Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Die spanischsprachigen Kreolsprachen close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Die spanischsprachigen Kreolsprachen

Subtitle: Entstehung und heutige Verwendung unter besonderer Berücksichtigung der Entstehung des Papiamento

Termpaper, 2007, 17 Pages
Author: Judith Schnettler
Subject: Romance Languages - Other Languages

Details

Event: Grundlagenseminar B Spanische Sprachwissenschaft, Spanisch im Sprachkontakt
Institution/College: University of Cologne (Romanisches Seminar)
Tags: Kreolsprachen, Grundlagenseminar, Spanische, Sprachwissenschaft, Spanisch, Sprachkontakt
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 17
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V121675
ISBN (E-book): 978-3-640-26684-5


Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den drei spanisch-basierten Kreolsprachen Palanquero, Chabacano und Papiamento.


Fulltext (computer-generated)

Universität zu Köln

Romanisches Seminar

Sommersemester 2007

Grundlagenseminar B

Spanisch im Sprachkontakt

Susanne Müller

Die Spanischbasierten Kreolsprachen

Entstehung und heutige Verwendung

unter besonderer Betrachtung der Entstehung des Papiamento

Judith Schnettler

Bismarckstraße 72, 50672 Köln

j_schnettler@gmx.de, 02212984287

Germanistik, Pädagogik, Romanistik

2./3./2. Semester

1


Inhalt

1. Einleitung______________________________________________3

2. Die spanischbasierten Kreolsprachen________________________3

2.1.1. Entstehung des Palanquero____________________________3

2.1.2. Heutige Verwendung des Palanquero____________________5

2.2.1. Entstehung des Chabacano____________________________5

2.2.2. Heutige Verwendung des Chabacano____________________7

2.3. Das Papiamento______________________________________8

2.3.1. Soziohistorische Hintergründe________________________8

2.3.2. Die Sprachgenese des Papiamento_____________________10

2.3.3. Heutige Verwendung des Papiamento__________________14

3. Schlussteil_____________________________________________15

4. Literaturverzeichnis_____________________________________16

2


1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den drei spanischbasierten Kreolsprachen

Palanquero, Chabacano und Papiamento.

Auf Grund des begrenzten Umfangs werden das Chabacano und das Palanquero nicht so

ausführlich behandelt wie das Papiamento. Über diese wird es jeweils ein Kapitel zur

Entstehung geben, sowie ein Kapitel über die heutige Verwendung der Sprachen.

Das Kapitel über die Entstehung schließt sowohl eine Beschreibung der geschichtlichen

Hintergründe als auch eine Beschreibung der die Sprachwerdung bestimmenden

Faktoren mit ein.

Im darauf folgenden Teil wendet sich die Arbeit dem Papiamento zu. Dieser Teil ist

ausführlicher und deshalb in drei Kapitel gegliedert. Das Kapitel über die Entstehung

der Sprache ist hier aufgeteilt in eine Beschreibung der soziohistorischen Hintergründe

und eine Beschreibung über die Sprachgenese, in dem verschiedene Theorien zur

Entstehung des Papiamamento vorgestellt und überprüft werden. Daran schließt sich

ebenfalls ein Kapitel über die aktuelle Verwendung an.

Im Schlussteil wird der aktuelle Stand der drei Kreolsprachen verglichen sowie die

herausgearbeitete Theorie über die Entstehung des Papiamento zusammengefasst.

2. Die spanischbasierten Kreolsprachen

Zu den spanischbasierten Kreolsprachen zählen das Palanquero, welches in Kolumbien

gesprochen wird, das philipinische Chabacano und das Papiamento der ABCInseln.

2.1.1. Entstehung des Palanquero

Bereits im 16. Jahrhundert bildeten sich Palenques, die einen Kampf gegen die weiße

Autorität eröffneten, der die Sklaven tributpflichtig waren.

