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Examination Thesis, 2008, 89 Pages
Author: Rainer Kohlhaupt
Subject: English - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
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Abstract
Der Fremdsprachenunterricht in Deutschland unterlag seit jeher einem stetigen Wandel. Die dominierenden fremdsprachendidaktischen Ziele der letzten 30 Jahre sind die Interkulturelle und ihre Vorgängerin, die kommunikative Kompetenz, auf die im nächsten Punkt in aller Kürze eingegangen werden soll. Linguisten, Didaktiker, Psychologen und Lehrer haben sich seither dazu berufen gefühlt, sich in Veröffentlichungen mit diesen beiden Ansätzen zu beschäftigen. Im Folgenden sollen nicht nur Veröffentlichungen aus der heutigen Zeit, sondern auch aus der Zeit des Aufkommens der jeweiligen Konzepte Eingang in diese Arbeit finden. Im Anschluss daran wird anhand von Beispielen gezeigt werden, ob, wann beziehungsweise in welchem Ausmaß die Grundgedanken beider Ansätze in der Schulpraxis, also als Vorgaben im Lehrplan oder als Methodik in den Lehrbüchern verwirklicht sind.
Excerpt (computer-generated)
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 5
2. Grundlagen der landeskundlichen Interkulturalität 5
2.1. Klärung des Begriffes Kommunikative Kompetenz 5
2.2. Klärung des Begriffes interkulturelle Kompetenz 11
2.2.2. Reflexivität und Metasprachliches 14
2.2.3. Allgemeine Erziehungsziele des interkulturellen Unterrichts 14
2.3. Von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Erziehung 16
2.4. Beginn des Interkulturellen Lernens in der Grundschule 18
2.4.1 Linguistik 20
2.4.2. Höflichkeitsforschung 21
2.4.3. Landeskunde 22
2.4.4. Zusammenfassende Bemerkung 23
2.5. Konzept zum Interkulturellen Lernen nach H. Otten 24
2.5.1. Wichtige Faktoren für die Entwicklung eines Konzepts zum
interkulturellen Lernen 25
2.5.2 Ziele interkulturellen Lernens bei H. Otten 27
2.5.2.1. Grundqualifikationen sozialen Handelns 27
2.5.2.2. Einstellungen 28
2.5.2.3. Wahrnehmung 29
2.5.2.4. Verhalten 29
2.5.3. Umsetzung der Ziele in die Praxis 30
2.6. Interkulturelles Lernen in der Schule 33
2.6.1. Schaffung der notwendigen Grundlagen für interkulturelles Lernen
33
2.6.2. Auswahl von Zielen interkulturellen Lernens für die Schule 36
2.6.2.1. Allgemeines Ziel 36
2.6.2.2. Bereichsziel 37
2.7. Konkrete Umsetzung der Ziele im Unterricht 38
2.7.1. Vorbereitende Schritte 38
2.7.2. Informationen zu den Schülern 40
2.7.3. Verlaufsplanung: Deutungsmuster zum Thema Haus 41
2.8. Interkulturelles Training im Rahmen der universitären Ausbildung 44
2.8.1. Allgemeine Bemerkungen 45
2.8.2. HOPIKOS: Ein Projekt für interkulturelles Training 47
2.8.2.1. Hintergründe und Ziele des Projekts 47
2.8.2.2. Aufbau des Trainings 49
2.9. Landeskundliche Interkulturalität in den Lehrplänen des G8 und G9. 51
