Subtitle: Der Nachwuchs als die leidtragende Instanz einer gescheiterten Ehe
Termpaper, 2006, 20 Pages
Author: Hanna Rühle
Subject: Romance Languages - General
Details
Institution/College: Justus-Liebig-University Giessen
Tags: Kind, Pädagogische, Arbeitsfelder
Year: 2006
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 4 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-24306-8
ISBN (Book): 978-3-640-24636-6
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Abstract
Die kindlichen Lebenserfahrungen bilden das Fundament für die spätere Entwicklung des Menschen, auch die Scheidung der Eltern beeinflusst das Kind in seiner Persönlichkeitsentwicklung. In späteren Krisensituationen erinnert es sich an die Trennung der Eltern und die dadurch entstandenen Konflikte und Probleme zurück. Die Scheidung scheint heutzutage beinahe alltäglich und normal geworden zu sein. In den vergangenen 15 Jahren wurden mehr als zwei Millionen Kinder zu Scheidungsopfern (vgl. „Stern“ 2007/ Nr.2, S.76). Die hohe Zahl der von diesem Schicksal betroffenen Kinder soll Anlass geben, zu untersuchen, wie die Kinder die Trennung der Eltern erleben und verkraften und wie die Eltern Hilfe zur Bewältigung der Trennungsprobleme ihres Kindes leisten können. Zentrale Fragestellungen: Wie wirken sich Art und Inhalt der Mitteilung auf das Trennungserlebnis des Kindes aus? Wie kann dem Kind die Trauer genommen werden? Welche Auswirkungen hat die Trennung der Eltern für das Kind? Sind Scheidungskinder im späteren Leben zum Scheitern verurteilt? [...]
Excerpt (computer-generated)
Justus- Liebig Universität Gießen
Institut für Erziehungswissenschaft
WS 2006/ 2007
Proseminar: Pädagogische Arbeitsfelder
Das geschiedene Kind-
Der Nachwuchs als die leidtragende Instanz
einer gescheiterten Ehe
Johanna- Luise Rühle
BA Außerschulische Bildung
1. Fachsemester
Abgabe: Gießen, den 5.02.2007
1. Einleitung 3
1.1. Zentrale Fragestellungen: 3
2. Die Trennungsphase 3
2.1. Art und Inhalt der Mitteilung des Entschlusses 4
2.2 . Wäre die Weiterführung der Ehe aus pädagogischer Sicht besser für das Kind? 5
2.3. Bewältigung der Trennung 6
3. Die Trennungsfolgen 8
3.1. Die Nach-Scheidungs-Krise 9
3.2. Hilfe zur Überwindung der Nach-Scheidungs-Krise 11
3.3. Die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes 13
3.4. Das traumatisierte Kind 15
4. Der Neuanfang 16
4.1. Das geschiedene Kind 17
4.2. Sind Scheidungskinder im späteren Leben zum Scheitern verurteilt? 18
5. Literaturverzeichnis 19
2
1. Einleitung
Die kindlichen Lebenserfahrungen bilden das Fundament für die spätere Entwicklung des
Menschen, auch die Scheidung der Eltern beeinflusst das Kind in seiner
Persönlichkeitsentwicklung. In späteren Krisensituationen erinnert es sich an die Trennung
der Eltern und die dadurch entstandenen Konflikte und Probleme zurück.
Die Scheidung scheint heutzutage beinahe alltäglich und normal geworden zu sein. In den
vergangenen 15 Jahren wurden mehr als zwei Millionen Kinder zu Scheidungsopfern (vgl.
,,Stern" 2007/ Nr.2, S.76). Die hohe Zahl der von diesem Schicksal betroffenen Kinder soll
Anlass geben, zu untersuchen, wie die Kinder die Trennung der Eltern erleben und verkraften
und wie die Eltern Hilfe zur Bewältigung der Trennungsprobleme ihres Kindes leisten
können.
1.1. Zentrale Fragestellungen:
Wie wirken sich Art und Inhalt der Mitteilung auf das Trennungserlebnis des Kindes aus?
Wie kann dem Kind die Trauer genommen werden?
Welche Auswirkungen hat die Trennung der Eltern für das Kind?
Sind Scheidungskinder im späteren Leben zum Scheitern verurteilt?
2. Die Trennungsphase
Die Trennung der Eltern bildet eine schwierige Phase im Leben des Kindes, die es zu
bewältigen gilt. Die Eltern selbst haben mit eigenen Schuldgefühlen zu kämpfen, sie stehen
im Konflikt mit ihrem elterlichen Gewissen auf der einen Seite und ihren persönlichen
Gefühlen auf der anderen (vgl. Figdor 2001, S. 12). Kinder spüren, wenn ihre Eltern
unglücklich sind und leiden, sie geraten schnell in die Rolle des Ehetherapeuten.
,,...versuchen, die Eltern oder einen Elternteil zu trösten oder Maßnahmen zu ergreifen,
welche die Wiederversöhnung der Eltern herbeiführen soll."(Figdor 2001, S. 15).
Häufig miterlebte Streitereien der Eltern weisen auf eine Trennung hin, die Kinder spüren,
dass etwas nicht stimmt und haben Angst um die Zukunft der Familie. ,, ..., daß Streitereien
oder gar Tätlichkeiten zwischen den Eltern bei den Kindern regelmäßig große Angst
3
hervorrufen." (Figdor 2001, S.14). Auch Jahre später kann sich das Kind noch an diese
Auseinandersetzungen erinnern.
Es sind nur wenige Kinder, die nichts von ihrem Schicksal ahnen, dass sich die Familie
trennen wird, sie sehen in den Eltern nur die liebevollen, fürsorglichen Menschen, da sie
Streitereien und Probleme der Eltern nicht mitbekommen.
