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Wissenschaftlicher Aufsatz, 2007, 12 Seiten
Autor: Dr. Lilia M. Hirsch
Fach: Organisation und Verwaltung
Details
Jahr: 2007
Seiten: 12
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-25386-9
Der Aufsatz wurde zunächst veröffentlicht in der Zeitschrift der DGWF - Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V.: "Hochschule & Weiterbildung" 2/2007.
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Zusammenfassung / Abstract
Die deutsche Hochschullandschaft untersteht zweifelsohne den größten Veränderungen in der Nachkriegsgeschichte. Diese Zeiten sind auch deshalb so aufregend, weil gerade in der wissenschaftlichen Weiterbildung, die sich bekanntlich in ihrem Spektrum sowohl in der Vergangenheit als auch heute überaus breit darstellt, nun auch institutionelle Organisationsformen möglich und inzwischen gegeben sind, die dieser Vielfalt Rechnung tragen können. Die globalen technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, aber insbesondere die europäischen Umwälzungen der letzten zwei Jahrzehnte, zwingen die deutschen Hochschulen als Ganzes in eine Dynamik, die auch nicht vor der wissenschaftlichen Weiterbildung als Teilmenge Halt machen kann und wird. Massiv zum Tragen kommt die gesellschaftliche Verantwortung der Weiterbildungsorganisationen (inkl. Hochschulen) und der innerhalb dieser Organisationen Handelnden insbesondere, weil die Veränderungsprozesse und die sogenannten sich verkürzenden Wissenshalbwertzeiten die Individuen zu steter Anpassung ihrer Wissens- und Qualifizierungsstände bringen und deren Erfüllung bzw. Nichterfüllung die Lebenschancen der Betroffenen nachhaltig beeinflussen. Wenn also berufsbezogenes oder berufsbegleitendes „lebenslanges Lernen“ abverlangt wird und die forschungsgeleitete Bildung als eines der Qualitätsmerkmale gilt, kann die Verknüpfung von Forschung und Lehre nicht auf die bisher klassische Zeitspanne des grundständigen Studiums an deutschen Hochschulen postuliert werden, ohne ernsthafte Erklärungsnotstände herbeizuführen. Der Beitrag richtet sich an Personen, die an einem Einblick in die Vielfalt der organisatorischen Ausgestaltung und die Restrukturierungsprozesse der Weiterbildung an/um Hochschulen interessiert sind. Aspekte des Beitrags: - Vielfalt der institutionellen Organisationsformen für Weiterbildung an/um Hochschulen - Neue Gesamtsteuerungsmodelle - Einflüsse der Technologien im Weiterbildungsangebot und in der Weiterbildungsorganisation - Wissenschaftliche Zentren als eine der Formen der Weiterbildungsorganisation bzw. der institutionalisierten Kooperationsform - "Lebenslanges Lernen" und Marke C3L
Volltext (computergeneriert)
Der Wandel der Organisationsformen der Weiterbildungsinstitutio-
nen im Rahmen des Hochschulwandels
Von Lilia M. Hirsch
Die deutsche Hochschullandschaft untersteht zweifelsohne den größten Veränderungen in
der Nachkriegsgeschichte. Diese Zeiten sind auch deshalb so aufregend, weil gerade in der
wissenschaftlichen Weiterbildung, die sich bekanntlich in ihrem Spektrum sowohl in der Ver-
gangenheit als auch heute überaus breit darstellt, nun auch institutionelle Organisationsfor-
men möglich und inzwischen gegeben sind, die dieser Vielfalt Rechnung tragen können. Die
globalen technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, aber ins-
besondere die europäischen Umwälzungen der letzten zwei Jahrzehnte, zwingen die deut-
schen Hochschulen als Ganzes in eine Dynamik, die auch nicht vor der wissenschaftlichen
Weiterbildung als Teilmenge Halt machen kann und wird. Daher erscheinen die lange Jahre
geltenden Prämissen für die Organisation der Weiterbildung an Hochschulen, die im Arbeits-
kreis Universitäre Erwachsenenbildung (AUE) bereits vor ca. 40 Jahren gemeinsam entwi-
ckelt und weiterentwickelt wurden, möglicherweise nicht mehr als ,,Königsweg", wenn die
gesellschaftliche Realität der Diversität an den nun vorhandenen institutionellen Formen der
Weiterbildung gespiegelt wird.
Massiv zum Tragen kommt die gesellschaftliche Verantwortung der Weiterbildungsorganisa-
tionen und der innerhalb dieser Organisationen Handelnden insbesondere, weil die Verände-
rungsprozesse und die sogenannten sich verkürzenden Wissenshalbwertzeiten die Individu-
en zu steter Anpassung ihrer Wissens- und Qualifizierungsstände bringen und deren Erfül-
lung bzw. Nichterfüllung die Lebenschancen der Betroffenen nachhaltig beeinflussen. Wenn
also berufsbezogenes oder berufsbegleitendes ,,lebenslanges Lernen" abverlangt wird und
die forschungsgeleitete Bildung als eines der Qualitätsmerkmale gilt, kann die Verknüpfung
von Forschung und Lehre nicht auf die bisher klassische Zeitspanne des grundständigen
Studiums postuliert werden, ohne ernsthafte Erklärungsnotstände herbeizuführen. Da hierbei
offensichtlich nicht alleine die Bildungswissenschaften, sondern auch die Sozialwissenschaf-
ten, die Psychologie oder auch beispielsweise Wirtschaftswissenschaften gefordert sind
die Aufzählung erhebt keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit mag das Konzept des inter-
disziplinären Forschungsansatzes und der interdisziplinären Qualifikationskumulation der
Weiterbildungs-Mitarbeiter/innen für die wissenschaftliche Weiterbildung und deren Organi-
sationsform fruchtbar sein bzw. werden.
