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Examensarbeit, 2002, 134 Seiten
Autor: Magdalena Linne
Fach: Theologie - Praktische Theologie
Details
Tags: Bilder, Religionsunterricht, Kunst, Medien, Bilddidaktik, Bildbegegnung, Bildinterpretation, Bildbetrachtung, Bilderschließung, Bildtheologie, Chagall, Grünewald
Jahr: 2002
Seiten: 134
Note: 1
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-18114-3
ISBN (Buch): 978-3-638-69844-3
Dateigröße: 578 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Einleitung Es gibt genügend Anlass, Bilder im Religionsunterricht zum Thema zu machen. Offenbar ist es für viele Lehrer zu einem verdrießlichen Geschäft geworden, Stunde für Stunde Texte zu interpretieren und deren Problemvorgaben zu diskutieren. Für SchülerInnen kann es attraktiver sein, wenn es etwas zu sehen gibt, besonders wenn es professionell von Fernseh- und Illustriertenleuten, von Fotoagenturen, Filmregisseuren und Werbeteams gemacht ist. Wir sind seit der Geburt rund um die Uhr von Bildern umgeben; wir träumen und denken sogar in Bildern. Das Medium Bild wird für die unterschiedlichsten Zwecke eingesetzt. Aber wie viele Bilder nehmen wir wirklich wahr? An vielen laufen wir vorbei, ohne sie aufzunehmen. Sie sind einfach da, überall. Aber welchen Einfluss haben sie auf uns? Wir wissen alle um die besondere Macht der Bilder. „Das letzte wird ein Bild sein, kein Wort. Vor den Bildern sterben die Wörter“ , äußerte Christa Wolf in „Kassandra“. Doch welche Bilder werden das sein? Und welchen Einfluss hat die Bilderflut der heutigen Massenmedien auf den Umgang der Jugendlichen mit Bildern des Glaubens? ... Die vorliegende Arbeit beschreibt Ansätze, die die Beantwortung der gestellten Fragen möglich machen sollen. Dabei wird an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass in der Behandlung des Themas fast ausschließlich nur gemalte Bilder der christlichen Kunst Berücksichtigung finden. Eine der Bedeutung von Photos gerechtwerdenden Betrachtung im vorliegenden Kontext würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und wird aus diesem Grund ausgelassen.
Textauszug (computergeneriert)
Johann Wolfgang Goethe Universität
Bilder des Glaubens im Kontexte einer Mediengesellschaft -
Didaktische Überlegungen und Vorschläge
zur Erschließung exemplarischer Bilder im Religionsunterricht
Examensarbeit
von
Magdalena Linne
5 / 2002
Inhaltsverzeichnis
1. Bilder des Glaubens ... 6
1.1. Die Bedeutung von Kunst und Gebrauchsfelder von Bildern ... 6
1.2. "Du sollst Dir kein Bildnis machen"- Bilderverbot und Bilderstreit ... 9
1.3. Das Verhältnis von Bild und Wort ... 16
1.4. Die Funktionen von Bildern ... 20
1.5. Die Bedeutung von Bildern für den Glauben ... 23
2. Bilder des Glaubens im Kontext einer Mediengesellschaft ... 30
2.1. Die Bedeutung von Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen ... 32
2.2. Einflüsse von Fernsehen und anderen Bildmedien auf Kinder und Jugendliche ... 33
2.3. Die nachteiligen Auswirkungen der Medien auf Kinder und Jugendliche ... 35
2.4. Die Einstellung der Kinder und Jugendlichen gegenüber Bildern der Kunst bedingt durch die mediale Wirkung ... 36
2.5. Der Ansatz einer wahrnehmungs- und symbolorientierten Medienpädagogik ... 38
3. Bildtheologie und Bilddidaktik ... 39
3.1. Zur Geschichte der Bilddidaktik ... 39
3.2. Wahl der Bilder ... 41
3.3. Umgang mit Bildern im Religionsunterricht ... 49
3.4. Bildbegegnung und Bildinterpretation ... 53
3.5. Methoden der Bildbetrachtung mit Kindern und Jugendlichen ... 59
4. Didaktische Überlegungen und Vorschläge zur Erschließung exemplarischer Bilder im Religionsunterricht ... 62
4.1. Didaktische Überlegungen und Vorschläge für die Grundschule zu dem Bild von Chagall "Mose vor dem brennenden Dornbusch" ... 63
4.1.1. Sachinformation - Exegetische Überlegungen ... 63
4.1.2. Wahl und Bedeutung des Bildes ... 66
4.1.3. Informationen zum Künstler ... 67
