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Soziale Sicherung in Subsahara-Afrika

Diploma Thesis, 2004, 75 Pages
Author: Dipl.-Ing. agr. Claudia Maas
Subject: Agrarian Studies

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2004
Pages: 75
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 90  Entries
Language: German
Archive No.: V121802
ISBN (E-book): 978-3-640-25868-0
ISBN (Book): 978-3-640-26004-1

Abstract

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Situation sozialer Sicherung in Subsahara-Afrika darzustellen; Subsahara-Afrika - eine Region, die als "Wiege der Menschheit" gilt, die in vielerlei Hinsicht als vielfältig zu bezeichnen ist und in der gleichzeitig der Großteil der Menschen in Armut lebt. Nachstehende Fragen sollen im Rahmen der Zielsetzung Beantwortung finden: ·Was sind die Stärken und Schwächen der bestehenden sozialen Sicherungssysteme? ·Welche Größen bestimmen das Niveau sozialer Sicherung/-heit? ·Welche Entwicklungen und Umstände gefährden die soziale Sicherung? ·Welche Möglichkeiten gibt es, soziale Sicherung zu fördern? Hieraus ergibt sich der Aufbau der Arbeit: In Kapitel 2 erfolgt zunächst die Darlegung theoretischer Grundlagen. Begriffsdefinitionen werden gegeben, um im Anschluss daran zu erklären, wie ein gesellschaftlicher und individueller Bedarf an formaler Sicherung zustande kommt, bevor das staatliche System sozialer Sicherung in Europa vorgestellt wird. Vor diesem Hintergrund wird in Kapitel 3 der Komplex sozialer Sicherungssysteme im Afrika südlich der Sahara nähergebracht, indem eingangs die verschiedenen Systeme analytisch beschrieben werden. Dem folgt eine Zusammenstellung ausgewählter Größen, die das Niveau sozialer Sicherung/-heit bestimmen. Im Weiteren soll skizziert werden, inwieweit (aktuelle) Entwicklungen sowie das Rollenverständnis der Frau in Afrika speziell die traditionelle Sicherung beeinflussen. Zum Abschluss des Kapitels werden Aktivitäten der Zivilgesellschaft offeriert, die zeigen, wie dem Sicherheitsdefizit zu begegnen ist bzw. begegnet wird. In einem gesonderten Kapitel (Kapitel 4) soll veranschaulicht werden, welche Bedeutung die deutsche Entwicklungszusammenarbeit dem Thema "Soziale Sicherung" beimisst. Kapitel 5 schließt mit der Zusammenfassung.


Excerpt (computer-generated)

Soziale Sicherung in Subsahara-Afrika

D i p l o m a r b e i t

für die

D i p l o m p r ü f u n g

zur

Erlangung des Grades: Diplom-Agraringenieurin (Dipl.-Ing. agr.)

der

Landwirtschaftlichen Fakultät

der

Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität

zu

Bonn

Vorgelegt am: 9. Februar 2004

von

cand. agr.: Claudia Maas


VORWORT

Bei der Annäherung an die Thematik der vorliegenden Arbeit wurden rasch einige "Proble-

me" offenbar:

Zum einen ist das Thema "Soziale Sicherung" im Allgemeinen, insbesondere aber im Zu-

sammenhang mit Entwicklungsländern sehr komplex. So erstreckte sich die Herausforderung,

auf der einen Seite der Komplexität der Thematik gerecht zu werden und auf der anderen Sei-

te eine differenzierte Darstellung der Situation vor Ort zu leisten, nahezu über die gesamte

Arbeit. Durch Vorgehensweise und Wahl der Literatur hat der Verfasser versucht, dem annä-

hernd gerecht zu werden.