Den Kindern ihren Entschluss, sich zu trennen, mitzuteilen, fällt allen Eltern schwer- sie
fühlen sich schuldig, weil sie dem eigenen Kind Leid zufügen1.
2.1. Art und Inhalt der Mitteilung des Entschlusses
Die Art und Weise, wie die Eltern den Kindern ihren Entschluss mitteilen, wirkt sich auf das
Scheidungserlebnis des Kindes aus. Während die einen Eltern sich mit dem Kind zusammen
hinsetzen, um ihm ihre Entscheidung mitzuteilen, ist in anderen Familien bereits ein Elternteil
gegangen, ohne dem Kind sein Weggehen zu erklären. Kinder verstehen Sätze wie ,,Wir
hatten oft Streit, wir trennen uns!" nicht, da auch sie hin und wieder Streitigkeiten haben und
nun Angst bekommen. ,,Mehr anfangen aber können kleine Kinder mit Sätzen wie: "Papa
wird in einer anderen Wohnung wohnen, aber er wird kommen, um mit dir zu spielen."
Kinder wollen versorgt sein und geschützt."(,,Stern" 2007/ Nr.2, S.78).
Eltern bemühen sich oft nicht, dem Kind begreiflich zu machen, warum sie sich so
entscheiden und warum sich die Familiensituation ändern wird. Das Kind soll verschont
bleiben von elterlichen Problemen, man meint, das Kind ist noch zu jung, es kann noch nicht
verstehen, folglich aber wird dem Kind keine Chance gegeben, die Situation zu verarbeiten.
Andere Elternteile, die bereits allein dastehen, machen den Ex-Partner vor dem Kind schlecht,
da sie verletzt sind und meinen, es wäre auch besser für das Kind, diesen Menschen nicht
mehr zu sehen. Sie haben Angst, dass Kind könne sich für den Ex-Partner entscheiden und
letztlich auch weggehen.
Die Gefühle, die die Nachricht im Kind auslösen, sind für die Eltern oft nicht zu erahnen.
Für das Kind ist es wichtig, dass die Eltern die Wahrheit sagen, damit es sich eine eigene
Meinung bilden kann und nicht aufgrund verletzter Gefühle der Eltern ein Meinungsbild
aufoktroyiert bekommt. Wichtig ist auch, dass dem Kind die Gründe für die Scheidung so
erklärt werden, dass es altersgerecht verstanden werden kann.
1 Ich gehe davon aus, dass das Kind ein gutes Verhältnis zum Vater hat und in der Familie keine Gewalt
vorherrscht.
4
Kinder haben nach der Trennung ihrer Eltern individuelle Schicksale zu durchleben. Die
einen sehen den Vater2 nicht mehr, die anderen haben nun zwei Elternhäuser und damit die
Wahl, wann sie zu wem möchten. Diese Kinder haben einen zusätzlichen Rückzugsraum
gewonnen und wenn sie sich mit der Mutter streiten, haben sie die Möglichkeit, sich beim
Vater zu erholen. Andere Kinder müssen damit leben, dass der Vater ein schlechter Mensch
ist, da die Mutter nicht möchte, dass das Kind ihn sieht, die Mutter projiziert ihren
Trennungsschmerz auf das Kind und redet dementsprechend abwertend über den Vater. Sie
erwartet, dass das Kind für sie Partei ergreift. Da das Kind in diesem Moment ohnmächtig ist,
akzeptiert es der Mutter zur Liebe, dass es den Vater nicht sehen darf, denn es hat ja nur noch
die Mutter, so möchte es nicht mit ihr streiten.
Das Kind möchte möglichst wenig Ärger machen, da es sieht wie belastet und unglücklich die
Mutter durch die Scheidung ist. Die Mutter ist schnell gereizt und genervt. ,,... bedeutet jede
negative Reaktion des Kindes eine Bedrohung für das seelische Gleichgewicht der
Mutter,..."(Figdor 2001, S.16). Das Kind zieht sich mehr und mehr zurück, es reagiert anders
als früher auf gegebene Situationen- aufgrund verdrängter Gefühle tritt eine
Persönlichkeitsveränderung auf.
2.2 . Wäre die Weiterführung der Ehe aus pädagogischer Sicht
besser für das Kind?
Studien zufolge haben Scheidungskinder eine schlechtere Schulbildung als Kinder aus ,,heilen
Elternhäusern". ,,Alleinerzieher- und Scheidungskinder weisen im Durchschnitt einen
kürzeren Schulbesuch auf, besuchen weniger oft mittlere und höhere Schulen und verfügen
schließlich über ein geringeres berufliches Ausbildungsniveau.3"(Figdor 2001, S.14).
Sichtbar wird hier das Ergebnis von Konzentrationsstörungen in der Schule, die die Kinder
infolge von inneren, aus der Scheidung resultierenden Konflikten haben. Nahezu alle Kinder
leiden unter der Trennung ihrer Eltern, mit ihren Problemen werden sie allein gelassen, der
schulische Abstieg folgt.
Ist es also im Sinne des Kindes, sich nicht zu trennen?
Fest steht, dass das Kind darunter leidet, wenn es den Eltern schlecht geht, Streitereien der
Eltern lösen im Kind Ängste aus. ,, Es herrscht allgemeine Einigkeit darüber, daß die Kinder,
welche in den Kampf zwischen Mutter und Vater fast immer mit hineingezogen werden,
2 Ich gehe vom ,,Normalfall" aus, in dem das Kind bei der Mutter wohnen bleibt.
3 In Knapp/ Verzentnitsch 1983; Napp- Peters 1987; Wallerstein/ Blakeslee 1989
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