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Franz Grillparzers Rezeption der antiken Medea-Dramen

Hauptseminararbeit, 2007, 28 Seiten
Autor: Franziska Rothmann
Fach: Latein

Details

Veranstaltung: Hauptseminar "Wandlungen des Medea-Bildes im Drama"
Institution/Hochschule: Universität Potsdam
Tags: Franz, Grillparzers, Rezeption, Medea-Dramen, Hauptseminar, Wandlungen, Medea-Bildes, Drama
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 28
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V120350
ISBN (E-Book): 978-3-640-24160-6
ISBN (Buch): 978-3-640-24967-1

Zusammenfassung / Abstract

Der Mythos Medea hat durch alle Jahrhunderte eine ausgeprägte Faszination auf die Autoren der jeweiligen Zeit ausgeübt. Als Teil eines umfassenderen Mythos, der Argonautensage, für die es ebenfalls viele unterschiedliche Quellen gibt, hat vor allem die Geschichte Medeas zu immer neuen Werken inspiriert. Daher findet sich kaum eine mythologische Figur so häufig in literarischen Bearbeitungen wieder. „Was speziell die Medea angeht, so hat die von Euripides geschaffene tragische Gestalt in zwei Jahrtausenden europäischer Bühnendichtung von Ovid und Seneca bis Grillparzer und Anouilh eine besonders reiche Fülle von Metamorphosen erlebt.“ Ausgehend von den antiken tatsächlich überlieferten Medea-Dramen, wie eben die Medea des Euripides und die des Seneca, zieht sich die literarische Entwicklung der Medea durch alle Epochen bis in die heutige Zeit. Dabei erlebte die Figur Medea und ihre Geschichte zahlreiche Wandlungen und Veränderungen, die sich teils auf die jeweilige Zeit bzw. die Epoche zurückführen lassen, teils aber auch von den Autoren beeinflusst wurden. Jedes Werk hat seinen eigenen literarischen Wert, steht als Exempel der Zeit, in der es entstanden ist und als Ausdruck der Intention seines Autors. Aspekte, die zu untersuchen eine spannende Aufgabe sein dürfte. Bei einem derartig oft rezipierten Mythos bietet jede Bearbeitung jedoch auch zugleich Untersuchungsmöglichkeiten in Bezug auf die Weiterentwicklung des Mythos. Welche Tendenzen können in den unterschiedlichen Bearbeitungen aufgezeigt werden, welche Veränderungen finden sich und wie können sie begründet werden. Dies soll wesentlicher Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sein. Dabei werden zwei antike Medea-Bearbeitungen, die Medea-Dramen von Euripides und Seneca, und das Medea-Drama von Franz Grillparzer herangezogen. Zu beachten ist, dass es sich bei dem Trauerspiel des Wiener Autors um einen Teil einer Trilogie mit dem Titel „Das goldene Vließ“ handelt. Grillparzer hat – sich stützend auf unterschiedliche Quellen – die Vorgeschichte Medeas selbstständig verfasst. „Daß Grillparzer nicht nur eine Tragödie, sondern eine Trilogie geschrieben hat, ist das entscheidende Merkmal, das sein Werk von denen des Euripides, Seneca und Corneille unterscheidet.“ [...]


Textauszug (computergeneriert)

Universität Potsdam

Institut für Romanistik


Hausarbeit

zum Thema:

,,Franz Grillparzers Rezeption der

antiken Medea-Dramen"



Hauptseminar

,,Wandlungen des Medea-Bildes im Drama

von der Antike bis zur Gegenwart"

WiSe 2006 / 07







vorgelegt von:

Franziska Rothmann


1.

EINLEITUNG

3

2.

DIE MEDEA-DRAMEN ­ EURIPIDES, SENECA, GRILLPARZER

5

2.1.

Das ,,griechische" Medea-Drama des Euripides

5

2.1.1.

Der Autor und das Werk

5

2.1.2. Inhaltliche

Zusammenfassung

5

2.2.

