psychischen Qualitäten annahmen, sondern daß die

eine der andern weicht, daß diejenige siegt, welche die größere

Anpassungsfähigkeit an die gegebenen ökonomischen und sozialen

Lebensbedingungen besitzt.

Diese verschiedene Anpassungsfähigkeit selbst bringen sie, so

scheint es, als feste Größe mit, sie könnte vielleicht im Verlaufe

generationenlanger Züchtungsprozesse so, wie sie in Jahrtausenden

entstanden sein mag, wieder verschoben werden, aber für die

Erwägungen der Gegenwart ist sie ein Moment, mit welchem wir als

gegeben zu rechnen haben4. ­

Nicht immer ­ das sehen wir ­ schlägt, wie die Optimisten unter

uns meinen, die Auslese im freien Spiel der Kräfte zugunsten der

ökonomisch höher entwickelten oder veranlagten Nationalität aus.

Die Menschengeschichte kennt den Sieg von niedriger entwickelten

Typen der Menschlichkeit und das Absterben hoher Blüthen des

Geistes- und Gemütslebens, wenn die menschliche Gemeinschaft,

welche deren Träger war, die Anpassungsfähigkeit an ihre

Lebensbedingungen verlor, es sei ihrer sozialen Organisation oder

ihrer Rassenqualitäten wegen. In unsrem Fall ist es die Umgestaltung

der landwirtschaftlichen Betriebsformen und die gewaltige Krisis

der Landwirtschaft, welche der in ihrer ökonomischen Entwicklung

tiefer stehenden Nationalität zum Siege verhilft. Parallel mit

einander wirken der emporgezüchtete Rübenanbau und die

Unrentabilität der Absatzproduktion von Cerealien nach der

gleichen Richtung: der erstere züchtet die polnischen Saisonarbeiter,

die letztere die polnischen Kleinbauern. ­

Blicken wir zurück auf die erörterten Thatsachen, so bin ich, wie ich

gern bekenne, völlig außer stande, theoretisch die Tragweite der

etwa daraus zu entnehmenden allgemeinen Gesichtspunkte zu

entwickeln. Die unendlich schwierige und zur Zeit sicherlich nicht

11


zu lösende Frage,

wo

die Grenze für die Variabilität physischer und

psychischer Qualitäten einer Bevölkerung unter dem Einfluß der

Lebensverhältnisse, in die sie gestellt wird, liegt, wage ich nicht auch

nur anzurühren.

Unwillkürlich fragt dagegen jeder vor allen Dingen: was kann und

soll hier geschehen?

Gestatten Sie aber, daß ich es unterlasse, bei dieser Gelegenheit

ausführlicher darüber zu sprechen, und mich begnüge, kurz die

beiden Forderungen anzudeuten, die m. E. vom Standpunkt des

Deutschtums zu stellen sind und thatsächlich mit wachsender

Einmütigkeit gestellt werden. Die eine ist: Schließung der östlichen

Grenze. Sie war verwirklicht unter dem Fürsten Bismarck und ist

nach seinem Rücktritt 1890 wieder beseitigt worden; dauernde

Ansiedlung blieb den Fremdlingen versagt, aber als Wanderarbeiter

wurden sie zugelassen. Ein ,,klassenbewußter" Großgrundbesitzer

an der Spitze Preußens schloß sie aus im Interesse der Erhaltung

unserer Nationalität ­ und der verhaßte Gegner der Agrarier ließ sie

zu im Interesse der Großgrundbesitzer, welche

allein

von ihrem

Zuzug Vorteil haben: nicht immer, das zeigt sich, entscheidet der

,,ökonomische Klassenstandpunkt" in Dingen der

Wirtschaftspolitik, ­

hier

war es der Umstand, daß das Steuerruder

des Staates aus einer starken Hand in eine schwächere fiel. ­ Die

andere Forderung ist: systematischer Bodenankauf seitens des

Staates, also Erweiterung des Domänenbesitzes einerseits, und

systematische Kolonisation deutscher Bauern auf geeigneten Böden,

namentlich auf geeigneten Domänen, andererseits. Großbetriebe,

welche nur auf Kosten des Deutschtums zu erhalten sind, sind vom

Standpunkt der Nation werth, daß sie zu Grunde gehen, und sie

sich selbst überlassen heißt im Wege der allmählichen

Abparzellierung existenzunfähige slavische Hungerkolonien

entstehen lassen. Und nicht nur das Interesse an der Hemmung der

slavischen Flut ruft nach der Ueberführung bedeutender Teile des

östlichen Bodens in die Hand des Staates, sondern auch die

12


vernichtende Kritik, welche die Grundbesitzer selbst an dem

Fortbestand ihres Privateigentums üben durch das Verlangen, in

Gestalt des Getreidemonopols und einer Kontribution von ½

Milliarde jährlich ihnen das Risiko, die Selbstverantwortlichkeit für

ihren Besitz, seinen einzigen Rechtfertigungsgrund, abzunehmen5. ­

Allein, wie gesagt, nicht diese praktische Frage der preußischen

Agrarpolitik möchte ich heute besprechen. Ich möchte vielmehr an

die Thatsache anknüpfen, daß eine solche Frage bei uns Allen

überhaupt entsteht, daß wir das Deutschtum des Ostens als solches

für etwas halten, das geschützt werden und für dessen Schutz auch

die Wirtschaftspolitik des Staates in die Schranken treten soll. Es ist

der Umstand, daß unser Staatswesen ein Nationalstaat ist, welcher

uns das Recht zu dieser Forderung empfinden läßt.

