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Der Pronominalgebrauch im Altportugiesischen am Beispiel der „Cantigas d’Amigo“

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 35 Pages
Author: Cecilia Timoteo
Subject: Romance Languages - Portuguese Studies

Details

Event: Die iberoromanischen Sprachen in den ersten Texten
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz (Romanisches Seminar)
Tags: Pronominalgebrauch, Altportugiesischen, Beispiel, Sprachen, Texten
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 35
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 32  Entries
Language: German
Archive No.: V120405
ISBN (E-book): 978-3-640-26022-5
ISBN (Book): 978-3-640-25928-1

Abstract

Sowohl in Bezug auf Personalpronomen als auch auf Possessivpronomen hat das Portugiesische einen linguistischen Wandel vollzogen. Dieser Wandel betrifft hauptsächlich die Stellungsvarianten von Objektpronomen. Darüber hinaus gibt es auch einen Wandel im Gebrauch von Possessiva. Während im 13. Jahrhundert Possessiva normalerweise ohne Artikel verwendet werden, kommen sie im aktuellen europäischen Sprachgebrauch systematisch mit Artikeln vor. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, den Pronominalgebrauch im Altportugiesischen zu analysieren. Als Basis für die Untersuchung dienen die Cantigas d´Amigo, die zwischen 1220 und 1350 verfasst wurden und zu den ältesten poetischen Texten des Portugiesischen bzw. Galego-Portugiesischen zählen. Als Quelle dienen hier Rip Cohens „500 cantigas d'amigo”. In Anbetracht der Tatsache, dass es keine einheitliche und klare Periodisierung des Altportugiesischen gibt, werden zunächst die bis heute bestehenden Periodisierungsansätze kurz dargestellt. Dies wird lediglich in Bezug auf das Altportugiesische thematisiert. Die bestehende Problematik in Bezug auf das Portugiesische nach dem 16. Jahrhundert beispielsweise wird im Rahmen dieser Arbeit nicht berücksichtigt. Vor dem Hintergrund des Pronominalgebrauchs im Altportugiesischen wird auch der Pronominalgebrauch im modernen Portugiesisch thematisiert, um so zum einen den aktuellen Stand zu zeigen und zum anderen eine Gegenüberstellung zum Pronominalgebrauch im Altportugiesischen zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang wird auch die brasilianische Variante thematisiert, da es gerade im Pronominalgebrauch große Unterschiede zum europäischen Portugiesisch gibt. Den Hauptteil der vorliegenden Arbeit bildet die Untersuchung des Textkorpus. Es erfolgt eine quantitative Untersuchung der jeweiligen Pronomina, die sowohl morphologische als auch syntaktische Aspekte – vor allem im Vergleich zum heutigen Pronominalgebrauch – berücksichtigt. Die Detailanalyse der Personalpronomen konzentriert sich vor allem auf die vorhandene oder nicht vorhandene Markierung der Verbalperson durch die Subjektpronomen und auf die Stellung der unbetonten bzw. klitischen Objektpronomen, da es in diesem Bereich große Abweichungen zum modernen Portugiesisch gibt. In diesem Zusammenhang werden die proklitische, die enklitische und auch die mesoklitische Stellung thematisiert. Die Possessivpronomen werden vor allem hinsichtlich der Verwendung mit dem bestimmten Artikel als Determinant untersucht.


Excerpt (computer-generated)

Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Romanisches Seminar
Hauptseminar: Die iberoromanischen Sprachen in den ersten Texten

Der Pronominalgebrauch im Altportugiesischen am Beispiel der ,,Cantigas d′Amigo"

Cecília Dos Reis Timóteo
Studienfächer: Romanische Philologie (Portugiesisch, Französisch) Buchwissenschaften


Der Pronominalgebrauch im Altportugiesischen am Beispiel der ,,Cantigas d′Amigo"

Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4

2 Altportugiesisch ­ Periodisierung und sprachliche Zeugnisse 6
2.1 Periodisierung 6
2.2 Erste schriftliche Zeugnisse 8

3 Pronominalgebrauch im modernen Portugiesisch 10
3.1 Personalpronomen 10
3.1.1 Subjektpronomen 10
3.1.2 Objektpronomen 13
3.2 Possessivpronomen 16

