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Subtitle: Kritische Betrachtung der Lehrbuchsituation im bilingualen Geschichtsunterricht am Beispiel von Spotlight on History
Termpaper, 2008, 28 Pages
Author: Claas Neumann
Subject: History - Didactics
Details
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg (Institut für Geschichte)
Tags: Bilingualer Unterricht, Geschichtsunterricht, Geschichtsdidaktik
Year: 2008
Pages: 28
Grade: 1
Bibliography: ~ 52 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-26029-4
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Abstract
„Jugendliche sehen sich als players in the continental game, […]. Kulturkompetenz bedeutet, sich durch das Bauen von Sprachbrücken mit anderen zu verbinden – eine vordringliche Aufgabe im mehrsprachigen und vielkulturellen Europa“. Aufgrund der globalen Verzahnung, die insbesondere die Lebenswelt der Jugendlichen in zunehmendem Maße beeinflusst, besteht eine Kernaufgabe der Verantwortlichen in Schule und Kultusministerium darin, die Schüler in ihren fremdsprachlichen und kulturellen Handlungskompetenzen zu fördern und zu fordern. Eine erfolgreiche Teilhabe an diesem Prozess der Internationalisierung von gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und ökologischen Mechanismen erfordert diesbezüglich „eine entsprechende Vertrautheit mit fremden Sprachen und Kulturen auf möglichst vielen gesellschaftlichen Feldern“. Diesen Anforderungen versucht der bilinguale Sachfachunterricht durch die Integration einer Fremdsprache in den Fachunterricht zu entsprechen. Im Gegensatz zum traditionellen Fremdsprachenunterricht und dessen Orientierung an grammatikalischer Formeinhaltung ist diese Unterrichtsform auf die „Verwendung der Zielsprache für fachlich-inhaltliche Lernprozesse“ ausgerichtet. Auf diese Weise soll der Erwerb der Fremdsprache auf natürliche Weise geschehen und somit nachhaltigere Ergebnisse erzielen. Würde dies allerdings in der Form eines bloßen „Eintauchen[s] ins Sprachbad der zu lernenden Sprache“, in dessen unterrichtlicher Realisierung die Zielsprache nicht als Unterrichtsfach behandelt, sondern selbst zur Unterrichtssprache, zum „Erkenntnismedium“ instrumentalisiert wird, geschehen, bestünde allerdings die Gefahr einer didaktisch-fragwürdigen Immersion. Auch an dieser Stelle erscheint eine Abgrenzung unumgänglich. Aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten, die der bilinguale Unterricht in sich birgt und der damit steigenden Anzahl an Partizipationsalternativen der Schüler hinsichtlich der zunehmenden Internationalisierung, hat der bilinguale Unterricht seit den neunziger Jahren einen erheblichen Aufschwung erfahren. Werners Untersuchungen zufolge findet diese innovative und fächerverbindende Unterrichtsform, die laut Baricelli und Schmieder im Begriff sei, sich „fest in der deutschen Schullandschaft zu etablieren“, aktuell an mehr als 680 Schulen in Deutschland statt, wobei die Verbreitung jede Schulform berücksichtigt. [...]