Des Weiteren ist der Verfasser mit der problematischen Verwendung bestimmter Begriffe

konfrontiert worden; zu nennen sind die Begriffe "Entwicklungsländer", "Dritte Welt" sowie

"traditionelle" versus "moderne" Sicherungssysteme. Wenn die Vokabeln trotz ihres latent

diskriminierenden Bedeutungsinhaltes verwendet werden, so ist dies nicht als mangelnde

Sensibilität zu interpretieren; eine Suche nach wertfreieren Begriffen erschien im Rahmen

dieser Arbeit nicht erstrebenswert.

Schließlich sei noch auf eine andere Problematik hingewiesen: In der vorliegenden Arbeit ist,

entsprechend dem Titel, der Fokus auf die Region Subsahara-Afrika gerichtet. Wo möglich,

wurden konsequent ausgewählte Länder betrachtet; an einigen Stellen mussten die Ausfüh-

rungen jedoch allgemeiner ausfallen, d. h. es wurden Aussagen zum gesamten Kontinent ge-

troffen, da nicht immer die entsprechenden Informationen zu beziehen waren, vor allem vor

dem Hintergrund des begrenzten Zeitrahmens der Ausarbeitung.


IV

INHALTSVERZEICHNIS

ÜBERSICHTS-, TABELLEN- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS V

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI

1 Einleitung 1

2 Theoretische Grundlagen 3

2.1 Definitionen 3

2.2 Notwendigkeit staatlicher sozialer Sicherung 4

2.3 Das staatliche System sozialer Sicherung in Europa 6

2.3.1 Gestaltungsgrundsätze 8

2.3.2 Modelltypen sozialer Sicherung 10

3 Soziale Sicherungssysteme in Afrika 11

3.1 Existierende Systeme 11

3.1.1 Staatliche Sicherungssysteme 12

3.1.2 Selbstorganisierte Sicherungssysteme 18

3.2 Einflussfaktoren auf das Niveau sozialer Sicherung 23

3.3 Die Gefährdung traditioneller Sicherung 27

3.3.1 Ursachen 27

3.3.1.1 Urbanisierung 28

3.3.1.2 AIDS 32

3.3.2 Der Status der Frau in Afrika 36

3.4 Selbsthilfeaktivitäten der Zivilgesellschaft 38

3.4.1 Fallbeispiele 39

3.4.1.1 Frauenorganisationen in Tansania 39

3.4.1.2 Gemeindebasierte Krankenversicherungen im Senegal 42

3.4.2 Exkurs: Zur Bedeutung von NROs - eine kritische Betrachtung 44

4 Der Beitrag der deutschen EZ zur Sozialen Sicherung 46

4.1 Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit 47

4.2 Soziale Sicherung in der bilateralen staatlichen EZ 48

4.2.1 Programmatik 48

4.2.2 Kooperationsländer 51

4.2.3 Finanzielle Leistungen 52

5 Zusammenfassung 55

ANHANG VII

LITERATURVERZEICHNIS XII


V

ÜBERSICHTS-, TABELLEN- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Übers. 1:

Formen der Risikovorsorge 7

Übers. 2:

Systematik sozialer Sicherungssysteme in Afrika 12

Übers. 3:

Die afrikanischen Staaten südlich der Sahara VII

Tab. 1:

Zweige formaler Sicherung in Subsahara-Afrika 15

Tab. 2:

Entwicklungsindikatoren für ausgewählte Länder 25

Tab. 3:

Entwicklung der städtischen Bevölkerung in Subsahara-Afrika (1975, 2001, 2015) 31

Tab. 4:

Verbreitung von HIV/AIDS in Subsahara-Afrika (Stand: Ende 2001) 34

Tab. 5:

"Aktuelle" Leistungen bilateraler staatlicher EZ im Bereich soziale Sicherung 53

Abb. 1:

Der HIV-/AIDS-Kreislauf in Afrika 35

Abb. 2:

Das lineare Modell der Altersabsicherungslücke in Afrika 38

Abb. 3:

Karte Tansanias VIII

Abb. 4:

