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„Gated Communities“ - Zur Typologie und Entwicklung geschlossener Wohnkomplexe im suburbanen Raum

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 24 Pages
Author: Katharina Kurzmann
Subject: Sociology - Habitation, Urban Sociology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 24
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V120974
ISBN (E-book): 978-3-640-25308-1
ISBN (Book): 978-3-640-25327-2

Abstract

Um den Einstieg in diese Thematik zu erleichtern, soll zu Anfang der Begriff „Gated Community“ in Kapitel 2. definiert werden. In Kapitel 2.1 soll diese Definition um die Aspekte der Segregation und des räumlichen Ausschlusses erweitert werden. Im Vordergrund dieser Arbeit steht neben der Entwicklung und den Gründen für die Entstehung geschlossener Wohnkomplexe die Typologie dieser. Dazu werden die Klassifikationen drei bzw. vier verschiedener Autoren in Kapitel 3. vorgestellt. Die Autoren Glasze, Blakely/Snyder und Wehrheim ordnen und klassifizieren die verschiedenen Arten dieser Wohnform anhand sehr unterschiedlicher Aspekte. Doch erscheint es wichtig, die verschiedenen Blickwinkel zu erfassen, um zu einem, alle Sichtweisen einbeziehenden, Ergebnis zu gelangen. Kapitel 4. ist dem zweiten Hauptaspekt dieser Arbeit gewidmet. Darin soll zunächst in Kapitel 4.1 der historische Aspekt geschlossener Wohnkomplexe dargestellt und die Frage geklärt werden, ob geschlossene Wohnkomplexe tatsächlich so neu sind, wie es zunächst den Anschein erweckt, ob sie ihren Ursprung in den USA haben oder es möglicherweise städtebauliche Vorläufer gibt, die sich mit Gated Communities in Verbindung setzen lassen und ob diese Wohnform eine „Bedrohung“ für Städte und öffentliche Haushalte werden. Daran schließen sich in Kapitel 4.2 die Ausführungen über die Entwicklung und die Hintergründe geschlossener Wohnkomplexe an, die vor allem in den USA zu einer ubiquitären Erscheinung geworden sind. Kapitel 4.3 wird dazu dienen, die Frage zu beantworten, ob geschlossene Wohnkomplexe ein Modell für die Zukunft sind oder ob sich der momentane „Boom“ nicht als Trend erweist. Da diese Wohnform erst in den 1990er Jahren in den Blickwinkel von Medien und Forschung gerückt ist und Autoren mittlerweile eben von einem „Boom“ dieser Wohnform in vielen Teilen der Welt sprechen, erscheint es gerade sinnvoll den Aspekt der Entstehung von Gated Communities zu beleuchten. Dieser Gesichtspunkt soll deshalb innerhalb dieser Arbeit im Blick behalten und mit einem Ausblick in die Zukunft der Gated Communities verbunden werden.


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg Universität Mainz

Institut für Soziologie

Seminar ,,Minderheiten im Kontext urbaner Inszenierungen"

,,Gated Communities"

-

Zur Typologie und Entwicklung

geschlossener Wohnkomplexe im suburbanen Raum

von

Katharina Lioba Kurzmann

Studiengang: Magister (Pädagogik HF, Soziologie NF, Jura NF)

4.Fachsemester

SS 2008

Abgabedatum: 19.09.2008


Inhaltsverzeichnis

1.

Einleitung

2

2.

Definition ­ Gated Community

3

2.1

Kriterien der Segregation und des räumlichen Ausschlusses

4

3.

Zur Typologie geschlossener Wohnkomplexe

5

3.1

Bauliche und funktionale Unterscheidung bei Glasze

5

3.2

Lifestyle-, Prestige- und Security Zone Communities bei Blakely/Snyder 6

3.3

Neu und bereits bestehende Siedlungen und Gebäudekomplexe

bei Wehrheim

8

4.

Zur Entwicklung geschlossener Wohnkomplexe

10

4.1

Vorläufer geschlossenen Wohnkomplexe ­ Von Villenkolonien und

Gartenstädten

11

4.2

Gründe für die Entstehung geschlossener Wohnkomplexe

15

4.3

Ein Modell der Zukunft?

17

5.

Fazit

19

6.

Literaturnachweis

21

1


1.

Einleitung

Diese Hausarbeit, die im Rahmen des Seminars ,,Minderheiten im Kontext urbaner

Inszenierungen" angefertigt wurde, beschäftigt sich mit dem Phänomen der ,,Gated

Communities".

