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Subtitle: Befragung zur Meidung von Arztkontakten durch Berufsmusiker eines klassischen Orchesters
Scientific Study, 2008, 18 Pages
Authors: Dr.med.dent. Hubertus R. Hommel, Harald Lothaller, Heinz Spranger, Christian P. Endler
Subject: Medicine
Details
Tags: Körperschmerzen, Musiker
Year: 2008
Pages: 18
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-24398-3
ISBN (Book): 978-3-640-24700-4
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Abstract
Es soll im Rahmen einer Pilotstudie an einer Gruppe von klassischen Orchestermusikern untersucht werden, inwieweit berufsbedingte körperliche Schmerzen vorliegen und ob sie sich deswegen in ärztlicher Behandlung befinden. Hieraus ergibt sich ein Verhältnis von ärztlich erfassten und in weiterer Folge möglicherweise als Berufskrankheiten eingestuften Beschwerden zu einem Dunkelfeld inoffizieller Schmerzleiden. Ärztliche Befunde zu möglichen Ursachen der von den Musikern angegebenen Symptomen wurden daher nicht erfragt. Alters- sowie Geschlechts-bezogene Aspekte sollen miteinbezogen werden. Individuelle künstlerisch-musikalische Aspekte sowie mögliche Einflüsse der gesamten Lebenssituation auf die körperlichen Beschwerden wurden nicht berücksichtigt.
Excerpt (computer-generated)
Hubertus R. Hommel
a
Harald Lothaller
b
Heinz Spranger
a&b
Christian P. Endler
b
Fußnoten:
a
Institut für Nachhaltige Gesundheitswissenschaften b Interuniversitäres Kolleg für Gesundheit und
Dersum Entwicklung Graz/Schloss Seggau
Körperschmerzen männlicher und weiblicher Musiker
Befragung zur Meidung von Arztkontakten durch Berufsmusiker eines
klassischen Orchesters
Studienbeginn: Oktober 2007
Erhebung: Januar 2008
Statistik: April 2008
Abschluss: Oktober 2008
SCHLÜSSELWÖRTER
Musikermedizin, Klassische Orchestermusiker, Musikerkrankheiten, Berufskrankheiten, berufliche
Exposition Musiker, mechanische Dysfunktionen, Erkrankungen des Bewegungsapparates,
Schmerzen, Prävention, Prophylaxe, Therapie, Rehabilitation, Geschlecht, Altersstruktur
ZUSAMMENFASSUNG
Hintergrund
Schlechte Körperhaltung, einseitige Bewegungsgewohnheiten sowie durch Musikinstrumente
unterschiedlicher Art induzierte Dysbalancen begünstigen bei Orchestermusikern entzündliche sowie
degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates. Diese können Berufskrankheiten entsprechen
und durch ihre erhebliche Schmerzhaftigkeit die Tätigkeit eines Instrumentalmusikers einschränken
oder unterbinden. Daher sollten bereits in der Ausbildung Physioprophylaxe und Prävention ansetzen.
Da es jedoch für Musikerkrankheiten keine ausgewiesenen Fachärzte gibt, gibt es auch keine
verbindlichen ärztlichen Präventionsempfehlungen. Physiotherapeutische Betreuungen entstammen im
Großen und Ganzen bewährten Entspannungs- und Entlastungstechniken. Musikerkrankheiten werden
meistens erst mit dem Auftreten von Schmerzen erfasst; die Betroffenen werden am Wohn- oder
Arbeitsort von dort ansässigen Orthopäden umsorgt, die häufig selber Musikinstrumente spielen und
sich aus diesem Verständnis heraus in den für Musiker typischen somatischen Symptomatiken
fortgebildet haben. Über Art und Ausprägung der körperlichen Beschwerden liegen Studien
unterschiedlicher Designs vor, die als Grundlage ärztlicher Behandlungen genutzt werden können.
Musikhochschulen bieten zunehmend die Möglichkeiten, die sich aus der Vernetzung von Forschung
Wissenschaft, Lehre und Praxisbezug anbieten, inwieweit jedoch der Einzelne bereit ist sich dieser
Konsequenz zu stellen, ist weniger bekannt. Hierüber besteht Bedarf an weiteren Untersuchungen.