Wie verhält sich aber die volkswirtschaftspolitische Betrachtung

dazu? Sind für sie derartige nationalistische Werturteile Vorurteile,

deren sie sich sorgsam zu entledigen hat, um ihren eigenen

Wertmaßstab, unbeeinflußt durch Gefühlsreflexe, an die

ökonomischen Thatsachen legen zu können? Und welches ist dieser

,,eigene" Wertmaßstab der Volkswirtschaftspolitik? Dieser Frage

möchte ich in einigen weiteren Ueberlegungen näher zu kommen

versuchen. ­

Auch unter dem Schein des ,,Friedens", das zeigte sich uns, geht der

ökonomische Kampf der Nationalitäten seinen Gang. Nicht im

offenen Streit werden die deutschen Bauern und Taglöhner des

Ostens durch politisch überlegene Feinde von der Scholle gestoßen:

im stillen und öden Ringen des ökonomischen Alltagslebens ziehen

sie einer tieferstehenden Rasse gegenüber den Kürzeren, verlassen

die Heimat und gehen dem Untertauchen in eine dunkle Zukunft

entgegen. Es gibt keinen Frieden auch im wirtschaftlichen Kampf

ums Dasein; nur wer jenen Schein des Friedens für die Wahrheit

nimmt, kann glauben, daß aus dem Schoße der Zukunft für unsere

Nachfahren Frieden und Lebensgenuß erstehen werde. Wir wissen

13


es ja: die Volkswirtschaftspolitik ist der vulgären Auffassung ein

Sinnen über Rezepten für die Beglückung der Welt ­ die Besserung

der ,,Lustbilanz" des Menschendaseins ist für sie das einzig

verständliche Ziel unserer Arbeit. Allein: schon der dunkle Ernst des

Bevölkerungsproblems hindert uns, Eudämonisten zu sein, Frieden

und Menschenglück im Schoße der Zukunft verborgen zu wähnen

und zu glauben, daß anders als im harten Kampf des Menschen mit

dem Menschen der Ellenbogenraum im irdischen Dasein werde

gewonnen werden.

Es giebt sicherlich keine volkswirtschaftspolitische Arbeit auf

anderer als altruistischer Grundlage. Die Früchte alles wirtschafts-

und sozialpolitischen Strebens der Gegenwart kommen in ihrer

gewaltigen Ueberzahl nicht der lebenden Generation, sondern der

künftigen zugute. Unsere Arbeit ist und kann, wenn sie einen Sinn

behalten soll, nur sein wollen Fürsorge für die

Zukunft

, für unsere

Nachfahren

. Aber es giebt auch keine volkswirtschaftspolitische

Arbeit auf der Grundlage optimistischer Glückshoffnungen. Für

den Traum von Frieden und Menschenglück steht über der Pforte

der unbekannten Zukunft der Menschengeschichte: lasciate ogni

speranza.

Nicht wie die Menschen der Zukunft sich

befinden

, sondern wie sie

sein

werden, ist die Frage, die uns beim Denken über das Grab der

eigenen Generation hinaus bewegt, die auch in Wahrheit jeder

wirtschaftspolitischen Arbeit zugrunde liegt. Nicht das

Wohlbefinden der Menschen, sondern diejenigen Eigenschaften

möchten wir in ihnen emporzüchten, mit welchen wir die

Empfindung verbinden, daß sie menschliche Größe und den Adel

unserer Natur ausmachen.

Abwechselnd hat man in der Volkswirtschaftslehre das technisch-

ökonomische Problem der Gütererzeugung und das Problem der

Güterverteilung, der ,,sozialen Gerechtigkeit", als Wertmaßstäbe in

den Vordergrund gerückt oder auch naiv identifiziert ­ und über

14


beiden erhob sich doch immer wieder, halb unbewußt und dennoch

alles beherrschend, die Erkenntnis, daß eine Wissenschaft vom

Menschen

, und das ist die Volkswirtschaftslehre, vor allem nach der

Qualität der Menschen

fragt, welche durch jene ökonomischen und

sozialen Daseinsbedingungen herangezüchtet werden. Und hier

hüten wir uns vor einer Illusion.

Die Volkswirtschaftslehre als erklärende und analysierende

Wissenschaft ist

international

, allein sobald sie

Werturteile

fällt, ist sie

gebunden an diejenige Ausprägung des Menschentums, die wir in

unserem eigenen Wesen finden. Sie ist es oft gerade dann am

meisten, wenn wir unserer eigenen Haut am meisten entronnen zu

sein glauben. Und ­ um ein etwas phantastisches Bild zu brauchen ­

vermöchten wir nach Jahrtausenden dem Grab zu entsteigen, so

wären es die fernen Spuren unseres eigenen Wesens, nach denen wir

im Antlitz des Zukunftsgeschlechts forschen würden. Auch unsre

höchsten und letzten irdischen Ideale sind wandelbar und

vergänglich. Wir können sie der Zukunft nicht aufzwingen wollen.

Aber wir können wollen, daß sie in unserer Art die Art

ihrer eigenen
Ahnen

erkennt. Wir, mit unserer Arbeit und unserem Wesen, wollen

die Vorfahren des Zukunftsgeschlechts sein.

Die Volkswirtschaftspolitik eines deutschen Staatswesens, ebenso

wie der Wertmaßstab des deutschen volkswirtschaftlichen

Theoretikers können deshalb nur deutsche sein.

Ist dem vielleicht anders, seit die ökonomische Entwicklung über die

nationalen

Grenzen

hinaus

eine

umfassende

Wirtschaftsgemeinschaft der Nationen herzustellen begann? Ist

jener ,,nationalistische" Beurteilungsmaßstab ebenso wie der

,,Nationalegoismus" in der Volkswirtschaftspolitik seitdem zum

alten Eisen zu werfen? ­ Ja, ­ ist denn der Kampf für die

ökonomische Selbstbehauptung, für das eigene Weib und Kind

überwunden, seit die Familie ihrer einstigen Funktionen als

Produktionsgemeinschaft entkleidet und verflochten ist in den Kreis

15


der volkswirtschaftlichen Gemeinschaft? Wir wissen, es ist nicht der

Fall: dieser Kampf hat

andere Formen

angenommen, ­ Formen, von

denen sich noch fragen ließe, ob sie als eine Milderung und nicht

vielmehr als eine Verinnerlichung und Verschärfung anzusehen

seien. So ist auch die volkswirtschaftliche Gemeinschaft nur eine

andere Form des Ringens der Nationen miteinander, und eine

solche, welche den Kampf für die Behauptung der eigenen Kultur

nicht gemildert, sondern

erschwert

hat, weil sie materiellen Interessen

im eigenen Schoße der Nation als Bundesgenossen gegen deren

Zukunft in die Schranken ruft.

Nicht Frieden und Menschenglück haben wir unseren Nachfahren

mit auf den Weg zu geben, sondern den

ewigen Kampf

um die

Erhaltung und Emporzüchtung unserer nationalen Art. Und wir

dürfen uns nicht der optimistischen Hoffnung hingeben, daß mit

der höchstmöglichen Entfaltung wirtschaftlicher Kultur bei uns die

Arbeit gethan sei und die Auslese im freien und ,,friedlichen"

ökonomischen Kampfe dem höher entwickelten Typus alsdann von

selbst zum Siege verhelfen werde.