Anfang des 17. Jahrhunderts flohen einige Sklaven unter der Führung Domingo Biohos,

der von sich behauptete ein afrikanischer König gewesen zu sein und sich ,,El Rey

Benkos" nannte. (Bartens, 1995) Die fliehenden Sklaven gründeten die Siedlung La

3


Matuna südlich von Cartagena in Kolumbien, welche schnell wuchs, da sich ihr auch

fliehende Sklaven aus anderen Palenques anschlossen. Die Skalven kämpften über

hundert Jahre einen Guerillakrieg mit zahlreichen Überfällen um ihre Unhabhängigkeit,

bis die Spanier das Recht des Palenques erkannten, unabhängig zu sein und sich selbst

zu verwalten. (Holm, Volume 2, 1989) 1713 schloss der Bischof Casiani einen

Friedensvertrag mit den Bewohnern des Palenques unter der Bedingung, dass diese

keine weiteren Übefälle machten und keine Flüchtlinge mehr aufnahmen. So gewann

das Palenque, welches durch die Namensgebung Casianis fortan als El Palenque de San

Basilio bekannt war, seine Freiheit, geriet aber auch in Isolation. Diese Isolation war

jedoch nicht vollständig, da wahrscheinlich Beziehungen zur Außenwelt bestanden (z.B.

durch Handel).

Zu einem verstärkten Kontakt zur Außenwelt kam es erst, als die Menschen Anfang des

19. Jahrhunderts aufbrachen, um in der umliegenden Gegend Arbeit, zum Beispiel beim

Bau des PanamaKanals, zu finden.

In einem von 1772 überlieferten Dokument wird beschrieben, dass die Palanqueros eine

spezielle Sprache benutzten, um sich untereinander zu verständigen, dass sie jedoch

auch fließend Spanisch sprechen. So wird vermutet, dass die heutige Diglossie in El

Palenque de San Basilio aus dieser Zeit stammt.(Holm, Volume 2, 1989)

Die sich in der Isolation entwickelte Kreolsprache Palanquero ist möglicherweise ein

Überbleibsel eines weitläufigen spanischbasierten Kreols oder ein ProtoKreol im

großkaribischen Raum. (Bartens, 1995)

Es kann auf das westliche BantuSprachgebiet in Afrika zurückgefehrt werden, wo ein

Großteil der Sklaven herkam. So kann angenommen werden, dass mindestens eine

genetische Relation mit dem Sãotomense und dem Annobonense besteht, wenn es nicht

sogar daraus entstanden ist. (Bartens, 1995)

Ende des 16. bis Mitte des 17. Jahrhunderts, wurde der Sklavenhandel von den

Portugiesen dominiert und die dominanten Herkunftsregionen der Sklaven waren

Angola und Kongo. Dadurch kann die ,,Konitnuität des Einflusses des

4


afroportugiesischen Pidgins" auf das entsehende Palanquero erklärt werden (Bartens,

1995)

Beim Palanquero hat es sich schon früh um eine homogene Varietät und die

Relexifizierung zum Spanischen muss schon früh stattgefunden haben.

2.1.2. Heutige Verwendung des Palanquero

Das Palanquero ist eine der wenigen existierenden spanischbasierten Kreolsprachen.

Es wird von ca. 4000 Menschen gesprochen (Bartens, 1995), die isoliert in El Palenque

de San Basilio, einem Dorf südlich von Cartagena in Kolumbien leben (s.o.).

Erst Anfang des 19. Jahrhunderts hatte das Palenque vermehrten Kontakt zur Außenwelt

und bis 1967 konnte es nur zu Fuß oder mit dem Pferd erreicht werden. (Holm, Volume

2, 1989) Inzwischen beherrschen jedoch alle Palanqueros das ,,regionale

Substandardspanische" (Bartens, 1995) und die Schule unterrichtet in Spanisch.

Die jungen Leute sprechen untereinander und auch außerhalb der Gemeinschaft

üblicherweise Spanisch, aber viele verstehen Palanquero und einige benutzen es sogar

als eine Art Geheimsprache vor Fremden.(Holm, Volume 2, 1989)

Gerade unter den älteren Menschen, welche das Kreol auch noch untereinander

sprechen, wird es als Symbol für Identität verstanden.(Bartens, 1995)

Wie oben erwähnt besteht schon seit dem 18. Jahrhundert eine DiglossieSituation

(Palanquero/Spanisch), welche oft zu Codeswitching führt.

