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Das Modellprojekt FÖRMIG und die Förderung von Zweisprachigkeit

Hauptseminararbeit, 2007, 29 Seiten
Autor: Susanne Brehme
Fach: Anglistik - Anderes

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 29
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 40  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V121543
ISBN (E-Book): 978-3-640-26332-5
ISBN (Buch): 978-3-640-26338-7
Anmerkungen :
In der Hauptseminarsarbeit geht es um die Zweisprachigkeit im Allgemeinen und wie sie durch das Programm FÖRMIG realisiert werden soll.


Zusammenfassung / Abstract

[...] Es wird im Folgenden anhand eines solchen Förderprogramms gezeigt, inwieweit die Zweisprachigkeit von Migrantenkindern und solchen mit nichtdeutscher Herkunftssprache gezielt gefördert werden kann. Das dafür verwendete Programm ist das Modellprojekt FÖRMIG, das im Folgenden näher beschrieben und deren Fördermaßnahmen für die Zweisprachigkeit untersucht werden soll. Im Vorfeld werden dazu der Begriff Zweisprachigkeit und dessen Implikation für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, die den Fokus des Programms bilden, näher erläutert.


Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin

John-F.-Kennedy Institut für Nordamerikastudien

Abteilung Sprache

Wintersemester 2006/2007

HS 32312:

Bilingualism and Bilingual Schooling:

Research Methods and Analysis

Hausarbeit

Das Modellprojekt FÖRMIG und die Förderung

von Zweisprachigkeit

10. April 2007

Susanne Brehme


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

3

2 Was ist Zweisprachigkeit?

4

3 Das Modellprogramm FÖRMIG

8

3.1

Kurzüberblick .

8

3.2

Die Organisationsstruktur des Programms 10

3.3

Das Modellprogramm FÖRMIG ­ Schnittstellen, Basiseinheiten und

Themenschwerpunkte 12

3.3.1

Schnittstellen 12

3.3.2

Basiseinheiten 12

3.3.3

Themenschwerpunkte und Module 14

3.3.3.1

Sprachförderung auf der Basis von Sprachstandsfest-

stellung 14

3.3.3.2

Durchgängige Sprachförderung 17

3.3.3.3

Übergang in den Beruf 19

3.4

Evaluation 20

4 FÖRMIG und Zweisprachigkeit

23

5 Auswertung und Ausblick

24

6 Quellenverzeichnis

25

Abbildungsverzeichnis

1

Organisationsstruktur FÖRMIG 11

2

Modell Entwicklunspartnerschaft

13

3

Gesamtüberblick Themenschwerpunkt - Module - Prinzipien 15

4

Ein Modell zur Planung von Evaluation 22


1 Einleitung

Laut dem Migrationsbericht vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aus dem

Jahr 20051 ist der Prozentsatz der Menschen in Deutschland, die aus anderen Län-

dern zugewandert sind im Jahr 2004 mit 8,1% im Vergleich zu den Vorjahren eher

rückläufig. Dennoch muss man Deutschland als ein Einwanderungsland begreifen

und damit auch die Herausforderungen und Probleme, die sich dadurch ergeben,

verdeutlichen.

Menschen, die nach Deutschland einwandern, müssen sich hier in einer neuen Kul-

tur und einer neuen Sprache zurechtfinden. Die wünschenswerte Integration in die

neue Heimat wird durch sprachliche Barrieren und kulturelle Missverständnisse oft

erschwert. Besonders Kinder, die mit ihren Eltern aus dem Ausland nach Deutsch-

land immigrieren aber auch solche, die in einer Familie mit Migrationshintergrund

im Land geboren und aufgewachsen sind, sind von den Problemen der Integration

betroffen, da sie in Deutschland schulpflichtig sind und sich somit mit der zumeist

deutschsprachig geprägten Institution Schule auseinandersetzen müssen.