Nicht in erster Linie für die Art der volkswirtschaftlichen

Organisation, die wir ihnen überliefern, werden unsere Nachfahren

uns vor der Geschichte verantwortlich machen, sondern für das

Maß des Ellenbogenraums, den wir ihnen in der Welt erringen und

hinterlassen. Machtkämpfe sind in letzter Linie auch die

ökonomischen Entwicklungsprozesse, die Machtinteressen der

Nation sind, wo sie in Frage gestellt sind, die letzten und

entscheidenden Interessen, in deren Dienst ihre Wirtschaftspolitik

sich zu stellen hat, die Wissenschaft von der Volkswirtschaftspolitik

ist eine

politische

Wissenschaft. Sie ist eine Dienerin der Politik, nicht

der Tagespolitik der jeweils herrschenden Machthaber und Klassen,

sondern der dauernden machtpolitischen Interessen der Nation.

Und der

Nationalstaat

ist uns nicht ein unbestimmtes Etwas, welches

man um so höher zu stellen glaubt, je mehr man sein Wesen in

mystisches Dunkel hüllt, sondern die weltliche Machtorganisation

16


der Nation, und in diesem Nationalstaat ist für uns der letzte

Wertmaßstab auch der volkswirtschaftlichen Betrachtung die

,,

Staatsraison"

. Sie bedeutet uns nicht, wie ein seltsames

Mißverständnis glaubt: ,,Staatshülfe" statt der ,,Selbsthülfe",

staatliche Reglementierung des Wirtschaftslebens statt des freien

Spiels der wirtschaftlichen Kräfte, sondern wir wollen mit diesem

Schlagwort die Forderung erheben, daß für die Fragen der

deutschen Volkswirtschaftspolitik, ­ auch für die Frage unter

anderen, ob und wieweit der Staat in das Wirtschaftsleben eingreifen

oder ob und wenn er vielmehr die ökonomischen Kräfte der Nation

zu eigener freier Entfaltung losbinden und ihre Schranken

niederreißen solle, ­ im einzelnen Falle das letzte und entscheidende

Votum den ökonomischen und politischen Machtinteressen unserer

Nation und ihres Trägers, des deutschen Nationalstaates, zustehen

soll. ­

War es etwa überflüssig, an diese scheinbaren

Selbstverständlichkeiten zu erinnern? oder doch, daß gerade ein

jüngerer Vertreter der ökonomischen Wissenschaften daran

erinnerte? ­ Ich glaube nicht, denn es scheint, daß gerade unsere

Generation diese einfachsten Urteilsgrundlagen nicht selten am

leichtesten aus den Augen verliert. Wir sind Zeugen, wie ihr

Interesse für die Fragen, die gerade unsere Wissenschaft bewegen, in

ungeahntem Maße wächst. Auf allen Gebieten finden wir die

ökonomische Betrachtungsweise im Vordringen. Sozialpolitik an

Stelle der Politik, ökonomische Machtverhältnisse an Stelle der

Rechtsverhältnisse, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte an Stelle

politischer Geschichte treten in den Vordergrund der Betrachtung.

