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Subtitle: Ein Sichelmassenhort im chronologischen und geographischen Kontext sowie seine Bedeutung
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 27 Pages
Author: Marco Chiriaco
Subject: Archaeology
Details
Institution/College: Martin Luther University (Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas)
Tags: Hortfund, Frankleben, Bronzezeit, Mitteldeutschland
Year: 2008
Pages: 27
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-27112-2
ISBN (Book): 978-3-640-27115-3
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Abstract
Der Sichelmassenhort von Frankleben zählt, in Bezug auf seine Masse, mit einem Gewicht von etwa 45 Kilogramm zu den größten Hortfunden Mitteleuropas. Seine Entdeckung und Bergung im Sommer 1946 machte Frankleben zum eponymen Fundort für einen Typus von Sicheln, der sich durch seine Sichelmarken auszeichnet und seine Verbreitung in mehreren Sichelmassenhorten und in Horten allgemein im mittleren Saalegebiet hat. Das Gebiet im Bereich der Saale ist reich an Hortfunden, die sich chronologisch über die gesamte Bandbreite der Bronzezeit erstrecken. In dieser Arbeit soll der Fund von Frankleben vorgestellt werden und auf die Bedeutung des Sicheltypus Frankleben eingegangen werden. Dabei werden die Sichelmarken und ihre potentielle Bedeutung besonders zu betrachten sein. Ferner werden weitere Sichelhorte aus dem Bereich der mittleren Saale vorgestellt, die ein Gesamtbild erschließen sollen. Daran soll gezeigt werden, dass der Sichelhort von Frankleben nicht für sich alleine steht, sondern sich in eine einzigartige Fundlandschaft integrieren lässt, deren aufgeworfene Fragen noch immer nicht in ihrer Gesamtheit beantwortet werden können. Ferner soll auf die Frage der Deponierungsgründe eingegangen und rituelle sowie profane Optionen in Augenschein genommen werden. Dabei soll die Bedeutung der Sichel an sich ebenfalls betrachtet werden, insbesondere unter den Aspekten der Sichel als Mondsymbol aufgrund ihrer Form und der daraus resultierenden Annahme einer Symbiose zwischen Arbeitsgerät und Symbol für Fruchtbarkeit sowie einer möglichen Funktion als Wertmesser – als „Gerätegeld Sichel“, wie Christoph Sommerfeld schon als Titel seiner umfangreichen Arbeit gewählt hat.
Excerpt (computer-generated)
Martin-Luther-Universität zu Halle-Wittenberg
Philosophische Fakultät I
Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas
Sommersemester 2008
Hauptseminar: Die Bronzezeit in Mitteldeutschland 1500-720 v. Chr.
Der Hortfund von Frankleben
-
Ein Sichelmassenhort im chronologischen
und geographischen Kontext sowie seine
Bedeutung
Von
Marco Chiriaco
Student der prähistorischen Archäologie, Kunstgeschichte und Geschichte
Inhalt
I. Einleitung 3
II. Der Hort von Frankleben 4
a. Fundumstände 4
b. Befunde 5
c. Aussagen zur Vollständigkeit und Datierung 5
III. Die Sicheln vom Fundplatz Frankleben 6
a. Definition 6
b. Daten 7
c. Sichelmarken 8
1. Gussmarken 8
2. Basis- und Winkelmarken 8
3. Interpretation 9
d. weitere Markensicheltypen 10
IV. Der Hort im geographischen und chronologischen Kontext 11
a. Definition ,,Hort" 11
b. Sichelmassenhorte in der Region ,,mittlere Saale" (Knopfsicheln Typus Frankleben) ... 11
1. Ermlitz-Oberthau 12
2. Schkopau 12
3. Braunsbedra 12
4. Dornburg 13
c. Chronologie und geographische Verbreitung (Knopfsicheln Typus Frankleben) 13
V. Interpretation 14
a. Zur Funktion von Horten und ihre Deutungsmöglichkeiten 14
1. profane Deutungsansätze 14
2. rituelle Deutungsansätze 15
3. Deutung der Massensichelhorte vom Typus Frankleben 16
VI. Zusammenfassung 17
VII. Quellen und Literatur 18
VIII. Abbildungen 21
2
I. Einleitung
Der Sichelmassenhort von Frankleben zählt, in Bezug auf seine Masse, mit einem Gewicht
von etwa 45 Kilogramm zu den größten Hortfunden Mitteleuropas. Seine Entdeckung und
Bergung im Sommer 1946 machte Frankleben zum eponymen Fundort für einen Typus von
Sicheln, der sich durch seine Sichelmarken auszeichnet und seine Verbreitung in mehreren
Sichelmassenhorten und in Horten allgemein im mittleren Saalegebiet hat.