Das ,,römische" Medea-Drama von Seneca

6

2.2.1.

Der Autor und das Werk

6

2.2.2. Inhaltliche

Zusammenfassung

6

2.3.

Das Medea-Drama von Grillparzer

7

2.3.1.

Der Autor und das Werk

7

2.3.2. Inhaltliche

Zusammenfassung

7

3.

GRILLPARZERS REZEPTION DER ANTIKEN MEDEA-DRAMEN ­ EIN

VERGLEICH AUSGEWÄHLTER SCHWERPUNKTE

9

3.1.

Vergleich der Personen in den Dramen

9

3.2.

Vergleich der Dramenanfänge

9

3.3.

Vergleich der Charakterisierung Medeas

13

3.3.1.

Medeas Absage an die barbarischen Wurzeln

13

3.3.2. Medeas

Rachepläne

16

3.3.3.

Der Kindermord und das Ende des Dramas

21

4.

FAZIT

24

5.

LITERATUR

27

2


1. Einleitung

Der Mythos Medea hat durch alle Jahrhunderte eine ausgeprägte Faszination auf die Autoren

der jeweiligen Zeit ausgeübt. Als Teil eines umfassenderen Mythos, der Argonautensage, für

die es ebenfalls viele unterschiedliche Quellen gibt, hat vor allem die Geschichte Medeas zu

immer neuen Werken inspiriert. Daher findet sich kaum eine mythologische Figur so häufig

in literarischen Bearbeitungen wieder. ,,Was speziell die Medea angeht, so hat die von

Euripides geschaffene tragische Gestalt in zwei Jahrtausenden europäischer Bühnendichtung

von Ovid und Seneca bis Grillparzer und Anouilh eine besonders reiche Fülle von

Metamorphosen erlebt."1 Ausgehend von den antiken tatsächlich überlieferten Medea-

Dramen, wie eben die Medea des Euripides und die des Seneca, zieht sich die literarische

Entwicklung der Medea durch alle Epochen bis in die heutige Zeit. Dabei erlebte die Figur

Medea und ihre Geschichte zahlreiche Wandlungen und Veränderungen, die sich teils auf die

jeweilige Zeit bzw. die Epoche zurückführen lassen, teils aber auch von den Autoren

beeinflusst wurden. Jedes Werk hat seinen eigenen literarischen Wert, steht als Exempel der

Zeit, in der es entstanden ist und als Ausdruck der Intention seines Autors. Aspekte, die zu

untersuchen eine spannende Aufgabe sein dürfte. Bei einem derartig oft rezipierten Mythos

bietet jede Bearbeitung jedoch auch zugleich Untersuchungsmöglichkeiten in Bezug auf die

Weiterentwicklung des Mythos. Welche Tendenzen können in den unterschiedlichen

Bearbeitungen aufgezeigt werden, welche Veränderungen finden sich und wie können sie

begründet werden.

Dies soll wesentlicher Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sein. Dabei werden zwei antike

Medea-Bearbeitungen, die Medea-Dramen von Euripides und Seneca, und das Medea-Drama

von Franz Grillparzer herangezogen. Zu beachten ist, dass es sich bei dem Trauerspiel des

Wiener Autors um einen Teil einer Trilogie mit dem Titel ,,Das goldene Vließ" handelt.

Grillparzer hat ­ sich stützend auf unterschiedliche Quellen ­ die Vorgeschichte Medeas

selbstständig verfasst. ,,Daß Grillparzer nicht nur eine Tragödie, sondern eine Trilogie

geschrieben hat, ist das entscheidende Merkmal, das sein Werk von denen des Euripides,

Seneca und Corneille unterscheidet."2 Da jedoch die antiken Vorbilder Euripides und Seneca

den Medea-Mythos allein, nur mit einigen Verweisen auf die vorherigen Ereignisse innerhalb

der Tragödie, niedergeschrieben haben, wird darauf nicht weiter eingegangen, denn