In hervorragenden Werken unserer historischen Kollegen finden wir

da, wo uns früher von den Kriegsthaten unserer Vorfahren erzählt

wurde, heute den Unhold des ,,Mutterrechtes" sich in die Breite

dehnen und die Hunnenschlacht auf den katalaunischen Feldern in

einen Nebensatz gedrängt. Die Jurisprudenz glaubte das

Selbstgefühl eines unserer geistreichsten Theoretiker als eine ,,Magd

der Nationalökonomie" bezeichnen zu können. Und Eines ist ja

17


wahr: auch in die Jurisprudenz drang die ökonomische Form der

Betrachtung, selbst in ihrem Intimum, in den Handbüchern der

Pandektisten beginnt es hie und da leise ökonomisch zu spuken; und

in den Urteilen der Gerichte finden wir nicht selten, wo die

juristischen Begriffe zu Ende gingen, sogenannte ,,wirtschaftliche

Gesichtspunkte" an die Stelle gesetzt, ­ kurz, um das halb

vorwurfsvolle Wort eines juristischen Kollegen zu gebrauchen: wir

sind ,,in die Mode gekommen". ­ Eine Betrachtungsweise, welche

sich so selbstbewußt Bahn bricht, geräth in die Gefahr gewisser

Illusionen und einer Ueberschätzung der Tragweite der eigenen

Gesichtspunkte, ­ einer Ueberschätzung zumal in einer ganz

bestimmten Richtung. Wie die Verbreiterung des Stoffes der

philosophischen

Betrachtung, ­ welche sich schon äußerlich darin

kenntlich macht, daß wir heute vielfach die alten Lehrstühle der

Philosophie den Händen z. B. hervorragender Physiologen

anvertraut finden, ­ unter uns Laien vielfach zu der Meinung

geführt hat, als seien die alten Fragen nach dem Wesen des

menschlichen Erkennens nicht mehr die letzten und centralen

Probleme der Philosophie, so hat sich in den Köpfen der

aufwachsenden Generation auch die Vorstellung gebildet, als sei

Dank der Arbeit der nationalökonomischen Wissenschaft nicht nur

die

Erkenntnis

des Wesens der menschlichen Gemeinschaften

gewaltig erweitert, sondern auch der

Maßstab

, an welchem wir in

letzter Linie die Erscheinungen

bewerten

, ein völlig neuer geworden,

als sei die politische Oekonomie in der Lage, ihrem eigenen Stoff

eigenartige Ideale zu entnehmen. Die optische Täuschung, als gäbe

es selbständige ökonomische oder ,,sozialpolitische" Ideale, wird

freilich als solche klar, sobald man an der Hand der Litteratur

unserer Wissenschaft diese ,,eigenen" Grundlagen der Bewertung zu

ermitteln sucht. Ein

Chaos

von Wertmaßstäben teils

eudämonistischer, teils ethischer Art, oft beider in unklarer

Identifikation, tritt uns entgegen. Werturteile werden überall

unbefangen gefällt ­ und ein Verzicht auf die

Beurteilung

der

ökonomischen Erscheinungen bedeutete ja in der That den Verzicht

auf eben diejenige Leistung, die man von uns verlangt. Aber nicht

18


die Regel, sondern fast die Ausnahme ist es, daß der Urteilende

Andere

und sich selbst

ins Klare setzt über den letzten subjektiven

Kern seiner Urteile, eben über die

Ideale

, von welchen aus er zur

Beurteilung der beobachteten Vorgänge schreitet: die bewußte

Selbstkontrolle fehlt, die inneren Widersprüche des Urteils kommen

dem Schriftsteller nicht zum Bewußtsein und, wo er sein spezifisch

,,ökonomisches" Prinzip der Beurteilung allgemein zu formuliren

sucht, fällt er in vage Unbestimmtheiten. In Wahrheit sind es

keine

eigenartigen und selbstgewonnenen, sondern die

alten allgemeinen
Typen menschlicher Ideale

, die wir auch in den Stoff unserer

Wissenschaft hineintragen. Nur wer ausschließlich das rein

platonische Interesse des Technologen oder wer umgekehrt die

aktuellen Interessen einer bestimmten, sei es herrschenden oder

beherrschten Klasse zu Grunde legt, kann jenem Stoffe selbst einen

eigenen Maßstab zu seiner Beurteilung entnehmen wollen.

Und sollte es so ganz unnötig sein, daß gerade wir Jünger der

deutschen historischen Schule uns diese überaus einfachen

Wahrheiten vor Augen führen? Gerade wir verfallen leicht einer

speziellen Illusion: derjenigen, uns des eigenen bewußten

Werturteiles

überhaupt enthalten

zu können. Die Folge ist freilich, wie

man sich leicht überzeugen kann, nicht, daß wir einem

entsprechenden Vorsatze treu bleiben, sondern daß wir

unkontrollierten Instinkten, Sympathien und Antipathien, verfallen.

Und noch leichter widerfährt es uns, daß der Punkt, von welchem

wir bei der Analyse und

Erklärung

der volkswirtschaftlichen

Vorgänge ausgingen, unbewußt auch bestimmend wird für unser

Urteil

darüber. Vielleicht werden gerade wir uns davor zu bewahren

haben, daß diejenigen großen Eigenschaften der toten und lebenden

Meister unserer Schule, denen sie und die Wissenschaft ihre Erfolge

verdanken, sich bei uns nicht in Fehler verwandeln. Zweierlei

verschiedene Ausgangspunkte der Betrachtung kommen praktisch

hauptsächlich in Betracht:

19


Entweder wir blicken auf die ökonomische Entwicklung

vornehmlich von oben her: von der Höhe der

Verwaltungsgeschichte großer deutscher Staaten aus, deren

Verwaltung und Verhalten in ökonomischen und sozialen Dingen

wir in seiner Genesis verfolgen, ­ und unfreiwillig werden wir ihre

Apologeten. Wenn ­ um bei unserem Beispiel zu bleiben ­ die

Verwaltung sich entschließt, die östliche Grenze zu schließen, so

werden wir geneigt und imstande sein, darin den Abschluß einer

historischen Entwicklungsreihe zu finden, welche im Gefolge großer

Reminiscenzen der Vergangenheit dem heutigen Staate hohe

Aufgaben im Interesse der Kulturpflege der eigenen Nation stellt, ­

und unterbleibt jener Entschluß, so liegt uns die Erkenntnis näher,

daß derartige radikale Eingriffe teils unnötig, teils den heutigen

Anschauungen nicht mehr entsprechend seien.

Oder aber: wir betrachten die ökonomische Entwicklung mehr von

unten aus, sehen das große Schauspiel, wie aus dem Chaos

ökonomischer Interessenkonflikte sich die Emanzipationskämpfe

aufsteigender Klassen abheben, beobachten, wie die ökonomische

Machtlage sich zu ihren Gunsten verschiebt ­ und unbewußt

nehmen wir Partei für die, welche aufsteigen, weil sie die Stärkeren

sind oder zu werden beginnen. Eben dadurch, daß sie siegen,

scheinen sie ja zu beweisen, daß sie einen ,,ökonomisch"

höher

stehenden Typus des Menschentums darstellen: allzuleicht

beherrscht den Historiker die Vorstellung, daß der Sieg der

höher

entwickelten Elemente im Kampfe selbstverständlich und das

Unterliegen im Daseinskampf Symptom der ,,Rückständigkeit" sei.

Und jedes neue der zahlreichen Symptome jener Machtverschiebung

bietet ihm dann nicht nur deshalb eine Genugthuung, weil es seine

Beobachtungen bestätigt, sondern halb unbewußt empfindet er es

wie einen persönlichen Triumph: die Geschichte löst die Wechsel

ein, welche er auf sie zog. Die Widerstände, welche jene

Entwicklung findet, beobachtet er, ohne es zu wissen, mit einer

gewissen Animosität, sie erscheinen ihm, ungewollt, nicht einfach als

naturgemäße Ausflüsse selbstverständlicher Interessenvertretung,

20


sondern gewissermaßen als Auflehnung gegen das ,,Urteil der

Geschichte", wie es der Historiker formulierte. Die Kritik, welche

wir auch an Vorgängen zu üben haben, die uns als das unreflektierte

Ergebnis geschichtlicher Entwicklungstendenzen erscheinen, verläßt

uns dann gerade da, wo wir ihrer am nötigsten bedürfen. Allzunahe

liegt ja für uns ohnehin die Versuchung, das Gefolge des Siegers im

ökonomischen Machtkampf zu bilden und dabei

zu vergessen, daß
ökonomische Macht und Beruf zur politischen Leitung der Nation nicht immer
zusammenfallen.

