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Holocaustfotografie

Scholary Paper (Seminar), 2003, 20 Pages
Author: Magister Artium Kevin Kutani
Subject: Communications - Media History

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 20
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V122315
ISBN (E-book): 978-3-640-27493-2
ISBN (Book): 978-3-640-27512-0

Abstract

Der Moment, in dem eine photographische Aufnahme entsteht, ist ein Augenblick, in dem der Künstler ganz allein mit sich, der Umwelt und dem Motiv ist. Es ist für ihn der perfekte Augenblick gekommen, auf den Auslöser zu drücken und einen einmaligen Augenblick seines individuellen Sehens einzufangen. Wie auch in der Malkunst, kann von häufig verwendeten Stilmitteln zum Erstellen photographischer Aufnahmen, sowie das Wiederkehren bestimmter Posen, der Bedienung von Licht und Effekten, qua auf den Photographen geschlossen werden. Dies kann unterschiedliche Ausprägungen haben, so zum Beispiel die immer wiederkehrende Wahl eines Motivs, das dann zu einem Markenzeichen wird (die Wassertürme der Bechers) oder die sprichwörtliche Banalität, das Profane, wie es in den Photographien von Jürgen Teller ausgiebig zelebriert wird. Häufig ist eine Art zu Photographieren eng mit einer Ära verbunden, wie zum Beispiel die Popkultur und der daran anknüpfenden Glamourfotografie. Oder die Photographie spiegelt das technisch Machbare einer Zeit wider, also eine Orientierung an Hand der Technikgeschichte. Zuweilen bedienen sich die Photographen eines höheren Ziels, einer Bewegung und bilden diese gewonnen Impressionen der Zeit in Form einer Ausstellung ab („The Family of Man“).


Excerpt (computer-generated)

Universität Lüneburg

Fachbereich Angewandte Kulturwissenschaften

Studienbegleitende Magisterprüfungsleistung:

Holocaustfotografie

von

Kevin Kutani

Zu der Vorlesung:

Fotografie in Westdeutschland

Im Wintersemester 02/03


2

Inhaltsverzeichnis

Seite

1.

Einleitung

3

2.

Die Sicht der Sieger

5

2.1. Die ersten Bildreihen (die Portraits) 5

2.2. Die zweite Bilderreihe (die Trümmerphotographie) 6

2.3. Die dritte Bildreihe (der Genozid) 8

2.4. Auffäl igkeiten und Konsens 9

3.

Die Bilder und die Fakten

10

3.1. Die anderen Bilder 11

3.2. Die Lager- und Massenvernichtungsphotographien 13

3.3. Die Bilder nach der Befreiung 14

3.4. Die Holocaustphotographie als Diskursmittel 16

4.

Der allumfassende Bogenschlag

17

5.

Literaturverzeichnis

19


3

1. Einleitung

Der Moment, in dem eine photographische Aufnahme entsteht, ist ein Augenblick, in

dem der Künstler ganz al ein mit sich, der Umwelt und dem Motiv ist. Es ist für ihn

der perfekte Augenblick gekommen, auf den Auslöser zu drücken und einen

einmaligen Augenblick seines individuel en Sehens einzufangen.

Wie auch in der Malkunst, kann von häufig verwendeten Stilmitteln zum Erstel en

photographischer Aufnahmen, sowie das Wiederkehren bestimmter Posen, der

Bedienung von Licht und Effekten, qua auf den Photographen geschlossen werden.

Dies kann unterschiedliche Ausprägungen haben, so zum Beispiel die immer

wiederkehrende Wahl eines Motivs, das dann zu einem Markenzeichen wird (die

Wassertürme der Bechers) oder die sprichwörtliche Banalität, das Profane, wie es in

den Photographien von Jürgen Tel er ausgiebig zelebriert wird.

Häufig ist eine Art zu Photographieren eng mit einer Ära verbunden, wie zum

Beispiel die Popkultur und der daran anknüpfenden Glamourfotografie. Oder die

Photographie spiegelt das technisch Machbare einer Zeit wider, also eine

Orientierung an Hand der Technikgeschichte. Zuweilen bedienen sich die

Photographen eines höheren Ziels, einer Bewegung und bilden diese gewonnen

Impressionen der Zeit in Form einer Ausstel ung ab (,,The Family of Man").

Es kann auch einfach nur dem Wunsch entsprungen sein, ästhetische

Momentaufnahmen zu schaffen und zu diesem Zwecke dem Impuls zu folgen, für

diese Aufgabe sich des Mediums der Photographie zu bedienen.

Wie aber passt da die Holocaustphotographie ins sprichwörtliche Bild? Denn der

Thematik kann eine grausame Morbidität nicht abgesprochen werden und im Bezug

auf Schaffung von Kunst muss schon aus Pietätgründen Abstand gewahrt werden.

Man kann also dem Photo auch noch einen anderen Zweck konstatieren, nämlich

als Mittel zur Dokumentierung von zeitgeschichtlichen Ereignissen und als

Aufklärungsmedium. Die Photographie als ubiquitäres Mittel der Verbreitung von

Information, die nach dem 2. Weltkrieg zum ersten Mal in einer sprichwörtliche

,,Bilderflut" ausuferte und von Seiten der Al i erten auf unterschiedliche Weise

eingesetzt wurde, beispielsweise um dem unterworfenen deutschen Volk die

,,Kol ektiv-Schuld" vor Augen zu führen. Das Photo in diesem Fal dienend als

Beweismittel.


