Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 36 Pages
Authors: Patricia Detto, Doreen Krzmarik
Subject: Ethics
Details
Institution/College: Martin Luther University
Tags: Lebenskundeunterricht, Konzeptionen, Philosophie-, Ethikunterricht, Laufe, Geschichte
Year: 2008
Pages: 36
Grade: 2,5
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-26645-6
ISBN (Book): 978-3-640-26669-2
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Abstract
Der Lebenskundeunterricht ist eng verbunden mit den weltlichen Schulen. Die Weltlichen Schulen gaben den Lehrern die Möglichkeit neue pädagogische Methoden auszuprobieren. An diesen Schulen war eine Konfessionsfreiheit vertreten und somit konnten neue Reformen Einzug halten. Diese Zeit der Weimarer Republik war jedoch sehr kurz (1922-1933) und somit konnten die neuen Reformen sich nicht auf Dauer etablieren. Während dieser Zeit entbrannte ein Schulkampf, vor allem in den Volksschulen. Dort nahm der Religionsunterricht immer noch eine große Anzahl an Stunden ein und somit stand die Frage im Raum, ob die Schulen kirchlich oder staatlich kontrolliert werden sollten. Wenn die Schulen kirchlich kontrolliert wurden, dann war das Erziehungsziel Gehorsam und Demut. Des Weiteren wurden die Texte der Bibel auch in andren Bereichen verwendet. So zum Beispiel in Deutsch, um schreiben und lesen zu lernen. Die staatlichen Schulen haben die Unterrichtsinhalte an die Industriegesellschaft angeglichen und somit den Unterricht freier gestaltet. Die Lehrer hatten an diesen Schulen ein breiteres Feld für die Umsetzung von neuen pädagogischen Ideen. Sie wollten die Befreiung des Geistes und somit die strikte Trennung von Kirche und Schule. An den weltlichen Schulen wurde kein Religionsunterricht erteilt und in anderen Fächern wurde ebenfalls der Aspekt der Religion ausgrenzt. Es gab keine strikte Trennung von Jungen und Mädchen. Sie wurden gemeinsam unterrichtet. Schon damals wurden neue Methoden eingeführt, um das Lernen zu verbessern. Es wurde „projektorientiert, ganzheitlich oder interdisziplinär“ gelernt. Die Kinder sollten lernen zu fragen und zu beurteilen. Dies wurde versucht, indem aktuelle Themen mit einbezogen wurden. Die Schüler an den weltlichen Schulen sollten lernen, was kritisches Denken, Toleranz, Kompromissbereitschaft und Selbstbewusstsein bedeutet. Aus diesen schon fast revolutionären Gedankengut, entwickelte sich an den weltlichen Schulen der Lebenskundeunterricht.
Excerpt (computer-generated)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Seminar für Philosophie
Seminar: Konzeptionen des Philosophie- und Ethikunterricht im Laufe der Geschichte
Lebenskundeunterricht
Patricia Detto, Doreen Krzmarik
Inhaltsverzeichnis
1.Geschichte der weltlichen Schulen in der Weimarer Republik und des Lebenskundeunterrichts ... 3
1.1. Die schulpolitische Ausgangssituation vom Kaiserreich bis zur Novemberrevolution ... 3
1.2. Die Geschichte von der Novemberrevolution bis zum Jahr 1933 ... 4
1.3. Geschichte des Lebenskundeunterrichtes ... 7
2. Der Weg vom Religionsunterricht zum Lebenskundeunterricht in der ... 9
3. Der Lebenskundeunterricht ... 17
3.1. Die Ausbildung der Lehrer für Lebenskundeunterricht ... 18
4.Richtlinien zum Lehrplan für Lebenskunde der Sammelschulen in Halle ... 19
5. didaktisch-methodische Gesichtspunkte ... 27
6. Vergleich Lebenskundeunterricht und Ethikunterricht ... 29
6.1. Vergleich der Richtlinien für den Lebenskunde- und den Ethikunterricht ... 31
6.2. Richtlinien zum Lehrplan für Lebenskunde der Sammelschulen in Halle 1927/28 ... 33
7. Literatur ... 35
1.Geschichte der weltlichen Schulen in der Weimarer Republik und des Lebenskundeunterrichts
1.1. Die schulpolitische Ausgangssituation vom Kaiserreich bis zur Novemberrevolution
Auf Grund des Ideengutes der deutschen Aufklärung forderten bereits die Revolutionäre von 1848 die Trennung von Kirche und Staat und vor allem auch die Trennung von Kirche und Schule. Jedoch hatten sie die Revolution verloren und es wurde keine ihrer Forderungen umgesetzt, aber der erste Schritt in den Gedanken der Menschen war getan und man vergaß ihr Anliegen nicht.