2.9.1. Verankerung der Landeskunde im Lehrplan Englisch des
neunstufigen Gymnasiums (G9) 52
2.9.2. Verankerung der Landeskunde im Lehrplan des achtstufigen
Gymnasiums (G8) 54
3. Analyse der Lehrwerke des neunstufigen Gymnasiums von Klasse fünf bis
sieben 55
3.1 Analyse der Lehrbuchreihe English G aus dem Cornelsen Verlag 55
3.1.1 Eingehende Untersuchung der einzelnen Bände 55
3.1.1.1 Lehrbuch für die fünfte Jahrgangsstufe 59
3.1.1.2 Lehrbuch für die sechste Jahrgangsstufe 64
3.1.1.3 Lehrbuch für die siebte Jahrgangsstufe 66
3.2 Analyse der Lehrbuchreihe Green Line aus dem Klett- Verlag 70
3.2.1 Eingehende Untersuchung der einzelnen Bände 70
3.2.1.1 Lehrbuch für die fünfte Jahrgangsstufe 72
3.2.1.2. Lehrbuch für die sechste Jahrgangsstufe 75
3.2.1.3. Lehrbuch für die siebte Jahrgangsstufe 77
4. Analyse der Lehrbuchreihe
Learning English
-
Green Line New
für das
achtstufige Gymnasium von Klasse fünf bis sieben 79
4.1 Analyse der einzelnen Bände 81
4.1.1 Lehrbuch für die fünfte Jahrgangsstufe 81
4.1.2 Lehrbuch für die sechste Jahrgangsstufe 83
4.1.3 Lehrbuch für die siebte Jahrgangsstufe 84
5. Schlussbemerkung 85
6. Bibliographie 87
1. Vorwort
Der Fremdsprachenunterricht in Deutschland unterlag seit jeher einem
stetigen Wandel. Die dominierenden fremdsprachendidaktischen Ziele der
letzten 30 Jahre sind die Interkulturelle und ihre Vorgängerin, die
kommunikative Kompetenz, auf die im nächsten Punkt in aller Kürze
eingegangen werden soll. Linguisten, Didaktiker, Psychologen und Lehrer
haben sich seither dazu berufen gefühlt, sich in Veröffentlichungen mit
diesen beiden Ansätzen zu beschäftigen. Im Folgenden sollen nicht nur
Veröffentlichungen aus der heutigen Zeit, sondern auch aus der Zeit des
Aufkommens der jeweiligen Konzepte Eingang in diese Arbeit finden. Im
Anschluss daran wird anhand von Beispielen gezeigt werden, ob, wann
beziehungsweise in welchem Ausmaß die Grundgedanken beider Ansätze in
der Schulpraxis, also als Vorgaben im Lehrplan oder als Methodik in den
Lehrbüchern verwirklicht sind.
2. Grundlagen der landeskundlichen Interkulturalität
2.1. Klärung des Begriffes Kommunikative Kompetenz
Der Begriff der kommunikativen Kompetenz taucht als Schlagwort in vielen
verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen auf. In der Pädagogik, der
Didaktik, der Soziologie, der Psychologie sowie den
Wirtschaftswissenschaften finden sich Theorien über die Aneignung, die
Notwendigkeit sowie den Wert einer kommunikativen Kompetenz. Bei dieser
Gelegenheit bleiben inhaltliche und definitorische Aspekte meist unbeachtet.
Man kommuniziert über kommunikative Kompetenz, als ob eine begriffliche
Bestimmung nicht vonnöten wäre.
Der Begriff wird oft unreflektiert als bekannt vorausgesetzt und in den
5
verschiedensten Bedeutungskontexten benutzt.
