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Termpaper, 2005, 16 Pages
Author: MMag. Silvia Kornberger
Subject: Film Science
Details
Institution/College: University of Vienna (Institut für Zeitgeschichte)
Tags: Propagandafilm, Dritten, Reiches, Jahrhundert, Leinwand, Spielfilm-Geschichte
Year: 2005
Pages: 16
Grade: Sehr Gut
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-24202-3
ISBN (Book): 978-3-640-25259-6
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Abstract
„In their war propaganda films the Nazis, of course, pictured themselves exactly as they wanted to be seen, and when, with the passing of time, some traitor lost its attraction, the propaganda experts did not hesitate to suppress it.“ (Kracauer) Trotz Aufruf zum „Widerstand bis zum Letzten“ klaffen Realität und Fiktion weit auseinander: Am 19. März schreibt Goebbels angesichts der verlustreichen Lage an der deutschen Ostfront: „Kolberg haben wir nunmehr räumen müssen. Die Stadt, die sich mit einem so außerordentlichen Heroismus verteidigt hat, konnte nicht mehr länger gehalten werden. Ich will dafür sorgen, dass die Räumung von Kolberg nicht im OKW-Bericht verzeichnet wird. Wir können das angesichts der starken psychologischen Folgen für den Kolberg-Film augenblicklich nicht gebrauchen.“ Die berechnete Verführung durch Ästhetisierung und Theatralisierung politischer Inhalte zur Mobilisierung des kollektiven Patriotismus ging nicht mehr auf. An der rauen Wirklichkeit prallte auch die schauspielerische Leistung der UFA-Stars wie Söderbaum oder George ab, denn weder Dialogführung noch der Einsatz symbolträchtiger Bilder konnten zu diesem Zeitpunkt noch mit der Realität Schritt halten. Der Film zum universalisierten „deutschen Heldentum“ steht auch im Vergleich zur medialen Berichterstattung der späten NS-Täterprozesse Ende Fünfzigerjahre und des spektakulären Eichmann-Prozesses 1960/61 in Israel – nach Abflauen der alliierten Entnazifizierungsmaßnahmen – als sich öffentliche Stimmung wieder allmählich zu Gunsten der Täter veränderte.
Excerpt (computer-generated)
,,Kolberg"
Der letzte Propagandafilm des Dritten Reiches
Hausarbeit im Rahmen der Vorlesung:
Das 20. Jahrhundert auf der Leinwand: Spielfilm-Geschichte (n)
am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
von
Silvia Kornberger
Inhaltsverzeichnis
0. Prolog 2
1. Die Intention hinter ,,Kolberg" 3
1.1 Eine filmische Materialschlacht 3
1.2. Die Entstehungsgeschichte 3
1.3. Propagandaerfahrene Publikumslieblinge werben fürs Durchhalten 4
1.3.1. Kristina Söderbaum die Verkörperung des nationalsozialistischen Frauentypus . 5
1.3.2. Heinrich George ein wandlungsfähiger Schauspieler 5
2. ,,Blut und Boden"- Dialogführung 6
3.1. ,,Das Volk steht auf, der Sturm bricht los" Misstrauen gegenüber hohen Militärs 7
3.2. Aufruf zur Opferbereitschaft 8
3.3. Maria das Ideal des ,,deutschen Mädchens" 8
3.4. Der Feind 9
4. Deutsche Filmästhetik im Kontext mit dem Faschismus 9
4.1. Massenszenen verbildlichen den ,,Volkskörper" 9
4.2. Der mächtige Feind 10
4.3. Optische Umsetzung des nationalsozialistischen Frauenbildes 10
4.4. Der Feind im eigenen Lager 11
4.4. ,,Gott ist mit den Gerechten" 11
5. Epilog 12
6. Appendix 13
6.1. Literaturverzeichnis 13
6.2. Filmographie 14
1
0. Prolog
Zu Beginn möchte ich kurz erläutern, warum ich mich im Rahmen der Vorlesung ,,Das 20.
Jahrhundert auf der Leinwand: Spielfilm-Geschichte(n)" für die deutsche Produktion
,,Kolberg" (D. 1943-45) entschieden habe. Die vordergründig als Historienfilm angelegte
Geschichte unterscheidet sich grundlegend von anderen Werken dieses Genres wie etwa
,,Tanz auf dem Vulkan" mit Gustav Gründgens (D. 1938) oder ,,Amphytrion: Aus den
Wolken kommt das Glück" von Reinhold Schünzel (D. 1935), die zwar ebenfalls während
des Naziregimes produziert wurden, aber die historisiert verfremdet dargestellte Gegenwart in
einem eher kritisch hinterfragenden Licht erscheinen lassen. Im Gegensatz dazu schafft
,,Kolberg" ausgehend von den Memoiren des Kolberger Bürgers Joachim Nettelbeck, eines
Seefahrers, Sklavenhändlers und Mitgliedes des Stadtrates einen direkten Brückenschlag
vom preußischen Abwehrkampf gegen Napoleon 1806/07 zur nationalsozialistischen
Durchhaltetaktik am Ende des Zweiten Weltkrieges.
