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Judenpogrome und die Rolle der Bischöfe im Kontext des ersten Kreuzzuges

Hauptseminararbeit, 2008, 28 Seiten
Autor: Stefan Langenbach
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Details

Veranstaltung: Judenpogrome im Mittelalter
Institution/Hochschule: Universität zu Köln
Tags: Jude, Juden, Kreuzzug, Pogrom, Pogrome, Bischof, Bischöfe, Mittelalter
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 28
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 24  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V121833
ISBN (E-Book): 978-3-640-26563-3
ISBN (Buch): 978-3-640-26572-5

Zusammenfassung / Abstract

Diese Arbeit soll sich mit Judenverfolgungen respektive Judenpogromen im Kontext des ersten Kreuzzugs befassen und schildern, wo und unter welchen Umständen solche stattfanden. Hierfür wird zunächst erläutert, wie es überhaupt zu dem Phänomen der Kreuzzüge und Volkskreuzzüge kam und was genau solche ausmachte. Gründe für die Bevölkerung an diesen teilzunehmen, sollen ebenso angeführt werden wie solche, es nicht zu wagen. Die Verfolgungen und Tötungen von Juden, über die diese Arbeit in erster Linie berichten soll, werden hauptsächlich auf das Rheinland bezogen dargestellt. Zudem soll die Frage beantwortet werden, wie die Bischöfe in den dortigen großen Städten mit solcherlei Verfolgungen umgingen – akzeptierten sie diese und unterstützten sie sogar, oder versuchten sie, Ermordungen aller ihrer Bürger zu verhindern? Wie der König mit dieser Frage umging, soll ebenfalls geklärt werden. Um hierauf näher einzugehen, werden Vergleiche aus dem Verhalten mehrerer Bischöfe gezogen. So sollen die Geschehnisse, die im Jahr 1096 in Köln, Worms, Mainz, Trier und Speyer stattfanden, genauer analysiert werden. Hierfür werden sowohl christliche als auch hebräische Quellen herangezogen, um eine möglichst objektive, kulturspezifisch unverfälschte Sichtweise zu bieten. Welche Quellen jeweils für die Bearbeitung des Themas gewählt wurden, wird in einem zusätzlichen Kapitel nach der Schilderung der Entstehung des Kreuzzugsgedankens beschrieben, da dies ausschlaggebend für die Ergebnisse dieser Arbeit ist. Auch Quellen aus dem syrischen und armenischen Raum werden in die Bearbeitung mit einbezogen werden, ebenso wie arabische Darstellungen über die Taten der Kreuzfahrer im Kontext der Eroberung Jerusalems im Jahr 1099. Nach der Betrachtung der Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem ersten Kreuzzug erfolgt demnach ein knapper Ausblick auf die nachfolgende Zeit, um den weiteren Verlauf der zuvor beschriebenen Verfolgungen zu skizzieren. Neben den Quellen werden zudem Bearbeitungen dieser, wie etwa von Buchner, Neubauer und Stern, sowie Aufsätze diverser Autoren herangezogen, so solche von Hiestand, Regul, Barkenings, Mentgen, Flesch und Kauffeldt. Zusätzliche fließen Schilderungen von Alfred Haverkamp, Thorau, Czermak, Zöllner, Somerville, Lüders, van Ess und mehrere Werke von Chazan und Cohen in die Bearbeitung des gewählten Themas ebenso ein, wie Doktorarbeiten von Eva Haverkamp und Schiffmann, sowie auch Auszüge aus der Encyclopaedia Judaica, der Germania Judaica und der Gesta Treverorum.


Textauszug (computergeneriert)

Universität zu Köln

Seminar: Judenpogrome im Mittelalter

Wintersemester 2007/2008

Hausarbeit

Judenverfolgungen und die Rolle der Bischöfe im

Kontext des ersten Kreuzzuges

Abgabedatum: 31. 07.2008


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

1. Das Konzil von Clermont und der Beginn der Kreuzzüge 4

2. Quellenlage 6

3. Judenverfolgungen im Kontext des ersten Kreuzzuges 8

3.1 Das Verhalten Heinrichs IV 9

3.2 Trier 10

3.3 Speyer 12

3.4 Worms 13

3.5 Mainz 14

3.6 Köln 17

3.7 Weitere Städte 19

4. Übereinstimmende Handlungsabläufe in den verschiedenen von Judenverfolgungen

heimgesuchten Städten 20

5. Gründe für das Handeln der Pilger 21

6. Ausblick und Fazit 22

Literaturverzeichnis 26

2


Einleitung

Diese Arbeit soll sich mit Judenverfolgungen respektive Judenpogromen im Kontext

des ersten Kreuzzugs befassen und schildern, wo und unter welchen Umständen solche

stattfanden. Hierfür wird zunächst erläutert, wie es überhaupt zu dem Phänomen der