Um den Einstieg in diese Thematik zu erleichtern, soll zu Anfang der Begriff ,,Gated

Community" in Kapitel 2. definiert werden. In Kapitel 2.1 soll diese Definition um die

Aspekte der Segregation und des räumlichen Ausschlusses erweitert werden.

Im Vordergrund dieser Arbeit steht neben der Entwicklung und den Gründen für die

Entstehung geschlossener Wohnkomplexe die Typologie dieser. Dazu werden die

Klassifikationen drei bzw. vier verschiedener Autoren in Kapitel 3. vorgestellt. Die Autoren

Glasze, Blakely/Snyder und Wehrheim ordnen und klassifizieren die verschiedenen Arten

dieser Wohnform anhand sehr unterschiedlicher Aspekte. Doch erscheint es wichtig, die

verschiedenen Blickwinkel zu erfassen, um zu einem, alle Sichtweisen einbeziehenden,

Ergebnis zu gelangen.

Kapitel 4. ist dem zweiten Hauptaspekt dieser Arbeit gewidmet. Darin soll zunächst in

Kapitel 4.1 der historische Aspekt geschlossener Wohnkomplexe dargestellt und die Frage

geklärt werden, ob geschlossene Wohnkomplexe tatsächlich so neu sind, wie es zunächst den

Anschein erweckt, ob sie ihren Ursprung in den USA haben oder es möglicherweise

städtebauliche Vorläufer gibt, die sich mit Gated Communities in Verbindung setzen lassen

und ob diese Wohnform eine ,,Bedrohung" für Städte und öffentliche Haushalte werden.

Daran schließen sich in Kapitel 4.2 die Ausführungen über die Entwicklung und die

Hintergründe geschlossener Wohnkomplexe an, die vor allem in den USA zu einer

ubiquitären Erscheinung geworden sind.

Kapitel 4.3 wird dazu dienen, die Frage zu beantworten, ob geschlossene

Wohnkomplexe ein Modell für die Zukunft sind oder ob sich der momentane ,,Boom" nicht

als Trend erweist. Da diese Wohnform erst in den 1990er Jahren in den Blickwinkel von

Medien und Forschung gerückt ist und Autoren mittlerweile eben von einem ,,Boom" dieser

Wohnform in vielen Teilen der Welt sprechen, erscheint es gerade sinnvoll den Aspekt der

Entstehung von Gated Communities zu beleuchten. Dieser Gesichtspunkt soll deshalb

innerhalb dieser Arbeit im Blick behalten und mit einem Ausblick in die Zukunft der Gated

Communities verbunden werden.

2


2.

Definition ­ Gated Community

Im Folgenden soll nun der Begriff ,,Gated Community" definiert werden, wobei vorab zu

bemerken ist, dass sich die Definition der ,,Gated Community" genauso auf den Terminus des

,,Geschlossenen Wohnkomplexes" beziehen soll. Denn auch in der Literatur ist man sich nicht

einig über die Terminologie. Hin und wieder wird am Ausdruck der ,,Gated Communities"

Kritik geübt, da dieser so aus dem amerikanischen übernommen wurde und immer wieder die

Frage aufgeworfen wird, ob diese so definierte Wohnform auf jeden geschlossenen

Wohnkomplex weltweit übertragen werden kann.

Da sich verschiedene Formen von Gated Communities ausmachen lassen, soll zu

Beginn eine Minimaldefinition zu diesem Phänomen gefunden werden. Diese stammt von

Wehrhahn (2003):

,,Gated communities unterscheiden sich zum einen von üblichen Wohnsiedlungen durch die

Abgeschlossenheit gegenüber Nicht-Bewohnern, durch physische Barrieren, die Fremde am Betreten

der Siedlung hindern sollen. Zum Anderen gilt als wesentliches Merkmal, dass eine private Infrastruktur

besteht, und zwar nicht nur bezüglich Freizeiteinrichtungen, sondern zusätzlich befindet sich die

üblicherweise öffentlich organisierte Versorgungsinfrastruktur (Straßen und Wege, Wasser, Abwasser

und Elektrizität) in privaten Händen ­ in der Regel in der der Gemeinschaft. Die Existenz dieser

community ist zugleich das dritte Kriterium, das zur Definition von gated communities herangezogen

wird" (S.302).