4.1.4. Zu den Bildern von Marc Chagall ... 70
4.1.5. Bildinterpretation ... 73
4.1.6. Vorschläge zur Bilderschließung und Bildbearbeitung im Religionsunterricht ... 80
4.1.6.1. Rahmenbedingungen ... 80
4.1.6.2. Begründung der Thematik ... 80
4.1.6.3. Inhaltliche Aspekte ... 81
4.1.6.4. Didaktische Überlegungen ... 83
4.1.6.5. Mögliche Lernziele ... 83
4.1.6.6. Methodische Aspekte ... 84
4.1.6.7. Bausteine für die Bildbearbeitung ... 85
4.1.6.8. Allgemeine Bausteine für die Unterrichtseinheit ... 89
4.2. Didaktische Überlegungen und Vorschläge für die Sekundarstufe I zu dem Bild von Grünewald "Die Auferstehung Christi" ... 91
4.2.1. Sachinformation - Exegetische Überlegungen ... 91
4.2.2. Die Auferstehung in der christlichen Bildtradition ... 96
4.2.3. Wahl und Bedeutung des Bildes ... 97
4.2.4. Informationen zum Künstler ... 97
4.2.5. Bildinterpretation ... 100
4.2.6. Vorschläge zur Bilderschließung und Bildbearbeitung im Religionsunterricht ... 107
4.2.6.1. Rahmenbedingungen ... 107
4.2.6.2. Begründung der Thematik ... 107
4.2.6.3. Inhaltliche Aspekte ... 108
4.2.6.4. Didaktische Überlegungen ... 110
4.2.6.5. Mögliche Lernziele ... 110
4.2.6.6. Methodische Aspekte ... 111
4.2.6.7. Bausteine für die Bildbearbeitung im Religionsunterricht ... 114
4.2.6.8. Weitere Bausteine für die Bildbearbeitung im Religionsunterricht ... 119
5. Schlussbetrachtung und Ausblick ... 121
6. Literaturverzeichnis ... 125
7. Bildverzeichnis ... 131
8.Anhang ... 132
Einleitung
Es gibt genügend Anlass, Bilder im Religionsunterricht zum Thema zu machen. Offenbar ist es für viele Lehrer zu einem verdrießlichen Geschäft geworden, Stunde für Stunde Texte zu interpretieren und deren Problemvorgaben zu diskutieren. Für SchülerInnen kann es attraktiver sein, wenn es etwas zu sehen gibt, besonders wenn es professionell von Fernseh- und Illustriertenleuten, von Fotoagenturen, Filmregisseuren und Werbeteams gemacht ist.
Wir sind seit der Geburt rund um die Uhr von Bildern umgeben; wir träumen und denken sogar in Bildern. Das Medium Bild wird für die unterschiedlichsten Zwecke eingesetzt. Aber wie viele Bilder nehmen wir wirklich wahr? An vielen laufen wir vorbei, ohne sie aufzunehmen. Sie sind einfach da, überall. Aber welchen Einfluss haben sie auf uns? Wir wissen alle um die besondere Macht der Bilder. "Das letzte wird ein Bild sein, kein Wort. Vor den Bildern sterben die Wörter"1, äußerte Christa Wolf in "Kassandra". Doch welche Bilder werden das sein? Und welchen Einfluss hat die Bilderflut der heutigen Massenmedien auf den Umgang der Jugendlichen mit Bildern des Glaubens?
Auch Medienautoren und Schulbuchverlage bemühen sich sehr, um mit der Medienkultur unserer Zeit konkurrieren zu können. Für die Primar- und Sekundarstufe I werden viele Bildmedien angeboten.
Trotzdem, und davon konnte ich mich während meiner Praktika überzeugen, wird das Medium Bild im Religionsunterricht nur sehr selten verwendet. Wenn überhaupt, dann wird es nur als Einstieg oder zur Auflockerung genutzt. Als Grund werden die Befürchtung einer vermeintlichen Gefahr der Manipulation der kindlichen Kreativität und die starke Vorprägung der Vorstellungen angeführt. Sind diese Befürchtungen gerechtfertigt? Oder liegt der Grund, warum sich viele Lehrende davor scheuen im Unterricht Bilder einzusetzen nicht eher darin, dass sie nicht damit umgehen können? Dabei braucht man nicht unbedingt ein Studium der Kunstpädagogik absolviert zu haben, um Bilder im Religionsunterricht einzusetzen.
Das Thema Bilder im Religionsunterricht birgt viele Probleme. Einige Kritiker beklagen die beliebige und zufällige Bildauswahl in neueren Religionsbüchern, Bildersammlungen und Diareihen für den Religionsunterricht. Welche aber sind die sinnvollen Kriterien einer solchen Auswahl? Wie kann man sie verwenden, so dass sie nicht bloß als Einstieg in ein Thema dienen, sondern tragendes Element einer oder mehrerer Unterrichtsstunden sind?