Das Gebiet im Bereich der Saale ist reich an Hortfunden, die sich chronologisch über die
gesamte Bandbreite der Bronzezeit erstrecken. In dieser Arbeit soll der Fund von Frankleben
vorgestellt werden und auf die Bedeutung des Sicheltypus Frankleben eingegangen werden.
Dabei werden die Sichelmarken und ihre potentielle Bedeutung besonders zu betrachten sein.
Ferner werden weitere Sichelhorte aus dem Bereich der mittleren Saale vorgestellt, die ein
Gesamtbild erschließen sollen. Daran soll gezeigt werden, dass der Sichelhort von Frankleben
nicht für sich alleine steht, sondern sich in eine einzigartige Fundlandschaft integrieren lässt,
deren aufgeworfene Fragen noch immer nicht in ihrer Gesamtheit beantwortet werden
können.
Ferner soll auf die Frage der Deponierungsgründe eingegangen und rituelle sowie profane
Optionen in Augenschein genommen werden. Dabei soll die Bedeutung der Sichel an sich
ebenfalls betrachtet werden, insbesondere unter den Aspekten der Sichel als Mondsymbol
aufgrund ihrer Form und der daraus resultierenden Annahme einer Symbiose zwischen
Arbeitsgerät und Symbol für Fruchtbarkeit sowie einer möglichen Funktion als Wertmesser
als ,,Gerätegeld Sichel", wie Christoph Sommerfeld schon als Titel seiner umfangreichen
Arbeit gewählt hat.
3
II. Der Hort von Frankleben
a. Fundumstände
Die Entdeckung des Hortes von Frankleben ist, wie so oft, einem großen Zufall und dem
Engagement einiger Personen zu verdanken; durch deren Aufmerksamkeit gelang es, diesen
wichtigen Fund zu bergen und der Nachwelt zu erhalten1.
Die Fundstelle befindet sich in einem ehemaligen Braunkohletagebau im Bereich der
mittleren Saale, in der heute gefluteten Grube Michael Vesta zwischen Frankleben und
Großkayna, in unmittelbarer Nähe zur BAB 38.2
Als eigentlicher Finder gilt der Baggerführer Anton Wesp. Ihm fielen im Juni 1946 mehrere
metallene Gegenstände auf, als er mit seinem Kettenschaufelbagger das Depot I angerissen
hatte. Er unterbrach seine Arbeit, um 17 bronzene Sicheln aufzulesen. Am 20.06.1946
erfolgte dann die erste Fundmeldung durch Herrn Dr. Teufer in seiner Eigenschaft als
Mitglied der Betriebsdirektion der Grube; aufgrund dieser Meldung erfolgte zwei Tage später
eine Visitation vor Ort, durchgeführt von Wilhelm Albert von Brunn.
Der genaue Fundort ließ sich, bedingt durch den fortschreitenden Abbau, nicht mehr
ermitteln, jedoch relativ genau eingrenzen. Westlich der vermuteten Fundstelle fanden sich
Grubenprofile, welche Scherben mit Besenstrichverzierung aufwiesen, die allerdings nicht
datierbar waren. Von Depot I, welches wohl unvollständig überliefert ist, sind die schon
erwähnten 17 Sicheln bekannt; es sind allerdings heute nur noch 15 Exemplare vorhanden.
Etwa zwei Wochen später, am 05.07.1946, bemerkte Anton Wesp wiederum metallene
Gegenstände im Abraum seines Baggers, als er die für Depot I angenommene Fundstelle
einen Meter weiter nördlich mit seinem Kettenschaufelbagger passierte. Diesmal fanden sich
neben 93 bronzenen Sicheln und zwei Lappenbeilen auch noch drei Gefäßscherben, die wohl
von einem Depotgefäß stammen könnten (Depot II).