Das Konstrukt der kommunikativen Kompetenz entstand Anfang der 1970er
Jahre aus der Unzufriedenheit mit dem zu dieser Zeit vorherrschenden
instrumentalen Fremdsprachenunterricht. Audio-visuelle und audio-linguale
Methoden hatten im Rahmen des sogenannten Bildungsbooms zu einer
formalistischen Technisierung des Unterrichts (z.B. Sprachlabor) geführt. Die
mit der Studentenbewegung von 1968 einhergehende Veränderung sozialer
Prioritäten hatte einerseits einen Bruch mit den philologischen
Wissenschaften zur Konsequenz, sie führte andererseits zur Hinwendung zu
erziehungswissenschaftlichen Fächern sowie zur Sozio-, Psycho- oder
Pragmalinguistik. Diese Disziplinen wurden zu neuen Leitbildern im
Fremdsprachenunterricht (FSU), da sie aufgrund ihres angewandten
Charakters didaktisch-pädagogische Erwartungen mobilisierten. In den
Vordergrund trat eher die Erziehung zur Kommunikations- und
Interaktionsfähigkeit im Rahmen von Gruppenprozessen und
Selbsterfahrungen: eine starke Betonung des subjektiven Faktors. Dieser
Paradigmenwechsel ist sicherlich als Reaktion auf die bis dato
vorherrschenden automatistischen und zwanghaften Methoden des
instrumentellen FSU zu sehen, welche eben diesen subjektiven Faktor im
Lernprozess übergingen.1
Es ist jedoch klar, dass all diese Bedingungen ihren Niederschlag nicht in
einer starren Methode finden können, sondern in relativ heterogenen
Verfahrensweisen, die im allgemeinen unter dem Begriff Pragmadidaktik
subsumiert werden. Gemeinsam ist jedoch allen Formen von Pragmadidaktik
das Prinzip der ,,kommunikativen Kompetenz", das geradezu als Schlagwort
gegen den methodenzentrierten FSU steht.2
So glaubt W.N. Mair eine bewusste Zurückweisung des Methodenbegriffs zu
erkennen. Der Methodenwechsel scheint gerade in der Nichtexistenz einer
bestimmten Methode zu liegen, an deren Stelle aber eine allgemeine
Zielvorstellung tritt.
1 Mair, W.N.,
Fremdsprachenunterricht wozu? Historische und methodologische
Überlegungen zur Situation der Sprachdidaktik, Tübinger Beiträge zur Linguistik,
151
.Tübingen: Narr, 1981. p.63.
2 ibid., p.63.
6
Wegbereitend für diese zusammenfassend als ,,Kommunikative Wende"
bezeichneten Entwicklungen zu Beginn der siebziger Jahre war die
sogenannte ,,Sprechakttheorie", als deren Begründer John Austin und John
Searle gelten. ,,Die Sprechakttheorie" wiederum, ,,hat entscheidend zur
Etablierung der Pragmalinguistik in Deutschland beigetragen, die versucht,
eine vollständige linguistische Theorie auf pragmatischer Basis zu
formulieren. Beide Ansätze waren von großer Bedeutung für die
,,kommunikative Wende" in der Fremdsprachendidaktik [...].3
Der Begriff der kommunikativen Kompetenz wurde letztendlich vom
Soziolinguisten D. Hymes eingeführt, der sie als ,Wissen eines Lerners oder
Sprechers einer Sprache′ beschreibt, welches eben nicht nur grammatische,
sondern auch sozio- und psycholinguistische Aspekte umfasst.4 In diesem
neuen psychosozialen Licht sieht auch Juliane House die kommunikative
Kompetenz, wenn sie diese als ,,[...] Wissen um soziale Aspekte einer
Sprache, welche menschliche Sprachhandlungen innerhalb eines
herrschaftsfreien, von gesellschaftlichen Zwängen befreiten, sogenannten
idealen Sprechsituation möglich machen", beschreibt.5
H.-E. Piepho, dessen Ansätze besonders einflussreich waren, macht diese
Vorstellung speziell für den FSU nutzbar. Er legt das Hauptgewicht auf die
von Juliane House erwähnte sogenannte ,Herrschaftsfreiheit′. Die
kommunikative Kompetenz wird also zu einem Mittel, das den Lerner einer
Fremdsprache zur emanzipatorischen Sozialisation befähigt.6 Konkreter
gesagt geht es Piepho also um eine ...
[...] Planung von Unterricht aus der Perspektive des Schülers und um das Erkennen
der Bedingungen im Lerner, im Arrangement des Lehr- und Lernmaterials, in der
unmittelbaren Lernumwelt und dem erweiterten Erlebnis- und Erfahrungskontext der
Schüler, durch welche das Verstehen, die Handlungs- und Denkbereitschaft und die
Beherrschung der Sprache bewirkt oder beeinflusst werden.7
3 Edmonson, W, J. House,
Einführung in die Sprachlehrforschung
, Tübingen: Francke, 1993,
p.84.