Kreuzzüge und Volkskreuzzüge kam und was genau solche ausmachte. Gründe für die

Bevölkerung an diesen teilzunehmen, sollen ebenso angeführt werden wie solche, es nicht zu

wagen. Die Verfolgungen und Tötungen von Juden, über die diese Arbeit in erster Linie

berichten soll, werden hauptsächlich auf das Rheinland bezogen dargestellt. Zudem soll die

Frage beantwortet werden, wie die Bischöfe in den dortigen großen Städten mit solcherlei

Verfolgungen umgingen ­ akzeptierten sie diese und unterstützten sie sogar, oder versuchten

sie, Ermordungen aller ihrer Bürger zu verhindern? Wie der König mit dieser Frage umging,

soll ebenfalls geklärt werden.1

Um hierauf näher einzugehen, werden Vergleiche aus dem Verhalten mehrerer

Bischöfe gezogen. So sollen die Geschehnisse, die im Jahr 1096 in Köln, Worms, Mainz,

Trier und Speyer stattfanden, genauer analysiert werden. Hierfür werden sowohl christliche

als auch hebräische Quellen herangezogen, um eine möglichst objektive, kulturspezifisch

unverfälschte Sichtweise zu bieten. Welche Quellen jeweils für die Bearbeitung des Themas

gewählt wurden, wird in einem zusätzlichen Kapitel nach der Schilderung der Entstehung des

Kreuzzugsgedankens beschrieben, da dies ausschlaggebend für die Ergebnisse dieser Arbeit

ist. Auch Quellen aus dem syrischen und armenischen Raum werden in die Bearbeitung mit

einbezogen werden, ebenso wie arabische Darstellungen über die Taten der Kreuzfahrer im

Kontext der Eroberung Jerusalems im Jahr 1099. Nach der Betrachtung der Vorkommnisse im

Zusammenhang mit dem ersten Kreuzzug erfolgt demnach ein knapper Ausblick auf die

nachfolgende Zeit, um den weiteren Verlauf der zuvor beschriebenen Verfolgungen zu

skizzieren.

Neben den Quellen werden zudem Bearbeitungen dieser, wie etwa von Buchner,

Neubauer und Stern, sowie Aufsätze diverser Autoren herangezogen, so solche von Hiestand,

Regul, Barkenings, Mentgen, Flesch und Kauffeldt. Zusätzliche fließen Schilderungen von

Alfred Haverkamp, Thorau, Czermak, Zöllner, Somerville, Lüders, van Ess und mehrere

1 Rudolf Hiestand. Der erste Kreuzzug in der Welt des ausgehenden 11. Jahrhunderts. In: Der erste Kreuzzug

1096 und seine Folgen. Die Verfolgung der Juden im Rheinland. Düsseldorf 1996, S. 1f.

3


Werke von Chazan und Cohen in die Bearbeitung des gewählten Themas ebenso ein, wie

Doktorarbeiten von Eva Haverkamp und Schiffmann, sowie auch Auszüge aus der

Encyclopaedia Judaica

, der

Germania Judaica

und der

Gesta Treverorum

.

1. Das Konzil von Clermont und der Beginn der Kreuzzüge

Am 27.11.1095 hielt Papst Urban II. im Rahmen des Konzils von Clermont in der

Auvergne eine Rede, in welcher er zur Hilfe für die sogenannten christlichen Brüder im Osten

aufrief und zudem die Befreiung der dortigen Kirche anmahnte. Als er mit den Worten

,,bewaffnet euch mit dem Eifer Gottes, liebe Brüder, gürtet eure Schwerter. Besser ist es im

Kampf zu sterben, als unser Volk und die Heiligen leiden zu lassen. [...] ziehet aus, und der

