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Ausserschulische Lernorte im Geographieunterricht

Diploma Thesis, 2002, 105 Pages
Authors: Géraldine Haller, Marion Feidt
Subject: Geography / Earth Science - Didactics of Geography

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2002
Pages: 105
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V12151
ISBN (E-book): 978-3-638-18108-2

File size: 1685 KB


Excerpt (computer-generated)

Außerschulische Lernorte im Geographieunterricht

Abschlussarbeit am I.S.E.R.P.

von

Feidt Marion und Haller Géraldine

Mai 2002

Walferdange :
Institut Supérieur d′Etudes et de Recherches Pédagogiques

Danksagung

[...]

Inhaltsverzeichnis ... 2

I. Theoretischer Teil ... 6

Einleitung ... 7

1. Veränderte Kindheit ... 9
1.1. Veränderung der kindlichen Lebens- und Zeiträume ... 9
1.2. Veränderung der Kindheit durch Medien ... 11
1.3. Kinder in einer Vielfalt der Kulturen ... 11
1.4. Veränderung der Konzentrationsfähigkeit der Kinder ... 12

2. Forderungen an die Schule ... 13
2.1. Allgemeine Überlegungen ... 13
2.2. Unterrichtskonzepte und -prinzipien ... 16
2.2.1. Anschauungsunterricht und Realbegegnung ... 16
2.2.2. Ganzheitliches Lernen ... 17
2.2.3. Handlungsorientiertes (handelndes) Lernen ... 18
2.2.4. Soziales Lernen ... 19
2.2.5. Problemorientiertes Lernen ... 20
2.2.6. Schülerorientiertes Lernen ... 20
2.2.7. Situatives Lernen ... 21
2.3. Schlussfolgerung ... 22
2.4. Der Lehrplan ... 22

3. Außerschulische Lernorte ... 25
3.1. Definition ... 25
3.2. Begriffliche Hinweise zum Thema "außerschulisches Lernen" ... 25
3.3. Begründung außerschulischen Lernens ... 27
3.3.1. Anschauungsunterricht (Realbegegnung) am außerschulischen Lernort ... 27
3.3.2. Ganzheitliches Lernen am außerschulischen Lernort ... 27
3.3.3. Handlungsorientiertes (handelndes) Lernen am außerschulischen Lernort ... 28
3.3.4. Soziales Lernen am außerschulischen Lernort ... 28
3.3.5. Schülerorientiertes Lernen am außerschulischen Lernort ... 29
3.3.6. Situatives Lernen am außerschulischen Lernort ... 29
3.3.7. Entdeckendes Lernen am außerschulischen Lernort ... 29
3.3.8. Anwendung von Arbeitsweisen und -techniken ... 29
3.4. Anforderungen an außerschulische Lernorte oder Kriterien eines geeigneten außerschulischen Lernortes ... 30
3.5. Der außerschulische Lernort und seine Bedeutung für den Geographieunterricht ... 31

4. Leitlinien für Planung und Organisation: Was muss bedacht werden? ... 33
4.1. Didaktisch-methodische Überlegungen ... 33
4.1.1. Lehrplanbezug ... 33
4.1.2. Der didaktische Ort außerschulischen Lernens ... 33
4.1.2.1. Der Unterrichtsgang zu Beginn der Unterrichtseinheit ... 33
4.1.2.2. Der Unterrichtsgang innerhalb einer Unterrichtseinheit ... 34
4.1.3. Methodisches Vorgehen und Schüleraktivitäten ... 34
4.1.3.1. Mögliche Aktivitäten in der Vorbereitungsphase ... 34
4.1.3.2. Mögliche Aktivitäten in der Durchführungsphase ... 36
4.1.3.3. Mögliche Aktivitäten in der Nachbereitungsphase ... 39
4.2. Rolle des Lehrers ... 41
4.3. Administrative Voraussetzungen und Haftungsfrage ... 42
4.4. Sicherheits- und Vorsichtsmaßnahmen ... 43
4.4.1. Information der Eltern ... 43
4.4.2. Transport ... 44
4.4.3. Verhaltensregeln laut "Code de la route populaire" ... 44
4.4.4. Medizinische Versorgung ... 45