Glasze (vgl. 2003, S.30) führt darüber hinaus weitere Punkte an, aus denen sich drei

Kernkriterien ergeben. Erstens ist dies Abgeschlossenheit der Wohnkomplexe durch

physische Barrieren und die Zugangsbeschränkungen die durch einen Wachdienst

gewährleistet werden. Zweitens ist die private Infrastruktur kennzeichnend für diese

Wohnform, die sich nicht nur auf Freizeiteinrichtungen, sondern ebenfalls auf die Versorgung

bezieht, die sich in privater Hand befindet und mit individuellem Eigentum kombiniert wird.

Das dritte Kriterium umfasst die Gemeinschaft mit einer Gemeinschaftsordnung und

Selbstverwaltung. Die Selbstverwaltungen unterscheiden sich aufgrund unterschiedlicher

juristischer Gegebenheiten der verschiedenen Länder in mancherlei Hinsicht. Doch auch

kristallisieren sich vier Formen der Organisation heraus, die so zu einer Definition von Gated

Communities beitragen können: Die Eigentümergemeinschaft, die Gesellschaft der

Eigentümer, die Genossenschaft und die Aktiengesellschaft. Ihnen gemeinsam sind gewählte

Selbstverwaltungsgremien, die umfassend über die Belange der geschlossenen

Wohnkomplexe entscheiden. Dies wird als Argument für die dort herrschende Demokratie

herangezogen. Doch gerade diese Behauptung wird von einigen Autoren in die Kritik

gezogen, da mehrere Faktoren gegen eine umfassende und alle Bewohner einbindende

Demokratie sprechen. Es fehlt eine Opposition, das Gleichheitsgebot wird verletzt und

3


oligarchische Strukturen entstehen aufgrund der häufigen Organisation durch

Aktiengesellschaften. Diese Selbstverwaltungen übernehmen Aufgaben, die beispielsweise in

Deutschland von den jeweiligen öffentlichen Kommunen wahrgenommen werden. Sie

etablieren in diesen geschlossenen Wohnkomplexen die Regeln für das Zusammenleben und

organisieren die Versorgung mit kollektiven Gütern und Dienstleistungen (vgl. Glasze 2001,

S.40f). Diese ihnen dadurch verliehene Regulierungsgewalt lässt sie zu einer privaten Form

lokaler Regierung werden und wird so ,,im Vergleich zu den öffentlichen Kommunen als

alternatives Modell territorialer Organisation" (Glasze 2001, S.43) gesehen.

2.1

Kriterien der Segregation und des räumlichen Ausschlusses

Zur einfachen Definition sollen nun einige Gesichtspunkte hinzukommen, die über diese

hinausgehen. Die Schlagworte hierzu sind: ,,Isolation, Separation, Ausgrenzung, Abschottung

oder Einschluss, von welchem Blickwinkel aus auch das Phänomen der Gated Communities

betrachtet wird" (Wehrheim 2002, S.190).

Gates Communities unterscheiden sich von anderen Wohnkomplexen auch nicht nur

durch die genannten Aspekte, sondern stellen Bedingungen an die Menschen die diese

bewohnen sollen. Potentielle Käufer oder Mieter müssen sich an den vorgegeben Lebensstil

anpassen, der wesentlich klarer strukturiert und vorgegeben ist als in einem normalen

Stadtviertel. So haben Gated Communities zum einen die Funktion, die Bewohner zu

sortieren und zum anderen sie als solche zu disziplinieren, um sie in die ,,Gemeinschaft" zu

integrieren. Diese residentielle Segregation, wie Wehrheim sie nennt, kann vor allem dadurch

aufrechterhalten werden, dass ein subjektives Unsicherheitsgefühl bei den Menschen besteht.

Die soziale Distanz soll nun durch die symbolische der Mauern verdeutlicht werden. Durch

welche Kriterien dieser räumliche Ausschluss erfolgt, soll nun kurz dargestellt werden. (vgl.

Wehrheim 2002, S.190f).

Wehrheim nennt dafür sieben Kriterien: Kategorische Ausschließung, moralisch

begründete Ausschließung, ökonomische Form der Ausschließung, temporäre Ausschließung,

latente Ausschließung, physische Distanz und Ausschließungsmechanismen wie Technik

(Zugangscodes etc.), Recht (Partikularnormen), Personal (das den Ausschluss durchsetzt) und

die Architektur. Durch diese Kriterien, die zu einem räumlichen Ausschluss führen, auf die

hier aber nicht näher eingegangen werden soll, entsteht das Bild eines scheinbar öffentlichen

Raumes, das erst durch die Kontrolle über den privaten Raum ermöglicht wird (vgl.

4



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