Die Sprecher fühlen sich in ihrer kulturellen Identität bedroht und es deutet vieles darauf

hin, dass das Palanquero bald ausstirbt. (Holm, Volume 2, 1989) Aus dieser Angst

heraus ist jedoch wieder ein Bewusstsein zur Sprachpflege aufgekommen. (Bartens,

1995)

2.2.1. Entstehung des Chabacano

Unter dem Sammelbegriff Chabacano werden alle auf den Philippinen gesprochenen

Varietäten zusammengefasst. Dazu gehören die Varietäten der ManilaBucht Ermiteño,

5


das Caviteño und das Ternateño, das Zamboagueño, das Davaueño und das Cotabato

Chabacano auf der Insel Mindanao. (Bartens, 1995, 185)

Das auf den Philippinen eine spanischbasierte Kreolsprache gesprochen wird, kann

natürlich nur dadurch geschehen sein, dass das Spanisch dorthin gebracht wurde.

1521 erhoben die Spanier Anspruch auf die in einer Expedition entdeckten Philippinen

und die MolukkenInseln (reich an Gewürzen), welche aber Portugal zugeteilt wurden.

So konnten die Spanier die Inseln nur westlich vom spanischsprachigen Amerika

erreichen, was zu Isolation und Vernachlässigung führte.

Als jedoch im 16. Jahrhundert großes Interesse an Gewürzhandel bestand, gewannen die

Spanier die Kontrolle über die Philippinen, nachdem zuvor die Portugiesen Kontrolle

über die meisten Gewürzquellen besessen hatten. Durch eine Intrige wurden sie jedoch

vom Sultan von Ternate von den Molukken vertrieben. Nach der Vereinigung von

Portugal und Spanien 1580 versuchten sie, Ternate zurückzugewinnen, welches von den

Niederlanden Unterstützung bekam. So hielten die Spanier Ternate von 1606 bis 1663,

aber die Niederländer zerstörten 1655 die GewürzPflanzen in einem Überfall.

Schließlich ging die spanische Garnison nach Manila um die Philippinen vor den

angreifenden chinesischen Piraten zu schützen.

In Ternate hatte sich bereits eine christliche Gemeinschaft herausgebildet, die durch

Mischehen aus portugiesischen und spanischen Soldaten und einheimischen Frauen1

entstanden war. (Holm, Volume 2, 1989) Diese Familien wurden nun zur Verteidigung

(siehe oben) nach Manila gebracht. Es ist zu vermuten, dass diese Gemeinschaft ein

portugiesischbasiertes Kreol2 sprach, welches in Folge dieser Mischehen mit einem

spanischen Element rekreolisiert wurde. (Bartens, 1995)

Die Menschen der kreolsprachigen Gemeinschaft, die später in Folge von

1 Bartens spricht an dieser Stelle von Mischehen aus mexikanischen Mestizen und Spaniern (Bartens,

1995, 185)

2 Holm spricht hier vom MalayoPortuguese (Holm, Volume 2, 1989, 318)

6


Auseinandersetzung mit der TagalogBevölkerung nach Tanza und Ternate3 umsiedelte

(Bartens, 1995), identifizierte sich mit den Spaniern unter ihnen. Dennoch kam es nie

dazu, dass sich Spanisch in der Bevölkerung durchsetzte (,,[...] the Philippines never saw

a shift to Spanish among the general population.", Holm, Volume 2, 1989, 319).

Das oben bereits erwähnte MalayoPortugiesisch und das philippinische Kreolspranisch

haben verwandte Substrate, denn die ursprünglichen Sprachen von Malaya, Indonesien

und den Philippinen gehören alle zu einer Sprachfamilie, und zwar zur Malayo

Poylnesischen. Diese ursprünglichen Sprachen haben viele ähnliche Eigenschaften, so

dass es schwierig wäre, die jeweilige Quelle für die Kreolsprachen genau zu bezeichnen.

Die folgende Generation der kreolsprachigen Gemeinschaft sprach Tagalog als

Zweitsprache, welches das Kreol beinflusste. Viele gingen zur spanischen Marine, die

aus spanischsprachigen Amerikanern und Mexikanern bestand. So wird vermutet, dass

dadurch ein ,,Militärpidgin" entstand.

1719 ließ sich eine gemischte spanische Garnision in Zamboanga nieder und

wahrscheinlich hat sich das Militärpidgin danach zu einem Kreol weiterentwickelt.

Die Einwohner dieser Siedlung (spanischsprachige Amerikaner oder Mestizen mit

philippinischen Frauen) sprachen Spanisch.