Karte Senegals VIII


VI

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

AGEG: Arbeitsgemeinschaft Entwicklungspolitischer Gutachter

AKUF: Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung

AIDS: Acquired Immune Defiency Syndrome

BIP: Bruttoinlandsprodukt

BMZ: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit

DED: Deutscher Entwicklungsdienst

DIE: Deutsches Institut für Entwicklungspolitik

DSE: Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung

FAO: Food and Agricultural Organization

FES: Friedrich-Ebert-Stiftung

FZ: Finanzielle Zusammenarbeit

HDI: Human Development Index

HIPC: Heavily Indebted Poor Countries

HIV: Human Immunodefiency Virus

ILO: International Labour Office/Organization

InWEnt: Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH

IVSS: Internationale Vereinigung für soziale Sicherheit

IWF: Internationaler Währungsfonds

KIWAKKUKI: Kilimanjaro Women´s Group against Aids (aus dem Original übersetzt)

MOE: Mittel- und Osteuropa

NRO: Nichtregierungsorganisation

OECD: Organization for Economic Co-operation and Development

SAP: Strukturanpassungsprogramm

SSA: Social Security Administration

SSHRD: Social Services and Human Resources Development Department

TI: Transparency International

TZ: Technische Zusammenarbeit

UN: United Nations

UNAIDS: The Joint United Nations Programme on HIV/AIDS

USAID: The United States Agency for International Development

WLAC: Women´s Legal Aid Centre

ZEF: Zentrum für Entwicklungsforschung


1

1 Einleitung

Soziale

Sicherung - verstanden als die zur Realisierung des Ziels sozialer Sicherheit einzuset-

zenden Instrumente1 - hat universalen Charakter, denn sie betrifft sowohl die Industriestaaten

als auch die östlichen Transformations- und die Entwicklungsländer. Die Ausgangslage dieser

Länder ist jedoch sehr unterschiedlich:

In vielen Industrienationen wird über die Notwendigkeit der "Reform des Sozialstaates" dis-

kutiert und häufig wird im Zuge dessen der Abbau sozialer Leistungen beschlossen; so z. B.

aktuell in Deutschland durch die mit Beginn des Jahres in Kraft getretene Gesundheitsreform.

In Transformationsländern hingegen steht die Um- bzw. Neugestaltung sozialer Sicherungs-

systeme im Vordergrund und in den Ländern der Dritten Welt2 geht es primär um deren Aus-

bzw. Aufbau. In den Entwicklungsländern stellt sich nämlich eine besonders prekäre Lage

dar: Nach Angaben der Weltbank haben nur 38 Prozent der Erwerbstätigen in Lateinamerika,

23 Prozent in Asien und sechs Prozent in Subsahara-Afrika Zugang zu staatlich organisierten

Sicherungssystemen3, die im Vergleich zum voll ausgebauten europäischen Sicherungssystem

weitestgehend nur rudimentär entwickelt sind und somit nur unzureichend Sicherheit bieten.

Soziale Sicherung allein auf staatlich organisierte Systeme zu reduzieren, würde der Situation

in den Entwicklungsländern jedoch nicht gerecht werden. So erfolgt soziale Absicherung hier

überwiegend innerhalb von Familie, Verwandtschaft und Nachbarschaft.

Ziel

der vorliegenden Arbeit ist es, die Situation sozialer Sicherung in Subsahara-Afrika dar-

zustellen; Subsahara-Afrika - eine Region, die als "Wiege der Menschheit" gilt, die in vieler-

lei Hinsicht als vielfältig zu bezeichnen ist und in der gleichzeitig der Großteil der Menschen

in Armut lebt.

Nachstehende Fragen sollen im Rahmen der Zielsetzung Beantwortung finden:

·

Was sind die Stärken und Schwächen der bestehenden sozialen Sicherungssysteme?

·

Welche Größen bestimmen das Niveau sozialer Sicherung/-heit?

·

Welche Entwicklungen und Umstände gefährden die soziale Sicherung?

·

Welche Möglichkeiten gibt es, soziale Sicherung zu fördern?