Excerpt (computer-generated)
Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg, 15.10.2008
Fakultät IV Institut für Geschichte
Sommersemester 2008
AM 7 Methoden und Medien des Geschichtsunterrichts
Seminar: Bilingualer Geschichtsunterricht
,,Locate trouble spots!" Kritische Betrachtung der
Lehrbuchsituation im bilingualen Geschichtsunterricht am
Beispiel von Spotlight on History
Abbildung 1: Spotlight on History Vol. 2
von
Claas Neumann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
3
2. Grundlagen des mono- und bilingualen Geschichtsunterrichts
6
3. Materialauswahl im bilingualen Geschichtsunterricht
12
3.1 Derzeitige Materialsituation
12
3.2 Kriterien der Materialauswahl
14
4. Überprüfung der Kriterien am Beispiel des Lehrbuchs
Spotlight on History
17
5. Fazit
20
Literaturverzeichnis
23
Materialverzeichnis
26
Abbildungsverzeichnis
27
2
1. Einleitung
,,Jugendliche sehen sich als
players in the continental game
, [...]. Kulturkompetenz bedeutet, sich durch das
Bauen von Sprachbrücken mit anderen zu verbinden eine vordringliche Aufgabe im mehrsprachigen und
vielkulturellen Europa".1
Aufgrund der globalen Verzahnung, die insbesondere die Lebenswelt der Jugendlichen in
zunehmendem Maße beeinflusst, besteht eine Kernaufgabe der Verantwortlichen in Schule
und Kultusministerium darin, die Schüler in ihren fremdsprachlichen und kulturellen
Handlungskompetenzen zu fördern und zu fordern. Eine erfolgreiche Teilhabe an diesem
Prozess der Internationalisierung von gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und
ökologischen Mechanismen erfordert diesbezüglich ,,eine entsprechende Vertrautheit mit
fremden Sprachen und Kulturen auf möglichst vielen gesellschaftlichen Feldern".2
Diesen Anforderungen versucht der bilinguale Sachfachunterricht durch die Integration
einer Fremdsprache in den Fachunterricht zu entsprechen. Im Gegensatz zum traditionellen
Fremdsprachenunterricht und dessen Orientierung an grammatikalischer Formeinhaltung ist
diese Unterrichtsform auf die ,,Verwendung der Zielsprache für fachlich-inhaltliche
Lernprozesse"3 ausgerichtet. Auf diese Weise soll der Erwerb der Fremdsprache auf
natürliche Weise geschehen und somit nachhaltigere Ergebnisse erzielen. Würde dies
allerdings in der Form eines bloßen ,,Eintauchen[s] ins Sprachbad der zu lernenden Sprache"4,
in dessen unterrichtlicher Realisierung die Zielsprache nicht als Unterrichtsfach behandelt,
sondern selbst zur Unterrichtssprache, zum ,,Erkenntnismedium"5 instrumentalisiert wird,
geschehen, bestünde allerdings die Gefahr einer didaktisch-fragwürdigen Immersion. Auch an
dieser Stelle erscheint eine Abgrenzung unumgänglich.6
1 Bach, Gerhard: Bilingualer Unterricht: Lernen Lehren Forschen, in: Bach, Gerhard/ Niemeier, Susanne
(Hg.): Bilingualer Unterricht. Grundlagen, Methoden, Praxis, Perspektiven (Kolloquium
Fremdsprachenunterricht 5), 3. Aufl., Frankfurt am Main 2005, S. 10f.
2 Hallet, Wolfgang: Ein didaktisches Modell für den bilingualen Sachfachunterricht: The Bilingual Triangle, in:
Die Neueren Sprachen 52, Heft 1, 1999, S. 24.
3 Vollmer, Helmut J.: Bilingualer Sachfachunterricht als Inhalts- und als Sprachlernen, in: Bach u.a. (Hg.) 2005,
S. 47.
4 Cathomas, Rico M.: Schule und Zweisprachigkeit. Immersiver Unterricht: Internationaler Forschungsstand und
eine empirische Untersuchung am Beispiel des rätoromanisch-deutschen Schulmodells (Internationale
Hochschulschriften 454), Münster 2005, S. 59.
5 Richter, Norbert: Bilingualer deutsch-englischer Geschichtsunterricht. Probleme und Erfolge, in: Geschichte in
Wissenschaft und Unterricht 53, Heft 2, 2002, S. 102.
6 Otten und Thürmann bezeichnen die Wirkungen der Immersion als wundersam und verdeckt. Vgl. Otten,
Edgar/ Thürmann, Eike: Überlegungen zur Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien für den bilingualen
Fachunterricht, in: Zeitschrift für Fremdsprachenforschung 3, Heft 2, 1993, S. 39. Mentz verlangt nach einem
ausgewogen Verhältnis zwischen Mutter- und Zielsprache innerhalb des bilingualen Unterrichts. Vgl. Mentz,
Olivier: Ist >>bilingualer Unterricht<< glaubwürdig? Ein Plädoyer für fremdsprachiges Lernen im 21.
