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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 24 Pages
Author: Nina Schumacher
Subject: Cultural Studies
Details
Institution/College: University of Marburg (Institut für Europäische Ethnologie)
Tags: Gender, Filmtheorie, Medienforschung, Geschlecht, Dekonstruktion, Butler, Foucault, Medienrezeption, Ang
Year: 2007
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-27073-6
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Abstract
Medientheoretische Arbeit. Dekonstruktivistische Analyse unter Rückgriff auf Butler und Foucault. Die Nutzung von Geschlecht als Hintergrundkategorie in der Rezeptionsanalyse von Medien wird kritisch hinterfragt. Zunächst soll Angs und Hermes Konzept der Medienrezeption erläutert werden, um im zweiten Schritt das diskurstheoretische Modell Judith Butlers und somit die Wirkmächtigkeit des heteronormativen Diskurses und dessen unwiderrufliches Eingeschriebensein in Körper darzulegen. Unter Rückgriff darauf sowie auf Michel Foucaults Macht- und Diskursbegriff soll, durch den Verweis auf die Funktion hegemonialer Diskurse als Referenzsystem, Angs These der „ungendered moments“ entkräftet und darüber hinaus als wenig erstrebenswert erörtert werden. Ein historischer Exkurs auf das Verhältnis von Frauen und Film(theorie) soll hierbei verdeutlichend herangezogen werden. Abschließend wird eine Koppelung von Medien- und Diskursanalyse vorgeschlagen, um die Medienrezeptionsanalyse mit einem makrotheoretischen Rahmen zu verknüpfen und auf diese Weise den Zusammenhang von diskursiv erzeugtem Geschlecht und Medienkonsum aus einem diskurstheoretischen Blickwinkel zu untersuchen. Abgrenzend sei noch vorangestellt, dass, wenn im Folgenden von „Medienkonsum“ gesprochen wird, das Etikett „Medien“ explizit jene Massenmedien wie Film und Fernsehen meint. Demgegenüber sind ebenso Printmedien diesem Medienbegriff inhärent und Angs Analyse ließe sich prinzipiell ebenfalls auf Systeme wie das Internet übertragen. Gemäß dem Fokus des Aufsatzes sollen jedoch für die Überlegungen Fernsehen und Film den Schwerpunkt bilden. [...]
Excerpt (computer-generated)
Philipps-Universität Marburg
Institut für Europäische Ethnologie/ Kulturwissenschaft
SS 2007
Seminar: Klassiker der Medienwissenschaft
Hausarbeit zum Thema:
,,in everyday life gender is not always relevant" Geschlecht als
Hintergrundkategorie in der Medienrezeption
1. Einleitung
2
2. Die Ausgangslage: Ien Angs ,,Gender and /in Media Consumption"
3
3. Die Inkorporation hegemonialer
Diskurse 6
3.1
Leibliche
Einschreibungen 6
3.1.1 Die Möglichkeiten des Verbots Foucaults Machtbegriff
7
3.1.2
Der
Diskurs
der
Heteronormativität
9
4.
Zwischenbetrachtung
11
5. Exkurs: die historische Dimension von Film und Geschlecht
12
5.1 Die Historizität des
Diskurses
12
5.2
Frauen
und
Film
13
5.3 Frauen im Film - Die Männlichkeit des filmischen Blicks
15
6. ,,in everyday life gender is not always relevant" Geschlecht als
Hintergrundkategorie?
16
7. Fazit
18
8.
Literaturverzeichnis
21
9. Internetquellen
22
1
1. Einleitung
,,[...] we would argue against a continued research emphasis on women′s experience,
women′s culture, women′s media consumption as if these were self-contained entities, no
matter how internally differentiated."1
Der Fokus feministischer Medienanalyse war lange Zeit geprägt durch eine stark
psychoanalytische Dimension. Im Rahmen dieser wurde versucht insbesondere unter
Rückgriff auf Freud und später Lacan den hauptsächlich von männlichen Produzenten für
männliche Rezipienten hergestellten Film- und Fernsehwerken, einen fetischisierten oder
voyeuristischen Blick auf die sich exhibitionistisch darstellende Weiblichkeit zu attestieren.
Ende der 1980er Jahre wird die Verhinderung der Entwicklung einer spezifisch ,,weiblichen
Ästhetik" beklagt und versucht, dies durch den männlich-dominanten Diskurs zu erklären.
Noch 1998 begründet Christiane Riecke die Ablehnung der Postmoderne mit deren Negation
personengebundener Äußerungen, da die ,,Chance als Frau zu sprechen, [...] so ein weiteres
Mal unterbunden"2 werde.
