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Laokoon - Über die Grenzen der Malerei und Poesie

Scholary Paper (Seminar), 2008, 28 Pages
Author: Dr. phil. Daria Hagemeister
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: SE Neuere dt. Lit.: Ästhetik der deutschen Klassik
Institution/College: University of Vienna (Germanistik)
Tags: Ästhetik, Laokoon, Lessing, Poetik, Grenzen zwischen Malerei und Poesie, ut pictura poesis, Winckelmann, Malerei, Kunst, Grenze
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 28
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V120827
ISBN (E-book): 978-3-640-24345-7
ISBN (Book): 978-3-640-24658-8

Abstract

Die Wesensbestimmungen sind der Ausgangspunkt für Lessings Postulate. Die Malerei und Plastik einerseits, als räumlich-zeitlich fixierte Kunst, die Koexistierendes darstellt und die Dichtung andererseits, als transitorische Kunst, die Konsekutives beschreibt. In der bildenden Kunst muss der prägnante und fruchtbare Augenblick gewählt werden. Die Einbildungskraft ergänzt den zeitlichen Verlauf. Der gewählte Augenblick muss schön sein, während in der Dichtkunst der gewählte Moment nicht schön sein muss. Wichtig ist die Wirkung auf den Rezipienten, denn die bildende Kunst arbeitet mit natürlichen Zeichen. Die Dichtung hingegen verwendet Worte, welche aber willkürliche Zeichen darstellen. Die Hässlichkeit wird daher durch die Worte abgeschwächt. Das Ekelhafte jedoch ist verboten, denn die Empfindung von Ekel ist immer Natur und niemals Nachahmung. Von den bildenden Künsten fordert Lessing eine „rührende Verbindung von Schmerz und Schönheit“, welche Forderung er in der Laokoon-Gruppe verwirklicht sieht. Die Wirkung auf den Betrachter ist das Gefühl der Sympathie. Auch für Winckelmann muss sich eine „schöne Seele“ mit einer schönen Form verbinden. Was die Dichtung anbelangt, so darf moralisch Hässliches das ästhetische Mitleid nicht verhindern. Das Drama ermöglicht die größtmögliche Illusion. Die „Täuschung“ ist Voraussetzung für das ästhetische Mitleid. Mitleid ist die innere Identifizierung mit dem Helden. Die Katharsis ist die Läuterung und diese kann nicht durch Furcht und Schrecken erreicht werden, sondern durch Identifikation und das daraus resultierende ästhetische Mitgefühl, das gleichzeitig ein ethisches ist. Das Resultat ist ein Wechselspiel zwischen moralischer und ästhetischer Identifizierung. Das Drama hat diese Wirkungsabsicht. Das Drama, welches eine Zwischenstellung zwischen Poesie und Malerei einnimmt, kommt daher der Natur sehr nahe. Augen und Ohren werden dadurch aber auch leichter beleidigt. Da sich die geistige Aussage mit einer bewegten Verlebendigung verbindet, kann nur das Drama eine totale Katharsis bewirken. Wenngleich auch die bildenden Künste technisch schwerer - oder besser gesagt - schwieriger sind, so ist doch bei der Dichtung die geistige Leistung höher und auch die Originalität.


Excerpt (computer-generated)

Universität Wien
Institut für Germanistik

SE Neuere dt. Lit.: Ästhetik der deutschen Klassik

Laokoon - Über die Grenzen der Malerei und Poesie

Daria Hagemeister

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 03

2. Laokoon - oder über die Grenzen der Malerei und Poesie ... 03

2.1. Aufbau ... 03
2.2. Entstehung ... 04
2.3. Wirkung ... 07
2.4. Relation zu Raum und Zeit ... 09
2.5. Wesensbestimmung ... 10
2.6. Die „einfache“ und „doppelte“ Nachahmung ... 11
2.7. Regeln der Rezeption ... 12
2.8. Die Frage nach dem Geschmack ... 13

3. Die Laokoon-Debatte ... 14

4. Zusammenfassung ... 23

6. Literatur- und Quellenverzeichnis ... 25

 

 