Als es zur Zeit Bismarcks zur Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach kam, fand man die Forderung der Revolutionäre wieder. Es wurde vom jedem Mitglied verlangt, für die Trennung von Staat und Kirche sowie von Kirche und Schule einzutreten. Unerwarteterweise bekamen sie Unterstützung von Seiten Bismarcks in diesem Punkt, der aus machtpolitischem Interesse einen Kampf vor allem gegen die katholische Kirche führte, dieser ging als Kulturkampf in die Geschichte ein. Hauptsächlich lag Bismarck daran die Kirche aus seinen innenpolitischen Fragen herauszuhalten. So wandte er sich gegen die klerikale Führungsschicht und ihre politische Sammelbewegung, die Zentrumspartei, welche vom Vatikan unter Pius VIII ausdrücklich unterstützt wurde. Bismarcks Kultusminister Mühlers schrieb: „Seine Ziele seien: [...] Trennung von Kirche und Staat, von Kirche und Schule überhaupt. Übergabe der Schulinspektion an Nichtgeistliche, Hinausweisung des Religionsunterricht aus der Schule, nicht nur aus den Gymnasien, sondern auch aus der Volksschule.“1 Mühlers wurde von Bismarck entlassen, weil er seine Politik nicht in die Praxis umsetzen wollte. Der neue Kultusminister wurde Falk, der das neue Schulaufsichtsgesetz durch das preußische Abgeordnetenhaus brachte. Es beinhaltete, dass alle Schulen unter staatliche Aufsicht fielen und nicht mehr unter geistliche. Zwei weitere Gesetze schlugen eine ähnliche Richtung ein. Im Mai 1873 wurde ein Gesetz verabschiedet, dass den Kirchaustritt erleichterte und ein Jahr später das Gesetz über die mögliche Zivilehe. Jedoch im realen Leben änderte sich nicht viel. In wenigen Bezirken wurde eine staatliche Aufsicht eingesetzt und so blieb der kirchliche Einfluss aus Finanzmangel erhalten und so kam Bismarcks Kulturkampf zu einem Unentschieden.
Erst nachdem das Sozialistengesetz aufgehoben wurde, konnte die SPD 1891 ein Programm verabschieden, indem die Religion zur Privatsache erklärt wurde und die Weltlichkeit der Schulen als Ziel formuliert wurde. Auf dem Mannheimer Parteitag 1906 wurde dann in 6 Leitsätzen von Clara Zetkin und Heinrich Schulz formuliert, wie sie sich die Umsetzung ihres bildungspolitischen Programms vorstellten, „[...] das sowohl die Schulforderungen, (Weltlichkeit, Einheitlichkeit des Aufbaus der Schule, Gleichberechtigung der Geschlechter) als auch die Aufgaben für die sozialistische Erziehung in der Familie, den Jugendorganisationen und unter den Erwachsenen [...]`umfasste.“2
Mit Inkrafttreten des Volksschulunterhaltungsgesetzes im Januar 1906 begann eine neue Konfessionalisierung des Schulwesens. Die Kinder besuchten Schulen entsprechend ihrer Konfession. Durch die Aufhebung des Sozialistengesetzes änderten auch die Sozialdemokraten ihre Strategie und setzten nicht mehr auf die Machtergreifung durch Revolution sondern durch soziale Reformbewegung. Denn im Reich Wilhelm II. begann sich die Sozialdemokratie einzurichten. 1912 waren sie die stärkste parlamentarische Kraft im Reichstag. Zwischen 1912 und 1914 entwickelten sie sich zu einer nationalen Reformpartei und ihre Zustimmung 1914 zu den Kriegskrediten nahm der Kaiser wohlwollend zur Kenntnis „Ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche“.3 Damit wurde die SPD zu einer staatstragenden Partei. Diese Kompromissbereitschaft war eine der Gründe, warum einige Mitglieder die USPD gründeten, weil sie dies nicht tragen wollten.
1.2. Die Geschichte von der Novemberrevolution bis zum Jahr 1933
Deutschland verlor den Krieg und somit setzte eine Revolution von oben ein, indem sich die Regierung aus Leuten des Parlaments zusammensetzte und somit auch aus der SPD. Die neue Regierung war eine Koalition aus der SPD, der Zentrums- und der Fortschrittspartei. So entstand die konstitutionelle Monarchie. Der Kanzler Max von Baden dankte ab durch den Druck und Friedrich Ebert übernahm seinen Platz und seine Aufgaben. Dieser bildete dann eine Regierung gleichberechtigt aus Mitgliedern der SPD und USPD und welche umbenannt wurde in den Rat der Volksbeauftragten. Durch diesen neuen Rat kam es auf schulpolitischem Gebiet in der Zeit vom 20.11. bis 29.12.1918 zu einigen Entscheidungen und Neuerungen. Denn die preußische Regierung gab am 13.11.1918 ihr neues Programm bekannt, welches durch die Leiter des Kultusministeriums Konrad Haenisch (MSPD) und Adolf Hoffmann (USPD) umgesetzt werden sollte. Es enthielt den Ausbau aller Bildungsinstitute vor allem die Volksschule, die Schaffung einer Einheitsschule, die Befreiung der Schule von religiöser Vormundschaft und die Trennung von Staat und Kirche. In der ersten Verordnung wurde der Unterrichtsinhalt des Geschichtsunterrichtes neu belegt und die Säuberung der Schulbibliotheken angeordnet, in der zweiten wurde die geistliche Ortsschulaufsicht und in der dritten der zwang für Eltern und Kinder zum Religionsunterricht aufgehoben. Aber ihre Umsetzung stellte sich schon allein personell als Problem dar und in einigen Orten blieb die geistliche Aufsicht bis 1922 im Amt.
[...]
1 Steffen Markwort „Die weltlichen Schulen in der Weimarer Republik am Beispiel der Sammelschule-Süd in Halle“, Diplom-Arbeit der MLU-Halle im Bereich Pädagogik, S.12
2 Steffen Markwort „Die weltlichen Schulen in der Weimarer Republik am Beispiel der Sammelschule-Süd in Halle“, Diplom-Arbeit der MLU-Halle im Bereich Pädagogik, S.13
3 Steffen Markwort „Die weltlichen Schulen in der Weimarer Republik am Beispiel der Sammelschule-Süd in Halle“, Diplom-Arbeit der MLU-Halle im Bereich Pädagogik, S.14
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