II. Praktischer Teil ... 46

1. Möglichkeiten außerschulischen Lernens im Geographieunterricht des Obergrades ... 47

2. Stadt-Rallye ... 58
2.1. Zur Wahl dieses außerschulischen Lernens ... 58
2.2. Vorbereitende Maßnahmen ... 59
2.2.1. Festlegen der Route und Stationen ... 59
2.2.2. Sachanalyse der einzelnen Stationen ... 63
2.2.3. Abschließende Vorbereitungen ... 69
2.3. Vorbereitungsphase ... 70
2.3.1. Lernziele ... 71
2.3.2. Unterrichtsverlauf ... 71
2.3.3. Kommentar ... 72
2.4. Durchführungsphase ... 74
2.4.1. Lernziele ... 74
2.4.2. Verlauf der Stadt-Rallye ... 74
2.4.3. Kommentar ... 75
2.5. Nachbereitungsphase ... 79
2.5.1. Lernziele ... 79
2.5.2. Unterrichtsverlauf ... 79
2.5.3. Kommentar ... 80

3. Thillenvogtei ("musée rural vivant") ... 83
3.1. Zur Wahl dieses außerschulischen Lernortes ... 83
3.2. Vorbereitende Maßnahmen ... 85
3.2.1. Vorhergehende Besichtigung ... 85
3.2.2. Organisatorische Maßnahmen ... 87
3.2.2.1. Schulkommission ... 87
3.2.2.2. Transport ... 87
3.2.2.3. Elternbrief ... 88
3.3. Vorbereitungsphase ... 88
3.3.1. Lernziele ... 88
3.3.2. Unterrichtsverlauf ... 91
3.3.3. Kommentar ... 94
3.4. Durchführungsphase ... 97
3.4.1. Lernziele ... 97
3.4.2. Verlauf unseres Besuchs im Landmuseum Thillenvogtei ... 98
3.4.3. Kommentar ... 101
3.5. Nachbereitungsphase ... 105
3.5.1. Lernziele ... 105
3.5.2. Unterrichtsverlauf ... 105
3.5.3. Kommentar ... 107