Jahrhundert, in: Die Neueren Sprachen 54, Heft 2, 2001, S. 69f.
3
Aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten, die der bilinguale Unterricht in sich birgt und
der damit steigenden Anzahl an Partizipationsalternativen der Schüler hinsichtlich der
zunehmenden Internationalisierung,7 hat der bilinguale Unterricht seit den neunziger Jahren
einen erheblichen Aufschwung erfahren.8 Werners Untersuchungen zufolge findet diese
innovative und fächerverbindende Unterrichtsform, die laut Baricelli und Schmieder im
Begriff sei, sich ,,fest in der deutschen Schullandschaft zu etablieren",9 aktuell an mehr als
680 Schulen in Deutschland statt, wobei die Verbreitung jede Schulform berücksichtigt.10
Seit der Einrichtung der ersten deutsch-französischen Züge an Gymnasien als Folge von
Regierungsabsprachen und Kooperationsverträgen zwischen Deutschland und Frankreich im
Jahre 197011 sind inzwischen über 30 Jahre vergangen - unter einigen Wissenschaftlern gilt
der bilinguale Unterricht somit ,,eigentlich [als] ,,alter Hut".12 Dennoch birgt er einige Risiken
und vor allem didaktische Problemfelder in sich, die ,,einige Bedenken"13 und ,,kritische
Anmerkungen"14 auslösten. Eine unzureichende theoretisch-didaktische Grundlage, die
irreführende Bezeichnung des Unterrichts als
bilingual
und die bescheidene Situation
bezüglich der Unterrichtsmaterialien würden die Glaubwürdigkeit des bilingualen Unterrichts
infrage stellen.15 Der bilinguale Geschichtsunterricht bildet hier scheinbar keine Ausnahme
die vorhandenen Ansätze aus den Kreisen der Geschichts- und Fremdsprachendidaktiken sind
bisher noch nicht in Einklang zu bringen gewesen.16
7 Vgl. Dewaele, Jean-Marc/ Housen, Alex/ Wie, Li: Introduction: Opportunities and challenges of bilingualism,
in: Dies. (Hg.): Opportunities an challenges of Bilingualism, Berlin und New York 2002, S. 2f.
8 Vgl. Bach 2005, S. 9; Decke-Cornill, Helene: Einige Bedenken angesichts eines möglichen Aufbruchs des
Fremdsprachenunterrichts in eine bilinguale Zukunft, in: Die Neueren Sprachen 52, Heft 3, 1999, S. 164;
Müller-Schneck, Elke: Chancen und Probleme eines bilingualen deutsch-englischen Geschichtsunterrichts an
Gymnasien in Nordrhein-Westfalen. Stimmen aus der Praxis, in: Geschichte, Politik und ihre Didaktik 28, Heft
1, 2000, S. 41; Woidt, Hans: Plädoyer für den bilingualen Geschichtsunterricht, in: Geschichte in Wissenschaft
und Unterricht 53, Heft 2, 2002, S. 76f.; Wittenbrock, Rolf: Bilingualer Geschichtsunterricht, in Bergmann,
Klaus/ Fröhlich, Klaus/ Kuhn, Anette u.a. (Hg.): Handbuch der Geschichtsdidaktik, 5. Aufl., Seelze-Velber
1997, S. 563 und Werner, Bettina: Entwicklungen und aktuelle Zahlen bilingualen Unterrichts in Deutschland
und Berlin, in: Caspari, Daniela/ Hallet, Wolfgang/ Wegner, Anke/ Zydatiß, Wolfgang (Hg.): Bilingualer
Unterricht macht Schule. Beiträge aus der Praxisforschung (Kolloquium Fremdsprachenunterricht 29), Frankfurt
am Main 2007, S. 22ff.