4 Methodik der Datenanalyse 19

5 Korpusanalyse 20
5.1 Personalpronomen im Altportugiesischen 20
5.1.1 Subjektpronomen 20
5.1.1.1 Markierung der Verbalpersonen 23
5.1.2 Objektpronomen 23
5.1.2.1 Stellungsvarianten 23
5.2 Possessivpronomen im Altportugiesischen 27
5.2.1 Verwendung mit Determinanten 29

6 Schlußwort 30

7 Bibliographie 32
7.1 Quellen 32
7.2 Sekundärliteratur 32
7.3 Nachschlagewerke 34

Romanisches Seminar Cecília Dos Reis Timóteo
Seite 2


Der Pronominalgebrauch im Altportugiesischen am Beispiel der ,,Cantigas d′Amigo"

Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen
Tabelle 1: Periodisierung des Altportugiesischen 6
Tabelle 2: Subjektpronomen im modernen Portugiesisch 11
Tabelle 3: Objektpronomen im modernen Portugiesisch 13
Tabelle 4: Possessivpronomen im modernen Portugiesisch 16
Tabelle 5: Quantitative Ergebnisse Subjektpronomen 21
Tabelle 6: Quantitative Ergebnisse Markierung der Verbalpersonen 22
Tabelle 7: Quantitative Ergebnisse Objektpronomen 24
Tabelle 8: Quantitative Ergebnisse Possessivpronomen 27

Abbildung 1: Markierung der Verbalpersonen 22
Abbildung 2: Stellungsvarianten der Objektpronomen 25
Abbildung 3: Stellung der Objektpronomen im Vergleich zu Heute 25
Abbildung 4: Prokliseauslösende Elemente 26
Abbildung 5: Setzung des Artikels bei Possessiva 29

Romanisches Seminar Cecília Dos Reis Timóteo
Seite 3


Der Pronominalgebrauch im Altportugiesischen am Beispiel der ,,Cantigas d′Amigo"

1 Einleitung
Sowohl in Bezug auf Personalpronomen als auch auf Possessivpronomen hat das Portugiesische einen linguistischen Wandel vollzogen. ,,Falemos, ainda, de uma mudança linguística que percorre a história do Português: a colocação dos pronomes átonos ou clíticos"1

Dieser Wandel betrifft, wie Esperança Cardeira feststellt, hauptsächlich die Stellungsvarianten von Objektpronomen. Darüber hinaus gibt es auch einen Wandel im Gebrauch von Possessiva. Während im 13. Jahrhundert Possessiva normalerweise ohne Artikel verwendet werden, kommen sie im aktuellen europäischen Sprachgebrauch systematisch mit Artikeln vor.2 Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, den Pronominalgebrauch im Altportugiesischen zu analysieren. Als Basis für die Untersuchung dienen die Cantigas d´Amigo, die zwischen 1220 und 1350 verfasst wurden und zu den ältesten poetischen Texten des Portugiesischen bzw. Galego-Portugiesischen zählen.3 Als Quelle dienen hier Rip Cohens ,,500 cantigas d′amigo". In Anbetracht der Tatsache, dass es keine einheitliche und klare Periodisierung des Altportugiesischen gibt, werden zunächst die bis heute bestehenden Periodisierungsansätze kurz dargestellt. Dies wird lediglich in Bezug auf das Altportugiesische thematisiert. Die bestehende Problematik in Bezug auf das Portugiesische nach dem 16. Jahrhundert beispielsweise wird im Rahmen dieser Arbeit nicht berücksichtigt.4
Vor dem Hintergrund des Pronominalgebrauchs im Altportugiesischen wird auch der Pronominalgebrauch im modernen Portugiesisch thematisiert, um so zum einen den aktuellen Stand zu zeigen und zum anderen eine Gegenüberstellung zum Pronominalgebrauch im Altportugiesischen zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang wird auch die brasilianische Variante thematisiert, da es gerade im Pronominalgebrauch große Unterschiede zum europäischen Portugiesisch gibt.5

1 Vgl. Cardeira, Esperança (2006), O essencial sobre a história do português Lisboa, S. 55.
2 Vgl. Rinke, Esther; Kupisch, Tanja (1999), Italienische und portugiesische Possessivpro-nomina im diachronischen Vergleich: Determinanten oder Adjektive? Hamburg, S. 19.
3 Vgl. Cohen, Rip (2003), 500 cantigas d′amigo. Porto, S. 53.
4 Vgl. Maia, Clarinda de Azevedo (1999), ,,Periodização na história da lingua portuguesa: status quaestionis e perspectivas de investigação futura" in: Estudos de história da língua portuguesa. Frankfurt am Main, S. 32.
5 Vgl. Petruck, Christoph (1989), Sprachregister und Pronominalgebrauch im Portugiesischen. Münster, S. 5.