Das Zamboangueño wurde auch, im Gegensatz zu den anderen Kreolvarietäten von der

lokalen Sprache Bisayisch, von der 20% des Lexikons stammen, beeinflusst.

Zamboangueño hat sich bis zu den Inseln Basilan und Jolo und Cotabato und Davao

verbreitet. (Holm. Volume 2, 1989)

2.2.2. Heutige Verwendung des Chabacano

Die meisten Sprecher hat heute mit 155000 das Zamboangueño, gefolgt vom Caviteño

mit 28000 Sprechern und vom Cotabato Chabacano mit 7000 Sprechern. Das Ternateño

hat noch 3800 Sprecher. Über das Davaueño ist nur bekannt, dass es 1942 noch 3500

3 Bei Ternate handelt es sich nicht um den vorher genannten Ort Ternate auf den Molukken, sondern um

eine gleichnamige Neugründung auf den Philippinen.

7


Sprecher hatte. Die Varietät der ManilaBucht Ermiteño ist bereits ausgestorben.

(Bartens, 1995, 185)

Die meisten Einwohner von Zamboanga sprechen heute Zamboangueño, die Varietäten

Caviteño und Ternateño verlieren jedoch zunehmend an Sprechern. (Holm, Volume 2,

1989). Man kann also sagen, dass das Zamboangueño die vitalste Varietät der

philippinischen spanischbasierten Kreolsprache ist.

Über das Chabacano allgemein ist festzustellen, dass es instabil ist und sich schon in der

Vergangenheit ständig im Wandel befand. So wäre es nicht möglich, eine einheitliche

Grammatik aller Varietäten zu verfassen. Denn das Ermiteño scheint recht stark vom

Spanischen geprägt, während beim Caviteño und Zamboangueño das Tagalog und das

Englische mehr Einfluss hatte. (Bartens, 1995)

2.3. Das Papiamento

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wir das Papiamento ausführlicher behandelt.

Dieser Teil der Arbeit gliedert sich in eine Beschreibung der soziohistorischen

Hintergründe der Entwicklung, sowie ein Kapitel über die Sprachgenese des

Papiamento. Zum Schluss wird noch auf dessen aktuellen Status verwiesen.

2.3.1. Soziohistorische Hintergründe

Das Papiamento wird auf den karibischen ABCInseln gesprochen, die der

venezolanischen Küste in nur wenigen Kilometern Entfernung vorgelagert sind. Es

handelt sich um drei Inseln, Aruba, Bonaire und Curaçao. Curaçao und Bonaire gehören

zu den Niederländischen Antillen, während Aruba seit 1986 ein autonomer Staat des

Königreichs der Niederlanden ist.

Die größte der drei Inseln, Curaçao, wurde 1499 von dem Spanier Alonso de Ojeda

entdeckt, aber erst 1527 von ca. 30 Spaniern besiedelt. Auch Aruba und Bonaire wurde

erst dann besiedelt. Alle drei Inseln versprachen nicht viel Profit, so dass nur eine kleine

Garnison gegründet wurde. (Bartens, 1995) Die mehreren hundert Indianer auf Curaçao,

8


die eine arawakische Sprache sprachen, lernten Spanisch von den Siedlern und von

Missionaren vom Festland. (Holm, Volume 2, 1989)

Der Gebrauch der Sprache wurde unterbrochen, als 1634 die Niederländer Curaçao auf

Grund seines Reichtums an Rohstoffen und vor allem wegen seiner strategischen Lage

(Munteanu, 1991) eroberten und die Spanier sowie fast alle Indianer vertrieben.

Lediglich ca. 70 von ihnen durften bleiben und beispielsweise als Diener für die

Niederländer arbeiten. (Bartens,1995)

Während für die Spanier die ABCInseln ,,las islas inùtiles" waren, entwickelte sich

Curaçao für die Niederländer zu einem wichtigen Sklavenhandelsplatz (Munteanu,

1991), nachdem 1650 die ersten afrikanischen Sklaven auf die Insel gebracht wurden

und der Sklavenhandel im letzten Drittel des 17. Jahrhunderst seinen Höhepunkt

erreichte. 1713 kam der Sklavenhandel langsam zum Ende. Es ist zu vermuten, dass ein

Drittel der Sklaven aus der KongoAngolaRegion und die anderen zwei Drittel aus

Westafrika4 stammen. Die westafrikanischen wurden den Bantus als Haussklaven

vorgezogen, da diese mehr dem europäischen Schönheitsideal entsprachen. 1683 waren

drei Viertel der auf Curaçao lebenden Sklaven Haussklaven und ein Viertel Feldsklaven

auf Plantagen.