Herr wird mit euch seien!"2 das Konzil schloss, begann eine Epoche, die fast 200 Jahren

andauerte und in welcher Hunderttausende aus allen Teilen Europas den Weg in den östlichen

Mittelmeerraum beschritten. Die Worte, mit denen der Papst den Aufruf tätigte, werden in

diversen Quellen häufig anderslautend dargestellt, jedoch ist allen diesen Quellen gemein,

dass in der Rede des Papstes die Beschuldigung erhoben wurde, dass Christen von Moslems

wie Vieh geschlachtet worden seien. Die Pilger, die den hierdurch angesprochenen Christen

in Form einer bewaffneten Wallfahrt3 zu Hilfe eilen sollten, nannten sich ,,cruce signatii" (mit

dem Kreuz gezeichnete) und folgten dem Ruf ,,deus lo vult" ­ Gott will es.4

Heutzutage wird für die soeben beschriebene Pilgerschaft das Wort Kreuzzug

verwendet, was im 11. und 12. Jhdt. jedoch noch nicht der Fall war. Erst im 13 Jhdt. begegnet

man in französischen Quellen dem Wort ,,croiserie", was in etwa dem heutigen Begriff des

Kreuzzuges entspricht, zuvor war jedoch lediglich von einem

iter

(Weg, Reise), einer

expeditio

oder auch von einer

peregrinatio

(Wallfahrt) die Rede. Die Juden hingegen

bezeichneten die Kreuzfahrer als

to′im

("[verirrte] Wanderer").5 Da schon zur damaligen Zeit

eine Diskrepanz bezüglich einer genauen Bezeichnung der Pilgerfahrten vorherrschte, ist es

nicht verwunderlich, dass bis heute über eine genaue Begriffsabgrenzung diskutiert wird.

2Jürgen Regul. Vorwort. In: Der erste Kreuzzug 1096 und seine Folgen. Die Verfolgung der Juden im Rheinland.

Düsseldorf 1996, S. III.

3 Alfred Haverkamp. Aufbruch und Gestaltung. Deutschland 1056-1273. Die neue deutsche Geschichte. Band 2.

München 1984, S. 18.

4 Hans-Joachim Barkenings, Sachor ­ Reminiscere ­ Gedenke. In: Der erste Kreuzzug 1096 und seine Folgen.

Die Verfolgung der Juden im Rheinland. Düsseldorf 1996, S. 95.

5 Michael Palomino (Übersetzung mit Ergänzungen). Crusades. Pogromes against the Jews during the crusades ­

and the consequences. In: Encyclopaedia Judaica 1971. Volume 5, S. 1136.

4


Gerade die Abgrenzung zu dem weiter gefassten Begriffs des

bellum sacrum

­ des heiligen

Krieges ­ macht hier Mühe, was sich darin äußert, dass es fraglich war, ob Jerusalem immer

das Ziel sein müsse, oder, ob auch andere Zielrichtungen unter den Begriff eines Kreuzzuges

fallen können.6

Abgesehen von der Brisanz, die dem Konzil rückwirkend zugeschrieben werden kann,

gilt es hier besonders zu beachten, dass der Kreuzzugsgedanke damals nicht derart im

Vordergrund stand, wie es aus heutiger Sicht der Fall zu sein scheint. Der Konzilbeschluss, zu

einem Kreuzzug aufzurufen, stellte lediglich einen von insgesamt 32 erfolgten Beschlüssen

dar und wurde zudem nur in vier von vierzehn bekannten Fassungen der auf dem Concil

erfolgten Beschlüsse erwähnt.7 Der Appell erfolgte am Ende der zweiten Rede des Papstes,

wonach Bischof Le Puy in wohl zuvor abgesprochener Weise vor dem Redner niederkniete,

um vor der versammelten Menge ein Gelöbnis abzulegen, an einem solchen Kreuzzug

teilzunehmen. Hierauf folgten andere seinem Beispiel, wonach der Papst manchen von ihnen

­ andere auch sich selbst ­ ein Stoffkreuz anheftete, was zum symbolischen Zeichen der

Kreuzzugsbewegung werden sollte.8

Als Termin für den Aufbruch des ersten Kreuzzuges wurde mit dem 15. August 1096

das Fest Mariä Himmelfahrt durch den Papst festgesetzt, allerdings kam es bereits vor diesem