Romanisches Seminar Cecília Dos Reis Timóteo
Seite 4


Der Pronominalgebrauch im Altportugiesischen am Beispiel der ,,Cantigas d′Amigo"

Den Hauptteil der vorliegenden Arbeit bildet die Untersuchung des Textkorpus. Es erfolgt eine quantitative Untersuchung der jeweiligen Pronomina, die sowohl morphologische als auch syntaktische Aspekte ­ vor allem im Vergleich zum heutigen Pronominalgebrauch ­ berücksichtigt. Die Detailanalyse der Personalpronomen konzentriert sich vor allem auf die vorhandene oder nicht vorhandene Markierung der Verbalperson durch die Subjektpronomen und auf die Stellung der unbetonten bzw. klitischen Objektpronomen, da es in diesem Bereich große Abweichungen zum modernen Portugiesisch gibt. In diesem Zusammenhang werden die proklitische, die enklitische und auch die mesoklitische Stellung thematisiert. Die Possessivpronomen werden vor allem hinsichtlich der Verwendung mit dem bestimmten Artikel als Determinant untersucht.

Obwohl es keine Grammatik des Altportugiesischen gibt6, so existieren viele historische Grammatiken und empirische Untersuchungen, die detaillierte Informationen zum Altportugiesischen bieten und daher die Grundlage dieser Arbeit bilden. Darunter sind besonders erwähnenswert: ,,Estruturas trecentistas: elementos para uma gramática do português arcaico." von Rosa Virgínia Mattos e Silva, ,,Syntaxe histórica portuguesa" von Augusto Epiphanio da Silva Dias, ,,Altportugiesisches Elementarbuch." von Joseph Huber, ,,Compêndio de Gramática Histórica Portuguesa. Fonética e Morfologia." von José Joaquim Nunes und ,,Gramática Histórica" von Ismael de Lima Coutinho. Detaillierte Angaben zum heutigen Pronominalgebrauch finden sich in der ,,Nova Gramática do Português Contemporâneo" von Celso Cunha und Lindley Cintra und in Eberhard Gärtners ,,Grammatik der portugiesischen Sprache". Die Aufsätze von Esperança Cardeira und Clarinda de Azevedo Maia beinhalten sowohl einen Überblick über die bisherigen Periodisierungsversuche als auch über die momentane Lage.

6 Vgl. Mattos e Silva, Rosa Virgínia (1993), O português arcaico: Fonologia. São Paulo, S. 16

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Der Pronominalgebrauch im Altportugiesischen am Beispiel der ,,Cantigas d′Amigo"

2 Altportugiesisch ­ Periodisierung und sprachliche Zeugnisse
2.1 Periodisierung

Die Frage der Periodisierung sowohl des Portugiesischen insgesamt als auch des Altportugiesischen ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht einheitlich geklärt und beantwortet.7 Lediglich in Bezug auf den Beginn des Altportugiesischen gibt es einen Konsens: "Se, relativamente ao «início» da história da língua portuguesa, os filólogos e historiadores são unânimes em situá-lo nos princípios do século XIII, pelo facto de só então se ter verificado a «passagem à escrita» da língua do Noroeste hispânico, remontando, portanto, a essa época o início da tradição escrita em galego-português [...]"8

Wie Clarinda de Azevedo Maia feststellt, sind sich die Philologen vor allem deshalb über den Beginn des Altportugiesischen sicher, weil im 13. Jahrhundert die Verschriftlichung der Sprache faktisch festzustellen ist. Was das Ende der altportugiesischen Phase, eine mögliche Untergliederung oder gar die Bezeichnung der einzelnen Phasen betrifft, so gibt es unterschiedliche Ansätze. Das Ende der altportugiesischen Phase ,,é uma questão em aberto"9. Je nach Definition reicht das Altportugiesische bis zum Jahr 1350, bis zum 15. oder sogar bis zum 16. Jahrhundert.10

