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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 30 Pages
Author: Hanna Cieslak
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Tags: Schreiben«, Methode, Förderung, Schreibkompetenz
Year: 2008
Pages: 30
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-25874-1
ISBN (Book): 978-3-640-26007-2
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Abstract
[...] Lesen und Schreiben sind zentrale Schlüsselkompetenzen des gesellschaftlichen Alltags. Ohne die entsprechenden Fertigkeiten wird es in unserer schriftsprachlichen Gesellschaft immer schwerer, am Leben teilzunehmen. Den Schülerinnen und Schülern (kurz: SuS) Schreibkompetenzen zu vermitteln, ist damit eine grundlegende Aufgabe der schulischen Bildung und Erziehung. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend versucht diese Arbeit herauszustellen, inwieweit krea-tive Schreibmethoden das Schreiben bei SuS fördern können. Im ersten Kapitel wird zu-nächst der Bereich des „Schrei¬bens“ an sich näher erläutert. In diesem Zusammenhang wird in einem ersten Schritt theoretisch aufgezeigt, was unter dem Begriff „Schreibprozess“ verstanden wird. Anschließend wird der Bereich der Schreibstrategien thematisiert. Im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen die Ausführungen zur Schreibkompetenz, die eine Definition dieses Begriffs mit sich ziehen und die verschiedenen Kompetenzstufen erläu-tern. Schreibkompetenzen hängen jedoch nicht nur eng mit dem Schreibprozess und den Schreibstrategien zusammen sondern auch mit der Schreibentwicklung. BECKER-MROTZEK/BÖTTCHER haben in diesem Zusammenhang versucht, den Prozess der Schreib-entwicklung in verschiedene Entwicklungsniveaus zu gliedern, die abschließend vorgestellt werden. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Bereich des „kreativen Schreibens“. Nachdem der Begriff des kreativen Schreibens definiert wird und erläutert wird, welche Ziele mit dem Einsatz dieser Methode verfolgt werden, werden anschließend in Anlehnung an BÖTTCHER, die sechs Methodengruppen des kreativen Schreibens dargestellt. Abschließend widmet sich dieses Kapitel der Frage, ob das kreative Schreiben die Schreibkompetenz der SuS tatsächlich fördert? In diesem Zusammenhang wird anhand ausgewählter Schüleraufsätze versucht zu analysieren, ob diese z.B. bestimmte Textmuster, lexikalische bzw. grammatische Kenntnisse enthalten, die Bestandteile der Schreibkompetenz sind und durch kreative Schreibanlässe weiter ausgebaut werden können. [...]
Excerpt (computer-generated)
Ruhr-Universität Bochum
Germanistisches Institut
Wintersemester 2007/08
HS: Schreiben im Deutschunterricht
»Kreatives Schreiben«
als Methode zur Förderung der
Schreibkompetenz
Verfasserin:
Hanna Cieslak
Inhaltsverzeichnis
1
Einführung 1
2
Theoretische Grundlagen zum Thema ,,Schreiben" 2
2.1 Schreibprozess 2
2.2 Schreibstrategien 4
2.3 Schreibkompetenz 6
2.3.1
Kompetenzbegriff 6
2.3.2
Annäherung an eine Definition von Schreibkompetenz 6
2.3.3
Kompetenzstufen 9
2.4 Schreibentwicklung 10
3
Kreatives Schreiben 13
3.1 Definition 13
3.2 Ziele des kreativen Schreibens 15
3.3 Methoden des kreativen Schreibens 17
3.4 Schreibkompetenzförderung durch kreative Schreibanlässe am
Beispiel ausgewählter Schülertexte 19
4
Fazit 24
5
Quellen- und Literaturverzeichnis 26
II
1 Einführung
,,Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt."
(ALBERT EINSTEIN, 1929)
Die vielzitierte Aussage des Nobelpreisträgers EINSTEIN, die am 26. Oktober 1929 in der
SATURDAY EVENING POST um die Welt ging, ist aktueller denn je. Bereits damals wurde
der Kreativität seitens des Naturwissenschaftlers ein breiter Raum zugesprochen und auch
heute ist die Bedeutung kreativen Denkens für die Lösung von Problemen unbestritten. Aus
diesem Grund versucht u.a. auch die Deutschdidaktik den Bereich der Kreativität mit dem Be-
reich des Schreibens zu verknüpfen.