Die vorliegende Arbeit beschreibt Ansätze, die die Beantwortung der gestellten Fragen möglich machen sollen. Dabei wird an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass in der Behandlung des Themas fast ausschließlich nur gemalte Bilder der christlichen Kunst Berücksichtigung finden. Eine der Bedeutung von Photos gerechtwerdenden Betrachtung im vorliegenden Kontext würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und wird aus diesem Grund ausgelassen.
Beginnend in Kapitel 2 wird eine Definition des christlichen Bildes sowie die Gebrauchsfelder der christlichen Kunst dargestellt. Weiterhin wird auf die Bedeutung der Kunst in unserer Gesellschaft eingegangen.
Außerdem behandelt Kapitel 2 das Bilderverbot des Alten Testaments und den darauf bezogenen Bilderstreit der Kirche, seinen Beginn und seine weitere Entwicklung.
Des weiteren geht es um das Verhältnis und um die Anwendung von Bild und Wort in bezug auf den Glauben und auf den Religionsunterricht. Anschließend werden allgemeine Funktionen von Bildern vorgestellt. In einem weiteren Punkt werden die Bedeutung von Bildern für die Glaubenserfahrung und für das Glauben lernen und die besondere Macht von Bildern erklärt.
Kapitel 3 behandelt die Bedeutung der Bildmedien im Alltag der Jugendlichen, sowie ihre negativen und positiven Einflüsse. Darauf aufbauend wird diese mediale Wirkung auf die Einstellung der Jugendlichen gegenüber Bildern der Kunst untersucht. Dieses Kapitel schließt ab mit dem Ansatz der wahrnehmungs- und symbolorientierten Medienpädagogik nach Franz Josef Röll.
Kapitel 4 untersucht die Bildtheologie und Bilddidaktik. Es wird ein geschichtlicher Überblick aufgezeigt und es werden Kriterien für die Wahl von Bildern, wesentliche Leitfragen bei der Bildauswahl und die verschiedenen Bildarten und ihre didaktische Funktion vorgestellt. In einem weiteren Schritt wird ein angemessener und sinnvoller Umgang mit Bildern beschrieben. Darauf folgend wird die Bildbegegnung und Bildinterpretation näher untersucht und schließlich werden einige Methoden der Bildbetrachtung mit Kindern und Jugendlichen präsentiert.
In Kapitel 5 werden Marc Chagalls "Moses vor dem brennenden Dornbusch" und Matthias Grünewalds "Isenheimer Altar - Die Auferstehung Christi" didaktisch und methodisch für den Religionsunterricht aufgearbeitet. Chagalls Bild dient als Beispiel für die Bearbeitung in der Grundschule, während Grünewalds Bild für die Sekundarstufe I gedacht ist.
Die angewandte Vorgehensweise ist bei beiden Bildern identisch: Im ersten Schritt werden exegetische Überlegungen angestellt. Im zweiten Schritt werden meine persönlichen Beweggründe für die Auswahl des jeweiligen Bildes und sein didaktisches Bedeutungspotential dargelegt. Der dritten Schritt liefert Informationen zu Leben und Werk der Künstler und der Vierte die Bildinterpretation. Im abschließenden fünften Schritt folgen Vorschläge zur Bilderschließung und Bildbearbeitung im Religionsunterricht. Diese beinhalten die Rahmenbedingungen, die Begründung der Thematik, inhaltliche Aspekte, didaktische Überlegungen, Lernziele, methodische Aspekte und schließlich konkrete Bausteine für die Bildbearbeitung und allgemeine Bausteine für die Unterrichtseinheit.
Hervorzuheben ist, dass Chagalls Bild mit Hilfe der fünf Phasen nach Günter Lange interpretiert wird. Die Besonderheit in der Bearbeitung zu Grünewald ist die Ergänzung der exegetischen Auferstehungsdarstellung nach dem Neuen Testament um die Darstellung in der christlichen Bildtradition.
In Kapitel 6 werden in einer Schlussbetrachtung die gesammelten Ergebnisse zusammengefasst und mit einer eigenen Stellungnahme vervollständigt.
1. Bilder des Glaubens
1.1. Die Bedeutung von Kunst und Gebrauchsfelder von Bildern
Die Arbeit geht zunächst kurz auf den Begriff des christlichen Bildes an sich ein. Eine Definition von Hans Georg Thümmel sei vorangestellt. "Unter christlichem Bild verstehen wir jede bildliche Darstellung mit christlichem Inhalt, gleich ob es sich um ein biblisches oder ein kirchenhistorisches Ereignis (auch in symbolhafter Verkürzung), um die als Portrait gemeinte Darstellung Christi, Marias, eines Heiligen oder einer bedeutsamen biblischen oder kirchlichen Persönlichkeit, oder um ein Symbol handelt."2
[...]
1 Christa Wolf: Kassandra. Erzählung. 5Auflage. Luchterhand, Berlin, 1987 . S.26
2 Thümmel, Quelle leider nicht mehr verfügbar
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