Anton Wesp grub darauf hin manuell weiter noch Norden und stieß schließlich, wiederum in
etwa einem Meter Abstand, auf ein doppelkonisches Gefäß, welches mit vier Steinplatten
bedeckt war. Am Folgetag reiste von Brunn erneut an; in der Zwischenzeit hatten Anton
Wesp und der Betriebsleiter der Grube, Herr Klett, den Fund freilegen können und
photographisch dokumentiert3. Depot III bestand aus einem scharfkantigen Doppelkonus mit
1 Die Schilderung der Fundumstände erfolgt in erster Linie nach den Protokollen und Aufzeichnungen aus der
Ortsakte ,,Frankleben" Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Ortsarchiv, sowie den
Beschreibungen von Brunns: W.A. v. Brunn, Der Schatz von Frankleben und die mitteldeutschen Sichelfunde.
Prähist. Zeitschr. 36 (Berlin 1958), 1-8.
2 Abb. I.
3 Von Brunn hob die Eigeninitiative positiv hervor, besonders pries er die photographische Dokumentation durch
Klett: Ortsakte ,,Frankleben" und v. Brunn, 1958, 1.
4
zwei Horizontalriefen über dem gekerbten Umbruch, in dem sich zum einen 132 Sicheln
befanden, welche fächerförmig mit den Spitzen zur Gefäßwand gepackt waren4; zum anderen
enthielt der Doppelkonus 14 sich auf dem Sichelpaket befindliche Lappenbeile5.
b. Befunde
Für die genaue Eingrenzung der Fundstellen der Depots I und II kann nur auf die Aussagen
von Anton Wesp zurückgegriffen werden. Nach seinen Angaben lag die Fundstelle des
Depots II etwas tiefer als die des Depots I, wobei diese etwa 40 cm tief gelegen haben soll6.
Weiter gab er an, dass jenes Gefäß von der Fundstelle I dem der Fundstelle III ähnelte, dass
die Abstände zwischen den drei Fundstellen jeweils etwa einen Meter betragen haben sollen
und diese auf einer Nord Süd ausgerichteten Achse lagen.
Die Randtiefe von Depot III wurde mit etwa 50 cm angegeben; den Doppelkonus bedeckten
vier Steinplatten. Die sich in dem Gefäß befindlichen Sicheln wiesen eine hellgrüne, dicke
und mehlige Patinakruste auf7 und ließen keine Spuren von Verpackungsmaterial erkennen.
Wenige Tage nach der Auffindung wurde der Fundplatz archäologisch inspiziert; zu diesem
Zweck wurde eine etwa 20 qm große Fläche abgetragen. Als Ergebnis dieser Untersuchung
trat ein sowohl im Umriss als auch im Querschnitt unregelmäßiges Grubenprofil auf; jenes
reichte stellenweise bis zu 60 cm unterhalb der Humussohle8. Der westliche, unregelmäßige
Teil der Grube enthielt Scherben von verschiedener feinerer und gröberer Ware sowie
Fragmente von steinernen Reibeschalen, gebranntem Ton mit Flechtwerkabdrücken sowie
Splitter von Tierknochen.
c. Aussagen zur Vollständigkeit und Datierung
Die beiden Depots I und II wurden durch die Einwirkung eines Kettenschaufelbaggers
hochgradig gestört bzw. zerstört; daher kann davon ausgegangen werden, dass nicht alle
Bronzen vollständig geborgen worden sind. Dies trifft insbesondere auf Depot I zu.
4 Abb. II / III.
5 Die Angaben zu der Anzahl der geborgenen Sicheln und Beile schwankt für die Sicheln von 129 (Ortsakte
,,Frankleben") bis zu 132 (alle Publikationen) und für die Beile von zwölf (Ortsakte ,,Frankleben") bis zu
vierzehn (alle Publikationen) Exemplaren. Dies erklärt sich aus dem Umstand, dass in den Bestandslisten der
Ortsakte nur jene Exemplare verzeichnet wurden, welche Eigentum des LDA S/A wurden und nicht etwa jene,
die sich offiziell im Privatbesitz befanden (siehe unten Aussagen zur Vollständigkeit und Datierung).
