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Q. Mucius Scaevola - Welche Funktion überträgt Cicero dieser Person im ersten Buch des Werks „De oratore“?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 24 Pages
Author: Franziska Rothmann
Subject: Latin

Details

Event: Hauptseminar "Cicero - De oratore"
Institution/College: University of Potsdam
Tags: Mucius, Scaevola, Hauptseminar, Cicero
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V120349
ISBN (E-book): 978-3-640-24159-0
ISBN (Book): 978-3-640-24526-0

Abstract

Ciceros „De oratore“, die erste seiner großen literarischen Arbeiten, entstand wohl im Jahr 55 v. Chr. , nach der weitgehenden politischen Isolierung Ciceros. Das Werk widmet sich einem Thema, dem Cicero selbst lebenslang verpflichtet war: der Redekunst. Ciceros „De oratore“ ist als Dialog abgefasst mit verschiedenen „Personen der Zeitgeschichte oder der jüngeren Vergangenheit, die eine besondere Beziehung zu seinem Gegenstand besaßen.“ Die Dialogform ermöglicht es Cicero widerstreitende Meinungen darzustellen, indem er sie den unterschiedlichen Charakteren zuschreibt und sie durch die Stimmen seiner Gesprächsteilnehmer verkünden kann. Dass Cicero bei der Wahl der Personen und bei der Darstellung derselben eine bestimmte Intention verfolgte und die Auswahl nicht zufällig erfolgte, wird unterstellt. Es eröffnet sich jedoch die Frage, warum Cicero die einzelnen Personen in seinen Dialog einarbeitete und welche Bedeutung sie für das Werk haben. In der vorliegenden Arbeit soll nun untersucht werden, welche Rolle Cicero dem Quintus Mucius Scaevola in seinem literarischen Werk „De oratore“ zugedacht hat. Welche Funktion, welche Rolle überträgt Cicero dem Q. Mucius Scaevola? Dazu sollen nach einer kurzen Beschreibung der historischen Person die Zwischengespräche des ersten Buches darauf untersucht werden, wie Cicero Q. Mucius Scaevola darstellt und welche Charakterzüge er ihm zuteilt. Vorsichtige Interpretationen sollen die Frage der Arbeit – welche Rolle Scaevola in Ciceros „De oratore“ spielt – beantworten helfen. Anhand der Rede, die Q. Mucius Scaevola in „De oratore“ hält, soll die Bedeutung der Persönlichkeit Q. Mucius Scaevola für „De oratore“ und damit seine Rolle in dem Buch abschließend herausgearbeitet werden. Dabei werden sowohl bei der Analyse der Zwischengespräche, als auch bei der Untersuchung der Rede, lediglich die für die Darstellung der Person Q. Mucius wichtigsten Punkte beachtet und interpretiert. Aufgrund des Umfanges des ersten Buches können nicht alle Aspekte gleichermaßen detailliert einbezogen werden. Da die Arbeit im Wesentlichen auf eigenen Untersuchungen der entsprechenden Textstellen beruht, wird als Literaturgrundlage vor allem der Kommentar von Leeman verwendet. Als Textgrundlage die Ausgabe von K. F. Kumaniecki hinzugezogen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Potsdam

Klassische Philologie


Hausarbeit

zum Thema:

Q. Mucius Scaevola ­

Welche Funktion überträgt Cicero dieser Person im ersten

Buch des Werks ,,De oratore"?



Hauptseminar

Cicero: De oratore

SoSe 2006





vorgelegt von:

Franziska Rothmann


1.

EINLEITUNG

3

2. DIE ROLLE DES QUINTUS MUCIUS SCAEVOLA IN CICEROS ,,DE ORATORE"

3

2.1. Biographische Hintergründe

4

2.2. Darstellung in den Zwischengesprächen

5

2.2.1. Einführung in Ort, Zeit und Personen (24-29)

5

2.2.2. Gespräch zwischen Crassus und Scaevola (74-79)

7

2.2.3. Erstes Zwischengespräch (96-112)

9

2.2.4. Zweites Zwischengespräch (160-165)

10

2.2.5. Drittes Zwischengespräch (204-209a)

12

2.2.6. Schlussgespräch des ersten Buches (262b-265)

13

2.3. Die Rede des Q. Mucius Scaevola

16

2.3.1. Gliederung der Rede und inhaltliche Kurzzusammenfassung

16

2.3.2. Interpretation

19

3.

FAZIT

20

4.