Das obige Zitat von Ien Ang und Joke Hermes jedoch weist in eine andere Richtung: Anstatt
dem männlichen Blick einen wirkmächtigen weiblichen gegenüber oder zumindest an die
Seite stellen zu wollen, negiert es die Omnirelevanz von Geschlecht.
Im sozialwissenschaftlichen Kontext hat inzwischen neben dem sozialen, ebenso das
biologische Geschlecht eine breite Rezeption als kulturelles Konstrukt erfahren, und
zumindest ersteres ist als konstruiert akzeptiert und somit in Einklang mit Ang als feste
Entität abgelehnt worden. Dennoch soll diese Arbeit zur Disposition stellen, inwieweit Angs
Konzept tatsächlich eine Verneinung der Relevanz von Geschlecht im Medienkonsum
behaupten kann und herausarbeiten, dass der Versuch, mittels ,,vertauschter" Rezeption bei
prinzipiell geschlechterstereotyp zugeschnittenen Medienangeboten, Geschlechterirrelevanz
zu konstatieren, einen gedanklichen Kurzschluss nahelegt.
Zunächst soll Angs und Hermes Konzept der Medienrezeption erläutert werden, um im
zweiten Schritt das diskurstheoretische Modell Judith Butlers und somit die Wirkmächtigkeit
des heteronormativen Diskurses und dessen unwiderrufliches Eingeschriebensein in Körper
darzulegen. Unter Rückgriff darauf sowie auf Michel Foucaults Macht- und Diskursbegriff
1 Ang, Ien/ Hermes, Joke (1994): Gender and/in Media Consumption. In: Angerer, Marie-Luise/ Dorer, Johanna
(Hg.) (1994): Gender und Medien. Theoretische Ansätze, empirische Befunde und Praxis der
Massenkommunikation: ein Textbuch zur Einführung. Wien, S. 121
2 Riecke, Christiane (1998): Feministische Filmtheorie in der Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt am Main,
S. 30
2
soll, durch den Verweis auf die Funktion hegemonialer Diskurse als Referenzsystem, Angs
These der ,,ungendered moments" entkräftet und darüber hinaus als wenig erstrebenswert
erörtert werden. Ein historischer Exkurs auf das Verhältnis von Frauen und Film(theorie) soll
hierbei verdeutlichend herangezogen werden.
Abschließend wird eine Koppelung von Medien- und Diskursanalyse vorgeschlagen, um die
Medienrezeptionsanalyse mit einem makrotheoretischen Rahmen zu verknüpfen und auf diese
Weise den Zusammenhang von diskursiv erzeugtem Geschlecht und Medienkonsum aus
einem diskurstheoretischen Blickwinkel zu untersuchen.
Abgrenzend sei noch vorangestellt, dass, wenn im Folgenden von ,,Medienkonsum"
gesprochen wird, das Etikett ,,Medien" explizit jene Massenmedien wie Film und Fernsehen
meint. Demgegenüber sind ebenso Printmedien diesem Medienbegriff inhärent und Angs
Analyse ließe sich prinzipiell ebenfalls auf Systeme wie das Internet übertragen. Gemäß dem
Fokus des Aufsatzes sollen jedoch für die Überlegungen Fernsehen und Film den
Schwerpunkt bilden.
2. Die Ausgangslage: Angs und Hermes3 ,,Gender and/ in Media Consumption"
Ang und Hermes thematisieren in ihrem Aufsatz ,,Gender and/ in Media Consumption" die
vereinfacht formuliert als Messungenauigkeiten zu beschreibenden Schwierigkeiten,
welchen eine Medienrezeptionsanalyse unterliegt, wenn versucht wird, Zuschauergruppen
mittels vermeintlich allgemeingültiger Kategorien, wie auch Geschlecht eine darstellt, zu
vereinheitlichen. Damit wird angeschlossen an die eingangs bereits beiläufig erwähnte und
von Riecke vehement zurückgewiesene Theorie der Postmoderne im Sinne Jean-Francois
Lyotards, deren Anliegen in der kritischen Hinterfragung basaler Erkenntnisgrundlagen, sog.
,,Meta-Erzählungen"4, wie z.B. der Aufklärung, besteht und in der Konsequenz auch die
Annahme kohärenter, in sich geschlossener Identitäten ablehnt. Diese Brüchigkeit eines als
,,Frau" bezeichneten Subjekts, das aufgrund der Relevanz anderer Identitätskategorien, wie
soziale Klasse oder Ethnizität,
nicht
verabsolutierend unter einer - qua Geschlecht - auf
3 Auch bei diesen beiden Theoretikern greift das Problem der alphabetischen Aufzählung, das stets die
WissenschaftlerInnen trifft, deren Anfangsbuchstabe sich weiter hinten im Alphabet findet: Im Folgenden wird
statt der Nennung beider Autoren der Kürze wegen teilweise nur der Name Angs genannt werden. Darin ist
jedoch auch immer der von Hermes enthalten.