Eine dritte Bevölkerungsgruppe spielt eine große Rolle in der Geschichte der ABC

Inseln: die sephardischen Juden, welche ab 1659 aus Brasilien, Portugal und Amsterdam

nach Curaçao kamen. (Munteanu, 1991) Die Juden waren vor der Inquisition in

Portugal und Spanien geflohen und wurden zu Verbündeten der Niederländer, welche

1630 Brasilien eroberten und ihnen erlaubten, sich offen zu ihrem Glauben zu bekennen.

Als die Portugiesen Brasilien zurückeroberten, waren die Niederländer, ihre jüdischen

Verbündeten und deren Sklaven gezwungen, Brasilien zu verlassen. Viele von ihnen

kamen in Folge dessen in die niederländischen Kolonien auf Curaçao. Die iberischen

Sprachen5 der Sepharden spielten eine große Rolle im Sklavenhandel auf Curaçao.

4 Vor allem aus Elmina (heutiges Ghana) und La Goree im Senegal (Bartens, 1995, 246)

5 (Juden) Spanisch, (Juden) Portugiesisch, Galizisch oder anderen Varietäten (Holm, Vol.2, 1989, 313)

9


(Holm, Volume 2, 1989)

Die Sklaven, die die Juden mit sich brachten sprachen eine Art von portugiesischem

Pidgin (dazu später mehr). Da diese Sklaven eine Art Elite und allen Sklaven darstellten,

hatten sie eine große Möglichkeit, das entstehende Kreol zu beeinflussen.

Im 17. und 18. Jahrhundert bildeten die Juden eine ,,Unterschicht der Oberschicht", sie

stellten 50% der weißen Bevölkerung, hatten aber weniger Rechte als die Niederländer

und dabei natürlich weitaus mehr als die Sklaven. Sie hatten mehr Kontakt mit den

Sklaven als die Niederländer. (Bartens, 1995)

Nach einer Volkszählung von 1790 lebten 60% der 19500 Einwohner Curaçaos in der

Hauptstadt Willemstad, davon 47% Sklaven und 30% Weiße. Aber auf dem Land

dagegen lebten nur 7% Weiße und 91% Sklaven. Der Rest sind jeweils andere. Im Lauf

des 19. Jahrhunderst sank die Zahl der Weißen von 20% auf 10%, was durch Mischehen

bedingt sein kann. (Holm, Volume 2, 1989)

1795 fiel Curaçao, bedingt durch die europäischen Kriege, Frankreich zu. Fünf Jahre

später wurde die Insel britisches Protektorat, bis sie 1802 niederländisches Territorium

wurde. Im 19. Jahrhundert kamen auch viele kolumbianische und venezolanische

Familien nach Curaçao. Zwischen 1845 und 1846 wanderten erneut einige

portugiesische Sepharden ein. (Munteanu, 1991)

2.3.2. Die Sprachgenese des Papiamnto

Das Papiamento entstand auf Curaçao und verbreitete sich im Laufe des 18.

Jahrhunderts nach Aruba und Bonaire.

An der oben geschilderten Geschichte Curaçaos lässt sich nun erkennen, welche

Sprachen Einfluss auf die Sprachwerdung des Papiamento hatten. (Holm, Volume 2,

1989) Dazu gehört das Spanische, das Portugiesische, das Niederländische, die

einheimische Sprache der Inselindianer und die Sprachen der afrikanischen Sklaven

(wenn auch die letzteren zwei nur in sehr geringem Maß).

Welche Sprache wie nach Curaçao kam und in welchem Maß jede einzelne Sprache

10


Einfluss auf die Bildung des Papiamento hatte, soll im folgenden Verlauf geklärt

werden.

Zur Entstehung des Papiamento gibt es zahlreiche Theorien und Spekulationen. Zum

einen gibt es eine Diskussion um die Monogenese und die PolygeneseTheorie zur

Entstehung der Kreolsprachen im Allgemeinen.6 Die Theorie der Monogenese findet

auch bei der Entstehung des Papiamento eine Anwendung, worauf später noch

hingewiesen wird.