Institutionelle Organisationsformen für wissenschaftliche Weiterbildung
Die Form, die eine Hochschule für die Organisation ihrer wissenschaftlichen Weiterbildung
wählt bzw. wählen kann, ist abhängig von den landesspezifischen rechtlichen Möglichkeiten,
die die Ministerien in ihren Hochschulgesetzen festlegen. Auch die Grundordnungen der
Hochschulen und die Haushaltsgesetze nehmen Einfluss auf die Gestaltbarkeit der Organi-
sationsformen. Nicht zuletzt kann die Ausgestaltung auch von der institutionellen Form der
Hochschule selbst (Trägerschaft des Staates, Trägerschaft von rechtsfähigen Stiftungen des
öffentlichen Rechts, private Trägerschaft) abhängig gemacht werden. Auch bleibt die Ent-
scheidung für das eine oder andere institutionelle Modell den strategischen Überlegungen
der Hochschulleitung verpflichtet, die im Rahmen der jeweiligen Profilbildung stattfinden und
möglicherweise ebenfalls Kooperationsformen mit Partnern der Privatwirtschaft einschließen
(Public Private Parnerships1). Verbunden mit der institutionellen Organisationsform sind
gleichwohl die jeweiligen steuerlichen Bedingungen, die eine Entscheidung für die endgültige
Organisationsstruktur maßgeblich mitbestimmen. So haben in der Praxis der vergangenen
Jahre viele Organisationsformen für wissenschaftliche Weiterbildung Eingang in die Hoch-
schulen gefunden, die nicht dem Ansatz einer Einrichtung folgen, die als zentral ausgewie-
1 Mehr zu den PPPs in der Weiterbildung auch bei Schirmeister/Hirsch (2005): Wissenschaftliche Weiterbildung
Chance zur Kooperation mit der Wirtschaft?
2
sene, eigenständige fakultätsübergreifende Einrichtung für Weiterbildung gestaltet ist. Als
bekannte Beispiele dienen hier oft Weiterbildungseinrichtungen, die als Vereine (e.V.) oder
als Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH und gGmbH) in mehr oder minder en-
gen Kooperationsformen mit den Hochschulen arbeiten oder ggf. als ,,Tochtergesellschaften"
von Fachbereichen, Instituten, Fakultäten oder auch von der gesamten Hochschule gegrün-
det wurden und sich am Weiterbildungsmarkt (mehr oder minder erfolgreich) bewegen.
Durch erneute Festlegung der Weiterbildung als eine der Kernaufgaben der Hochschulen in
der Novelle des Hochschulrahmengesetzes (HRG) von 19982 und in allen Landeshoch-
schulgesetzen (in Niedersachsen u.a. § 3 Aufgaben der Hochschule), hat auch die Kultusmi-
nisterkonferenz im Herbst 2001 Empfehlungen zur Umsetzung von Weiterbildungsprogram-
men in Kooperation zwischen Unternehmen und Hochschulen herausgegeben (Kultusminis-
terkonferenz (2001)) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Industrie- und Handels-
kammertag (DIHK) sowie die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
formulierten 2003 einen ,,10-Punkte-Plan von Wirtschaft und Hochschulen" in einer Erklärung
zur Weiterbildung. Inwieweit diese Gesetze, Empfehlungen und Erklärungen zur Annäherung
der Bereiche Hochschule und Wirtschaft für die Strukturen der wissenschaftlichen Weiterbil-
dung befruchtend relevant wurden, sei dahingestellt. Spätestens jedoch mit dem Wettbewerb
des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft im Jahr 2004 ist die Vielfalt der Möglich-
keiten und der verfolgten Strategien offenkundiger geworden. Beginnend bei dem Titel des
Wettbewerbs ,,Hochschulen im Weiterbildungsmarkt" über die Vorschläge für den strukturell-
inhaltlichen Aufbau der Anträge (in Anlehnung an die in der freien Wirtschaft als ,,Business-
pläne" oder ,,Geschäftsmodelle" bezeichneten Planungsdokumente für Unternehmen) bis hin
zu der professionellen Pro-bono-Beratung der Firma McKinsey & Company (Unterneh-
mensberatung), die der erstplatzierten Fachhochschule Konstanz neben den Preisgeldern
zugute kam, war die Semantik des Wettbewerbs bereits eindeutig von der Wirtschaft ge-
prägt. Im Zusammenhang mit den Bewerbungen von 37 Hochschulen, die sich an diesem
Aktionsprogramm beteiligt haben, liegt daher der Gedanke nahe, dass die teilnehmenden
Akteure diese Semantik akzeptiert, möglicherweise über die Zeit des Wettbewerbs hinaus
verinnerlicht und zumindest stellenweise in den Strukturen und Arbeitsabläufen imple-
mentiert haben. Gerade in diesem Zusammenhang überrascht es nicht, dass nach dem
Wettbewerb etwas weniger öffentlich über die wissenschaftliche Weiterbildung und ihre
Strukturen diskutiert wurde: Das Wesen eines ,,Geschäftsmodells" ist die Entwicklung einer
Strategie eines Unternehmens bzw. einer Hochschule nach unternehmerischen Zielsetzun-
gen, die u.a. Wettbewerbsanalysen (andere Hochschulen bzw. Einrichtungen für Weiterbil-
dung als Wettbewerber), Zielgruppenspezifizierung und Bedarfsermittlung (Wer möchte was
lernen und wie?) und Entscheidungen zur Struktur und zum Management (institutionelle
Formen und Verantwortlichkeiten) festlegt. Möglicherweise werden solche Strategie-
Entwicklungen zunächst der sogenannten Verschwiegenheitspflicht unterlegt, also einer
Verpflichtung, die Weitergabe von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen zu unterlassen,
weil sie Kunden- und Preislisten, technisches Know-how (zum Beispiel im Bezug auf eLear-
ning) oder Bilanzen der Unternehmungen/Planungen beinhalten; Veröffentlichungen von
Abhandlungen über die Strategieentwicklungen liegen deshalb im Vorfeld der Implementie-
rung der Strategien zunächst nicht unbedingt nahe.3 Dennoch ist ,,Benchmarking" in der wis-
2 Die wissenschaftliche Weiterbildung wurde bereits 1976 durch das Hochschulrahmengesetz zur ,,hauptamtli-
chen Diensaufgabe der Hochschullehrer" festgelegt, zählt also traditionell zu den Aufgaben einer Hochschule,
ohne dass dies jedoch dort eine weitreichende Beachtung gefunden hatte.