4 Hymes, D., "On Communicative Competence", in: J.B. Pride, J.Holmes, Hrsg.,
Sociolinguistics
, Harmondsworth: Penguin, 1972, p. 269-293.
5 House, J., Zum Erwerb kultureller Kompetenz im Unterricht des Deutschen als
Fremdsprache, in:
Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht
, Edmonton, 1997,
http://www.ualberta.ca/~german/ejournal/abstract.htm. (5.12.06)
6 Piepho, H.-E.,
Kommunikative Kompetenz als übergeordnetes Ziel im
Fremdsprachenunterricht
, Dornberg - Frickenhofen: Frankonius, 1974.
7 Piepho, H.-E.,
Bedingungen von Kommunikation im Fremdsprachenunterricht
, in: Paul
Hartig, Hrsg., Der fremdsprachliche Unterricht, 52, Klett: Stuttgart, 1979, p.2.
7
Das Wissen über die Sprache, die materiellen Lernziele und die quantitativen
und qualitativen Lernziele sollen lediglich Orientierungshilfen sein, jedoch
keinesfalls bei der Planung von Unterricht und dem Abfassen von Richtlinien
und Lehrbüchern dominieren. H.-E. Piepho geht es nämlich nur bedingt um
die Sprache und um die Erträge des Unterrichts, sondern vielmehr um die
Befähigung der Schüler, durch Selbstbeherrschung von Techniken und
Methoden des Lernens, des Arbeitens und der Reflexion von Sprache und
Texten zu erfahren, wie man Sprachen lernt und wie man sie anwenden
kann. Er nennt an dieser Stelle folgende Bereiche: den Alltag, berufliche
Zusammenhängen und die Begegnung mit Menschen und Zeugnissen aus
anderen Kulturbereichen. Des weitern möchte er, dass jeder Einzelne seine
Urteile über andere überprüft, sich selbst und sein Sprachvermögen einsetzt.
Dies verschafft dem Einzelnen die Möglichkeit seine Kenntnisse und
Fähigkeiten über die Schule hinaus zu erweitern und zu vertiefen.
Dies lässt den Schluss zu, das H.-E. Piephos Augenmerk nicht nur auf dem
bloßen Fremdsprachenerwerb liegt. H.-E. Piepho geht allerdings nicht ganz
so weit, Wortschatzkontrolle und -auswahl, Grammatikbeherrschung und
messbare Erträge in einer gegebenen Lernzeit völlig zu vernachlässigen,
wehrt sich aber gegen jegliche strikte Reglementation, so z.B. auch gegen
den ausschließlich einsprachigen Unterricht und rigide Progression
linguistischer Mittel.8
Trotzdem gehen vielen, unter ihnen seien nur W. Hüllen und M. Arendt als
Kritiker der Pragmadidaktik und insbesondere Piephos genannt, diese
Gedanken zu weit. Für sie ist diese Definition zu ideologisch sowie auch in
der Praxis wenig umsetzbar. Es wird bemängelt, man habe sich vom
eigentlichen sprachlichen Aspekt, wie der Begriff kommunikativ auf den
ersten Blick ja impliziert, zu weit entfernt.
Trotzdem hat im Laufe der Jahre, wenn auch in verschiedener Ausprägung,
das Lernziel Kommunikative Kompetenz Einzug in Lehrpläne und Lehrbücher
gehalten und gilt bis heute in Form der interkulturellen Kompetenz, als
oberste Maxime. Unter ihrem Dach sind gemeinsame Nenner innerhalb
unterschiedlicher Auslegungen der kommunikativen Kompetenz vorhanden
8 Piepho, H.-E., ,,Bedingungen von Kommunikation im Fremdsprachenunterricht", in: Paul
Hartig, Hrsg.,
Der fremdsprachliche Unterricht, 52
, Klett: Stuttgart, 1979.