LITERATUR

23


2


1. Einleitung

Ciceros ,,De oratore", die erste seiner großen literarischen Arbeiten, entstand wohl im Jahr

55 v. Chr.1, nach der weitgehenden politischen Isolierung Ciceros. Das Werk widmet sich

einem Thema, dem Cicero selbst lebenslang verpflichtet war: der Redekunst.

Ciceros ,,De oratore" ist als Dialog abgefasst mit verschiedenen ,,Personen der

Zeitgeschichte oder der jüngeren Vergangenheit, die eine besondere Beziehung zu seinem

Gegenstand besaßen."2 Die Dialogform ermöglicht es Cicero widerstreitende Meinungen

darzustellen, indem er sie den unterschiedlichen Charakteren zuschreibt und sie durch die

Stimmen seiner Gesprächsteilnehmer verkünden kann. Dass Cicero bei der Wahl der

Personen und bei der Darstellung derselben eine bestimmte Intention verfolgte und die

Auswahl nicht zufällig erfolgte, wird unterstellt. Es eröffnet sich jedoch die Frage, warum

Cicero die einzelnen Personen in seinen Dialog einarbeitete und welche Bedeutung sie für

das Werk haben.

In der vorliegenden Arbeit soll nun untersucht werden, welche Rolle Cicero dem Quintus

Mucius Scaevola in seinem literarischen Werk ,,De oratore" zugedacht hat. Welche

Funktion, welche Rolle überträgt Cicero dem Q. Mucius Scaevola? Dazu sollen nach einer

kurzen Beschreibung der historischen Person die Zwischengespräche des ersten Buches

darauf untersucht werden, wie Cicero Q. Mucius Scaevola darstellt und welche

Charakterzüge er ihm zuteilt. Vorsichtige Interpretationen sollen die Frage der Arbeit ­

welche Rolle Scaevola in Ciceros ,,De oratore" spielt ­ beantworten helfen. Anhand der

Rede, die Q. Mucius Scaevola in ,,De oratore" hält, soll die Bedeutung der Persönlichkeit

Q. Mucius Scaevola für ,,De oratore" und damit seine Rolle in dem Buch abschließend

herausgearbeitet werden. Dabei werden sowohl bei der Analyse der Zwischengespräche,

als auch bei der Untersuchung der Rede, lediglich die für die Darstellung der Person Q.

Mucius wichtigsten Punkte beachtet und interpretiert. Aufgrund des Umfanges des ersten

Buches können nicht alle Aspekte gleichermaßen detailliert einbezogen werden.

Da die Arbeit im Wesentlichen auf eigenen Untersuchungen der entsprechenden

Textstellen beruht, wird als Literaturgrundlage vor allem der Kommentar von Leeman

verwendet. Als Textgrundlage die Ausgabe von K. F. Kumaniecki hinzugezogen.3

1 Marcus Tullius Cicero. De oratore. Über den Redner. Lateinisch / Deutsch. Übers. u. hrsg. von H. Merklin,

Stuttgart 1997 (3. Auflage), S. 23.

2 Ebenda, S. 24.

3 M. Tulli Ciceronis scripta quae manserunt omnia. Fasc. 3. de oratore, edidit K. F. Kumaniecki. Leipzig 1969.

3


2. Die Rolle des Quintus Mucius Scaevola in Ciceros ,,De

oratore"

2.1. Biographische Hintergründe4

Quintus Mucius Scaevola wurde vermutlich 170 v. Chr. geboren und starb 87 v. Chr. während

des Bürgerkrieges zwischen Marius und Sulla.

Er galt als herausragender Jurist und war zudem von 129 an Augur, was ihm auch den in

vielen Quellen genannten Beinamen einbrachte, auch damit es nicht zu einer Verwechslung

mit seinem Verwandten Q. Mucius Scaevola Pontifex kommt. Im Jahr 120 wurde Q. Mucius

Praetor und verwaltete Asia. Während dieser Zeit hat er wohl auch in Athen und Rhodos die

Rhetoren- und Philosophenschulen besucht. Zurück in Rom wurde er wegen Erpressung von

T. Albucius angeklagt5, jedoch freigesprochen. Das Amt des Konsuls bekleidete er im Jahr

117. Danach widmete er sich hauptsächlich der Rechtsberatung, erteilte aber nur

responsa

,

also Rechtsgutachten und veröffentlichte keine eigenen Schriften.