3 Ein Beispiel für die Veröffentlichungsproblematik aus einem anderen Hochschulbereich mag hier noch griffiger
sein: Mit der im Februar 2002 in Kraft getretenen Reform des § 42 Arbeitnehmererfindergesetzes haben die deut-
schen Hochschulen das Recht erhalten, Erfindungen aller Wissenschaftler/innen in Anspruch zu nehmen, im
Namen der Hochschule zum Patent anzumelden und wirtschaftlich zu verwerten (§§ 42, 43 ArbNErfG). Hiermit ist
das sogenannte ,,Hochschullehrerprivileg" über Patentierung und Verwertung ihrer Erfindungen selbst zu ent-
scheiden entfallen, womit sich die Rechte und Pflichten der Hochschulbeschäftigten und hierdurch auch das
damit zusammenhängende Prozedere (z.B. der wissenschaftlichen Veröffentlichung) bei Erfindungen geändert
haben. Jede Publikation, die eine patentfähige Erfindung enthalten könnte, soll der Hochschule rechtzeitig (die
Zeitspannen werden von der jeweiligen Hochschule festgelegt) angezeigt werden. Dies gibt der Hochschule die
Möglichkeit, bei wirtschaftlich interessanten Forschungsergebnissen eine vorsorgliche Patentanmeldung vorzu-
3
senschaftlichen Weiterbildung als Methode zur Identifikation von Best Practice und zur An-
passung auf die eigene organisatorische Situation an der Hochschule in einschlägigen bzw.
spezialisierten Netzwerken faktisch existent.
Zurück zur Semantik: Wirtschaftliche oder juristische Fachbegriffe sind auch innerhalb der
Hochschulen nicht lediglich von den speziellen Wissenschaften geprägt, sondern übliche
Basis für viele Teile der Hochschulverwaltung. Begrifflichkeiten wie beispielsweise wirtschaft-
licher Haushaltsplan, Geschäftsverteilungsplan, Kameralistik/Doppik, Rechnungswesen,
Kosten- und Leistungsrechnung, Budgetierung/Controlling und insbesondere der Grundsatz
der ,,Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit", der zur Anwendung in Körperschaften öffentlichen
Rechts kommt, haben die Arbeit der Verwaltungen gezeichnet. Neu mögen jedoch die Aus-
wirkungen der neuen Gesamtsteuerungsmodelle der Hochschulen sein, die inzwischen auch
in den Fakultäten, Fachbereichen oder wissenschaftlichen Zentren veränderte Verantwor-
tungszuschnitte, Tätigkeitsdarstellungen und Qualifikationen der Angestellten prägen (Fakul-
tätsgeschäftsführer, Fakultätsmanager etc.), welche sich überwiegend auf das Management
von Einrichtungen unter Einsatz der modernen (auch hochtechnisierten, z.B. SAP) Verwal-
tungsinstrumente konzentrieren. Das Auftauchen dieser Berufsbezeichnungen, die im Hoch-
schulbereich zur Abgrenzung von der klassischen Verwaltung oft als ,,Wissenschaftsmana-
gement" bezeichnet werden, ist in jüngster Vergangenheit auch im Bereich der wissenschaft-
lichen Weiterbildung zu beobachten und verändert die tradierten Handlungsweisen in institu-
tionellen Stätten des Lehrens und Lernens: Geschäftsführungen oder geschäftsführende
Direktorien arbeiten neben den wissenschaftlichen Direktorien, Zentrumsräten, Aufsichtsrä-
ten, Kuratorien oder Beiräten gemeinsam am Erfolg der jeweiligen Institution, was jedoch
nicht automatisch zum Paradigmenwechsel führen muss.
Etwas neuer ist auch der Befund, dass alleine die exzellenten Inhalte nicht für die optimale
Belegung der kostenpflichtigen Weiterbildungsangebote Sorge zu tragen vermögen. Insbe-
sondere hochpreisige Weiterbildungsprogramme werden ohne zielgruppenspezifisches Mar-
keting voraussichtlich nicht gut auskommen können. Das Projekt ,,Soziale und regionale Dif-
ferenzierung von Weiterbildungsverhalten und -interessen" unter der Leitung von Rudolf Tip-
pelt (LMU München) und Heiner Barz (HHU Düsseldorf) beschäftigte sich beispielsweise mit
der Weiterbildungspartizipation und den Weiterbildungsaspirationen der deutschen Wohnbe-
völkerung (erstmalig repräsentativ für das Bundesgebiet) auf der Grundlage des sozialen
Models
Sinus-Milieus®
der Heidelberger Firma Sinus Sociovision. Das auf Ganzheitlichkeit
basierende Sinus-Modell rückt die Menschen und ihre Lebenswelt ins Blickfeld, deswegen
bietet es auch dem Marketing in der Weiterbildung mehr Informationen und bessere Ent-
scheidungshilfen als konventionelle Ansätze der Zielgruppenorientierung (Barz/Tippelt,
2004). Im Anschluss an das oben genannte Projekt förderte ebenfalls das BMBF das Projekt
,,ImZiel", das die Verwertung der gewonnenen Erkenntnisse über die milieuspezifischen Wei-
terbildungsinteressen, über die regionalspezifische Nachfrage und über die aus bestimmten
Lebenslagen resultierenden Anforderungen an Weiterbildungsangebote gewährleistete und
die Konzeption neuer zielgruppenspezifischer Angebote, Durchführung und Evaluation sowie
die wissenschaftliche Beratung und Begleitforschung umfasste4.
Für welche institutionelle Organisationsform der Weiterbildung auch immer letztlich die Ent-
scheidung in der Hochschule gefällt wird, inhäusig oder aushäusig, zentral oder dezentral:
Eine Marktannäherung der wissenschaftlichen Weiterbildung ist von Nöten, wenn sowohl
inhaltlich, didaktisch als auch organisatorisch (Serviceorientierung und Management) auf die
Bedürfnisse von ,,Studierenden" eingegangen wird, die Beruf und praktische Erfahrungen in
die Lernprozesse einbringen und sich somit bekanntlich von der vergleichsweise homogenen
Gruppe der Studierenden im Grundstudium kurz nach dem Abitur unterscheiden. Deutlich
wird diese Notwendigkeit schnell im internationalen Vergleich, wenn Wettbewerbsvorteile
nehmen. Nach Ablauf dieser Informationsfrist oder nach einer potenziell weiterhin möglichen Freigabe der Erfin-
dung an den Erfinder kann die geplante Publikation erscheinen.
4 Homepage des Projektes unter: www.imziel.de
4
ausländischer Hochschulen untersucht werden und als eine deutliche Unterscheidung die
Verzahnung von grundständiger Bildung, Weiterbildung und beruflicher Bildung durch eine
weitaus größere Schnittmenge als in Deutschland, festgestellt wird (Hanft/Knust, 2007).