8
werden. Grammatikalische Kenntnisse werden nicht als Selbstzweck
betrachtet, sondern im Allgemeinen als Instrument zur Förderung der
Kommunikationsfähigkeit,. Demzufolge soll sich die Unterrichtsplanung nicht
hauptsächlich an der Progression grammatikalischer Erscheinungen
orientieren, sondern es muss am Beginn der Lehrplanung eine Auflistung der
sprachlichen Mitteilungsleistungen, zu denen der Lerner befähigt werden soll,
stehen. Demgegenüber ist die grammatische Progression nachrangig und
sollte sich daran orientieren.
Es gilt
fluency before correctness
, was heißt, dass der Lehrer, so weit irgend
möglich, auf die Unterbrechung des Kommunikationsfluss verzichtet, um auf
lexikalische oder grammatische Fehler hinzuweisen.
Kommunikation kann sich idealerweise nicht durch konstruierte Situationen
wie
at the station, at the supermarket, a party
entwickeln. Das sprachliche
Verhalten wird effektiver im Sinne pragmatischer Funktionen, also im Bezug
auf Mitteilungsbedürfnisse und -prozesse wie ,,Interesse zeigen",
,,Informationen mitteilen", ,,Zweifel äußern", ,,Sympathie bezeugen" etc.
angeregt und verbessert. Das heißt: Kein Herbeiführen der Kommunikation
durch eine vorgegebene Situation, sondern eine Erzeugung einer subjektiven
und dem Kontext des Lerners entsprechendere Situation durch
Kommunikation.
Dem Schüler soll also der effektive Nutzen der Fremdsprache vor Augen
geführt werden. Als Folge eines erfolgreichen Unterrichts lautet dann dessen
pragmatische Fragestellung an sich selbst: ,Welche Situationen kann ich
bereits selbständig meistern?′ und nicht etwa ,Was kann ich schon
ausdrücken?′
Der Lehrer soll die Schüler dazu anregen, sich im Unterricht oft und so
spontan wie möglich zu äußern. Viel Kontakt mit der Zielsprache und eine
beschränkte Verwendung der Muttersprache sind in diesem Zusammenhang
von Bedeutung.
H.-E. Piepho allerdings geht hier vom alten audio-lingualen Dogma der
Einsprachigkeit ab. Statt des Prinzips der Konditionierung propagiert er
kognitive Einsicht des Lerners in alle Lernprozesse. Dazu muss es dem
9
Lerner gestattet sein, kompliziertere Sachverhalte wie beispielsweise Kritik
am Lehrmaterial oder Anmerkungen zum ideologischen Hintergrund von
Texten in der Muttersprache äußern zu dürfen.
Nicht nur Interaktion zwischen Lehrer und Schüler, sondern auch zwischen
Schüler und Schüler selbst soll erreicht werden.
Die vier Basisfertigkeiten ( Hörverstehen + Leseverstehen = rezeptiv /
Sprechen + Schreiben = produktiv ) werden als für wichtig anerkannt, um
sich in einer Fremdsprache ausdrücken und verständigen zu können,
weshalb ihnen die gleiche Priorität einzuräumen wäre.
Die Schulung des Hörverstehens wurde bis in die siebziger Jahre noch
weitgehend vernachlässigt, dabei ist es die erste unbewusst erworbene
Grundfertigkeit, auf die jedes Fremdsprachenlernen aufbaut. Durch
kontinuierliches Üben soll der Schüler schließlich befähigt sein, die
Funktionen des Zuhörens wie Informationsaufnahme, Handlungseinleitung
oder auch einfach Vergnügen, zu kennen. Ziel ist es, dass der Schüler das
Gemeinte identifizieren kann, um damit überhaupt erst eine Basis für
Kommunikation zu schaffen.