Folgende Theorien lassen sich über die Entstehung des Papiamento zusammenfassen:

a) Das Papiamento entstand aus einem afroportugiesischen Pidgin, welches sich

verbreitete, bevor es vom Spanischen relexifiziert wurde.

b) Das Papiamento entstand aus einem afroportugiesischen Pidgin, welches vom

Spanischen relexifiziert wurde, bevor es nach Curaçao kam.

c) Es enstand aus einem spanischen Pidgin, welches sich herausbildete, als die Spanier

Curaçao besetzten und die Inselindianer von ihnen Spanisch lernten.

d) Das Portugiesisch der Sepharden wurde direkt kreolisiert.

e) Das Papiamento entstand aus einem spanischen ProtoPidgin der niederländischen

Antillen. (Munteanu, 1991)

Im folgenden werden nun einige dieser Theorien genauer untersucht. Das Papiamamento

ist sowohl stark spanisch als auch portugiesisch geprägt und auf Grund der Ähnlichkeit

der beiden Sprachen es oft schwer ist zu sagen, aus welcher bestimmte Strukturen

stammen. Die Theorien orientieren sich folgich daran, ob das Papiamento spanischen

oder portugiesischen Ursprungs ist. (Kramer, 2004)

Auf Grund des überwiegenden Anteils des Spanischen im Wortschatz des

Papiamamento wurde allgemein angenommen, dass das Spanisch die Basis ist.

6 Laut der MonogeneseTheorie stammen alle (oder zumindest die meisten Pidgin und Kreolsprachen

von einem afroportugiesischen Pidging ab, welches im 15. Jahrhundert an der Küste Westafrikas entstand

und später durch die Superstratsprachen (z.B. Spanisch, Niederländisch, Englisch) relexifiziert wurde.

Die PolygeneseTheorie dagegen geht davon aus, dass sich alle Kreolsprachen an den jeweiligen Orten

entwickelten. (Kaye/Tosco, 2001)

11


Spanisch als Basis des Papiamamento betrachtend ist hier an Rona zu nennen, dessen

Überlegungen darin bestehen, dass das Papiamento entstanden ist, bevor die

Niederländer nach Curaçao kamen. So sollen afrikanische Sklaven die Sprache ihrer

spanischen Herren dem afrikanischen Sprachgeist angepasst haben. (Munteanu, 1991)

Dies lässt sich doch direkt damit wiederlegen, dass vor Ankunft der Niederländer keine

Existenz afrikanischer Sklaven auf Curaçao nachweisbar ist.

Auf den oben genannten Punkt c) bezogen wäre Fokker zu nennen, der davon ausging,

dass das Papiamento durch den Kontakt der spanischen Eroberer und der auf der Insel

lebenden Indianer entstand. (Munteanu, 1991) Auch dies lässt sich schnell dadurch

wiederlegen, dass es keine Bevölkerungskontinuität gab. Denn die Spanier und Indianer

wurden bis auf Wenige bald nach Eroberung durch die Niederländer auf das

venezolanische Festland gebracht, so dass deren Einfluss kaum auf die Entstehung des

Papiamamento beigetragen haben dürfte.

Nun stellen gerade die vielen portugiesischen Elemente im Papiamamento ein Problem

für die Herleitung aus dem Spanischen dar. Auch hierzu gab es viele

Erklärungsversuche. So wurde der Einflus der unter anderem portugiesisch sprechenden

sephardischen Juden genannt, der für die vielen portugiesischen Anteile verantwortlich

sein soll, oder es wurde auf das Galizische verwiesen

Ein weitere Möglichkeit wird von Granda vertreten, der annimmt, dass es eine spanische

pankaribische Kreolsprache mit portugiesischen und afrikanischen Bestandteilen gab,

die zum Teil entkreolisiert wurde. Dabei wäre jedoch unklar, warum nach dem Fehlen

einer spanischsprachigen Prestigegruppe nach der Eroberung der Niederländer, eine

dem Spanisch zuzuweisende Kreolsprache übernommen wurde.