1. Einleitung

1506 wurde die „Laokoon-Gruppe“ in einem Weinberg in der Nähe von San Pietro in Vincoli (Rom) entdeckt und im Statuenhof des Belvedere im Vatikan aufgestellt. Sie stammt aus dem 1. Jh. v. Chr. und ist ein Werk der Bildhauer Hagensandros, Polydoros und Athenodoros aus Rhodos. Die Skulptur wurde von Plinius im 36. Buch der „Historia naturalis“ beschrieben. Im Frühbarock und Barock wurde besonders die leidenschaftliche Bewegtheit der Figuren betont. 1532 wurde der fehlende Arm des Vaters nachgebildet, wobei man glaubte – ein Pathosmotiv annehmend -, dass er ausgestreckt sein sollte. Der Körper wurde als Medium des Ausdrucks des Affekts gesehen, der im Gegensatz zur Seele stand. Winckelmann und Lessing hingegen sahen den Körper als Ausdruck einer disziplinierten Seele und für Lessing noch zusätzlich als Inbegriff der Schönheit. Im Deutschland und England des 19. Jhs. wurde diese Kunst als manieristisch abgelehnt; die übersteigerte Dramatik widersprach der Vorstellung vom wahren Kunstwerk. Erst 1905 wurde der richtige rechte Arm des „Laokoon“ gefunden. Der nunmehr zum Kopf zurückgebogene Arm wurde nun als Ausdruck des Unterliegens gedeutet. Lessing nahm an, dass die Statue „die“ klassische griechische Kunst repräsentiere und zwischen 79 und 81 n. Chr. entstanden sei. Heute nimmt man eher die Zeit zwischen 50 und 20 v. Chr. als Entstehungszeit an.


2. „Laokoon – oder über die Grenzen der Malerei und Poesie“


2.1. Aufbau

Das Werk „Laokoon - oder über die Grenzen der Malerei und Poesie“ ist eine Sammlung von 29 Schriften, denen Lessing eine Vorrede voranstellte. Es ist keine systematische Abhandlung, sondern es sind eben „Aufsätze“, die zufälliger Weise entstanden sind, als Folge von Lessings Lektüre, eine „unordentliche Collectanea zu einem Buch“, wie Lessing die Aufsatzsammlung selbst bezeichnet hat.1 Am Anfang bediente Lessing sich noch der deduktiven Methode, doch bald sollte er davon abkommen, denn ähnlich der publizistischkritischen Briefe, erlaubte die von ihm gewählte Form auch Exkurse, eingeschobene Problemerörterungen, den Wechsel zwischen deduktiver und induktiver Methode, sowie Thesenformulierungen, denen Beispielbetrachtungen folgen.


2.2. Entstehung

Mendelssohn war es, der Lessing in einem Brief vom Dezember 1756, im so genannten „Trauerspiel-Briefwechsel“, einen Hinweis auf Winckelmanns „Gedanken über die Nachahmung …“ gegeben hatte, welcher eigentlich bereits alle Punkte umfasste, gegen die sich Lessing in seinem „Laokoon“ dann richten sollte. Auch lässt sich daran erkennen, dass die Schrift nicht zuletzt als dramentheoretische Reflexion gesehen werden kann. Wohl schließt sich Mendelssohn Winckelmann insofern an, als er auch die Bezwingung des Schmerzes durch die Kraft der Seele in der griechischen Skulptur realisiert sieht, doch noch geht Lessing nicht auf die Anregungen des Freundes und sein Plädoyer für die „Bewunderung“ ein.

Schon 1759 in den „Briefen die neueste Literatur betreffend“ (5. und 41. Brief) geht Lessing von dem Konzept der „malenden Poesie“ ab und in seiner „Fabellehre“ führt er schließlich den Begriff der „Handlung“ für die Poesie ein.

Während der Breslauer Jahre 1760 – 65 schrieb Lessing seine Aufsätze nieder und wollte sie auch unter dem Titel „Hermäa“ veröffentlichen. Zu dieser Zeit betrieb er historischphilologische Studien und beschäftigte sich mit Altertumskunde, indem er die Neuerscheinungen von Caylus und Spence las. Winckelmanns Werk „Geschichte der Kunst des Altertums“, welches 1763/64 erschien, dürfte Lessing ziemlich irritiert haben, da ihre Herangehensweisen grundverschieden waren. Während Lessing versuchte, sich mit dem „Wesen“ der Künste auseinanderzusetzen, sich also auch auf der Ebene des Gedankens mit bildender Kunst beschäftigte, sah Winckelmann die Notwendigkeit der Anschauung. Lessing hingegen hat es überhaupt abgelehnt, sich mit der visuellen Anschauung in der Praxis zu befassen. Er hat wahrscheinlich nicht einmal einen Abguss der Skulptur gesehen. Auch als er in Rom war, machte er offensichtlich nicht von der Gelegenheit Gebrauch, das Original zu besichtigen, da sich in seinen Tagebuch-Notizen keine diesbezüglichen Hinweise finden lassen. Winckelmanns Verdienst ist es, die Aufwertung der sinnlichen Erfahrung erreicht zu haben. Darin geht Lessing mit ihm konform, obwohl er selbst eben kein visueller Menschentyp war.2

 

[...]


1 Vgl.: Albrecht, Wolfgang: „Gotthold Ephraim Lessing. Realien zur Literatur“, Sammlung Metzler, Bd. 297, Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar 1997, S. 47.
2 Vgl.: Fick, Monika: „Lessing Handbuch. Leben-Werk-Wirkung“, Metzler Verlag, Stuttgart 2000.


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