Einflüsse der Technologien im Weiterbildungsangebot und in der Weiterbildungsor-
ganisation
Die Veränderungen der Hochschullandschaft im Zuge des Bolognaprozesses sind enorm
(Potenziale zur Verzahnung von grundständiger Bildung, Weiterbildung und beruflicher Bil-
dung z.B. auf internationaler Ebene; Hanft/Knust (2007)) und geben gerade der Weiterbil-
dung neue Impulse. Insbesondere die stärker von einem Generationenwechsel geprägten
jüngeren Hochschulen der Hochschulgründungszeit der 70er Jahre, an denen gleichzeitig
verstärkt Zentren für Weiterbildung entstanden und daher eine längere Historie und deren
breite Kenntnis vorhanden sind, können die Kompetenzen auch strukturell bündeln, durch
den Einsatz moderner Kommunikations- und Informationstechnologien in der Lehre berei-
chern und stärker an unternehmerischen Zielsetzungen ausrichten. Allerdings ist die Diskus-
sion über die wissenschaftliche Weiterbildung und ihre Semantik hier und da noch geprägt
von Polarisierung und Verunsicherung, wie dies im pädagogischen Diskurs mit wiederkeh-
render Regelmäßigkeit als eine Art Grundmuster mit dem Entstehen jeweils neuer technolo-
gischer Medien aufzuleben scheint (Merkert, 1992). Die Debatten werden wiederholt von
zurückhaltender Skepsis oder übertriebenem Optimismus begleitet, entwickeln sich jedoch
nach einer gewissen Zeitspanne zu einer pragmatisch orientierten Auseinandersetzung mit
den Möglichkeiten und Grenzen des neuen Mediums. Ausgehend von dem platonischen
,,Mythos von Theut" für die Schrift als Medium, beschreibt Merkert, wie sich die Beurteilung
der Medien durch die ,,gebildete Welt" (als Repräsentant einer pädagogisch interessierten
Öffentlichkeit) in einer Aufeinanderfolge bestimmter stereotyper Reaktionen, einer Art Drei-
Stadien-Abfolge, vollzieht. So wird die Diskussion bei dem jeweils neuen Medium zunächst
mit Abneigung und kulturkritischem Pessimismus geführt, gefolgt von den Versuchen das
jeweils Neue auf hergebrachte Weise zu interpretieren und damit zu vereinnahmen, bis hin
zum dritten Stadium der Normalisierung, der Ernüchterung oder der medienangemessenen
Betrachtung. Das letzte Stadium der Entwicklung wird zum Teil beeinflusst durch die prag-
matische Nutzung eines Mediums, d.h. durch den Zugriff auf dieses Medium durch die
Mehrheit der Gesellschaftsmitglieder, die hierdurch Fakten schafft und die Entmystifizierung
des Neuen für sich selbst realisiert; wie dies bei der historischen Entwicklung in der Photo-
graphie, im Film und nicht zuletzt im Fernsehen der Fall war. Dabei verleitete vor allem die
Zunahme der Bilder, die durch die jeweils neuen Medien transportiert und manifestiert wer-
den konnten, die Gebildeten zum Widerspruch. Merkert konstatiert:
,,Diese Entgegensetzung konkretisiert sich im Antagonismus von Wort und Bild. Das Wort
steht im Dienste der Bildung. Das Begriffspaar ratio oratio, mit dem man den griechischen
Logosbegriff zu übersetzen versucht, ist zentral für das abendländische Bildungswesen; es
zeigt zugleich, wie ausschließlich man das Wort dem Denken zuordnete, unter Vernachläs-
sigung seiner sinnlichen Elemente."
(Merkert, 1992: 10).
Der Antagonismus von Wort und Bild (als erstes Stadium der Auseinandersetzung) kann
auch für den modernen technischen Verbund der jeweiligen Medien, den Verbund von Ton,
Bild und Schrift kurz Computer an einigen pädagogischen Orten noch beobachtet wer-
den: Der Bild- und Reizüberflutung sei mit der Bewahrpädagogik unbedingt standzuhalten!
Durch die Nutzung des Internet, den Einsatz der Computerspiele oder das Lernen mit den
internetgestützten Lernplattformen wird der Verlust von Sprachlichkeit, der Verlust von So-
zialität, gar der Verlust des Wirklichkeitsbezuges der Nutzer vermutet. Der tatsächliche Ein-
zug von Elementen moderner IuK-Technologie in die Weiterbildung seit Ende der 90er Jahre
hat jedoch bereits pragmatisch stattgefunden und bringt nicht nur Konsequenzen für das
didaktische Design entsprechender Angebote mit sich. Vielmehr verändern sich durch reine
Online-Studiengänge, aber auch durch Blended-Learning-Konzepte, die Einzugsbereiche
5
sowohl auf Seiten der Zielgruppen als auch auf Seiten der Anbieter. Beides hat erhebliche
Auswirkungen: Der größere Einzugsbereich auf Seiten der Zielgruppen bewirkt eine stärkere
Konkurrenz zwischen den Universitäten. In Deutschland war lange Zeit die FernUniversität
Hagen der einzige Anbieter von universitären Studiengängen, die eine bundesweite (und
auch internationale) Klientel adressierte und auch außerhalb Nordrhein-Westfalens soge-
nannte Studienzentren als Serviceeinrichtungen für ihre Klientel unterhielt und noch weitge-
hend unterhält. Diese Monopolstellung ist Geschichte und die hohe Durchdringung des Bil-
dungsmarktes durch die FernUniversität Hagen nicht mehr gegeben. Heute konkurrieren
zahlreiche deutsche, aber auch ausländische Hochschulen auf Studiengangsebene um den
deutschen Weiterbildungsmarkt. Dies erfordert völlig neue Konzepte des Services und des
Marketing, die in der Regel nicht mehr sinnvoll von einer einzelnen Fakultät bzw. einem ein-
zelnen Fachbereich entwickelt werden können. Aufsehen erregte in diesem Zusammenhang
eine mehrseitige Anzeige des ehemaligen ZFUW Zentrums für Fernstudien und universitä-
re Weiterbildung (seit Neuestem DISC: Distance and International Studies Center) der Uni-
versität Kaiserslautern in der ZEIT im Frühjahr/Sommer 2006, die auch die veränderten In-
vestitionen in diesem Bereich deutlich machte. Aber auch auf Seiten der Angebotsplanung
eröffnen die neuen Technologien neue Optionen: Das Angebotsspektrum eines Studienpro-
gramms muss nicht mehr auf die Ressourcen der eigenen Universität beschränkt bleiben.