Beim Schulbeginn wird den Schülern mit Migrationshintergrund oft der Einstieg in

die Grundschule durch mangelnde Sprachkenntnisse erschwert und sie haben nicht

viel Zeit, diese in genügendem Maße zu erwerben, da das deutsche Schulsystem sehr

früh selektiert und gerade die Schüler mit nichtdeutscher Herkunftsprache oft in

Haupt- und Sonderschulen ,,ausgesondert" werden.

Neben den Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache spielt auch die Muttersprache

der Kinder eine große Rolle. Oft ist diese die Verbindung zur Heimat der Familie

und somit identitätsstiftend. Sie sollte schon aus diesem Grund gefördert werden.

Im Hinblick auf eine erfolgreiche Integration in Deutschland, ohne die heimatlichen

Wurzeln zu vergessen, sollte die Muttersprache neben der deutschen Sprache nicht

außer Acht gelassen werden. Die Erziehung zur Zwei- oder Mehrsprachigkeit ist ge-

rade in diesem Fall sehr wünschenswert.

Natürlich muss diese Zweisprachigkeit gefördert werden und es gibt Programme in

Deutschland, die sich gezielt mit den Problemen von Migrantenkindern in Deutsch-

land auseinandersetzen und deren Entwicklung fördern wollen. Es wird im Folgenden

anhand eines solchen Förderprogramms gezeigt, inwieweit die Zweisprachigkeit von

Migrantenkindern und solchen mit nichtdeutscher Herkunftssprache gezielt geför-

dert werden kann. Das dafür verwendete Programm ist das Modellprojekt FÖR-

1 Migrationsbericht. des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Im Auftrag der Bundesre-

gierung. Migrationsbericht 2005.

In:www.bundesregierung.de/Content/DE/Publikation/IB/Anlagen/migrationsbericht-

2005,property=publicationFile.pdf [12.02.2007]

3


MIG, das im Folgenden näher beschrieben werden und deren Fördermaßnahmen

für die Zweisprachigkeit untersucht werden soll. Im Vorfeld werden dazu der Begriff

Zweisprachigkeit und dessen Implikationen für Kinder und Jugendliche mit Migra-

tionshintergrund, die den Fokus des Programms bilden, näher erläutert.

2 Was ist Zweisprachigkeit?

Es ist schwierig, in der Forschungsliteratur eine konkrete Definition des Begriffs Zwei-

sprachigkeit oder auch Bilingualismus zu finden. Zweisprachigkeit ist eine Fähigkeit,

mehr als eine Sprache zu sprechen oder zu verstehen. Es gibt Wissenschaftler, die

behaupten, dass jeder Mensch zweisprachig ist, weil jeder mindestens ein paar Wör-

ter aus einer fremden Sprache kennt2. Aber es gibt auch solche, die der Ansicht sind,

dass Bilingualismus erst durch eine nahe muttersprachliche Kompetenz in der Erst-

und Zweitsprache definiert werden kann3. Laut John Edwards ist die Frage nach

der Definition des Begriffes die des Grades der Beherrschung der ersten und zweiten

Sprache. Dieser ist jedoch oft schwer erfassbar. Daneben kann die Unterscheidung in

rezeptiven und produktiven Bilingualismus oder die Distinktion zwischen additiver

und subtraktiver Zweisprachigkeit eine Hilfe sein4.

Es gibt also verschiedene Ausprägungen von Zweisprachigkeit. Dazu gehört bei-

spielsweise der simultane Frühbilingualismus, bei dem ein Mensch mit zwei Sprachen

schon im frühesten Kindesalter in Berührung kommt und damit aufwächst. Häufig

ist dies der Fall, wenn die Elternteile zwei unterschiedliche Muttersprachen besitzen

und auch beide Sprachen bei der Erziehung verwenden. Beim konsekutiven Bilin-

gualismus erlernt das Kind erst die eine und dann die andere Sprache. Der bereits

erwähnte additive Bilingualismus bezieht sich darauf. Wenn das Kind eine zweite

Sprache nach dem Erwerb der ersten erlernt und anschließend beide Sprachen ver-

wendet, kann man von additiver Zweisprachigkeit sprechen. Oft werden diese Kinder

und Jugendlichen auch elitäre Bilinguale genannt, weil sie beide Sprachen freiwillig

lernen und dies von sozialem Vorteil für sie ist. Beim subtraktiven Bilingualismus

hingegen wird die Muttersprache zugunsten einer zweiten Sprache vernachlässigt.