Fragestellung
Es soll im Rahmen einer Pilotstudie an einer Gruppe von klassischen Orchestermusikern untersucht
werden, inwieweit berufsbedingte körperliche Schmerzen vorliegen und ob sie sich deswegen in
ärztlicher Behandlung befinden. Hieraus ergibt sich ein Verhältnis von ärztlich erfassten und in
weiterer Folge möglicherweise als Berufskrankheiten eingestuften Beschwerden zu einem Dunkelfeld
inoffizieller Schmerzleiden. Ärztliche Befunde zu möglichen Ursachen der von den Musikern
angegebenen Symptomen wurden daher nicht erfragt. Alters- sowie Geschlechts-bezogene Aspekte
sollen miteinbezogen werden.
Individuelle künstlerisch-musikalische Aspekte sowie mögliche Einflüsse der gesamten
Lebenssituation auf die körperlichen Beschwerden wurden nicht berücksichtigt.
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Material und Methode
Im Oktober 2007 wurde an 62 Orchestermusiker beiderlei Geschlechts, unterschiedlichen Alters, mit
unterschiedlichen Musikinstrumenten und von unterschiedlichen Stammorchestern ein kurzer
Fragebogen zur anonymen Beantwortung ausgeteilt.
Ergebnisse
Mehr als die Hälfte der aktiven Orchestermusiker gibt an, unter vermutlich berufsbedingten
Schmerzen zu leiden, fast die Hälfte davon unter chronischen Schmerzen. Allerdings begibt sich nur
etwa ein Drittel jener mit Schmerzen bzw. knapp die Hälfte derer mit Dauerschmerzen in ärztliche
Behandlung. Dies ergibt einerseits eine hohe Dunkelziffer im Hinblick auf die offiziell bekannte
Prävalenz von berufsbedingten Schmerzen bei Musikern und lässt andererseits auch ein Dunkelfeld
innerhalb des Spektrums der verschiedenen Schmerzsymptomatiken erahnen.
EINLEITUNG
Erfolgen körperliche Fehlbelastungen mit einseitigen Muskel- und Gelenkbeanspruchungen über einen
längeren Zeitraum ohne adäquate Physioprävention, können sie zu schmerzhaften entzündlichen sowie
degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates führen
[1]
. Deren Ursachen können in allen
Bereichen des täglichen Lebens auftreten. Bestehen sie jedoch als chronifizierende und chronische
Veränderungen im Zusammenhang mit beruflichen Tätigkeiten am Arbeitsplatz, werden sie in
Deutschland als Berufskrankheiten klassifiziert, wenn es sich gemäß §6 SGB 7 (gesetzliche
Unfallversicherung) um Krankheiten handelt, die in einer Berufsgruppe häufiger auftreten als in der
Normalbevölkerung
[2]
. In Abgrenzung zu Arbeitsunfällen können sie sich auch erst nach
abgeschlossener Tätigkeit einstellen; berufsspezifisch sind sie allerdings auch aufgrund plötzlicher
Ereignisse möglich. Nach §9 Abs. 1 SGB 7 wird in der Beurteilung unterschieden in
Listenerkrankungen und Quasiberufserkrankungen. Mit Krankheit ist hier generell ein regelwidriger
Körper- oder Geisteszustand gemeint, wobei es jedoch im Unterschied zum
Krankenversicherungsrecht nicht auf Behandlungsbedürftigkeit oder Arbeitsunfähigkeit ankommt.
Berufsspezifische Erkrankungen von Musikern sind bereits aus dem 15. Jahrhundert überliefert
[3]
,
1832 erschien ein ,,Ärztlicher Ratgeber für Musiktreibende", aber erst 1923 erteilte das preußische
Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Bildungswesen einen Lehrauftrag an der Berliner
Musikhochschule zu Vorlesungen über ,,Berufskrankheiten der Musiker"
[4]
[5]
.