Ein frühes Beispiel dafür lieferte das Projekt ,,Ökonomische Bildung online"5, dessen inhaltli-
che Bausteine von 40 Professor/innen an Universitäten in Deutschland und der Schweiz
entwickelt wurden. Für solche Kooperationen sind verschiedene vertragliche und institutio-
nelle Organisationsformen denkbar. Häufig tritt eine Universität als Anbieter auf und kauft die
Lehrleistung bei den Kooperationspartnern oder bei renommierten Wissenschaftlern selbst
ein. Eines der Beispiele dafür ist der neue Master-Studiengang Informationsrecht unter der
wissenschaftlichen Leitung des Rechtswissenschaftlichen Institutes (Professor Taeger), bei
dem die Universität Oldenburg den akademischen Grad LL.M. verleihen wird, aber Lehrende
aus mehreren Universitäten mitwirken. Auch auf diese Weise können Angebote von beson-
derer wissenschaftlicher Exzellenz entstehen.
Die Erfahrung mit zahlreichen gescheiterten eLearning-Projekten zeigt aber gleichzeitig,
dass für die Weiterbildungsinstitutionen aus den neuen Lehr- und Lernszenarien neue Her-
ausforderungen resultieren. Dazu zählt sowohl die Entwicklung von Konzepten, die primär
asynchrone Kommunikationsformen, aber auch synchrone Elemente mit Präsenzphasen und
schriftlichem Lehrmaterial in einer für den jeweiligen Gegenstand und die jeweilige Zielgrup-
pe ausgewogener Weise verbinden, wie auch eine entsprechende Ausbildung von Lehren-
den und Tutor/innen. Hinzu kommen neue juristische Probleme (wie z. B. die Beachtung des
Copyrights und der Schutz der selbst produzierten Inhalte); einen ausgezeichneten Überblick
über diese Thematik findet man bei der im Projekt ELLA (eLearning and Law) entwickelten
Web-Site www.uni-lernstadt.de. Auch an die internen Kommunikationsstrukturen werden weit
höhere Anforderungen gestellt, da die Zahl der beteiligten Expert/innen gestiegen ist. So
müssen Fachwissenschaftler/innen eine gemeinsame Sprache und einen gemeinsamen
Workflow mit Teams finden, in denen Expertise für Studiengangs- und Finanzplanung, für
Marketing, für das didaktische Design von Online-Lehr-/Lernprozessen, für Fragen des Web-
Designs und des Designs von Print-Produkten vereint ist. Die intelligente Unterstützung die-
ser Prozesse mit datenbankgestützten Systemen und die Anbindung dieser Systeme an die
Universitätsverwaltung (z. B. die Prüfungsverwaltung) ist eine Voraussetzung für eine effekti-
ve und effiziente Organisation der entsprechenden Studienprogramme.
,,Wissenschaftliches Zentrum" als eine Form der Weiterbildungsorganisation
Das gültige Niedersächsische Hochschulgesetz in der Fassung vom 26. Februar 2007 sowie
die Grundordnung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ermöglichen der Universität
die Bildung interdisziplinär angelegter ,,wissenschaftlicher Zentren" oder ,,Forschungszent-
5 Projektlaufzeit: 2001-2004; IÖB GmbH, Professor Kaminski
6
ren", die auf der konstitutiven Grundlage einer vom Senat der Universität beschlossenen
Ordnung/Satzung und eines Einrichtungsbeschlusses des Präsidiums agieren. Hiervon hat
Oldenburg inzwischen reichlich Gebrauch gemacht: Im Jahr 2007 arbeiten bereits 10 wis-
senschaftliche Zentren und zwei Forschungszentren in Oldenburg an verschiedensten wis-
senschaftlichen Fragen. Mit Weiterbildungsprogrammen beschäftigen sich auf dieser Ebene
neben dem Center für Lebenslanges Lernen (C3L), das speziell für die wissenschaftliche
Weiterbildung, Fernstudium und eLearning im Herbst 2006 aus der Zusammenführung des
Center for Distributed eLearning und der zentralen Einrichtung Fernstudienzentrum gegrün-
det wurde, insbesondere auch ,,For Wind Zentrum für Windenergieforschung" (Weiterbil-
dungsprogramm ,,Windenergietechnik und -management") sowie das ,,IBKM Interdisziplinä-
res Zentrum für Bildung und Kommunikation in Migrationsprozessen" (Weiterbildungspro-
gramm ,,Interkulturelle Bildung und Beratung, B.A.").
Die Veränderung der institutionellen Form für Weiterbildung an der Oldenburger Universität
wird jedoch insbesondere am Beispiel des C3L akzentuiert, wenn ein wissenschaftliches,
inneruniversitär organisiertes Zentrum zur institutionalisierten Kooperationsform (Partners-
hip) zwischen den Instituten, Departments, anderen wissenschaftlichen und zentralen Einhei-
ten oder auch AnInstituten wird (Mitglieder in Zweitzuordnung6) und durch eine größere Zahl
der personalrechtlich in diesem Zentrum Angestellten (Mitarbeiter/innen in Erstzuordnung)
unterstützt wird. Es geht also um das partnerschaftliche Zusammenwirken mehrer unter-
schiedlicher Akteure im Sinne einer gemeinsamen Zielerfüllung. Nicht nur die strukturell-
optischen Ähnlichkeiten der institutionellen Organisationsform des wissenschaftlichen Zent-
rums zu den sogenannten Public Private Partnerships7 sind groß, denn auch hier erhoffen
sich die Partner von dem im Gegensatz zur Projektarbeit auf Dauer angelegten Modell
gewisse Ziele überhaupt oder besser erreichen zu können, als sie dies in eigener Regie ver-
wirklichen könnten. Das institutionelle Zusammengehen der Partner sowie die Rahmenbe-
dingungen und sich wandelnde Denkweisen beinhalten im C3L derzeit erhebliche Entwick-
lungsperspektiven aber auch Realisierungslängen, die begründet im Wesen von mehrstufi-
gen Zusammenführungen von Organisationseinheiten potenziell spätestens in der Postfu-
sionsphase8, also der Phase der Normalisierung, überwunden sein sollten. Voraussetzung
für den Erfolg ist gleichwohl das faktische Einvernehmen der Partner bezüglich der gemein-
samen Interessen, die im C3L sowohl in der Zentrumsordnung unter ,,Aufgaben des Zent-
rums" (§ 2 der C3L-Ordnung), als auch ihrer Weiterentwicklung in den vom C3L-Zentrumsrat
beschlossenen Leitlinien Eingang gefunden haben. Als grundsätzliche Prämissen könnten
die Einigung auf die inhaltlich-organisatorische Rücksichtsnahme hinsichtlich der besonde-
ren Bedürfnisse der berufstätigen Teilnehmer/innen und das zielgruppenadäquate didakti-
sche Design gelten sowie die Einigung, die Grundsätze des lebenslangen Lernens aktiv zu
fördern. Die Partner bringen hierbei ihre individuellen Ressourcen in die Zusammenarbeit im
C3L ein. Auf Seiten der Institute/Departmens ist das junge, forschungsgeleitete Wissen (For-
schungs- und Lehrpotenzial, wissenschaftliche Leitung) von großer Bedeutung, das die Ent-
wicklung neuer Inhalte für die Studienprogramme sichern kann. Die Institution der Fakultäten
(Studienkommissionen und Fakultätsräte) garantiert die wissenschaftliche Qualität und be-
stimmt die Zulassungs-, Prüfungs- und Graduierungsvorgänge. Das unternehmerisch-
organisatorische Element (Service-, Marketing- und Management-Know-how) wird im C3L
gebündelt angeboten, wobei die Mitarbeit des im C3L dienstrechtlich angesiedelten wissen-
schaftlichen Personals nicht nur bei Drittmittelprojekten zur Kofinanzierung eingesetzt wer-
den kann, sondern zu breiteren wissenschaftlichen Aktivitäten in Forschung und Entwick-
lung. Letztlich sichert die inneruniversitäre Ansiedlung des C3L die Reputation, von der die
Weiterbildungsangebote profitieren können (auf die genauere Auseinandersetzung mit den
6 Sofern ein Mitglied zugleich dienstrechtlich auch Mitglied in einer anderen Einrichtung der Universität Oldenburg
ist oder wird, handelt es sich bei der C3L-Mitgliedschaft um eine Zweitmitgliedschaft.