Dies geschieht häufig bei Immigranten, deren Sprache eine Minderheitensprache ist,

die in der neuen Umgebung nicht gefördert oder gar durch die Dominanz der offizi-

ellen Landessprache unterdrückt wird. Außerdem ist noch der späte Bilingualismus

zu nennen, der ebenfalls häufig bei Immigranten auftritt. Sie ziehen, oft zugunsten

2 John V. Edwards: Foundations of Bilingualism. In: Tej K. Bhatia, William C. Ritchie: The

Handbook of Bilingualism. 2004. S.7.

3 G. Steiner: After Babel. Oxford: Oxford University Press. 1992.

4 John V. Edwards. S.10.

4


der Aussicht auf bessere Lebensbedingungen in ein neues anderssprachiges soziales

Umfeld und müssen, um beispielsweise dort arbeiten zu können, die Sprache dieses

Umfeldes erlernen.5

Zur Diskussion steht nun der Nutzen von Zweisprachigkeit. Es wurde Anfang des

letzten Jahrhunderts behauptet, dass Bilingualismus negative Effekte auf die In-

telligenzentwicklung eines Kindes hätte, was aber nicht durch empirische Befunde

bewiesen werden konnte6. Zu viele Aspekte spielen bei der Entwicklung der Intel-

ligenz eine Rolle, so dass es schwierig ist, den Effekt der Zweisprachigkeit darauf

herauszufiltern. In den 1940ern bis in die 60er wurden Studien7 angestellt, die kei-

nen Nachweis auf die Auswirkung der Zweisprachigkeit auf die Intelligenz fanden.

Diese Studien standen dem Bilingualismus eher neutral gegenüber. Ende der 60er

jedoch fanden weitere Studien8 heraus, dass Menschen, die zwei Sprachen sprechen,

durchaus besser bei Intelligenztests abschnitten. Es wird vermutet, dass die bilin-

gualen Testpersonen durch den positiven Transfer zwischen den beiden Sprachen

eine höhere mentale Flexibilität besaßen als die monolingualen. Außerdem weisen

kognitive Studien9 darauf hin, dass durch die Beherrschung von mindestens zwei

Sprachen leichte kognitive Gewinne im Bereich des bewussten Umgangs mit Spra-

che zu verzeichnen sind10.

Damals bis heute wurde das Thema Zweisprachigkeit hoch politisiert. Konkret geht

es beispielsweise darum, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht

nur Förderungsmöglichkeiten in der dominanten Landessprache ihrer neuen sozialen

Umgebung, sondern auch in ihrer Muttersprache anzubieten. In diesem Zusammen-

hang steht die Bewertung einer Sprache in der Gesellschaft. Beispielsweise ist das

Türkische in Deutschland als Zweitsprache in der Schule kaum vertreten, wohinge-

gen eine Sprache wie Spanisch sehr populär ist11.

Allein aus Identitätsgründen ist es jedoch wichtig, dass bei Kindern und Jugendli-

chen mit Migrationshintergrund beide Sprachen gefördert werden. Die Kinder haben

so Anschluss an die Kultur und Sprache ihrer Eltern und können daneben auch auf

5 Charlotte Hoffmann: The study of bilingual children. In: An Introduction to Bilingualism. Lon-

don, New York: Longman, 1996. S. 46f.

6 Charlotte Hoffmann: Cognitive and educational aspects of bilingualismIn: An introduction to

bilingualism. New York: Longman: 1996. S.121.

7 W.R. Jones. 1959

8 Lambert. 1977

9 Ellen Bialystock: Words as things: Development of word concept by bilingual children. In: studies

in second language learning 9, 1987, S.133-140.