Lesen und Schreiben sind zentrale Schlüsselkompetenzen des gesellschaftlichen Alltags.
Ohne die entsprechenden Fertigkeiten wird es in unserer schriftsprachlichen Gesellschaft
immer schwerer, am Leben teilzunehmen. Den Schülerinnen und Schülern (kurz: SuS)
Schreibkompetenzen zu vermitteln, ist damit eine grundlegende Aufgabe der schulischen
Bildung und Erziehung
.
Auf diesen Erkenntnissen aufbauend versucht diese Arbeit herauszustellen, inwieweit krea-
tive Schreibmethoden das Schreiben bei SuS fördern können. Im ersten Kapitel wird zu-
nächst der Bereich des ,,Schreibens" an sich näher erläutert. In diesem Zusammenhang
wird in einem ersten Schritt theoretisch aufgezeigt, was unter dem Begriff ,,Schreibpro-
zess" verstanden wird. Anschließend wird der Bereich der Schreibstrategien thematisiert.
Im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen die Ausführungen zur Schreibkompetenz, die eine
Definition dieses Begriffs mit sich ziehen und die verschiedenen Kompetenzstufen erläu-
tern. Schreibkompetenzen hängen jedoch nicht nur eng mit dem Schreibprozess und den
Schreibstrategien zusammen sondern auch mit der Schreibentwicklung. BECKER-
MROTZEK/BÖTTCHER haben in diesem Zusammenhang versucht, den Prozess der Schreib-
entwicklung in verschiedene Entwicklungsniveaus zu gliedern, die abschließend vorge-
stellt werden.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Bereich des ,,kreativen Schreibens". Nachdem
der Begriff des kreativen Schreibens definiert wird und erläutert wird, welche Ziele mit
dem Einsatz dieser Methode verfolgt werden, werden anschließend in Anlehnung an
BÖTTCHER, die sechs Methodengruppen des kreativen Schreibens dargestellt. Abschlie-
ßend widmet sich dieses Kapitel der Frage, ob das kreative Schreiben die Schreibkompe-
tenz der SuS tatsächlich fördert? In diesem Zusammenhang wird anhand ausgewählter
Schüleraufsätze versucht zu analysieren, ob diese z.B. bestimmte Textmuster, lexikalische
bzw. grammatische Kenntnisse enthalten, die Bestandteile der Schreibkompetenz sind und
durch kreative Schreibanlässe weiter ausgebaut werden können.
1
2 Theoretische Grundlagen zum Thema ,,Schreiben"
Damit eine Arbeit aufzeigen kann, ob die Methode des kreativen Schreibens die Schreib-
kompetenzen von SuS tatsächlich fördern kann, muss in einem ersten Schritt zunächst the-
oretisch erläutert werden, was unter dem Begriff ,,Schreibkompetenz" überhaupt verstan-
den wird. Schreibkompetenzen hängen jedoch eng mit dem Schreibprozess, den Schreib-
strategien und der Schreibentwicklung zusammen. Aus diesem Grund versucht dieses Ka-
pitel zunächst einen theoretischen Überblick über den gesamten Themenkomplex ,,Schrei-
ben" zu geben, indem anfänglich der Schreibprozess und die Schreibstrategien erläutert
werden. Im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen die Ausführungen zur Schreibkompetenz,
die eine Definition dieses Begriffs mit sich ziehen und die verschiedenen Kompetenzstufen
erläutern. In einem letzten Schritt wird abschließend die Schreibentwicklung thematisiert.