7 Im Bildungsbereich gehört zu den bekannteren Public Private Partnerships u.a. die Initiative ,,Schulen ans Netz
e.V." (www.schulen-ans-netz.de).
8 Das C3L wurde vom Präsidium zunächst für drei Jahre, für die Phase der Zusammenführung der drei früher
getrennt agierenden Einheiten Center for Distributed eLearning (CDL), Zentrale Einrichtung Fernstudienzentrum
(ZEF) und der zentralen Einrichtung Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) gegründet.
7
jeweiligen Formaten der Weiterbildungsangebote wird hier arbeitspragmatisch zugunsten der
Organisationssoziologie verzichtet), aber auch umgekehrt die Universität. Konstitutiv für den
Erfolg dieses Modells ist also die Bündelung der Interessen und des Know-hows der Partner
in der gemeinsamen Organisationseinheit C3L.
Systemimmanent für institutionalisierte Kooperationsformen sind die jeweiligen Organe, die
die Entwicklung und Steuerung der Institutionen mitbestimmen. Neben der fakultätsübergrei-
fenden Zentrumsversammlung (alle Mitglieder) des Center für Lebenslanges Lernen, ist dies
der Zentrumsrat, in dem Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Technik und Verwaltung die
anstehenden inhaltlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Fragen diskutieren. Dar-
über hinaus sind das professorale Direktorium (überwiegend wissenschaftliche Geschäfts-
führung) und die Geschäftsführerin (überwiegend kaufmännische Geschäftsführung) für die
Leitung und das operative Geschäft zuständig. Die Konstruktion wird vervollständigt durch
die enge Anbindung an das präsidiale Ressort ,,Weiterbildung", das sich derzeit gleichbe-
rechtigt bei der Vize-Präsidentin für Studium und Lehre und dem Präsidenten befindet, die
qua Amt Mitglieder des C3L sind.
Grafik: Center für Lebenslanges Lernen (C3L): Organisationsstruktur und Arbeitsfelder
Zu erwähnen bleibt, dass die verschiedenen Aufgabenfelder des Life-Long-Learning (und
sich dahinter verbergende) Geschäftsbereiche9 auf die sich der Zentrumsrat geeinigt hat, auf
der Grundlage und Essenz von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus einer internationalen
Vergleichsstudie zur Struktur und Organisation der Weiterbildung an Hochschulen gebildet
9 Zur genaueren Erklärung der einzelnen Bereiche siehe auch ,,Life-Long-Aufgabenfelder" unter: www.uni-
oldenburg.de/C3L/21117.html. Beim Geschäftsbereich ,,Degree-Programme" handelt es sich z.B. um Studienpro-
gramme, die mit einem akademischen Grad abschließen und überwiegend berufsbegleitend und/oder weiterbil-
dend sind.
8
wurden, deren Leitung10 wiederum an der Universität Oldenburg im Arbeitsbereich ,,Weiter-
bildung und Bildungsmanagement" angesiedelt war. Auf diese Weise bereichert die neueste
wissenschaftliche Expertise gleichzeitig die institutionelle Struktur des C3L, das als wissen-
schaftliches Zentrum gemäß den Leitlinien des Präsidiums und der eigenen Ordnung fächer-
übergreifende und interdisziplinäre Aufgaben in Forschung, Lehre, Studium und Weiterbil-
dung sowie in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses wahrnimmt; wobei nun
elektronisch gestützte Formen der Lehre, des Fernstudiums und der wissenschaftlichen Wei-
terbildung eine besondere Berücksichtigung finden.