Nun kann schon einmal festgehalten werden, dass das Kolonialspanisch der Spanier, die

vor den Niederländern auf Curaçao waren keinen, oder zumindest keinen großen

Einfluss auf das Papiamamento gehabt haben kann. Deshalb liegt die Vermutung nahe,

dass das Papiamamento auf portugiesischer Basis entstanden ist. was sich jedoch am

Ende auch nicht als Lösung herausstellen lässt.

12


Portugiesisch als Basis betrachtend gibt es unter anderen folgende Theorie: Eine

afroportugiesische Pidginsprache aus Westafrika wurde nach Curaçao gebracht, welche

im Zuge der Bekehrungsarbeit spanischer Missionare und durch Verstärkung des

spanischen Einflusse seit Beginn des 19. Jahrhunderts durch Kontakte nach Venezuela

und Kolumbien hispanisiert wurde. In dieser Theorie bleiben viele Dinge unschlüssig,

vor allem, warum sich die Missionierten der Spracher der Missionare angepasst haben

sollen und nicht umgekehrt.

Nimmt man an, dass das Papiamento aus dem Portugiesischen der Sepharden entstanden

ist, lässt sich jedoch folgendes entgegenstellen: Es müsste ja auffällige Ähnlichkeiten

zwischen dem Papiamamento und dem in Nordbrasilien gesprochenen Judenspanisch

geben, welche aber nicht vorhanden sind.

In den Rahmen der MonogeneseTheorie gehört die Auffassung, dass mindestens der

Beginn der Sprachentstehung nicht auf Curaçao stattgefunden hat, sondern in Afrika

oder auf der Überfahrt, geht man von einer afroportugiesischen Grundlage aus.

Fraglich ist in dem Fall, wie die afrikanischen Sklaven diese Sprache erlernt haben. Die

Sklaven wurden an der afrikanischen Küste meist Wochen oder Monate festgehalten, bis

sie transportiert wurden. Der Transport fand mit niederländischen Schiffen statt, deren

Besatzung jedoch nicht über einheitliche Sprachkenntnisse verfügte. Bei Ankunft in der

Neuen Welt wurden die Sklaven erneut für längere Zeit in einem Lager gefangen

gehalten. In den für einen Spracherwerb recht kurzen Zeiten in dem Lager an der

afrikanischen Küste, sowie auf Deck des Schiffes konnte höchstens der Erwerb

elementarer Sprachfähigkeiten, jedoch keine wirkliche Aneignung der Handelssprache

stattgefunden haben. Also hat die Sprachentstehung nicht wie oben zuerst vermutet auf

der Überfahrt oder in Afrika die entscheidende Phase gehabt, sondern ist in den Jahren

der dauerhaften Anwesenheit auf der Insel entstanden. Und zwar in kleinräumigem

Zusammensein von Herren und Sklaven.

Zur damaligen Zeit war das Portugiesisch Weltsprache und Kramer postuliert, dass die

Portugiesen Gefangenen die oben genannte Handelssprache (sprachliche

13


Grundkenntnisse) beibrachten, um sie als Dolmetscher einzusetzen. Es ist davon

auszugehen, dass die niederländische Ostund Westindische Kompanie, welche die

Sklaven in die Neue Welt transportierten, dieser Sprache mächtig waren.

Die Trennungslinie zwischen Spanisch und Portugiesisch wurde im Alltag nicht so stark

gezogen (das zeigt Kramer ausführlich an mehreren Beispielen) und es herrschten

Spanischkenntnisse bei der niederländischen Kompanie vor, so dass die Handelssprache

stark hispanisiert war und auf Grund der niederländischen Herkunft der Kompanien

natürlich auch niederländische Elemente enthielt.

Die Niederländer vermittelten ihren Sklaven also diese Handelssprache und sie diente

auch als Verständigung aller verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf Curaçao. Später

gab es Entlehnungen aus den in der Region vorhandenen Prestigesprachen. (Kramer,

2004)

2.3.3. Heutige Verwendung des Papiamento

Die ABCInseln haben insgesamt 208000 Einwohner. Davon spricht etwa ein Sechstel

andere Sprachen als das Papiamento als Muttersprachen, vor allem Niederländisch,

Englisch oder Spanisch.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Ansehen der jeweiligen Sprache und

ethnischer Zugehörigkeit und Religion. So bevorzugen weiße Protestanten

Niederländisch, die Juden Spanisch und die schwarze und gemischte Bevölkerung, die

größtenteils der katholischen Kirche angehört, Papiamento. (Holm, Volume 2, 1989)