Voraussetzung für eine musikalische Karriere ist die musikalische Intelligenz. Als ein angeborenes
Potenzial ist sie ein definierter Bestandteil im Spektrum der Intelligenzen
[6]
. Generell können
besondere Begabungen Veränderungen des Blickwinkels gegenüber etablierter Zuordnungen
bewirken; Musiker können daher bereits in der Kindheit gegenüber ihrer Umwelt hohen psychischen
3
Belastungen unterliegen. Werden sie nicht von ihrer sozialen Umwelt gefördert, können sie sich in
ihrer Studienzeit festigen, und bei Unterschätzung und Nichtbeachtung in interaktiven Vernetzungen
schließlich zu möglichen Dauerschäden auf psychischer und somatischer Ebene führen. Auch auf
physischer Ebene können sich Überbeanspruchungen möglicherweise langfristig gesamtgesundheitlich
auswirken, wenn bei intensiver Beschäftigung mit Musikinstrumenten vor Abschluss des
Körperwachstums keine adäquaten Ausgleichsmöglichkeiten geboten werden
[7] [8] [9].
Als verantwortliche Ursachen für mögliche Berufskrankheiten von Orchestermusikern gelten generell
die berufseigenen Beanspruchungen mit ihren jeweiligen Wechselwirkungen zwischen akuten
körperlichen Belastungen, instrumentenspezifischen Besonderheiten, psychomentalen Anforderungen
und Belastungen durch Perfektions-, Konkurrenz- und Zeitdruck, sowie dem immer stärkeren Druck
durch die Arbeits- und Organisationsform des Kulturbetriebs
[10]
.
Instrumentalmusiker sind für Fehlbelastungshaltungen prädestiniert. Generell werden Fehlhaltungen
dem Betroffenen erst durch ihre schmerzhaften Einschränkungen bewusst. Daraus resultierende
ausweichende Belastungshaltungen können wiederum Fehlhaltungen induzieren, schließlich bis zu
ganzkörperlichen Funktionsstörungen. Je nach Studie und instrumenteller Spezifität haben bis zu 89%
der befragten Musiker Erkrankungen des Stütz- und Bewegungssystems. Die meisten
Instrumentalmusiker haben demnach zumindest temporär Schmerzen im Skelett-Muskel-
Gelenksystem, da nach den Erfordernissen ihres jeweiligen Musikinstrumentes generell
Zwangshaltungen vorgegeben sind, die je nach Konstitution und Spielpraxis zu körperlichen
Konsequenzen führen
[11]
. Hinzu kommen, allerdings in geringerem Ausmaß, Probleme mit Visus,
und mit Akustik
[12]
, aber auch mit Psychopharmaka und mit psychiatrischen Erkrankungen; ca. 25-
30% der Musiker wird die regelmäßige Einnahme von Tabletten oder Alkohol gegen Auftrittsängste
unterstellt
[13]
. Immerhin 15% der Orchestermusiker gehen wegen Berufsunfähigkeit in so genannte
Frührente
[14]
.
In Deutschland gab es 2002 etwa 11.500 Berufsmusiker in Symphonie- und Theaterorchestern, weitere
35.700 in Musikschulen, sowie 25.500 Musikstudenten. Zwar hat inzwischen so gut wie jede
Musikhochschule im deutschsprachigen Raum einen Lehrbeauftragten für Musikermedizin, dennoch
sind entsprechende Forschungseinrichtungen, spezifische Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten
sowie Präventionsstrategien unterrepräsentiert im Verhältnis zu anderen Berufsgruppen mit ähnlichen
körperlichen und mentalen Herausforderungen wie z.B. Sportlern
[15]
. Im Unterschied zu diesen
müssen Berufsmusiker ihre Leistungen bis zum Eintritt ihres gesetzlichen Rentenalters erbringen,
während Leistungssportler spätestens in der Mitte des 30. Lebensjahres ihre Aktivitäten einstellen.
Einen ausgewiesenen Facharzt für Musikermedizin gibt es bislang nicht und somit auch keine
festgelegte Ausbildung für diesen Bereich. Die konventionelle orthopädische Untersuchung ist nicht
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