4 Die Metaerzählungen wie sie Lyotard auffasst, sind als Produkt der 2 großen Legitimationserzählungen der
Wissenschaft zu betrachten. Diese waren notwendig, um der Wissenschaft eine Existenzberechtigung zu geben,
sind aber, so Lyotard, in der Postmoderne hinfällig geworden, da aufgrund simultan ablaufender konträrer
Tendenzen jede Vereinheitlichung von Wissen artifiziell sein muss. Vgl.: Reese-Schäfer, Walter (2000): Lyotard
zur Einführung. Hamburg
3
gleichen Belangen aufbauenden Gruppe, ,,der Frauen an sich", subsumiert werden kann, wird
bei Ang konträr zu Rieckes Ansicht zum konstruktiven Ausgangspunkt.
Nicht ,,Geschlecht und Medienkonsum" lasse sich, so die These, untersuchen, sondern es
bedürfe vielmehr der Untersuchung der Frage, in welchen Situationen Gender überhaupt
relevant für Medienkonsum sei. Mit Rückbezug auf Hermann Bausinger und sein Anliegen,
Medienkonsum stets in Zusammenhang mit Alltagspraxen zu analysieren, da diese vor allem
bedingt durch die Faktoren der Anschlusskommunikation5 den Gebrauch von Medien
maßgeblich bestimmen6, erörtern Ang und Hermes ebenfalls den Zusammenhang von
Geschlecht und Medienkonsum in Alltagspraxen. Nicht Geschlecht führe dabei zu einem
bestimmten Konsumverhalten, sondern alltägliche und folglich sich ständig verändernde
Begebenheiten brächten Rezipienten zu einem Medienangebot.7
Der Medientext als solcher wird dabei zwar als potentielle Identifikationsfolie betrachtet, die
allerdings vielfach durch tatsächliche alltagsweltliche Erfahrungen von Frauen konterkariert
werde, woraus die Ablehnung gegenüber derartiger Folien resultiere. Durch die je nach
Subjekt variierenden Einflüsse von Klasse, Ethnizität oder Geschlecht seien darüber hinaus
heterogene Lesarten8 von Medientexten zu konstatieren, da eine weiße Arbeiterin einen
Medientext niemals mit der gleichen Bedeutung versieht, wie dies eine der Mittelklasse
angehörende dunkelhäutige Frau tun würde. Gleichsam ergibt sich für Ang hieraus die
Unmöglichkeit des Postulats eines ,,typisch weiblichen" Medienkonsums. Bedenkenswert ist
bei Angs Ansatz darüber hinaus, dass der Produzentenseite der Medien keinerlei Beachtung
geschenkt wird. Nicht der Medieninhalt ist es, der maßgeblich für die Positionierung der
Rezipienten ist, sondern die Verwobenheit mit der Alltagswelt innerhalb derer die
Mediennutzung stattfindet. Dementsprechend wird die möglicherweise intendierte Aussage
medialer Inhalte unberücksichtigt gelassen, was als konträr zu den Ansätzen der kritischen
Theorie Adornos und Horckheimers gelesen werden kann.9
5 Anschlusskommunikation nicht im Sinne Dörners, der ein tatsächliches Reden
über
Medieninhalte annimmt,
sondern insbesondere in dem Sinn, dass Medieninhalte genutzt werden, um lebensweltliche Konflikte
auszutragen. Dabei ist für Bausinger nicht der Medieninhalt wichtig bzw. ist nicht dieser der Auslöser der
Kommunikation, sondern ein im Alltag existierender Konflikt nimmt den Medieninhalt
zum Anlass
und wird
weitergeführt. Vgl.: Dörner, Andres (2001): Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. F.a.M.,S.
93ff.
6 Vgl.: Bausinger, Hermann (?): Alltag, Technik, Medien. In: Sprache im technischen Zeitalter. 89/ 1984, S. 60-
70
7 Ang/ Hermes, S. 114
8 Zum Konzept der Heterogenität von Lesarten siehe: Hall, Stuart (1980): Kodieren/ Dekodieren. In: Bromley,
Roger/ Göttlich, Udo/ Winter, Carsten(Hg.) (1999): Cultural Studies. Grundlagentexte zur Einführung.
Lüneburg, S. 92.-110
9 Vgl.: Horckheimer, Max/ Adorno, Theodor W. (1948): Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug. In: Dies.
(1980): Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. FaM, S.108 - 150
4
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