Denn ­ und damit werden wir zu einer letzten Reihe von

Betrachtungen mehr praktisch-politischer Art geführt ­ an jenem

politischen Wertmaßstab

, der uns ökonomischen Nationalisten der für

uns einzig souveräne ist, messen wir auch die Klassen, welche die

Leitung der Nation in der Hand haben oder erstreben. Wir fragen

nach ihrer

politischen Reife

, das heißt nach ihrem Verständnis und ihrer

jeweiligen Befähigung, die dauernden ökonomischen und politischen

Macht

interessen der Nation über alle anderen Erwägungen zu

stellen. Eine Gunst des Schicksals für die Nation ist es, wenn die

naive Identifikation der Interessen der eigenen Klasse mit denen der

Allgemeinheit den dauernden Machtinteressen auch der letzteren

entspricht. Und es ist andererseits auch eine der Täuschungen,

welche auf der modernen Ueberschätzung des ,,Oekonomischen"

im gewöhnlichen Sinne des Wortes beruhen, wenn man meint, daß

die politischen Gemeingefühle eine Belastungsprobe durch

abweichende ökonomische Tagesinteressen nicht vertrügen,

womöglichst selbst

nur

eine Widerspiegelung des ökonomischen

Unterbaues jener wandelbaren Interessenlage seien. Das trifft nur in

Zeiten fundamentaler sozialer Umschichtung annähernd zu. ­ Eins

nur ist wahr: bei Nationen, welchen die Abhängigkeit ihrer

ökonomischen Blüte von ihrer politischen Machtlage nicht, wie der

englischen, täglich vor Augen geführt wird, wohnen die Instinkte für

diese spezifisch politischen Interessen

nicht

, wenigstens nicht in der

Regel, in den breiten

Massen

der Nation, die mit der Not des Tages

zu ringen haben, ­ es wäre ungerecht, sie von ihnen zu

21


beanspruchen. In großen Momenten, im Fall des Krieges, tritt auch

ihnen die Bedeutung der nationalen Macht vor die Seele, ­ dann

zeigt sich, daß der nationale Staat auf urwüchsigen psychologischen

Unterlagen auch bei den breiten ökonomisch beherrschten

Schichten der Nation ruht und keineswegs nur ein ,,Ueberbau", die

Organisation der ökonomisch herrschenden Klassen ist. Allein in

normalen Zeiten sinkt dieser politische Instinkt bei der Masse unter

die Schwelle des Bewußtseins. Dann ist es die spezifische Funktion

der ökonomisch und politisch leitenden Schichten, Träger des

politischen Sinnes zu sein, der einzige Grund, der politisch ihr

Vorhandensein zu rechtfertigen vermag.

Die

Erlangung ökonomischer Macht

ist es zu allen Zeiten gewesen,

welche bei einer Klasse die Vorstellung ihrer

Anwartschaft auf die
politische Leitung

entstehen ließ. Gefährlich und auf die Dauer mit

dem Interesse der Nation unvereinbar ist es, wenn eine ökonomisch

sinkende Klasse die politische Herrschaft in der Hand hält. Aber

gefährlicher noch ist es, wenn Klassen, zu denen

hin

sich die

ökonomische Macht und damit die Anwartschaft auf die politische

Herrschaft bewegt, politisch noch nicht reif sind zur Leitung des

Staates. Beides bedroht Deutschland zur Zeit und ist in Wahrheit der

Schlüssel für die derzeitigen Gefahren unserer Lage. Und auch die

Umschichtungen der sozialen Struktur des Ostens, mit denen die im

Eingang besprochenen Erscheinungen zusammenhängen, gehören

in diesen größeren Zusammenhang.

Bis in die Gegenwart hinein hat im preußischen Staat die Dynastie

politisch sich auf den Stand der preußischen

Junker

gestützt. Gegen

ihn zwar, aber doch auch nur mit ihm, hat sie den preußischen Staat

geschaffen. Ich weiß es wohl, daß der Name der Junker

süddeutschen Ohren unfreundlich klingt. Man wird vielleicht finden,

ich spräche eine ,,preußische" Sprache, wenn ich ein Wort zu ihren

Gunsten sage. Ich wüßte nicht. Noch heute führen in Preußen für

jenen Stand viele Wege zu Einfluß und Macht, viele Wege auch an

das Ohr des Monarchen, die nicht jedem Staatsbürger sich ebnen; er

22


hat diese Macht nicht immer so gebraucht, wie er es vor der

Geschichte verantworten kann, und ich sehe nicht ein, weshalb ein

bürgerlicher Gelehrter ihn lieben sollte. Allein trotz alledem war die

Kraft seiner politischen Instinkte eins der gewaltigsten Kapitalien,

welche im Dienst der Machtinteressen des Staates verwendet werden

konnten. ­ Sie haben ihre Arbeit geleistet und liegen heute im

ökonomischen Todeskampf, aus dem keine Wirtschaftspolitik des

Staates sie zu ihrem alten sozialen Charakter zurückführen könnte.

Und auch die Aufgaben der Gegenwart sind andere, als solche, die

von ihnen gelöst werden könnten. Ein Vierteljahrhundert stand an

der Spitze Deutschlands der letzte und größte der Junker, und die

Tragik, welche seiner staatsmännischen Laufbahn neben ihrer

unvergleichlichen Größe anhaftete und die sich heute noch immer

dem Blick Vieler entzieht, wird die Zukunft wohl darin finden, daß

unter ihm das Werk seiner Hände, die Nation, der er die Einheit gab,

langsam und unwiderstehlich ihre ökonomische Struktur veränderte

und eine andere wurde, ein Volk, das andere Ordnungen fordern

mußte, als solche, die er ihm geben und denen seine cäsarische

Natur sich einfügen konnte. Im letzten Grund ist eben dies es

gewesen, was das teilweise Scheitern seines Lebenswerkes

herbeigeführt hat. Denn dieses Lebenswerk hätte doch nicht nur zur

äußeren, sondern auch zur inneren Einigung der Nation führen

sollen und jeder von uns weiß: das ist nicht erreicht. Es konnte mit

seinen Mitteln nicht erreicht werden. Und als er im Winter letzten

Jahres, umstrickt von der Huld seines Monarchen, in die

geschmückte Reichshauptstadt einzog, da ­ ich weiß es wohl ­ gab

es viele, welche so empfanden, als öffne der Sachsenwald wie ein

moderner Kyffhäuser seine Tiefen. Allein nicht Alle haben diese

Empfindung geteilt. Denn es schien, als sei in der Luft des

Januartages der kalte Hauch geschichtlicher Vergänglichkeit zu

spüren. Uns überkam ein eigenartig beklemmendes Gefühl, ­ als ob

ein Geist herniederstiege aus einer großen Vergangenheit und

wandelte unter einer neuen Generation durch eine ihm fremde

gewordene Welt. ­

23


Die Gutshöfe des Ostens waren die Stützpunkte der über das Land

dislocirten herrschenden Klasse Preußens, der soziale

Anschlußpunkt des Beamtentums, ­ aber unaufhaltsam rückt mit

ihrem Zerfall, mit dem Schwinden des sozialen Charakters des alten

Grundadels, der Schwerpunkt der politischen Intelligenz in die

Städte.