Ein solches C3L-Modell kann sich situativ konkretisieren anhand des berufsbegleitenden
Bachelor-Studiengangs ,,BWL für Spitzensportler/innen" (B.A.), der durch die Einbindung von
drei Oldenburger Fakultäten die Interdisziplinarität der Inhalte lebt und vom C3L ,,gemanagt"
wird, oder des bereits genannten und im Wintersemester 2007 begonnenen berufsbegleiten-
den Master-Studiengangs ,,Informationsrecht" (LL.M.)11, der aus dem Stand heraus 20 Stu-
dierende erreicht hatte (Zulassungsgrenzen: 20-25 Studierende pro Semester). Die Entwick-
lung des Studiengangs ,,Informationsrecht" begann im Jahr 2006 im Rechtswissenschaftli-
chen Institut der Universität Oldenburg unter der Leitung von Professor Jürgen Taeger (Mit-
glied des C3L-Direktoriums), noch vor der Gründung des C3L und der Konstituierung der
C3L-Organe mit der Intention, die Bandbreite der Fakultät für Informatik, Wirtschafts- und
Rechtswissenschaften und die Landschaft der berufsbegleitenden Weiterbildungsstudien-
gänge an der Oldenburger Universität zu erweitern. Ermutigt durch die seit Kurzem beste-
hende Möglichkeit zur Berufsbezeichnung ,,Fachanwalt für Informationstechnologierecht"
(Fachanwaltsordnung § 14k) und zur Eile veranlasst durch den sich gerade öffnenden, neu-
en (Bildungs-)Markt der Fach-Juristen, wurden die ersten Planungen gestartet. Die benötig-
ten Inhalte und Ordnungen wurden entwickelt und durch die Organe der Fakultät und der
Universität Oldenburg geprüft und bestätigt. Die Prüfungen werden ebenfalls in der Fakultät
abgenommen, die gleichzeitig durch ihre Zertifizierungsreputation den akademischen Grad
des Master of Laws (LL.M.) an die erfolgreichen Absolventen/innen verleihen wird. Die sons-
tigen Services, Management, Haupt-Mentoring übernimmt das C3L, wobei die Berichte zu
den Entwicklungen des Programms gleichzeitig im C3L-Zentrumsrat abgegeben werden. Für
die gewünschte Anbindung an die Wirtschaftspraxis dozieren hier neben national wie inter-
national renommierten Professoren/innen ebenfalls Praktiker/innen aus bekannten Anwalts-
kanzleien. Das unternehmerische Element des C3L wird dabei deutlicher, wenn das in die-
sem Studiengang eingesetzte Kreditierungsmodell skizziert wird: Die Fakultät vergab für die
Entwicklung und Implementierung des Studiengangs an das C3L einen in einigen Jahren
vom C3L an die Fakultät in Raten aus den Einnahmen des Studiengangs zurückzuzahlenden
,,Kredit" aus ihren hierfür aktivierten Rücklagen.
Wenngleich das C3L seit seiner Gründung im Wintersemester 2007 eine noch relativ junge
Organisationseinheit darstellt, so besitzt es trotzdem eine lange Geschichte: Es ist hervorge-
gangen aus dem im Jahre 2001 gegründeten Center for Distributed eLearning (CDL) und der
Zentralen Einrichtung Fernstudienzentrum (ZEF), die bereits seit den 70-er Jahren an der
Oldenburger Universität angesiedelt war. Aufgrund einer Begutachtung des Geschäftsberei-
ches ,,wissenschaftliche Weiterbildung" erfolgte eine Empfehlung zur strategischen Neuposi-
tionierung des Bereiches in Verbindung mit Vorschlägen für eine geeignete Organisations-
struktur. Anhand der Überlegungen über die Neupositionierung der Weiterbildung unter Ein-
beziehung der Vorschläge des Vorstandes des CDL wurde Mitte 2005 der Organisations-
entwicklungsprozess durch Beschlüsse des Präsidiums eingeleitet. Im Jahr 2008 ist eben-
falls eine Zusammenführung mit dem Oldenburger Zentrum für wissenschaftliche Weiterbil-
dung (ZWW) vorgesehen. Auf diese Weise werden Kompetenzen aus den Bereichen eLear-
ning, Fernstudium und (künftig auch) wissenschaftliche Weiterbildung in einer institutionellen
Organisationseinheit der Universität gebündelt und quasi intermediär mit den Mitgliedern des
10 Leitung der Studie: Hanft, A./Röbken, H./Müskens, W.. Mehr hierzu auch unter: www.uni-
oldenburg.de/weiterbildungsstudie/index.html oder auch bei Hanft/Knust (2007).
11 Mehr zum Studiengang ,,Informationsrecht" unter www.uni-oldenburg.de/informationsrecht
9
C3L aus anderen Einheiten/Instituten der Universität zusammengekoppelt. Die Kontinuität
der Inhaltsbereiche der früher getrennt agierenden Organisationseinheiten wird durch die
Bündelung gestärkt, neben der gleichzeitigen Aufwertung der Weiterbildungs-Rolle der Fa-
kultäten und Fachbereiche im Zuge des Bologna-Prozesses. So können die Ressourcen und
Synergieeffekte durch die veränderte Struktur allmählich genutzt werden, ähnlich, wie dies
für die Organisation der Weiterbildung in den DGWF-Empfehlungen aus dem Jahre 2005
postuliert wird (DGWF, 2005: 16).
Eine institutionalisierte, kooperative Zusammenarbeit trägt aber auch Risiken in sich. Wenn
Aufgabenbereiche und Verantwortlichkeiten nicht eindeutig geregelt werden, größere Investi-
tionen und Finanzierungsentscheidungen nicht transparent sind und den Konfliktpotenzialen
keine parallelen Lösungsmechanismen entgegenstehen, wird die Tragfähigkeit der koopera-
tiv-institutionellen Gefüge grundsätzlich geschwächt. Funktionieren diese Vorbedingungen
jedoch, haben solche inneruniversitären institutionellen Partnerschaften gute Chancen, die
bestehenden und die neuen Marktsegmente in der Weiterbildung aussichtsreich zu bearbei-
ten, sich als spezialisierte, aber fachübergreifende Einheiten der Hochschule zweckvoll auf
den neuen Bedarf einzustellen und möglicherweise in Anbetracht der üblichen haushälteri-
schen Schwierigkeiten im Hochschulbereich gewissermaßen zur Entlastung der Gesamtla-
ge beizutragen.