10 Gundula List: Zur Entwicklung muttersprachlicher Fähigkeiten. In: Der Deutschunterricht 44,

1992, S.15-23.

11 Laut dem Verzeichnis der Berliner Schulen (http://www.berlin.de/sen/bildung/schulverzeichnis

_und_portraets/) [15.03.2007] gibt es nur neun Schulen, die türkisch als Zweitsprache anbieten,

dagegen sind es 53 Schulen, in denen die Schüler Spanisch als zweite Sprache lernen können.

5


Deutsch kommunizieren und die Schule erfolgreich besuchen. Dies ist eine wichti-

ge Voraussetzung für einen Schulabschluss und eine anschließende Ausbildung oder

ein Studium in Deutschland. Über Deutschlands Grenzen hinaus kann Zwei- oder

Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union sehr von Vorteil sein, da hier sehr auf

den Erhalt der Sprachenvielfalt geachtet wird12.

In der Schule gibt es verschiedene Möglichkeiten des Zweitspracherwerbs. Sie ist

der Ort der unmittelbarsten Auseinandersetzung mit den sprachlichen Ansprüchen,

die von der Gesellschaft an ein Kind gestellt werden. Oft sind Schulen in Deutsch-

land durch einen monolingualen Habitus geprägt, was bedeutet, dass sie die Zwei-

oder Mehrsprachigkeit ihrer Schüler nicht genügend wahrnimmt und achtet. Dies

kann sich durchaus negativ auf die sprachliche Entwicklung von Kindern und Ju-

gendlichen mit Migrationshintergrund auswirken13. Dagegen wurden verschiedene

schulorganisatorische Modelle entwickelt, von denen einige den Fokus auf die För-

derung von Zwei- oder Mehrsprachigkeit gelegt haben. Dazu gehören die Modelle,

bei denen wesentliche Teile des schulischen Curriculums in zwei unterschiedlichen

Sprachen angeboten werden. Zu nennen sind hier die transitorischen Modelle, bei

denen homogene Klassen zunächst über eine gewisse Zeit in der Herkunftssprache

unterrichtet werden, dann aber zunehmend Unterricht in der Zweitsprache erhal-

ten, um schließlich in reguläre Klassen überzuwechseln. Leider bleibt die erwünschte

Zweisprachigkeit auf diesem Weg nicht erhalten und wird zugunsten der dominanten

Sprache unterdrückt.

Zudem sind die so genannten Language maintenance Modelle zu nennen. Bei ih-

nen wird die Herkunftssprache der Kinder mit Migrationshintergrund während der

gesamten Schulzeit als Medium für den Unterricht verwendet und zudem als Fach

unterrichtet. Dies kann auch als one-way bilingual education bezeichnet werden. Die

Kinder- und Jugendlichen mit Migrationshintergrund lernen nicht nur die Landes-

sprache, sondern erhalten auch Instruktion in ihrer Herkunftssprache, was sehr zu

empfehlen ist und ihnen eine gute Hilfestellung für den Schulalltag bietet.

Das Modell, das am sinnvollsten zu sein schein, ist das so genannte Two-way-

immersion Modell. Hier werden Schüler mit unterschiedlichen Herkunftssprachen

(meistens Einheimische und Mitglieder einer sprachlichen Minderheit) gemeinsam

12 Entschließung des Europäischen Parlaments zu einer neuen Rahmenstrategie zur Mehrsprachig-

keit (2006/2083(INI)), Straßburg: 15.11.2006

In:http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P6-TA-

2006-0488+0+DOC+XML+V0//DE&language=DE [5.03.2007]

13 Zur gegenwärtigen Verbreitung und zukünftigen Entwicklung der Zwei- und Mehrsprachigkeit in

Deutschland In: Hans H. Reich, Hans-Joachim Roth u.a.: Spracherwerb zweisprachig aufwachsen-

der Kinder und Jugendlicher: Ein Überblick über den Stand der nationalen und internationalen

Forschung. Hrsg.: Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Jugend und Sport, 2002, S. 7-16.

6



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