4. Abschließender Kommentar ... 109

III. Bibliographie ... 110

Theoretischer Teil

Einleitung

"Das erste Beginnen jeder Methodik muss deshalb sein, das originale Kind, wie es von sich aus in die Welt hineinlebt, mit dem originalen Gegenstand, wie er seinem eigentlichen Wesen nach ist, so in Verbindung zu bringen, dass das Kind fragt, weil ihm der Gegenstand Fragen stellt, und der Gegenstand Fragen aufgibt, weil er eine Antwort für das Kind hat." (Roth, 1973, S.111)
In den letzten Jahrzehnten hat ein schneller und tiefgreifender Wandel in fast allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens stattgefunden. Der rasante gesellschaftliche Wandel hat einschneidende Veränderungen für das Aufwachsen der Kinder mit sich gebracht und damit auch für die Schule. Als Hauptmerkmal heutiger Kindheit wird häufig die Entsinnlichung der Lebenswirklichkeit genannt. Kinder wachsen überwiegend in einer mediatisierten und verinselten Welt auf, die von Leistungskonkurrenz geprägt ist und sinnlichen Erfahrungen nur wenig Raum lässt. Gesellschaftlich-ökonomische Veränderungen haben die Erfahrungsmöglichkeiten von Kindern stark eingeschränkt, bzw. verschoben, so dass es für sie immer schwieriger wird, sich ihre Lebenswelt zu erschließen. Beispiele sind die dicht besiedelten Wohngebiete und die Verhäuslichung, die sogenannten Erfahrungen aus zweiter Hand und ein veränderter Umgang mit der Zeit.
Die neuzeitlichen Veränderungen der Lebensumwelt haben die Gelegenheiten für Primärerfahrungen der Kinder in ihrer Umgebung und in der Natur stark reduziert. Die heutigen "Multimedia - Kids" sind also nicht mehr mit Kindern früherer Jahrgänge zu vergleichen. Sie wachsen in einer ganz anderen Welt auf, die geprägt ist durch Fernsehprogrammvielfalt, Videoclips und aufwändige Computerspiele. Die Fähigkeit zur Abstraktion und zur Konzentration ist bei vielen Schülern stark zurück gegangen. Nur wenige Kinder haben heute noch einen unmittelbaren Zugang zur Natur. Fernsehen, Kassetten, Bücher usw. vermitteln den Kindern eine Fülle von Informationen, jedoch aus zweiter Hand. Die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse bleiben auf der Strecke.
Die Konsequenzen dieses Wandels (die man als Lehrer bedauern und bejammern könnte) und deren Bedeutung für das Schulwesen wurden allerdings erst in den letzten Jahren wahrgenommen. Dieser Entwicklung kann die Schule entgegenwirken, indem sie den Unterricht darauf einstellt und es sich zur Aufgabe macht, zur Rückgewinnung von Erfahrungsräumen für Kinder beizutragen. Ein geeigneter Weg (und in unseren Augen der effizienteste) hierfür ist, möglichst häufig Lerngänge durchzuführen. Dinge vor Ort beobachten und ergründen ist für viele Schülerinnen und Schüler interessanter als in einem Buch Texte durchzuarbeiten. Das Einbinden außerschulischer Lernorte in den Unterricht ist deshalb heute wichtiger denn je.
Der Geographieunterricht kann unmöglich auf außerschulische Lernorte (Lerngänge) verzichten, da der Gang ins Gelände und die Arbeit vor Ort für Geographen unentbehrliche methodische Verfahren sind. Gerade deshalb finden sich diese Verfahren im Lehrplan als Vorgabe für methodisches Arbeiten im Geographieunterricht und in der Geographiedidaktik wieder. Diese Lernformen blicken bei Fächern wie Geographie und Geschichte jedoch schon auf eine längere Tradition zurück. Wir möchten im theoretischen Teil unserer Arbeit auf einige wichtige Veränderungen der Kindheit aufmerksam machen, sowie auf die Forderungen an die Schule, die sich daraus ergeben. Anschließend werden wir auf den außerschulischen Lernort sowie auf die verschiedenen Begriffe (Lernort, Unterrichtsgang, Exkursion...) eingehen und aufzeigen, was bei der Planung eines Lerngangs beachtet werden muss.
Im praktischen Teil stellen wir eine Vielzahl von Möglichkeiten außerschulischen Lernens im Geographieunterricht vor, von welchen wir zwei im Detail vorbereiten und ausführen.
Durch unsere Arbeit wollen wir Lehrerinnen und Lehrer ermuntern und unterstützen, die Lernchancen außerschulischer Lernorte im Geographieunterricht zu nutzen.

1. Veränderte Kindheit

1.1. Veränderung der kindlichen Lebens- und Zeiträume

Raumerfahrung bedeutet, dass ein Mensch seinen Raum (Umfeld) um sich herum erlebt, das heißt er nimmt "Wege und Räume in vielfältigen Situationen mit allen Sinnen" (MEN, Wir erkunden Wege und Räume, 2000, S.13) auf oder wahr und füllt sie so zunehmend mit eigenen Erlebnissen. Die Raumerfahrung oder Raumerschließung hat sich heute grundlegend verändert.

In den dreißiger Jahren hat Muchow die räumliche Aneignung der Umwelt durch Kinder als allmähliche Ausdehnung des Lebensraumes in konzentrischen Kreisen beschrieben, wie es auch noch für die fünfziger Jahre gilt. Mit zunehmendem Alter erweitert das Kind demnach aktiv (von selbst) seinen Lebens- oder Streifraum von der eigenen Wohnung ausgehend, nach und nach in die weitere Umgebung. Dabei bleibt der Lebensraum eine Einheit in der das Kind aufwächst und eigene Erfahrungen sammelt. Alle benötigten Funktionen (Dienstleistungen, Betriebe, Natur...) sind in diesem Modell des einheitlichen Lebensraumes vertreten.

[...]


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