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Was haben Literatur und Wissenschaft miteinander gemein?

Subtitle: Am Beispiel von Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“

Scholary Paper (Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Dr. phil. Daria Hagemeister
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 23
Grade: gut
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V120828
ISBN (E-book): 978-3-640-24346-4
ISBN (Book): 978-3-640-24659-5
Notes :



Abstract

Für die vorliegende Arbeit habe ich mir zur Aufgabe gestellt, die Gemeinsamkeiten von Wissenschaft und Literatur zu untersuchen. Zunächst müssen daher die Begriffe genau abgegrenzt werden, sofern eine exakte Abgrenzung überhaupt möglich ist. Wissenschaftlich, würde man meinen, ist alles, was objektiv messbar ist. Doch was ist objektiv? Und was ist Literatur? Auch Daniel Kehlmann berührt in seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ immer wieder Grenzbereiche, daher möge dieses Werk als literarisches Fallbeispiel dienen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Wien
Institut für Wissenschaftsforschung

SE Wissenschaft und Literatur

Was haben Literatur und Wissenschaft miteinander gemein?

Am Beispiel von Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“

Daria Hagemeister

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 03

1.1. Realität und Fiktion ... 03
1.1.1. Was ist Literatur? ... 03
1.1.2. Was haben Wissenschaft und Literatur gemein? ... 04

2. Genie und Wahnsinn ... 08

2.1. Vom bösen Alchemisten zum Retter der Gesellschaft ... 08
2.2. Der besessene Dichter und andere psychopathologische Abweichungen ... 10
2.3. Das Bild des Wissenschafters in der „Vermessung der Welt“ ... 12

3. Welche Opfer verlangt die Wissenschaft und welche die Literatur? ... 14

4. Zusammenfassung und Schlussbemerkungen ... 17

5. Literatur- und Quellenangaben ... 19

 

 

1. Einleitung

Für die vorliegende Seminararbeit habe ich mir zur Aufgabe gestellt, die Gemeinsamkeiten von Wissenschaft und Literatur zu untersuchen. Zunächst müssen daher die Begriffe genau abgegrenzt werden, sofern eine exakte Abgrenzung überhaupt möglich ist. Wissenschaftlich, würde man meinen, ist alles, was objektiv messbar ist. Doch was ist objektiv? Und was ist Literatur?1 Auch Daniel Kehlmann berührt in seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ immer wieder Grenzbereiche, daher möge dieses Werk als literarisches Fallbeispiel dienen.


1.1. Realität versus Fiktion


1.1.1. Was ist Literatur?

Um diese Frage behandeln zu können, muss man zunächst einmal festlegen, von welchem Literaturbegriff ausgegangen werden soll. Wurde in der jüngeren Vergangenheit der Begriff „Literatur“ anhand von Texten erklärt, so möchte ich von der Annahme eines Text- Handlungs-Syndroms ausgehen.


Als kleinste Einheiten werden also solche Handlungen (samt ihren Bedingungen, Folgen und Konsequenzen) angesetzt, die solche Phänomene (meist Texte) fokussieren, die der Handelnde für literarisch hält.2

Grundsätzlich gibt es 4 elementare Handlungstypen: die Produktion von Literatur, die Vermittlung, die Rezeption und die Verarbeitung. Die Verbindung dieser Handlungstypen und ihr Zusammenwirken führen zu so genannten Literaturprozessen, wobei unter Literatursystem dann die Gesamtheit der Literaturprozesse einer Gesellschaft, verstanden wird, deren Bestandteile autonom und selbstregulierend sind, sich durch spezifische Konventionen von anderen Handlungssystemen, wie etwa dem der Wissenschaft, abgrenzen und funktional in das Gesamtsystem integrieren lassen.


Das Literatursystem seinerseits ist Bestandteil im System-System Gesellschaft, die ihrerseits eine hierarchisch-holistische Organisation bildet; das heißt das Literatursystem kann nur in systematischem Zusammenhang mit den anderen Handlungssystemen einer Gesellschaft und deren jeweiligem historischem Entwicklungsstand verstanden und erklärt werden.3

Schon einige Vorsokratiker erkannten, dass es ein objektives Wissen als „Spiegelung einer an und für sich unabhängigen ontologischen Wirklichkeit“ nicht geben konnte, da sich diese Wirklichkeit dem erlebenden Subjekt eben nur durch das Erlebtwerden erschließt. „Objektive“ Wirklichkeit entsteht in der Regel dadurch, dass unser eigenes Erleben von anderen bestätigt wird.4

 

[...]


1 Ferner sei bemerkt, dass der Verfasserin durchaus bewusst ist, dass es auf unserer Welt Männer und Frauen gibt. Es wird im Text daher nur dort auch grammatisch darauf hingewiesen, wo eine Geschlechter unterscheidende Formulierung notwendig erscheint und nicht Verständnis erschwerend wirkt.
2 Schmidt, Siegfried J.: „Vom Text zum Literatursystem. Skizze einer konstruktivistischen (empirischen) Literaturwissenschaft“, in: „Einführung in den Konstruktivismus“, Bd. 5, Veröffentlichungen der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Gumin, Heinz und Heinrich Meier (Hrsg.), Piper Verlag, München 1997, S. 158.
3 Schmidt, Siegfried J.: „Vom Text zum Literatursystem. Skizze einer konstruktivistischen (empirischen) Literaturwissenschaft“, in: „Einführung in den Konstruktivismus“, Bd. 5, Veröffentlichungen der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Gumin, Heinz und Heinrich Meier (Hrsg.), Piper Verlag, München 1997, S. 158.
4 Vgl.: Glasersfeld, Ernst von: „Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität“, in: „Einführung in den Konstruktivismus“, Bd. 5, Veröffentlichungen der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Gumin, Heinz und Heinrich Meier (Hrsg.), Piper Verlag, München 1997, S. 9 – 39.


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