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Untertitel: Eine qualitative Analyse Serien immanenter Geschlechterverhältnisse
Hauptseminararbeit, 2008, 24 Seiten
Autor: Nina Schumacher
Fach: Kulturwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Institut für Europäische Ethnologie/ Kulturwissenschaft)
Tags: Gender, Geschlecht, Krimi, Medien, Serie, Filmanalyse, männliche Herrschaft, Bourdieu
Jahr: 2008
Seiten: 24
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-27507-6
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Zusammenfassung / Abstract
Analyse der Geschlechterverhältnisse in der US-Krimiserie "NCIS". Die Frauendarstellung in den Medien, insbesondere in Film und Fernsehen, ist inzwischen kein neu zu erarbeitendes Thema mehr. Dass Stummfilmdiven gleichermaßen wie die zahlreichen Frauen, die in der Werbung Putzmittel anpreisen auf Stereotypisierungen aufbauen, die ihren Zenit in der realen westlichen Welt längst schon überschritten haben, ist keine Neuerung. Auch, dass die moderne „Familienmanagerin“ trotz der sprachlichen Aufwertung gegenüber der Bezeichnung „Hausfrau“ nach wie vor eine ManagerIN ist und somit stillschweigend immer noch das Weiblichkeitsideal der umsorgenden Frau proklamiert, ist wenig überraschend. Die berufstätigen Frauen, die in zunehmender Zahl über den Fernsehbildschirm flimmern, scheinen da schon eher eine neue Ära anzukündigen, die nicht länger von dem klassischen Weiblichkeitsmuster der Hausfrau und Mutter lebt. Ärztinnen und Lehrerinnen zeugen von einer veränderten Realität. Ob hier die Medien die Realität geprägt haben oder anders herum, sei an dieser Stelle dahingestellt und soll dementsprechend nicht Thema dieser Arbeit sein. Nun sind die aufgezählten Berufe allerdings noch nicht als „unweiblich“ zu bezeichnen. (Kinder-) Betreuung ist keine als typisch „männlich“ geltende Tätigkeit und so ist es von Interesse, einmal genauer auf die Berufe zu schauen, deren Zuschreibungen unter der Etikette „männlich“ zusammengefasst werden können und jene auf ihre mediale Unterwanderung durch Frauen hin abzuklopfen: Im Fokus dieser Arbeit werden demgemäß die weiblichen Rollen innerhalb der Krimiserie Navy CIS stehen. Die Figuren der Agentin, der Kriminaltechnikerin und der Leiterin der durch die Serie thematisierten Behörde stellen augenscheinlich Frauen dar, deren Berufe in besonderem Maße für das Eindringen in eine männlich dominierte und konnotierte Sphäre stehen. Sie lassen sich auf den ersten Blick einreihen in die Liste der berufstätigen Frauen, die die sich wandelnde westliche Arbeitswelt vor Augen führen. Oder doch nicht? Diese Arbeit möchte zunächst einen Überblick über gesellschaftliche Geschlechterstereotype geben. [...]
Textauszug (computergeneriert)
Philipps-Universität Marburg
FB 03: Gesellschaftswissenschaften und Philosophie
Institut für Europäische Ethnologie/ Kulturwissenschaft
WiSe 2007/08
Seminar: Krimiserien als Spiegel der Gesellschaft
Hausarbeit zum Thema:
Die männliche Herrschaft des ,,NCIS"?
eine qualitative Analyse Serien immanenter
Geschlechterverhältnisse
von
Nina Schumacher
1. Einleitung
2
2. Zu gesellschaftlichen Stereotypen von Männlich- und Weiblichkeit
3
2.1 Das Klischee gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit 3
2.2 Exemplarische Stereotype 4
3. Die US-amerikanische Krimiserie ,,NCIS" eine qualitative Analyse der Serien
immanenten Geschlechterverhältnisse
7
3.1 Eckdaten der Serie und das reale amerikanische Vorbild 7
3.2 Die Charaktere 8
3.2.1 Die Männer des
NCIS
8
3.2.2 Die männliche Herrschaft des ,,
NCIS
"? Eine Analyse der Frauendarstellung anhand
ausgewählter Episoden 11
3.2.2.1 Jane Shepard Die Direktorin 11
3.2.2.2 Ziva David Die israelische Spezialagentin 13
3.2.2.3 Abigail ,,Abby" Sciuto Die Kriminaltechnikerin 15
4. Zusammenführung der Ergebnisse
17
5. Fazit
20
6. Literaturverzeichnis
22
7. Internetquellen
22
1
1. Einleitung
Die Frauendarstellung in den Medien, insbesondere in Film und Fernsehen, ist inzwischen
kein neu zu erarbeitendes Thema mehr. Dass Stummfilmdiven gleichermaßen wie die
zahlreichen Frauen, die in der Werbung Putzmittel anpreisen auf Stereotypisierungen
aufbauen, die ihren Zenit in der realen westlichen Welt längst schon überschritten haben, ist
keine Neuerung. Auch, dass die moderne ,,Familienmanagerin" trotz der sprachlichen
Aufwertung gegenüber der Bezeichnung ,,Hausfrau" nach wie vor eine ManagerIN ist und
somit stillschweigend immer noch das Weiblichkeitsideal der umsorgenden Frau proklamiert,
ist wenig überraschend.