Q. Mucius lebte in einem Jahrhundert, das insgesamt geprägt war durch die Annäherung der

griechischen und der römischen Kultur. Er war selbst durch seinen Schwiegervater C. Laelius

(ca. 190 ­ 129 v. Chr.) verbunden mit dem Scipionenkreis. Scipio Aemilianus wiederum

pflegte engen Kontakt zu Panaitios von Rhodos (ca. 180 ­ 100 v. Chr.), der ,,den Römern den

Zugang zu einer Philosophie mit neuen Perspektiven, auch für das politische Leben,

erschlossen hat."6 Seine Schrift

,,Vom Staat"

, die uns nur aus Ciceros

,,De re publica"

und

,,De officiis"

erhalten ist, hat das Denken der führenden Männer in Rom beeinflusst. Wohl

schon während der berühmten Philosophengesandtschaft im Jahr 155 v. Chr. hat Q. Mucius in

Rom die Vertreter der drei großen Philosophenschulen gehört und fühlte sich ­ sicher auch

durch den Kontakt zum Scipionenkreis und damit auch zum Vertreter der mittleren Stoa,

Panaitios ­ am ehesten der Stoa verbunden.

Als sein Schüler kann neben seinem Schwiegersohn L. Licinius Crassus auch Cicero genannt

werden. Als junger Mann wurde er zusammen mit seinem Bruder Quintus ,,bei einigen der

kultiviertesten Adligen eingeführt, vor allem bei den beiden herausragenden Rednern der Zeit,

Lucius Licinius Crassus und Marcus Antonius, ferner beim Augur Quintus Mucius Scaevola

4 Für das ganze Kapitel vgl. Der neue Pauly ; Marcus Tullius Cicero. De oratore. Über den Redner. Lateinisch /

Deutsch. Übers. u. hrsg. von H. Merklin, Stuttgart 1997 (3. Auflage), S. 28.

5 Belegt auch in: De oratore: II, 281 und III, 171.

6 Bengtson, H.: Römische Geschichte. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr. München 1995 (7. Auflage), S.

119.

4


und beim gleichnamigen Sohn seines Vetters, dem Pontifex Scaevola. Diese beiden waren die

führenden Autoritäten im Zivil- bzw. Sakralrecht."7 So nahm Cicero an den Rechtsauskünften

und -beratungen des da schon hochbetagten Q. Mucius teil. Zahlreiche Details aus dessen

Leben bewahrte uns Cicero daher aus eigener Erinnerung in seinen Schriften, vor allem in

,,De oratore"

, in

,,De re publica"

und in

,,Laelius"

.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Q. Mucius Scaevola ein Mann des öffentlichen,

d.h. auch politischen Lebens, war. Seine juristischen Fachkenntnisse sowie ein grundlegendes

philosophisches Interesse, dabei vor allem an der Stoa, kennzeichnen seine Person und

machen ihn ­ unter anderem für Cicero ­ bedingt auch durch sein hohes Alter zu einer

Autorität.

2.2. Darstellung in den Zwischengesprächen

2.2.1. Einführung in Ort, Zeit und Personen (24-29)

Die Person des Q. Mucius Scaevola wird, wie alle anderen für das erste Buch wichtigen

Akteure, direkt nach dem Proömium eingeführt. Cicero habe, so heißt es in Abschnitt 24,

davon gehört, dass L. Crassus sich zur Zeit des Konsulats des Philippus, während der

römischen Festspiele zu Ehren der drei kapitolinischen Gottheiten, auf sein Landgut bei

Tusculum zurückgezogen habe. Daraus ergibt sich eine Datierung des Gesprächs auf zwei

Septembertage im Jahr 91.

« ... venisse eodem, socer eius qui fuerat, Q. Mucius dicebatur et M. Antoniu, homo

et consiliorum in re publica socius et summa cum Crasso familiaritate coniunctus. »

8

Cicero nennt Q. Mucius zusammen mit M. Antonius. Cicero beschriebt Q. Mucius lediglich

näher, indem er das Verwandtschaftsverhältnis zu L. Crassus als Schwiegervater benennt,

während M. Antonius als politischer Gefährte und Freund des L. Crassus eingeführt wird. Im

Folgenden werden die zwei jungen Männer C. Cotta und P. Sulpicius ­ beides laut Cicero

Anwärter für das Amt des Volkstribun, also Männer, denen eine politische Karriere noch

bevorstand - eingeführt.

Am ersten Abend war die aktuelle politische Lage Gegenstand der Gespräche zwischen den

Männern. Cotta habe darüber berichtet, dass die drei Konsuln mit äußerster Voraussicht über

den Staat und seine Situation gesprochen hätten:

7 Habicht, Chr.: Cicero der Politiker. München 1990, S. 27.

8 De oratore I, 24.

5



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