Diese

Verschiebung ist das entscheidende

politische

Moment

der agrarischen Entwicklung des Ostens.

Welches aber sind die Hände, in welche jene politische Funktion des

Junkertums hinübergleitet und wie steht es mit ihrem politischen

Beruf?

Ich bin ein Mitglied der bürgerlichen Klassen, fühle mich als solches

und bin erzogen in ihren Anschauungen und Idealen. Allein es ist

der Beruf gerade unserer Wissenschaft, zu sagen, was ungern gehört

wird, ­ nach oben, nach unten, und auch der eigenen Klasse, ­ und

wenn ich mich frage, ob das Bürgertum Deutschlands heute reif ist,

die politisch leitende Klasse der Nation zu sein, so vermag ich

heute

nicht diese Frage zu bejahen. Nicht aus eigener Kraft des

Bürgertums ist der deutsche Staat geschaffen worden, und als er

geschaffen war, stand an der Spitze der Nation jene Cäsarengestalt

aus anderem als bürgerlichem Holze. Große machtpolitische

Aufgaben wurden der Nation nicht abermals gestellt, weit später

erst, schüchtern und halb widerwillig, begann eine überseeische

,,Machtpolitik", die diesen Namen nicht verdient.

Und nachdem so die Einheit der Nation errungen war und ihre

politische ,,Sättigung" feststand, kam über das aufwachsende

erfolgstrunkene und friedensdurstige Geschlecht des deutschen

Bürgertums ein eigenartig ,,unhistorischer" und unpolitischer Geist.

Die deutsche Geschichte schien zu Ende. Die Gegenwart war die

volle Erfüllung der vergangenen Jahrtausende, ­ wer wollte fragen,

ob die Zukunft anders urteilen möchte? Die Bescheidenheit verbot

ja ­ so schien es ­ der Weltgeschichte, zur Tagesordnung ihres

alltäglichen Verlaufes überzugehen über diese Erfolge der deutschen

24


Nation. Heute sind wir nüchtern geworden, es ziemt uns der

Versuch, den Schleier der Illusionen zu lüften, der uns die Stellung

unserer Generation in der historischen Entwicklung des Vaterlandes

verhüllt. Und es scheint mir, daß wir dann anders urteilen. An

unserer Wiege stand der schwerste Fluch, den die Geschichte einem

Geschlecht als Angebinde mit auf den Weg zu geben vermag: das

harte Schicksal des politischen

Epigonentums

.

Schaut uns nicht eben jetzt, wohin wir blicken im Vaterland, sein

kümmerliches Antlitz entgegen? In den Vorgängen der letzten

Monate, welche bürgerliche Politiker in erster Reihe zu verantworten

haben, in allzu Vielem, was in den letzten Tagen im deutschen

Parlament und in Manchem, was zu ihm gesprochen wurde,

erkannten diejenigen von uns, denen die Fähigkeit des Hasses gegen

das Kleine geblieben ist, mit der Leidenschaft zorniger Trauer das

kleinliche Treiben politischer Epigonen. Die gewaltige Sonne,

welche im Zenith Deutschlands stand und den deutschen Namen in

die fernsten Winkel der Erde leuchten ließ, war, so scheint es fast, zu

groß für uns und hat die langsam sich entwickelnde politische

Urteilsfähigkeit des Bürgertums ausgebrannt. Denn was erleben wir

an ihm?

Nur allzu offenkundig sehnt sich ein Teil des Großbürgertums nach

dem Erscheinen eines neuen Cäsar, der sie schirme ­ nach unten

gegen aufsteigende Volksklassen ­ nach oben gegen sozialpolitische

Anwandlungen, deren ihnen die deutschen Dynastien verdächtig

sind.

Und ein anderer Teil ist längst versunken in jene politische

Spießbürgerei, aus welcher die breiten Schichten des

Kleinbürgerthums noch niemals erwacht sind. Schon als nach den

Einheitskriegen die ersten Anfänge positiver politischer Aufgaben

der Nation nahe traten, der Gedanke einer überseeischen

Expansion, ­ da fehlte ihm selbst jenes einfachste

ökonomische

Verständnis, welches ihm gesagt hätte, was es für den Handel

25


Deutschlands in fernen Meeren bedeutet, wenn an den Küsten

umher die deutschen Fahnen wehen.

Nicht ökonomische Gründe, auch nicht die vielberufene

,,Interessenpolitik", welche andere Nationen in nicht geringerem

Maße kennen als wir, sind Schuld an der politischen Unreife breiter

Schichten des deutschen Bürgertums, der Grund liegt in seiner

unpolitischen Vergangenheit, darin daß die politische

Erziehungsarbeit eines Jahrhunderts sich nicht in einem Jahrzehnt

nachholen ließ und daß die Herrschaft eines großen Mannes nicht

immer ein Mittel politischer Erziehung ist. Und die ernste Frage für

die politische Zukunft des deutschen Bürgertums ist jetzt: ob es

nicht nunmehr zu

spät

ist, sie nachzuholen. Kein

ökonomisches

Moment kann sie ersetzen.

Werden andere Klassen die Träger einer politisch größeren Zukunft

sein? Selbstbewußt meldet sich das moderne Proletariat als Erbe der

bürgerlichen Ideale. Wie steht es mit seiner Anwartschaft auf die

politische Leitung der Nation?

Wer heute der deutschen Arbeiterklasse sagen würde, sie sei

politisch reif oder auf dem Weg zur politischen Reife, der wäre ein

Schmeichler und strebte nach der fragwürdigen Krone der

Popularität.

Oekonomisch

sind die höchsten Schichten der deutschen

Arbeiterklasse weit reifer, als der Egoismus der besitzenden Klassen

zugeben möchte, und mit Recht fordert sie die Freiheit, auch in der

Form des offenen organisierten ökonomischen Machtkampfes ihre

Interessen zu vertreten.