1 Dihle 1976, S. 175.

2 Bandet in: Pichl / Stillmark / Wagner 1987, S. 36.

3


wesentlicher Vergleichpunkt ist das Medea-Drama. Es soll der Frage nachgegangen werden,

in welcher Form Franz Grillparzer die antiken literarischen Vorbilder für sein Medea-Drama

rezipiert hat. Dazu werden zunächst die antiken Medea-Dramen, das griechische des

Euripides und das römische von Seneca, sowie das Werk Grillparzers inhaltlich

zusammengefasst. Um zur Beantwortung der zentralen Frage der Arbeit zu kommen, wird

anschließend ein Vergleich der drei Medea-Dramen anhand ausgewählter Schwerpunkte

vorgenommen. Dabei soll nach einer kurzen Gegenüberstellung der Personen in den drei

Dramen, ein erster Fokus auf die Dramenanfänge gelegt werden. Daraus gewonnene

Erkenntnisse sollen durch eine anschließende genauere Betrachtung der Charakterzeichnung

der Hauptperson Medea erweitert werden. Auf die detaillierte Betrachtung der anderen

Personen wird verzichtet, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Sie werden

lediglich dann in die Betrachtung einbezogen, wenn es für die Interpretation unerlässlich

erscheint. Auf einen Vergleich hinsichtlich formaler Aspekte (Länge, Aufbau etc.) wird

ebenso verzichtet. Ausgehend von der Darstellung des Dramas von Grillparzer werden die

antiken Dramen jeweils auf Übereinstimmungen und Unterschiede hin untersucht. Dabei

werden bewusst nur bestimmte Aspekte der Werke herausgegriffen. Ein umfassender, die

jeweiligen kompletten Dramen einschließender Vergleich wäre sicher lohenswert, dem

Rahmen der Arbeit jedoch nicht angemessen. Ein in einem Fazit vorsichtig

zusammengefasster Interpretationsversuch, wie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu

deuten sind, soll die Arbeit abrunden.

4


2. Die Medea-Dramen ­ Euripides, Seneca, Grillparzer

2.1. Das ,,griechische" Medea-Drama des Euripides

2.1.1. Der Autor und das Werk

Die Lebensdaten des Autors Euripides sind nicht sicher belegt. Als wahrscheinlich gilt ein

Zeitraum von etwa 480 ­ 406 v. Chr.3. Zu seinen Lebzeiten war ihm kein besonders großer

Erfolg beschieden, zwar beteiligte er sich am Agon, wie auch seine Zeitgenossen Aischylos

und Sophokles, doch zum ,,beliebtesten Tragiker überhaupt"4 avancierte er erst im 4.

Jahrhundert, also nach seinem Tod. ,,Euripides lebte im geistigen Klima der griechischen

Aufklärung"5 und kann insgesamt als intellektueller Autor bezeichnet werden. In seinen

Werken finden sich auch Elemente der zeitgenössischen Philosophie und der Sophistik. Das

Medea-Drama, in dem auch die für Euripides typische explizit menschliche Darstellung der

Figuren erkennbar ist, wurde im Jahr 431 zum ersten Mal aufgeführt. Es ist eines von

insgesamt 18 Stücken des Euripides, das erhalten ist.

2.1.2. Inhaltliche Zusammenfassung

Euripides′ Drama beginnt nach der Hochzeit von Jason und Glauke, der Tochter des Königs

Kreon von Korinth. Die Amme Medeas führt die Zuschauer in die Handlung ein und fasst die

vorangegangenen Handlungen (die Fahrt der Argo, der Kampf um das Vließ, der Tod des

Pelias) kurz zusammen. Der Erzieher der beiden Kinder Jasons und Medeas kommt und

bringt eine weitere Schreckensnachricht: Medea muss mit ihren Kindern das Land verlassen.