Tabelle 1: Periodisierung des Altportugiesischen11
Tabelle leider nur in der Flash Preview verfügbar

7 Vgl. Endruschat, Annette; Schmidt-Radefeldt, Jürgen (2006), Einführung in die portugiesische Sprachwissenschaft. Tübingen, S. 25.
8 Vgl. Maia, Clarinda de Azevedo (1999), ,,Periodização na história da lingua portuguesa: status quaestionis e perspectivas de investigação futura" in: Estudos de história da língua portuguesa. Frankfurt am Main, S. 28.
9 Vgl. Mattos e Silva, Rosa Virgínia (1993), O português arcaico: Fonologia. São Paulo, S. 16.
10 Vgl. Endruschat, Annette; Schmidt-Radefeldt, Jürgen (2006), Einführung in die portugiesische Sprachwissenschaft. Tübingen, S. 25.
11 Vgl. Mattos e Silva, Rosa Virgínia (1993), O português arcaico: Fonologia. São Paulo, S. 19.

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Der Pronominalgebrauch im Altportugiesischen am Beispiel der ,,Cantigas d′Amigo"

Ebenfalls uneinheitlich ist die Untergliederung des Altportugiesischen in zwei unterschiedliche Entwicklungsphasen: "Também se discute, e é uma questão já antiga, a subperiodização do português arcaico."12 Während bei Vasconcelos und Messner das Altportugiesische eine einzige Phase bildet, wird es bei Silva Neto, Vásquez Cuesta/Luz, Mattos e Silva und Da Silva in zwei Subgruppen unterteilt.13 Die erste Phase ist durch die sprachliche Einheit des Galego-Portugiesischen gekennzeichnet und wird als trovadoresco14, galego- português15, português antigo16 oder português arcaico17 bezeichnet.18 Die zweite Phase des Altportugiesischen ­ eine ,,fase nitidamente portuguesa"19 ­ wird durch die Trennung der galizisch-portugiesischen Spracheinheit im politischen und sozialen Sinn gerechtfertigt und wird als português comum bzw. português arcaico20, português pré-clássico21 oder português médio22 bezeichnet.23 Hierbei ist festzuhalten, dass, wie in diesem Fall, oft nicht linguistische, sondern hauptsächlich historische Faktoren die Periodisierung des Portugiesischen beeinflussen: "Ponhamos em evidência que estas classificações se baseiam em factos de carácter extralinguístico, nomeadamente acontecimentos de carácter histórico. [...]"24

So kennzeichnet beispielsweise das Jahr 1354 mit dem Tod von D. Pedro, Conde de Barcelos, dem letzten und größten Vertreter der poesia trovadoresca, den Niedergang der galego-portugiesischen Trobadourlyrik und damit auch das Ende der ersten Phase, für die die poesia trovadoresca charakteristisch ist.25 Ein

12 Vgl. Mattos e Silva, Rosa Virgínia (1993), O português arcaico: Fonologia. São Paulo, S. 17.
13 Vgl. Endruschat, Annette; Schmidt-Radefeldt, Jürgen (2006), Einführung in die portugiesische Sprachwissenschaft. Tübingen, S. 25.
14 Silva Neto
15 Vásquez Cuesta / Luz
16 Mattos e Silva und Lindley Cintra
17 Da Silva
18 Vgl. Maia, Clarinda de Azevedo (1999), ,,Periodização na história da lingua portuguesa: status quaestionis e perspectivas de investigação futura" in: Estudos de história da língua portuguesa. Frankfurt am Main, S. 30.
19 Vgl. ebd., S. 31.
20 Silva Neto
21 Vásquez Custa / Luz
22 Lindley Cintra, Mattos e Silva und Da Silva
23 Vgl. Maia, Clarinda de Azevedo (1999), ,,Periodização na história da lingua portuguesa: status quaestionis e perspectivas de investigação futura" in: Estudos de história da língua portuguesa. Frankfurt am Main, S. 30.
24 Vgl. ebd., S. 30.
25 Vgl. Endruschat, Annette; Schmidt-Radefeldt, Jürgen (2006), Einführung in die portugiesische Sprachwissenschaft. Tübingen, S. 25.

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