Bei der bewussten Entwicklung und Einübung des Leseverstehens im FSU
wird der Schwerpunkt auf den Inhalt, nicht unbedingt auf die Sprache
gesetzt. Damit ist es wohl für den FSU, vielleicht aber nicht so sehr für die
kommunikative Kompetenz im Speziellen von Bedeutung.
Das Schreiben kann einerseits Lernhilfe und Arbeitshilfe, andererseits
natürlich kommunikativ sein oder einfach der Lernkontrolle dienen. Der
Schüler soll die Fähigkeit besitzen, einen Schreibprozess in seinen fünf
Teilschritten Orientierung, Planung, Entwurf, Revision, Auswertung zu planen
und durchzuführen.
Zum Sprechen sei wiederholend gesagt, dass erst mit dem kommunikativem
Ansatz diese Basisfertigkeit als kommunikatives Handeln gesehen und als
speziell förderungswürdig erkannt wird, da es bei der Verfolgung anderer
Unterrichtsziele nur sehr bedingt automatisch mitgelernt wird. Daher muss
der Lehrer die sprachlichen Mittel zur Realisierung von Sprechabsichten
vorstellen und mit den Lernern die Verwendung dieser Mittel einüben.
10
Dadurch soll die Sprechlust und Eigeninitiative gefördert werden, was
zunehmende Ausdruckssicherheit und Selbstvertrauen auf Seiten der
Schüler bewirkt. Das Endziel schließlich stellt einen Schüler dar, der seine
Bedürfnisse situationsadäquat und adressatengerecht äußern kann, so dass
eine Verständigung gewährleistet ist.9
2.2. Klärung des Begriffes interkulturelle Kompetenz
So wie die Kommunikative Kompetenz lange Zeit als globales Ziel für den
FSU galt, hat die Interkulturelle Kompetenz seit den 1990er Jahren diese
Stellung inne.
Die Aussage von J. House, dass die Sprache im wesentlichen in der Kultur
verwurzelt ist, kann sicherlich ohne weiteres akzeptiert werden.10
Sprache erwächst aus kulturellen Gegebenheiten und ist gleichzeitig daran
beteiligt, sie zu schaffen. Mithilfe der Sprache beschreiben wir die Welt und
erzeugen sogenannte mentale Bilder, die sich von Kultur zu Kultur erheblich
unterscheiden. Während in den Kulturen der deutsch- und
englischsprachigen Länder das Herz als ,Bildspender′ in der Sprache dient,
übernimmt in der türkischen Kultur die Leber diese Funktion. Des weiteren
wird Höflichkeit in Sprachen sehr unterschiedlich zum Ausdruck gebracht.
Während Deutsche und Amerikaner Ablehnung für etwas sehr direkt äußern,
formuliert man diese im Japanischen nur indirekt und ohne die Verwendung
des Wortes ,nein′. Auch beim Gesprächsmanagement gibt es erhebliche
Unterschiede in den Sprachen. In manchen Kulturen ist es beispielsweise
üblich, dass man betont langsam spricht, was im Deutschen und Englischen
Langeweile oder die Absicht, das Rederecht möglichst schnell abzugeben,
ausdrückt. Wie groß die Unterschiede bei der Wahrnehmung der Welt sein
können, zeigt die Verwendung von Metaphern für das Nichtverstehen. Im
Deutschen wird Nichtverstehen mit der Wendung: ,,Ich verstehe nur Bahnhof"
9 Mans, E., ,,Lernziel ,Kommunikative Kompetenz′: - Zu einigen neuen Versuchen, ein altes
Problem der Fremdsprachendidaktik zu lösen", in: J. Kramer, Hrsg.,
Bestandsaufnahme
Fremdsprachenunterricht Argumente zur Reform der Fremdsprachendidaktik
, Metzler:
Stuttgart, 1976.
10 House, J., ,,Zum Erwerb kultureller Kompetenz im Unterricht des Deutschen als
Fremdsprache", in:
Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht
, Edmonton,
1997, http://www.ualberta.ca/~german/ejournal/abstract.htm (5.12.06).
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