Die Verbannte bittet Kreon daraufhin um einen Tag Aufschub, damit sie überlegen könne,

wohin sie gehen soll. Tatsächlich aber braucht sie die Zeit um einen Racheplan zu schmieden.

Kreon und seine Tochter sollen sterben. Nach einem Streitgespräch mit Iason erscheint

Aigeus, der König von Athen, und klagt über seine Kinderlosigkeit. Medea bietet ihm ihre

Hilfe an und erbittet im Gegenzug sehr weitsichtig, dass er ihr eine Zuflucht garantiere, sollte

sie einmal in Not sein. Das Abkommen wird mit einem Eid besiegelt. Nun kann Medea sich

sorglos ihren Racheplänen widmen. Vergiftete Geschenke für die Braut, von Medeas Kindern

überbracht, töten nicht nur Kreons Tochter, sondern auch den König selbst. Ein Bote berichtet

ausführlich von dem grausigen Tod im Königshaus. Als Medea die Folgen ihrer Tat bewusst

3 Vgl. Hose 1999, S. 105.

4 Ebenda, S. 106.

5 Eller in: Euripides 1992, S. 129.

5


werden, fürchtet sie die Rache der Korinther und rechtfertigt damit den Mord an ihren beiden

Kindern. Der Gedanke an den Kindermord war jedoch auch zuvor schon präsent. Nachdem

sie die Kinder im Haus getötet hat, erscheint Jason, erfährt vom Mord an seinen Kindern und

erbittet die Leichen, damit er sie bestatten könne. Medea aber fährt auf einem Drachenwagen

ihres Ahnen Helios mit den Kinderleichen davon. Sie will ihre Kinder in das Hera-Heiligtum

von Akraia bringen und selbst zu Aigeus gehen und dort wohnen.

2.2. Das ,,römische" Medea-Drama von Seneca

2.2.1. Der Autor und das Werk

Wann Lucius Anneaus Seneca geboren wurde, ist unsicher, wird aber um das Jahr 0 herum

vermutet.6 Tatsache ist, dass er aus Spanien kam, sein Vater ebenfalls als Autor in

Erscheinung trat ­ Seneca der Rhetor im Unterschied zu dem hier beschriebenen Seneca

Philosophus ­ und er am Hofe des Claudius als Erzieher des jugendlichen Nero arbeitete.

Nachdem er bereits unter Kaiser Claudius Opfer höfischer Intrigen geworden war und für

einige Zeit verbannt wurde, zog er sich aufgrund der tyrannischen Politik des Claudius-

Nachfolgers Nero vom Hof zurück und widmete sich der philosophischen Schriftstellerei. Im

Jahr 65 wurde er, wie viele andere namhafte Römer auch, der Mitwisserschaft an der

sogenannten Pisonischen Verschwörung gegen Nero beschuldigt und erhielt den Befehl sich

selbst zu richten.

Das Medea-Drama Senecas ist eine von insgesamt neun Tragödien, die alle von griechischen

Mythen handeln. Eine exakte Datierung der Stücke kann nicht vorgenommen werden, es wird

jedoch vermutet, dass sie alle in den Jahren vor und unmittelbar nach Neros Regierungsantritt

- im Jahr 547 - als ,,Teil von Senecas Erziehungsprogramm"8 verfasst worden sind.

2.2.2. Inhaltliche Zusammenfassung

Senecas Drama beginnt mit einem Monolog Medeas, in dem sie verschiedene Götter anruft

und Rache schwört. Die Hochzeit Jasons und Kreusas scheint gerade zu beginnen. Während

ihre Amme versucht, die rasende Medea zu beruhigen, erscheint der König von Korinth,

Kreon, um sie aus seinem Reich zu verbannen. Dies begründet er damit, dass Acastus, der

Sohn des Pelias, Medeas Auslieferung verlangt und Korinth mit Krieg droht. Medea erbittet

6 Vgl. Fuhrmann 1999, S. 274.

7 Bengtson 1995, S. 247.

8 Fuhrmann 1999, S. 285.

6



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