1 Partsch 1983, S. 13.

2 Die Begriffe "Entwicklungsländer" und "Dritte Welt" werden hier synonym verwendet.

3 World Bank 1997, S. 57.


2

Hieraus ergibt sich der Aufbau der Arbeit:

In

Kapitel 2

erfolgt zunächst die Darlegung theoretischer Grundlagen. Begriffsdefinitionen

werden gegeben, um im Anschluss daran zu erklären, wie ein gesellschaftlicher und individu-

eller Bedarf an formaler Sicherung zustande kommt, bevor das staatliche System sozialer Si-

cherung in Europa vorgestellt wird. Vor diesem Hintergrund wird in

Kapitel 3

der Komplex

sozialer Sicherungssysteme im Afrika südlich der Sahara nähergebracht, indem eingangs die

verschiedenen Systeme analytisch beschrieben werden. Dem folgt eine Zusammenstellung

ausgewählter Größen, die das Niveau sozialer Sicherung/-heit bestimmen. Im Weiteren soll

skizziert werden, inwieweit (aktuelle) Entwicklungen sowie das Rollenverständnis der Frau in

Afrika speziell die traditionelle Sicherung beeinflussen. Zum Abschluss des Kapitels werden

Aktivitäten der Zivilgesellschaft offeriert, die zeigen, wie dem Sicherheitsdefizit zu begegnen

ist bzw. begegnet wird. In einem gesonderten Kapitel

(Kapitel 4)

soll veranschaulicht werden,

welche Bedeutung die deutsche Entwicklungszusammenarbeit dem Thema "Soziale Siche-

rung" beimisst.

Kapitel 5

schließt mit der Zusammenfassung.


3

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Definitionen

Gemäß PARTSCH ist der Begriff "Soziale Sicherung" auf die ältere Wortverbindung "Soziale

Sicherheit" zurückzuführen, die der Übersetzung des sich in den 30er Jahren des 20. Jahrhun-

derts in den Vereinigten Staaten durchsetzenden Begriffs "social security" entstammt. Wäh-

rend "Soziale Sicherheit" ein angestrebtes Ziel bzw. einen Zustand benennt, umschreibt der

Begriff "Soziale Sicherung" - wie einleitend erwähnt - die zur Realisierung dieses Ziels einzu-

setzenden Instrumente.4

Hinsichtlich einer engeren Definition des Begriffs "Soziale Sicherung" ist zum einen festzu-

stellen, dass ein integrales Problem der Begriffsbestimmung die Berücksichtigung der jeweils

sehr unterschiedlichen kulturellen, politischen, ökonomischen und entwicklungsgeschichtli-

chen Rahmenbedingungen in verschiedenen Gesellschaften zu sein scheint.5 Zum anderen

begegnet einem bei der Sichtung der einschlägigen Literatur wiederholt die Definition der

"International Labour Organization" (ILO) aus dem Jahre 1952, welche die Mindestnormen

sozialer Sicherheit bestimmt:6

"...the protection which society provides for its members, through a series of public

measures, against the economic and social distress that otherwise would be caused by

the stoppage or substantial reduction of earnings resulting from sickness, maternity,

employment injury, unemployment, invalidity, old age and death; the provision of medi-

cal care; and the provision of subsidies for families with children."

Neben anderen hat LELIVELD darauf hingewiesen, dass diese Begriffsbestimmung primär

auf marktwirtschaftliche Industrieländer (und deren formale Sicherungssysteme) ausgerichtet

ist, in denen der Großteil der Bevölkerung in einem festem Arbeitsverhältnis steht und über

ein geregeltes Einkommen verfügt. Für die spezielle Situation der Entwicklungsländer er-

scheint diese Definition demnach unzureichend. Er plädiert deshalb für folgende Definition:7

4 Partsch 1983, S. 13 und Zöllner 1997, S. 21.

5 Lingenberg 1997, S. 12.

6 ILO 1984, S. 2 f.

7 Leliveld 1991, S. 210.



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