2.1 Schreibprozess
Während bis Mitte der 1970er Jahre das Produkt im Fokus der Schreibforschung stand,
rückt nun der Schreibprozess immer mehr in den Mittelpunkt. Nicht mehr der fertige Auf-
satz, sondern der Weg bzw. Prozess, der zum Endresultat hinführt, rückt ins Zentrum der
Betrachtung.1 Wenn man von Schreibprozess spricht, ist generell das selbstständige Produ-
zieren eines Textes gemeint, das innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens erfolgt.2 Etwas
differenzierter dargestellt versteht KRINGS unter Schreibprozess: 3
,,Alle mentalen Prozesse und [...] alle zugeordneten materiellen Handlungen, die ein Schreibprodukt
[...] überhaupt erst entstehen lassen. Der Schreibprozess beginnt somit mit der Wahrnehmung einer
vorgegebenen oder Bewußtwerden einer [...] Schreibaufgabe und endet mit der »Verabschiedung« des
Textprodukts in einer aus der subjektiven Sicht des Textes endgültigen Form. Der Schreibprozeß ist
die Ontogenese eines Textprodukts."
Die Idee der prozessorientierten Schreibdidaktik ist es, den SuS Expertenverhalten zugäng-
lich zu machen, indem die einzelnen Schreibaktivitäten separat betrachtet und gefördert
werden.4 Schreiben wird unter dem Aspekt des Problemlösens untersucht und der Schreib-
prozess als Problemlöseprozess definiert.
HAYES/FLOWER entwickelten als eine der ersten ein Modell, welches den Schreibprozess
als Problemlöseprozess kennzeichnet, indem sie den Schreibprozess mit Hilfe von empiri-
1 Vgl. Böttcher, I. (Hrsg.): Kreatives Schreiben. Grundlagen und Methoden. Berlin 1999. S. 17.
2 Vgl. Becker-Mrotzek, M./Böttcher, I.: Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. Berlin 2006. S. 25.
3 Vgl. Krings, H. P.: Spuren auf weißem Grund. Fragen, Methoden und Ergebnisse der empirischen Schreib-
prozessforschung. In: Krings, H. P. (Hrsg.): Textproduktion: Neue Wege der Forschung. Trier 1992. S. 47.
4 Vgl. Portmann, P. R.: Arbeit am Text. In: Feilke, H./Portmann, P. R.: Schreiben im Umbruch. Stutt-
gart/München/Düsseldorf/Leipzig 1996. S. 162.
2
schen Methoden analysierten.5 Sie bezeichnen den zu schreibenden Text als ein ,,ill-
defined problem", ein ungeklärtes Problem mit offener Lösung, das vom Aufgabenumfeld
(Adressat, Motivation, Thema) und dem Langzeitgedächtnis bzw. Wissen des Autors ab-
hängig ist.6 Als Basis der Datengewinnung diente den Forschern die Methode des ,,lauten
Denkens". Bei dieser Methode werden die Probanden angewiesen, während des Schreib-
vorgangs ihre Gedanken zu verbalisieren. Durch das Versprachlichen der Gedanken haben
die Forscher die Möglichkeit einen Einblick in die Gedankengänge und Überlegungen der
Schreibenden beim Planen, Ausführen und Überarbeiten zu bekommen und somit die Teil-
prozesse des Schreibens näher zu betrachten.7 ABBILDUNG 1 verdeutlicht, dass der eigentli-
che Schreibprozess im Modell von HAYES/ FLOWER nur eine von vielen Teilkomponenten
darstellt.
ABBILDUNG 1: ALLGEMEINES MODELL DER TEXTPRODUKTION (AUS: BECKER-MROTZEK, M./BÖTTCHER
SCHREIBKOMPETENZ ENTWICKELT UND BEURTEILEN, S. 26).
Der Schreibvorgang ist ein prozessualer und komplexer, zugleich aber auch zielorientierter
kognitiver Vorgang, der die Summe der Teilprozesse des Planens (planning), Formulierens
(translating) und Überarbeitens (reviewing) bildet.8 In der Planungsphase wird das kom-
plexe Handlungsproblem vorstrukturiert, indem Ideen erzeugt, Informationen geordnet und
ausgewertet, das weitere Vorgehen organisiert und ein Schreibziel ermittelt werden, das
die anstehende Konstruktionsarbeit steuert. Bei der Formulierungshandlung geht es um die
Versprachlichung, wobei entweder Wörter gesucht und anschließend zu Sätzen zusam-
mengefügt (bottom up) oder umgekehrt Satzschemata gewählt und dann mit Wörtern ge-
füllt (top down) werden. Das Überarbeiten ist eng mit dem Formulieren verknüpft bzw.