Termin zu dem Aufbruch einer großer Anzahl von Menschen, die insbesondere aus

Nordfrankreich, Belgien und dem Rheinland stammten. Diese Bewegung wurde

Bauernkreuzzug oder auch Volkskreuzzug genannt, wobei die letztere Formulierung den

Tatsachen eher entspricht, bestand doch zu dem Zeitpunkt des Aufbruches beinahe 97% der

Bevölkerung aus Bauern.9 Die Anführer der Gruppen kamen zumeist aus dem Adel oder aus

dem Rittertum und hatten sich zum größten Teil selbst zu solchen ernannt. Zudem unterschied

sich die Struktur dieser Volksheere in großem Maße von der der Ritterheere, sowohl was die

Zusammensetzung der Kämpfer als auch die Ordnung und Anzahl dieser betraf. Gemeinsam

mit den acht organisierten Heeren, bildeten jene Volkskreuzzügler den ersten Kreuzzug.

6 Hiestand, S. 3.

7 Ebd., S. 12.

8 Ebd., S. 15.

9 Ebd., S. 30.

5


Da die Kreuzfahrer relativ spontan aufbrachen, war es nicht möglich, zuvor einen

Vorrat an Speisen für den langen Weg nach Jerusalem anzulegen. Selbst wenn dies im

Bereich des Möglichen gelegen hätte, wäre es in Anbetracht der langen Reisedauer von 300

bis 400 Tagesmärschen nicht möglich gewesen, das Ziel zu erreichen, ohne dass die

mitgenommenen Vorräte nicht mehr genießbar gewesen wären. Dies führte dazu, dass die

jeweils erste Gruppe, die an einer Stadt mit einem Markt vorbeikam diesen in der Regel

aufkaufte, so dass 1. für die nachfolgenden Pilger nichts mehr übrig blieb und es 2. zu einer

wesentlichen Verteuerung der Produkte kam. Aus diesem Grund war es für Kreuzfahrer oft

nötig, sich zu verschulden, bzw. ihre Grundstücke oder ihr Eigentum vor dem Aufbruch zu

verkaufen oder zu verpfänden, um genug Geldmittel zur Verfügung zu haben.10 Auch Kirchen

und Klöster unterstützten die Reisenden finanziell, in dem sie angesammelte Kirchenschätze

veräußerten. Zu Problemen mit der Bevölkerung der auf dem Weg besuchten Städte kam es

hierbei ebenfalls, da die Kreuzfahrer davon ausgingen, auf ihrem von Gott vorbestimmten

Weg jedwede mögliche Unterstützung zu erfahren, was die Beamten und Bewohner jedoch

nicht leisten konnten, da sie auf eine solche Masse an Reisenden nicht vorbereitet waren.11

Dies könnte, wie im weiteren Verlauf dieser Arbeit zu erkennen ist, neben anderen auch ein

Grund für die in den folgenden Kapiteln geschilderten Vorgänge sein.

2. Quellenlage

Einige wesentliche Quellen, die uns über die für das Thema dieser Arbeit

aufschlussreichen Abläufe unterrichten, sind neben anderen drei hebräische Berichte, die von

Neubauer und Stern analysiert bzw. bearbeitet worden sind und in die hier vorliegende

Bearbeitung direkt oder indirekt einfließen.12 Es handelt sich hierbei zum einen um die

Berichte Salomon bar Simsons, die 1140 niedergeschrieben wurden und wohl aus mehreren

schriftlichen Quellen, die Simson damals vorlagen, zusammengefasst und durch Erkundungen

aus mündlichen Überlieferungen ergänzt wurden. Die zweite Quelle ist wohl von Elieser ben

Nathan, welcher als junger Mann Verfolgungen gegenüber Juden miterlebt hat, noch vor dem

zweiten Kreuzzug verfasst worden. Der dritte Autor ist der sogenannte Mainzer Anonymus,

der seinen Bericht über die Handlungen der Kreuzfahrer jedoch vermutlich erst später,

genauer im 14 Jhdt., verfasst hat, da eine im dortigen Text enthaltene geschilderte Anklage

10 Peter Thorau. Die Kreuzzüge. 3. Auflage. München 2007, S. 49. // Hiestand. S. 17.

11 Ebd., S. 18.

12 Adolf Neubauer, Moritz Stern (Hrsg.). Hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während der

Kreuzzüge. Berlin 1892.

6



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