Politisch

ist sie unendlich unreifer, als eine

Journalistenclique, welche ihre Führung monopolisieren möchte, sie

glauben machen will. Gern spielt man in den Kreisen dieser

deklassierten Bourgeois mit den Reminiscenzen aus der Zeit vor 100

Jahren ­ man hat damit in der That erreicht, daß hier und da

ängstliche Gemüter in ihnen die geistigen Nachkommen der Männer

26


des Konvents erblicken. Allein sie sind unendlich harmloser, als sie

selbst sich erscheinen, es lebt in ihnen kein Funke jener

katilinarischen Energie der

That

, aber freilich auch kein Hauch der

gewaltigen

nationalen

Leidenschaft, die in den Räumen des

Konventes wehten. Kümmerliche politische Kleinmeister sind sie, ­

es fehlen ihnen die großen Machtinstinkte einer zur politischen

Führung berufenen Klasse. Nicht nur die Interessenten des

Kapitals, wie man die Arbeiter glauben macht, sind heute politische

Gegner ihrer Mitherrschaft im Staate. Wenig Spuren der

Interessengemeinschaft mit dem Kapital fänden sie bei

Durchforschung der deutschen Gelehrtenstuben. Aber: wir fragen

auch sie

nach ihrer

politischen Reife

, und weil es für eine große Nation

nichts Vernichtenderes giebt, als die Leitung durch ein

politisch

unerzogenes

Spießbürgertum

, und weil das deutsche Proletariat diesen

Charakter noch nicht verloren hat,

deshalb

sind wir seine politischen

Gegner. Und weshalb ist das Proletariat Englands und Frankreichs

zum Teil anders geartet? Nicht nur die ältere

ökonomische

Erziehungsarbeit, welche der organisierte Interessenkampf der

englischen Arbeiterschaft an ihr vollzogen hat, ist der Grund: es ist

vor allem wiederum ein

politisches

Moment: die

Resonanz

der

Weltmachtstel ung

, welche den Staat stetig vor große machtpolitische

Aufgaben stellt und den einzelnen in eine chronische politische

Schulung nimmt, die er bei uns nur, wenn die Grenzen bedroht sind,

akut empfängt. ­ Entscheidend ist auch für

unsere

Entwicklung, ob

eine große Politik uns wieder die Bedeutung der großen politischen

Machtfragen vor Augen zu stellen vermag. Wir müssen begreifen,

daß die Einigung Deutschlands ein Jugendstreich war, den die

Nation auf ihre alten Tage beging und seiner Kostspieligkeit halber

besser unterlassen hätte, wenn sie der Abschluß und nicht der

Ausgangspunkt einer deutschen Weltmachtpolitik sein sollte.

Das

Drohende

unserer Situation aber ist: daß die bürgerlichen Klassen

als Träger der Machtinteressen der Nation zu verwelken scheinen

und noch keine Anzeichen dafür vorhanden sind, daß die

Arbeiterschaft reif zu werden beginnt, an ihre Stelle zu treten.

27


Nicht

­ wie diejenigen glauben, welche hypnotisiert in die Tiefen der

Gesellschaft starren, ­ bei den

Massen

liegt die Gefahr. Nicht eine

Frage nach der

ökonomischen

Lage der

Beherrschten

, sondern die

vielmehr nach der

politischen

Qualifikation der

herrschenden und
aufsteigenden

Klassen ist auch der letzte Inhalt des

sozial

politischen

Problems. Nicht Weltbeglückung ist der Zweck unserer

sozialpolitischen Arbeit, sondern die soziale

Einigung

der Nation,

welche die moderne ökonomische Entwicklung sprengte, für die

schweren Kämpfe der Zukunft. Gelänge es in der That, eine

,,Arbeiteraristokratie" zu schaffen, welche Trägerin des politischen

Sinnes wäre, den wir heute an der Arbeiterbewegung vermissen,

dann erst möge der Speer, für welchen der Arm des Bürgertums

noch immer nicht stark genug zu werden scheint, auf jene breiteren

Schultern abgelegt werden. Bis dahin scheint es noch ein weiter Weg.

Für jetzt aber sehen wir Eines: eine ungeheure

politische

Erziehungsarbeit ist zu leisten und keine ernstere Pflicht besteht für

uns, als, ein Jeder in seinem kleinen Kreise, uns eben

dieser

Aufgabe

bewußt zu sein: an der

politischen

Erziehung unserer Nation

mitzuarbeiten, welche das letzte Ziel auch gerade unserer

Wissenschaft bleiben muß. Die ökonomische Entwicklung der

Uebergangsperioden bedroht die natürlichen politischen Instinkte

mit Zersetzung; es wäre ein Unglück, wenn auch die ökonomische

Wissenschaft dem gleichen Ziele zustrebte, indem sie einen weichen

Eudämonismus, wenn auch in noch so vergeistigter Form, hinter der

Illusion selbständiger ,,sozialpolitischer" Ideale züchtete.

Freilich dürfen deshalb gerade wir wohl daran erinnern, daß es das

Gegenteil von politischer Erziehung ist, wenn man ein

Mißtrauensvotum gegen die friedliche soziale Zukunft der Nation in

Paragraphen zu formulieren sucht, oder wenn das brachium

saeculare nach der Hand der Kirche greift zur Stütze zeitlicher

Autoritäten. Aber das Gegenteil von politischer Erziehung bekundet

auch das schablonenhafte Gekläff jenes stets anwachsenden Chorus

der ­ wenn mir der Ausdruck verziehen wird ­ Wald- und Wiesen-

28


Sozialpolitiker, und ebenso jene menschlich liebenswürdige und

achtungswerte, dennoch aber unsäglich spießbürgerliche

Erweichung des Gemütes, welche politische Ideale durch ,,ethische"

ersetzen zu können meint und diese wieder harmlos mit

optimistischen Glückshoffnungen identifiziert. ­

Auch angesichts der gewaltigen Not der Massen der Nation, welche

das geschärfte soziale Gewissen der neuen Generation belastet,

müssen wir aufrichtig bekennen: schwerer noch lastet auf uns heute

das Bewußtsein unserer Verantwortlichkeit

vor der Geschichte

. Nicht

unserer Generation ist beschieden zu sehen, ob der Kampf, den wir

führen, Früchte trug, ob sich die Nachwelt zu

uns als ihren Ahnen

bekennt. Es wird uns nicht gelingen, den Fluch zu bannen, unter

dem wir stehen: Nachgeborene zu sein einer politisch großen Zeit, ­

es müßte denn sein, daß wir verstünden, etwas Anderes zu werden:

Vorläufer einer größeren. Wird das unser Platz in der Geschichte

sein? Ich weiß es nicht und sage nur: es ist das Recht der Jugend, zu

sich selbst und ihren Idealen zu stehen. Und nicht die Jahre sind es,

die den Menschen zum Greise machen: jung ist er, solange er mit

den

großen

Leidenschaften, welche die Natur in uns legte, zu

empfinden vermag. Und so ­ damit lassen Sie mich schließen ­ so

sind es nicht die Jahrtausende einer ruhmreichen Geschichte, unter

deren Last eine große Nation altert. Sie bleibt jung, wenn sie die

Fähigkeit und den Mut hat, sich zu sich selbst und den großen

Instinkten, die ihr gegeben sind, zu bekennen, und wenn ihre

führenden Schichten sich hinaufzuheben vermögen in die harte und

klare Luft, in welcher die nüchterne Arbeit der deutschen Politik

gedeiht, die aber auch durchweht ist von der ernsten Herrlichkeit

des nationalen Empfindens.