4

In den folgenden 3 Abschnitten werden mehrere dieser Zwecke eruiert und ihnen

nachgegangen. Es muss an dieser Stel e betont werden, dass die Thematik der

Holocaustphotographie an sich einen medial unausschöpflichen Fundus von

Ansätzen hervorgebracht hat, die in keiner Weise dem Thema in dieser Arbeit

gerecht werden kann.

Die im Anschluss folgenden Beispiele zeigen zwei weitestgehend gegenläufige

Herangehensweisen an die Thematik der Holocaustphotographie und spiegeln die

unterschiedlichen Motivationen wider, die von den Bildautoren intendiert wurden. Es

sol des weiteren diskutiert werden, ob al e Photographien von KZ-Lagern,

Leichenbergen, Massengräbern oder zerbombten Städten universel austauschbar

sind, weil das Motiv an sich durch den Verlust von Wiedererkennbarkeit

austauschbar ist oder ob individuel e,,künstlerische" Nuancen erkennbar sind?

Im letzten Abschnitt wird die Frage nach einem Metaziel bei der

Holocaustphotographie gestel t, ob dieses sichtbar geworden ist oder doch die

individuel intendierten Motivationen der verschieden Photographen oder Institutionen

ausschlaggebend für die Motivauswahl war. Die vorangegangen Beispiele werden

zur Beantwortung hilfreiche Anhaltspunkte liefern.

2. Die Sicht der Sieger (exemplarisch an Hand von M. Bourke-White)

Vorausgreifend muss gesagt werden, dass es sicherlich keiner großen

Erklärungen bedarf, warum die Photographien der Al i erten nach dem Sieg über

die Deutschen 1945 eine bestimmte Akzentuierung aufwiesen und sich zum Teil

starke Emotionen in den Photographien entluden. Auch das Mitschwingen von

patriotischen Tendenzen kann im Grunde verstanden werden, dennoch sol

gezeigt werden, dass teilweise extreme Pauschalisierungen und Aburteilungen

stattgefunden haben, indem die Deutschen sprichwörtlich ,,al e samt über einen

Kamm geschoren wurden". Auch das Aufkommen der Frage nach der ,,Kol ektiv-

Schuld", als die ersten Bilder von den Gräueltaten aus den KZ-Lagern der

Weltöffentlichkeit vorgelegt wurden und man die Gesamtheit al er Deutschen

anprangerte und behauptete, jeder habe von dem systematischen Ausrotten von

Menschenleben gewusst.


5

2.1. Die ersten Bildreihen (die Portraits)

,,

Margaret Bourke-White kam mit den amerikanischen Truppen nach Deutschland. Ihre

Berichte und Photographien vom Zusammenbruch des Hitler-Reichs, die sie als

Korrespondentin der Illustrierten Life machte, sind nicht nur Meisterstücke des

Bildjournalismus, sondern vor allem Dokumente einer heute kaum mehr vorstellbaren

Situation deutscher Geschichte

"1. Diese Zeilen zieren den Einband des Werkes: ,,Dear

Fatherland, Rest Quietly" von Margaret Bourke-White, und man muss wohl

ergänzen, dass die Bilder, die in diesem Buch erschienen sind, natürlich

Meisterstücke im Hinblick darauf sind, dass sie immer und immer wieder verwendet,

kopiert und als zeitzeugnerische Belege fungierten, auch, dass sie

bildjournalistischer Schemata folgten aber sicherlich nicht frei sind von Wertungen

und Parteilichkeit.

Beim Lesen des Buches und dem Sichten der Photographien, die Margaret Bourke-

White gemacht hat, wird einem sehr schnel klar, dass die Bildjournalistin, das große

Fortune hatte, im richtigen Moment an der richtigen Stel e zu sein. Sie genoss

außerdem den Vorteil, dass das Militär sie duldete, ja sogar unterstützte. Das ging so

weit, dass ihr die große Ehre zuteil wurde, den berüchtigten General Patton

photographisch zu porträtieren.

Auffäl ig in ihren Photographien sind nicht immer nur die Bilder an sich, sondern

vielmehr die Bildunterschriften, die teilweise das Empfinden lenken und in starkem

Kontrast zu der Abbildung stehen. Ein Beispiel hierfür ist die Abb. 1. Beim ersten

Hinschauen ist der Gesichtsausdruck des abgebildeten deutschen Soldaten doch

eher als verzweifelt, hilflos oder verunsichert zu deuten. Die Bildunterschrift attestiert

jedoch eine zwielichtige Böswil igkeit. (siehe Anlage). Das Interessante ist, dass auf

der gegenüberliegenden Seite dieser Photodoppelseite eine Abbildung von General

Patton (Abb.2) ist, dessen Gesichtsausdruck im

wesentlichen nicht von dem des deutschen Soldaten differiert. Nur die prunkvol e

Uniform des Generals schafft hier die Hierarchie.

Auf 18 Seiten werden weitere Portraits gezeigt, die von den Engländern trefflich als

,,Mug Shots"2 bezeichnet werden könnten. Interessant hierbei ist jedoch das

Wechseln von Gut und Böse. Erst die Bildunterschrift verrät, wohin die betreffende

1 Bourke-White, Margaret: Deutschland, April 1945 = Dear Fatherland, Rest Quietly. München 1979. Einband

2 Die Bilder, die bei der Polizei durchgesehen werden, um eventuell einen Verbrecher wiederzuerkennen



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