6 Bei der Angabe handelt es sich wahrscheinlich um die Tiefe des angenommenen Gefäßbodens.
7 Einige Sicheln wurden später chemisch behandelt, um die Patina zu entfernen.
8 Abb. III / IV.
5
Ferner ist anzunehmen, dass einige Bronzen in den Händen des/der Finder und Arbeiter vor
Ort geblieben sind sowie einige Stücke von der Betriebsleitung als ,,Andenken" verwahrt
wurden9. Vielleicht werden diese Exemplare eines Tages ihren Weg zurück finden10.
Heute sind somit 242 Sicheln und 16 (17) Lappenbeile bekannt; diese befinden sich fast
vollständig im Magazin des LDA S/A in Halle/Saale.11
Die genaue Datierung erweist sich als schwierig und erfolgt am Besten über die Betrachtung
des Doppelkonus und der mittelständischen Lappenbeile12. Von Brunn datiert den
Fundkomplex, ebenso wie Sommerfeld, auf etwa 1200 v. Chr. (Mont. Per. III / Ha A1), wobei
von Brunn die mittelständigen Lappenbeile als Datierungsgrundlage heranzieht13 und
Sommerfeld in erster Linie statistisch argumentiert14. Stoll-Tucker setzt ihn mit 1500 1250
v. Chr. früher an (Mont. Per. II/III / B1 D)15.
Erste Veröffentlichungen erschienen 1949 und 195016, ein ausführlicher Fundbericht erfolgte
erst 195817.
III. Die Sicheln vom Fundplatz Frankleben
a. Definition
Die Sicheln aus Frankleben sind der Gruppe der Knopfsicheln zuzuordnen. Aufgrund ihrer
besonderen Merkmale, die nun genannt werden sollen, gehören sie zum Typus Frankleben;
sie sind also eponym.
Sommerfeld definiert die Sicheln vom Typus Frankleben nach der Beschreibung v. Brunns18
als durchweg kräftige, große Knopfsicheln, die eine Sehnenlänge zwischen Spitze und Knopf
von durchschnittlich 17cm aufweisen. Ihre Kontur entspricht im Stadium des Rohlings
9 Anhand der Ortsakte ,,Frankleben" konnte folgendes ermittelt werden: Im Besitz von Betriebsleiter Klett
verblieben vier Sicheln und ein Lappenbeil (Protokoll vom 12.04.1950); für Betriebsdirektor Bönisch sind eine
Sichel und ein Lappenbeil vermerkt (Protokoll vom 12.09.1949).
10 Laut Auskunft von Frau Dr. Maraszek wurde in letzter Zeit ein Lappenbeil im LDA S/A eingeliefert, welches
nach Auskunft des Überbringers aus dem Franklebener Hortfund stammen soll.
11 Laut Ortsakte ,,Frankleben": HK 46:4 (15 Sicheln), HK 46:5 (93 Sicheln, zwei Lappenbeile), HK 46:6 (129
Sicheln, zwölf Lappenbeile) 237 Sicheln und 15 (14 und ein eingeliefertes) Lappenbeile.
12 Abb. V.
13 v. Brunn 1958, 57ff.; W.A. v. Brunn, Mitteldeutsche Hortfunde der jüngeren Bronzezeit. Röm.-Germ. Forsch.
29 (Berlin 1968), 117, 319.
14 Ch. Sommerfeld, Gerätegeld Sichel. Studien zur monetären Struktur bronzezeitlicher Horte im nördlichen
Mitteleuropa. Vorgesch. Forsch. 19 (Berlin 1994), 180 f.
15 B. Stoll-Tucker, Mondsicheln in der Erde. Der Bronzehortfund von Frankleben. In: Schönheit, Macht und Tod
(Halle 2001), 178.
16 K.H. Otto, Vorgeschichtliche Neufunde in Sachsen-Anhalt und Erwerbungen des Landesmuseums Halle in
den Jahren 1942 1946. Jahresschr. mitteldt. Vorgesch. 33 (Halle 1949), 139; K. Schwarz, Die
vorgeschichtlichen Neufunde im Lande Sachsen-Anhalt während der Jahre 1948 1949. Jahresschr. mitteldt.
Vorgesch. 34 (Halle 1950), 223.
17 v. Brunn 1958, 1-70.
18 v. Brunn 1958, 9 ff.
6
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