29


1

,,Gemeindelexikon" Berlin 1887.

2

Für die soziale Schichtung ist diese Verwaltungseinteilung dennoch

charakteristischer als die Zugrundlegung der Betriebsverteilung. In der Ebene

sind Gutsbetriebe unter 100, auf der Höhe Bauernbetriebe über 200 Hektar

nichts seltenes.

3

Z. B. hatten die Gutsbezirke des Kreises Stuhm 1871­1885 einen

Bevölkerungsrückgang um 6,7 %, der Anteil der Protestanten an der

christlichen Bevölkerung ging von 33,4 auf 31,3 zurück. Die Dörfer der

Kreise Konitz und Tuchel hatten + 8 %, der Anteil der Katholiken steig von

84,7 auf 86,0 %.

4

Ich glaube kaum, bemerken zu müssen, daß die naturwissenschaftlichen

Streitfragen über die Tragweite des Selektionsprinzipes, überhaupt die

naturwissenschaftliche

Verwendung des Begriffes der ,,Züchtung" und alle

Erörterungen, die sich daran auf jenem, mir fremden Gebiete knüpfen, für

die obigen Bemerkungen irrelevant sind. Der

Begriff

der ,,Auslese" ist heute

ebenso Gemeingut, wie etwa die heliocentrische Hypothese, und der

Gedanke der Menschen-,,Züchtung" gehört schon dem platonischen Staat

an. Beide Begriffe sind z. B. schon von F. A. Lange in seiner ,,Arbeiterfrage"

verwendet und bei uns längst derart heimisch, daß ein Mißverständnis ihres

Sinnes für Niemand, der unsere Litteratur kennt, möglich ist. Schwieriger ist

die Frage, wieweit den neuesten, geistreichen, aber nach Methode und

sachlichen Ergebnissen erhebliche Bedenken erregenden, in mancher

Uebertreibung zweifellos verfehlten Versuchen der Anthropologen, die

Tragweite des Auslesegesichtspunktes im Sinne Darwins und Weismanns

auch auf dem Boden der ökonomischen Forschung zu verbreitern, dauernder

Wert zukommt. Trotzdem verdienen z. B. die Schriften von

Otto Ammon

(,,Die natürliche Auslese beim Menschen". ,,Die Gesellschaftsordnung und

ihre natürlichen Grundlagen") jedenfalls mehr Aufmerksamkeit als ihnen zu

Teil wird, ­ unbeschadet aller zu machender Vorbehalte. Ein Fehler der

meisten von naturwissenschaftlicher Seite gelieferten Beiträge zur

Beleuchtung der Fragen unserer Wissenschaft liegt in dem verfehlten

Ehrgeiz, vor allen Dingen den Sozialismus ,,widerlegen" zu wollen. Im Eifer

dieses Zweckes wird aus der vermeintlichen ,,naturwissenschaftlichen

Theorie" der Gesellschaftsordnung unwillkürlich eine Apologie derselben.

5 Jene Forderung stellt jetzt in dem gleichen Gedankenzusammenhang

insbesondere auch Professor Schmoller in seinem Jahrbuch. In der That ist

derjenige Teil des Großgrundbesitzerstandes, dessen Erhaltung als

landwirtschaftlicher Betriebsleiter staatlich von Wert ist, vielfach nur als

Domänenpächter, nicht als Eigentümer zu halten. Allerdings bin ich der


Ansicht, daß der Bodenankauf nur in organischer Verbindung mit einer

Kolonisation geeigneter Domänen einen dauernden Sinn hat, derart also, daß

ein Teil des östlichen Bodens die Hände des Staates durchläuft und während

er sich in diesen befindet, eine energische Meliorationskur mit staatlichen

Krediten durchmacht. Die Schwierigkeit, mit welcher die

Ansiedlungskommission zu ringen hat, ist abgesehen von der Belastung mit

der ,,Nachkur" der angesetzten Kolonisten, welche nebst ihren

Stundungsgesuchen nach einiger Zeit besser dem etwas hartherzigeren

gewöhnlichen Fiskus überantwortet würden, darin begründet, daß die

angekauften Güter zum großen Teil besser erst ein Jahrzehnt sich in einer

solchen Kur in der Hand von Domönenpächtern befänden. Jetzt muß die

Melioration Hals über Kopf im Wege der Administration mit großen

Verlusten ausgeführt werden, während sicherlich zahlreiche Domänen zur

alsbaldigen Kolonisation geeignet wären. Die durch diese Schwierigkeiten

veranlaßte Langsamkeit des Verfahrens rechtfertigt freilich Hans Delbrücks

Urteil über dessen nationalpolitische Wirkung in seinen verschiedenen

bekannten Artikeln in den Preuß. Jahrbüchern keineswegs. Schon die

mechanische Berechnung unter Vergleichung der Zahl der begründeten

Bauernhöfe mit der Zahl der Polen ist für Niemand, der sich das Kulturwerk

der Kolonisation an Ort und Stelle betrachtet hat, beweiskräftig; wenige

Dörfer mit je ein Dutzend deutschen Höfen

germanisieren

eventuell mehrere

Quadratmeilen, natürlich vorausgesetzt, daß der proletarische Nachschub aus

dem Osten abgedämmt wird und daß man nicht, indem man die

Abbröckelung und den Zerfall des Großbesitzes im Uebrigen sich selbst und

dem durch die Rentengutsgesetze noch weiter entbundenen freien Spiel der

Kräfte allein überläßt, dem Faß, in welches man schöpft, den Boden

ausschlägt.



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