Laut Bartens wird das Papiamento von 82,8% der Bevölkerung auf Curaçao, von 91,4%

auf Bonaire und von 70,7% auf Aruba als Sprache des häusslichen Gebrauchs

verwendet. (Bartens, 1995)

Insgesamt ist das Papiamento eine Sprache, die für eine Kreolsprache relativ hohes

Ansehen genießt und von allen Bevölkerungsschichten gesprochen wird (Holm, Volume

2, 1989) Die ABCInseln haben durch die ansässige Ölindustrie und ein hohes

Bildungsniveau der Bevölkerung einen für die Region einmaligen Lebensstandard, was

14


mitunter zur guten sprachlichen Situation des Papiamento beiträgt.

Da das Spanisch heute die Prestigesprache auf den Inseln ist, hat es mehr Einfluss als

das Niederländische, welches jedoch weiterhin die einzige offizielle Sprache ist.

Das Papiamento findet weite Verbreitung: Es ist in den Inselparlamenten zugelassen, es

wird von Tageszeitungen verwendet und soll als Unterrichtssprache in den ersten sechs

Schuljahren eingeführt werden7.

Die ersten literarischen Werke auf Papiamento entstanden bereits um 1900, ersst 1940

jedoch wurde Papiamento verstärkt zur Literatursprache. (Bartens, 1995)

3. Schlussteil

Es wurde gezeigt, wie das Papiamento, das Chabacano und das Palanquero entstanden

sind und wie sie heute noch existieren. Dabei hat sich herausgestellt, dass das

Palanquero die am meisten gefährdete der drei Sprachen ist und das Papiamento ein

ungewöhnlich hohes Prestige für eine Kreolsprache besitzt. Das Chabacano und das

Papiamento haben heute noch deutlich mehr Sprecher als das Palanquero. Die älteren

Sprecher des Palanquero fühlen sich in ihrer Identität bedroht.

Bei genauerer Betrachtung der Entstehung des Papiamento stellt sich heraus, dass es

nicht möglich ist, eindeutig von einer Kreolsprache spanischen Ursprungs oder

portugiesischen Ursprungs zu sprechen. Deshalb soll an dieser Stelle korrigiert werden:

Beim Papiamanto handelt es sich um eine iberomanischbasierte Kreolsprache. Um mit

Kramers Worten zu sprechen, ist das Papiamamento ,,aus spanischportugiesischer

Konvergenz in niederländischem Mund entstanden". (Kramer, 2004)

7 Diese Aussage ist von Bartens (1995) übernommen. Ob das Papiamento heute tatsächlich als

Unterrichtssprache eingeführt wurde oder noch werden soll, ist auf Grund mangelnder Aktualität der

vorliegenden Literatur nicht festzustellen.

15


4. Literaturverzeichnis

BACHMANN, Iris (2005): Die Sprachwerdung des Kreolischen. Eine

diskursanalytische Untersuchung am Beispiel des Papiamentu, in: Frankfurter Beiträge

zur Lateinamerikanistik, Tübingen.

BORETZKY, Wolfgang (1983): Kreolsprachen, Substrate und Sprachwandel,

Wiesbaden

BARTENS, Angela (1995): Die iberomanischbasierten Kreolsprachen. Ansätze einer

linguistischen Beschreibung, in: HispanoAmericana, Band 8, Frankfurt am Main.

HOLM, John (1988): Pidgin and Creoles. Volume1. Theorie and Structure, Cambridge

HOLM, John (1989): Pidgin and Creoles. Volume 2, Cambridge

KRAMER, Johannes (2004): Die iberomanische Kreolsprache Papiamento,Hamburg.

KAYE, Alan S./TOSCO, Mauro (2001): Pidgin and Creole Languages

MUNTEANU, Dan (1991): El Papiamento, Origen, Evoluciòn y Estructura, in:

BORETZKY, Norbert/ENNINGER, Werner/JESSING, Benedikt/STOLZ, Thomas

(Hrsg.): BochumEssener Beiträge zur Sprachwandelforschung, Bochum.

16



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/121675/die-spanischsprachigen-kreolsprachen
please wait Please wait