Der Rezipient soll sich emotional fallen lassen, um schlussendlich im kollektiven Heldentum
aufzugehen. Dazu gibt man sich todernst und faschistisch ,,schneidig" in Schritt und Dialog.
Lächelnde Helden wie Gründgens in ,,Tanz auf dem Vulkan" vom bissig satirischen Stil
,,Amphytrions" einmal ganz abgesehen passen nicht in den heroisch rührseligen Stil, denn
sogar am ,,siegreichen Ende" ist für positive Gefühlsregungen kein Platz, da das Klima aus
Trauer und Zerstörung nur vom alles betäubenden Nationalstolz übertrumpft wird.
Aufbegehrendes Lachen wird der Zuschauer ebenfalls nicht finden, denn sogar ein zartes,
politisch korrektes Lächeln steht hier schon für Schwäche.1
Zur Analyse des Films tauchten zahlreiche Fragen auf: Wodurch wird aus einem Film, der
ähnlich farbenprächtig ist wie ,,Baron Münchhausen" (D. 1943, Drehbuch Berthold Bürger
alias Erich Kästner), ein eindeutiges Propagandamachwerk? Durch welche Stilelemente kann
man ,,Kolberg" ziemlich schnell als ,,nationalsozialistisches Produkt" erkennen und gibt es
solche Spezifika überhaupt? Wenn ja, wodurch soll ,,das Volk" sehend und hörend in die
,,richtigen Bahnen" emotionalisiert werden? Wie werden dazu die Dialoge gestaltet und
welcher Form der Sprachmodulation bedient man sich dabei? Wie wird der Heimatbegriff
bildlich umgesetzt und worauf achtet man hierbei besonders, um die Herzen der Zuseher zu
gewinnen? Last, but not least: Wie agieren die Schauspieler, nehmen die Figuren auf das
traditionelle nationalsozialistische Rollenbild Rücksicht und wie standen die betreffenden
Schauspieler und der Regisseur zum nationalsozialistischen Regime?
1 Margit Frölich, Hanno Loewy, Heinz Steinert, Lachen darf man nicht, Lachen muss man. In: Lachen über
Hitler Auschwitz-Gelächter. Filmkomödie, Satire und Holocaust, ed. Margit Frölich, Hanno Loewy, Heinz
Steinert (Frankfurt am Main 2003) 9-20.
2
Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Intention hinter ,,Kolberg", der zweite
vertieft sich in die Umsetzung der Materie, wobei der Schwerpunkt der Analyse auf der
Propagandawirkung der Dialoge und der Kraft der Bilder liegt. Als Quellen dienten natürlich
der Film selbst, sowie entsprechende begleitende Literatur inklusive der Memoiren des
Jochim Nettelbeck.
1. Die Intention hinter ,,Kolberg"
1.1 Eine filmische Materialschlacht
Kurz vor der endgültigen Niederlage Nazideutschlands sollte die letzte Uraufführung eines
NS-Filmes das Volk nochmals zum ,,Durchhalten" aufrufen. Der deutsche Propagandafilm
,,Kolberg" wurde am symbolträchtigen 30. Jänner 1945 dem zwölften Jahrestag der
nationalsozialistischen Machtübernahme gleichzeitig im zerbombten Berlin und in der heiß
umkämpften Atlantikfestung La Rochelle uraufgeführt, wobei hier die Filmrollen bereits per
Fallschirm abgeworfen werden mussten. Die Lage in Berlin sah zu dieser Zeit nicht viel
rosiger aus, denn die Rote Armee war kaum 80 km von der Hauptstadt des Dritten Reichs
entfernt und die kriegsbedingte Tristesse angesichts der unaufhaltsamen Niederlage hatte
bereits vom Großteil der deutschen Bevölkerung Besitz ergriffen. Die beabsichtigte
propagandistische Wirkung des monumentalen Nazi-Machwerks hielt sich daher in Grenzen
und ,,das Volk" verzichtete auf einen heroischen ,,Abwehrkampf".2
1. 2. Die Entstehungsgeschichte
Im Sommer 1943, als das deutsche Kriegsglück bereits brüchig geworden war (u.a. Wende an
der ,,Ostfront" im Winter 1941/42), wurde der ,,größte Film aller Zeiten" vom
Propagandaminister Joseph Goebbels in Auftrag gegeben. Der historische Stoff um die
Verteidigung der Pommerschen Stadt Kolberg (heute Kolobrzeg in Polen) gegen Napoleon
sollte unter der propagandistisch erfahrenen Leitung von Veit Harlan die Herzen der Bürger
fürs Durchhalten gewinnen. Der Film stützt sich großteils auf die Biografie des preußischen
Volkshelden Joachim Nettelbeck (1738-1824), wobei auch ein historisches Schauspiel mit
dem Namen ,,Colberg" in fünf Akten von Paul Heyse aus dem Jahr 1865 existiert. Nettelbeck,
Seefahrer und Mitglied der kommunalen Verwaltung, pocht trotz Widerstand des
Stadtkommandanten Loucadou auf ein Bürgerheer zur Verteidigung, der von den Franzosen
2 Kolberg. In: //de.wikipedia.org/ wiki/Veit_Harlan (Zugriff: Wien, am 18.7.2005).
3
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