5 Vgl. hierzu im Original: Flower, L. S./Hayes, J. R.: Identifying the organization of writing processes. In:
Gregg, L./Steinberg, E. R. (eds.): Cognitive process in writing. Hillsdale 1980. S. 3-30.
6 Vgl. Fix, M.: Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht. 2. Aufl., Paderborn 2008. S. 36.
7 Vgl. Becker-Mrotzek, M./Böttcher, I.: Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. a.a.O. S. 26.
8 Vgl. ebd., S. 26.
3
kann als ein Sonderfall des Formulierens bezeichnet werden, weil eine Formulierung schon
vor der Niederschrift als Prätext im Kopf überarbeitet werden kann.9
Diese Teilprozesse werden durch eine Kontrollinstanz (monitor) überwacht und reguliert.
Diese Kontrollinstanz prüft während des Schreibprozesses das Produkt bezüglich Ortho-
graphie, Sprachkonvention, Umfang und Verständlichkeit. Die einzelnen Phasen des Pro-
zesses sind eingebettet in die Aufgabenumgebung bzw. den situativen Kontext (task envi-
roment) sowie in das Langzeitgedächtnis (the writer′s long term memory) des Autors mit
samt seinen Wissensbeständen über das Thema, die Adressaten und die Schreibpläne.
Schreiben ist nach dem Modell von HAYES/FLOWER also eine Abfolge von verschiedenen
Subprozessen, welche durch eine Prüfungsinstanz kontrolliert werden. Innerhalb des
Schreibprozesses ist keine genaue Abfolge der Handlungen festgelegt. Der Schreibende
muss nach diesem Modell lediglich zuerst sein Ziel definieren, dann die zur Verfügung
stehenden Mittel zur Erreichung des Ziels prüfen und letztlich den Transformationsprozess
durchführen.10 Die Schreibaufgabe mit ihrem Schreibkontext verkörpert das Problem und
muss vom Schreiber bewältigt werden. Die Schreibenden, die gelernt haben, den eigenen
Textentstehungsprozess in verschiedene Phasen zu gliedern und in der Lage sind, ihre Tex-
te selbst zu beurteilen, werden zunehmend bessere Texte verfassen.11 In diesem Zusam-
menhang erwarten die Bildungsstandards für den ,,Mittleren Schulabschluss" von den SuS,
dass sie einen Schreibprozess eigenständig gestalten können, indem sie Texte planen, ent-
werfen, schreiben und überarbeiten.12 Die Richtlinien für die gymnasiale Oberstufe in
Nordrhein-Westfalen stellen dazu fest:13
,,Die einzelnen Phasen des Schreibprozesses Planung, Niederschrift, Überarbeitung verlaufen re-
kursiv und beeinflussen sich wechselseitig. Zunehmende Einsicht in diese Abläufe ist selbst als wis-
senschaftspropädeutisch notwendiger Lernprozess zu begreifen."
2.2 Schreibstrategien
Schreiben als komplexe Handlung ist gekennzeichnet durch das Zusammenspiel ganz un-
terschiedlicher Teilfähigkeiten und verbunden mit entsprechend hohen Anforderungen an
die Textproduzenten. Die gleichzeitige Realisierung dieser Anforderungen macht die
9 Vgl. Fix, M.: Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht, 2. Aufl. a.a.O. S. 37f.
10 Vgl. Merz-Grötsch, J.: Schreibforschung und Schreibdidaktik: Ein Überblick. Bd. 1. Freiburg im Breisgau
2000. S. 87f.
11 Vgl. Baurmann, J.: Schreiben Überarbeiten Beurteilen: Ein Arbeitsbuch zur Schreibdidaktik. Velber
2002. S. 125.
12 Vgl. Kultusministerkonferenz (KMK): Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Mittleren Schulab-
schluss. Beschluß 4.12.2003. Neuwied 2004. S. 14f.
13 Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-
Westfalen (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II Gymnasium/Gesamtschule in
Nordrhein-Westfalen. Deutsch. Düsseldorf 1999. S. 38.
4
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