Mit Veränderungen der Hochschullandschaft im Bologna-Prozess gehen neben den vielfälti-
gen Veränderungen der Studiengangsstruktur in Richtung der Bachelor- und Masterab-
schlüsse auch neuartige Begrifflichkeiten einher, wie ,,Prozessmanagement", ,,Zielvereinba-
rung" oder auch ,,Leitbild". Ebenso wird dem Grundsatz des ,,lebenslangen Lernens" einem
Begriff, der an Aktualität mehr denn je gewonnen hat nun ein besonderer Stellenwert zu-
geschrieben. Das ,,Profil der Universität als Ort lebenslangen Lernens" wird durch die Vielfalt
der Weiterbildungsangebote unterstrichen, wie dies zum Beispiel im Leitbild der Universität
Oldenburg nun sprachlich, aber auch in der breiten Angebotspalette verankert ist (Universität
Oldenburg, 2005). Die Spiegelung des Grundprinzips des lebenslangen Lernens im Namen
der Organisationseinheit C3L als Element des Organisations-Designs ist dabei während der
Diskussion über die Zusammenführung im Sommer 2006 entstanden. Wenngleich alle betei-
ligten Einheiten (CDL, ZEF, ZWW) sich ähnlichen Themen mit unterschiedlicher Ausrichtung
verschrieben haben, so galt es, einen gemeinsamen Nenner zu finden, der sich gleichwohl
im Namen abzeichnen kann und die Philosophien aller drei Einheiten seit Längerem begrün-
det: Die Unterstützung der Prozesse des lebenslangen Lernens; nicht nur in der wissen-
schaftlichen Fachsprache bekannt als LLL. Um dem gewählten Namen eine optisch interes-
sante Komponente zu verleihen, wurde ,,LLL" (im Logo der Einrichtung nach wie vor existent)
durch ,,3L" für das schriftliche Kürzel ersetzt. Darüber hinaus wurde der Bezug zu der Zahl
,,3" durch alle drei bisherigen Zentren in ,,C3" visualisiert. So entstand das Kürzel ,,C3L" für
die ausgeschriebene Form ,,Center für Lebenslanges Lernen" bzw. ,,Center for Lifelong Lear-
ning". Inzwischen ist sowohl das Kürzel ,,C3L" als auch die Bildmarke (das Logo) des C3L im
Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamtes eingetragen. Auch auf diese Weise
wird die früher angesprochene Kontinuität einer gelebten Philosophie der beteiligten Einrich-
tungen unter Einbeziehung der eigenen Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar,
trotz praktischer Veränderung der Organisationsform und der Namen der Einrichtungen.
Gleichzeitig hat der Begriff des lebenslangen Lernens nicht nur in Oldenburg Konjunktur, wie
die Fülle der bestehenden und geplanten nationalen und europäischen Förderprogramme
zeigt, welche für die wissenschaftliche Arbeit und Entwicklung in Institutionen der Weiterbil-
dung wahrgenommen werden können. Diese Programme machen Hoffnung auf eine rasche-
re Entwicklung der Prinzipien des lebenslangen Lernens in den deutschen Hochschulen,
10
wenn hierdurch die Makrodidaktik (DGWF, 2005: 6-7) aktivierbar ist, die es deutlich macht,
dass lebenslanges Lernen nicht nur eine organisatorische oder administrative, sondern eine
eigenständige, Forschungsaktivitäten implizierende Aufgabe ist. Die Empfehlungen des Wis-
senschaftsrates zur künftigen Rolle der Universitäten im Wissenschaftssystem und zum ar-
beitsmarkt- und demographiegerechten Ausbau des Hochschulsystems (Wissenschaftsrat;
2006a und 2006b), heben das lebenslange Lernen konsequent hervor, wenden sich sowohl
an die Universitäten als auch an die Länder und gehen von einer positiven Auswirkung der
wissenschaftlichen Weiterbildung auf Universitäten aus, insbesondere in den Bereichen
,,Studienreform", ,,Wissens- und Technologietransfer", ,,Qualität der Lehre" und ,,Finanzierung
der Universitäten". Konstatierend:
,,Die akademische Weiterbildung muss künftig zu einer Kernaufgabe der Universitäten wer-
den. Dafür sollte sich ein nachfrage- und marktgerechtes Weiterbildungsangebot an den
Universitäten als eine wichtige Säule neben der Erstausbildung etablieren; die Umstellung
auf gestufte Studienstrukturen muss so erfolgen, dass sich ihre Vorteile auch für das Le-
benslange Lernen entfalten können." (Wissenschaftsrat, 2006a: 65)
,,Universitäre Weiterbildung darf dabei nicht als ein vom ,,normalen" Studienbetrieb entkop-
peltes Handlungsfeld begriffen werden. Lebenslanges, auch berufsbegleitendes Lernen
muss zu einem Leitprinzip werden, von dem her sich die Ausbildungsangebote künftig orga-
nisieren, um einem veränderten Bildungsverhalten mit stärker individualisierten Bildungs-
und Berufsbiographien und dem Qualifikationsbedarf des Beschäftigungswesens Rechnung
tragen zu können." (Wissenschaftsrat, 2006a: 65-66)
Wie Faulstich in seinen Anmerkungen zu diesen Empfehlungen gleichwohl feststellt, werden
keine Hinweise zur institutionellen Organisationsform oder zur Finanzierung gegeben, die die
Weiterbildungsentwicklung in diese Richtung entsprechend stärken können (Faulstich,
2006).
Unter der Vorbedingung der dauerhaften haushälterischen Begrenzung der Universitäten
stehen die Einrichtungen der Weiterbildung demzufolge vor großen Herausforderungen, so
auch das C3L.
Literaturangaben:
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telsmann, Bielefeld.
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kammertag/Hochschulrektorenkonferenz (2003): ,,Weiterbildung durch Hochschulen. Ge-
meinsame Empfehlungen."
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www.uni-oldenburg.de/uni/14680.html Oldenburg.
Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V. (Hrsg.)
(2005): ,,Perspektiven wissenschaftlicher Weiterbildung in Deutschland aus Sicht der Einrich-
tungen an Hochschulen.", www.dgwf.net/materialien.html, Hamburg.
Faulstich, P. (2006): ,,Wissenschaftsrat zur wissenschaftlichen Weiterbildung.",
www.dgwf.net/materialien.html, Hamburg.
Hanft, A./Knust, M. (2007): ,,Was deutsche Hochschulen von anderen lernen können. Hoch-
schulweiterbildung im internationalen Vergleich.", in: ,,Forschung & Lehre", Heft 11. S. 524-
527, Bonn.
11
Merkert, R. (1992): ,,Medien und Erziehung. Einführung in pädagogische Fragen des Me-
dienzeitalters.", Reihe ,,Die Erziehungswissenschaft. Einführung in Gegenstand, Methoden
und Ergebnisse ihrer Teildisziplinen und Hilfswissenschaften". Wissenschaftliche Buchge-
sellschaft, Darmstadt.
Schirmeister, R./Hirsch, L. M. (2005): ,,Wissenschaftliche Weiterbildung Chance zur Koope-
ration mit der Wirtschaft?", in ,,Jahrbuch der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf" (Hrsg.),
Düsseldorf.
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Akademischen Senates der Universität Bremen am 20.12.06.",
www.dgwf.net/materialien.html, Bremen.
Wissenschaftsrat (2006a): ,,Empfehlungen zur künftigen Rolle der Universitäten im Wissen-
schaftssystem.", Drs. 7067/06, Berlin.
Wissenschaftsrat (2006b): ,,Empfehlungen zum Arbeitsmarkt und demographiegerechten
Ausbau des Hochschulsystems." Drs. 7083/06, Berlin.
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