9 Barricelli, Michele/ Schmieder, Ulrich: Über Nutzen und Nachteil des bilingualen Sachfachunterrichts.
Fremdsprachen- und Geschichtsdidaktik im Dialog, in: Caspari u.a. (Hg.) 2007, S. 205.
10 Vgl. Werner 2007, S. 23f.
11 Vgl. Wittenbrock 1997, S. 563.
12 Breidbach, Stephan/ Viebrock, Britta: Bilingualer Sachfachunterricht aus der Sicht wissenschaftlicher und
praktischer Theoretiker, in: Gehring, Wolfgang (Hg.): Fremdsprachenunterricht heute (Oldenburger Forum
Fremdsprachendidaktik 3), Oldenburg 2006, S. 234.
13 Decke-Cornill 1999, S. 164.
14 Weller, Franz Rudolf: Bilingual oder zweisprachig? Kritische Anmerkungen zu den Möglichkeiten und
Grenzen fremdsprachigen Sachunterrichts, in: Die Neueren Sprachen 92, Heft 2, 1993, S. 8.
15 Vgl. ebd., S. 8f.; Decke-Cornill 1999, S. 165f.; Weller, Franz Rudolf: Fremdsprachiger Sachfachunterricht in
bilingualen Bildungsgängen, in: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 43, 1996, S.75f. und Mentz 2001, S. 68f.
16 Vgl. Wildhage, Manfred: Integration fachlichen und fremdsprachlichen Lernens im bilingualen
Geschichtsunterricht, in: Otten, Edgar/ Wildhage, Manfred (Hg.): Praxis des bilingualen Unterrichts, Berlin
2003, S. 78.
4
Diese unbefriedigende Situation spiegelt sich im besonderen Maße auf dem Gebiet der
Unterrichtsmaterialien für den bilingualen Geschichtsunterricht wider. Obgleich es eine
Vielzahl an verfügbaren Materialien zu geben scheint, sei eine Unzufriedenheit bezüglich der
Materialsituation unter den Lehrkräften spürbar, deren Kritik sich vornehmlich auf die
mangelnde Ausstattung mit deutschen Lehrwerken zum bilingualen Geschichtsunterricht
bezieht.17 Um dieser Misere entgegenzuwirken, hat Müller-Schneck im Jahre 2002 einen
Kriterienkatalog erstellt, der die Analyse und Beurteilung von derartigen Lehrwerken
erleichtern und den Verlagen eine Orientierungshilfe zur Erstellung neuer Lehrbücher geben
soll.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nun in erster Linie mit den Inhalten dieses
Katalogs und der Umsetzung der dargebotenen Kriterien anhand eines der geläufigsten
Materialien für den bilingualen Geschichtsunterricht:
Inwieweit finden Kriterien für geeignete
Materialien des bilingualen Geschichtsunterrichts in speziell für diese Unterrichtsform
konzipierten Lehrwerken ihren Niederschlag? - am Beispiel von Spotlight on History
. Um
diese Fragestellung sinnvoll zu bearbeiten, ist eine vorherige Abgrenzung der zu
untersuchenden Teilgebiete vorzunehmen. Die Konzentration liegt bei der Beantwortung der
Frage demnach lediglich auf einem Aspekt der Materialsituation, dem deutschen Schulbuch
für den (englischsprachigen) bilingualen Geschichtsunterricht. Diese Auswahl geschah auch
im Hinblick auf das hohe Maß an Bedeutung, das dem Schulgeschichtsbuch generell nahe
gelegt wird.18 Mit
Spotlight on History
wurde an dieser Stelle ein Werk gewählt, das über
einen längeren Zeitraum ,,das bisher einzige Lehrwerk für den bilingualen
Geschichtsunterricht"19 darstellte und häufige Verwendung unterhalb der Lehrerschaft erfuhr.
Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Artikel von Müller-
Schneck, Wildhage, Hasberg, Kollenrott und Barricelli/ Schmieder. Während Müller-Schneck
mit ihren beiden Veröffentlichungen
Chancen und Probleme eines deutsch-englischen
Geschichtsunterrichts in Nordrhein-Westfalen
und
Bilingualer Geschichtsunterricht in der
gegenwärtigen Diskussion: Kriterien für die Auswahl und Analyse von Materialien
der
fehlenden Existenz eines verbindlichen Kriterienkatalogs zur Beurteilung von Materialien im
bilingualen Geschichtsunterricht entgegenzuwirken und somit den Forderungen der von ihr
befragten Lehrkräfte zu entsprechen versucht, erweitert Wildhage diesen Ansatz in seiner
Abhandlung
Integration fachlichen und fremdsprachlichen Lernens im bilingualen
Geschichtsunterricht
um einige Punkte. Hasberg und Kollenrott hingegen generieren mit
17 Vgl. ebd., S. 110.
18 Vgl. Fröhlich, Klaus: Schulbucharbeit, in: Bergmann u.a. (Hg.) 1997, S. 422.
19 Müller-Schneck 2000, S. 43.
5
ihren Publikationen
Historisches Lernen bilingual? Vorgaben für den englischsprachigen
Geschichtsunterricht kritisch gelesen
und
Interkulturelles Lernen im bilingualen
Geschichtsunterricht Eine (prekäre) Vertrauensfrage
eine kritische Ausgangsbasis für den
Umgang mit
Spotlight on History
. Daneben vermittelt die Diskussion von Barricelli und
Schmieder
Über Nutzen und Nachteil des bilingualen Sachfachunterrichts. Fremdsprachen-
und Geschichtsdidaktik im Dialog
einen interessanten Einblick in den augenblicklichen Status
des bilingualen Geschichtsunterrichts.
Bevor die Überprüfung der Kriterien am Beispiel von
Spotlight on History
im Rahmen des
vierten Kapitels vorgenommen wird, sollen zunächst grundlegende Fragen bezüglich der Ziele
und Inhalte von mono- und bilingualem Geschichtsunterricht geklärt und Einblicke in die
gegenwärtige Materialsituation gewährt werden. Zur hinleitenden Einstimmung auf die
Beantwortung der Ausgangsfrage erfolgt daraufhin die Vorstellung des Kriterienkatalogs nach
Müller-Schneck.
2. Grundlagen des mono- und bilingualen Geschichtsunterrichts
,,Historisches Lernen in der Schule kann als die bewusste Förderung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins
beschrieben werden".20
Von Reekens Aussage soll im Folgenden als Grundlage für die Skizzierung der Ziele,
Inhalte und Grundlagen des mono- und bilingualen Geschichtsunterrichts dienen. Nach von
Reeken zeichnet sich jenes reflektierte Geschichtsbewusstsein vor allem durch die Existenz
und sinnvolle Verknüpfung von Kompetenzen in den Bereichen
Analyse, Sachurteil und
Werturteil
aus.21 Diese Ansicht basiert auf den Ausführungen Jeismanns, der die drei
Dimensionen historischen Lernens in folgenderweise beschreibt:
,,Die Rekonstruktion von Vergangenheit im Geschichtsbewusstsein geschieht durch Analyse vergangener
Prozesse oder Verhältnisse, durch einordnende Deutung in historische Zusammenhänge und schließlich durch
die Herstellung einer wertenden Beziehung zur Gegenwart".22
Die Essenz des Geschichtsunterrichts liegt demnach in der Herausbildung eines kritischen
Geschichtsbewusstseins, das durch die ,,intensive, methodisch reflektierte und kontrollierte
20 Reeken, Dietmar von: Historisches Lernen im Sachunterricht. Eine Einführung mit Tipps für den Unterricht
(Dimensionen des Sachunterrichts 2), Seelze-Velber 1999, S. 14.
21 Vgl. ebd.
22 Zitiert nach Jeismann, in: Reeken 1999, S. 14.
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