Die berufstätigen Frauen, die in zunehmender Zahl über den Fernsehbildschirm flimmern,
scheinen da schon eher eine neue Ära anzukündigen, die nicht länger von dem klassischen
Weiblichkeitsmuster der Hausfrau und Mutter lebt. Ärztinnen und Lehrerinnen zeugen von
einer veränderten Realität. Ob hier die Medien die Realität geprägt haben oder anders herum,
sei an dieser Stelle dahingestellt und soll dementsprechend nicht Thema dieser Arbeit sein.
Nun sind die aufgezählten Berufe allerdings noch nicht als ,,unweiblich" zu bezeichnen.
(Kinder-) Betreuung ist keine als typisch ,,männlich" geltende Tätigkeit und so ist es von
Interesse, einmal genauer auf die Berufe zu schauen, deren Zuschreibungen unter der Etikette
,,männlich" zusammengefasst werden können und jene auf ihre mediale Unterwanderung
durch Frauen hin abzuklopfen: Im Fokus dieser Arbeit werden demgemäß die weiblichen
Rollen innerhalb der Krimiserie
Navy CIS
stehen.1 Die Figuren der Agentin, der
Kriminaltechnikerin und der Leiterin der durch die Serie thematisierten Behörde stellen
augenscheinlich Frauen dar, deren Berufe in besonderem Maße für das Eindringen in eine
männlich dominierte und konnotierte Sphäre stehen. Sie lassen sich auf den ersten Blick
einreihen in die Liste der berufstätigen Frauen, die die sich wandelnde westliche Arbeitswelt
vor Augen führen. Oder doch nicht?
Diese Arbeit möchte zunächst einen Überblick über gesellschaftliche Geschlechterstereotype2
geben. Im Anschluss daran soll weniger die Tatsache, dass sich die thematisierte Serie durch
die Anzahl ihrer weiblichen Charaktere auszeichnet, beleuchtet werden, sondern die
möglicherweise vorhandenen stereotypen Rollenmuster und die subtilen Mechanismen, die
Agentin, Forensikerin und Chefin doch wieder in das Raster der ,,typischen Weiblichkeit"
1 Dass es sich bei dieser Serie um eine US-amerikanische handelt und inwiefern das Konsequenzen für die
Analyse hat, wird unter 2.2 kurz erläutert.
2 In dem hier beleuchteten Rahmen sind es nur westliche Klischees, von denen ausgegangen werden kann und
die somit nur eingeschränkt auf andere Kulturkreise übertragbar sein können.
2
passen lassen könnten. Dabei soll versucht werden, kein einseitiges Bild der
Geschlechterdarstellung zu zeichnen und folglich werden ebenso die männlichen Charaktere
Erwähnung finden.
Im Sinne einer ethnologischen Untersuchung wird dabei eine intensive qualitative Analyse
der zwei zufällig ausgewählten und aufeinander folgenden Episoden ,,Bärenjäger"3 und ,,Der
letzte Sonnenuntergang"4 aus der dritten Staffel die Basis der Analyse sein. Darüber hinaus
wird das Serienspecial ,,Die Frauen des
NCIS
" Eingang in die Analyse finden.
In einem zusammenfassenden und (selbst-)kritischen Fazit sollen schließlich die Ergebnisse
gebündelt und abschließend auf die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Machtstrukturen
rekurriert werden.
2. Zu gesellschaftlichen Stereotypen von Männlich- und Weiblichkeit
2.1 Das Klischee gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit
Ausgehend vom wissenschaftlichen ,,Common-sense", dass es sich bei Geschlecht nicht um
etwas tatsächlich fixiertes und mit bestimmten Attitüden und Verhaltensweisen verbundenes
Gebilde handelt und folglich nicht zwischen dargestellter und ,,wirklicher" Weiblichkeit
unterschieden werden kann, ist es ebenfalls unmöglich, einen Vergleich zwischen Realität und
Fiktion zu ziehen. Das medial konstruierte Bild trifft in der Realität nicht auf ein natürliches
Geschlecht, das nicht ebenso sozialen Konstruktionsprozessen unterliegt Der
Medienkonstruktion stehen in der Realität nicht ,,der Mann an sich" oder ,,die Frau an sich"
gegenüber, sondern das Gegenstück zum Serienklischee kann immer nur das gesellschaftliche
Klischee sein, weshalb in diesem Rahmen überprüft werden soll, welche Klischees sich in der
Serie verarbeitet finden.
3 In der Folge ,,Bärenjäger" wird die Leiche eines Navy Offiziers in einem Nationalpark gefunden, die scheinbar
von einem Bären gefressen wurde. Schnell wird ersichtlich, dass es sich um Mord handeln muss und außerdem
eine nun verschwundene Frau bei dem Offizier war. Es stellt sich heraus, dass es um einen Serienmörder geht,
der seine Morde als tödliche Parkunfälle tarnt. Tony und Ziva arbeiten bei den Ermittlungen mit einem
weiblichen und einem männlichen Ranger zusammen, wobei beide privates Interesse an ihrem Gegenüber
zeigen. Für die Betrachtung der Geschlechterverhältnisse ist weiterhin wichtig, dass der Ermittlungstag
gleichzeitig Abbys Geburtstag ist.
4 In der Folge ,,Der letzte Sonnenuntergang" nimmt der 15jährige Kody Meyers eine Schulklasse als Geisel und
verbarrikadiert sich in der Schule. Er ist mit einer um die Brust geschnallten Bombe bewaffnet. Seine Forderung
ist, dass seine angeblich vor einem Jahr verstorbene Mutter bis Sonnenuntergang in den Klassenraum gebracht
wird. Gibbs gerät in das Klassenzimmer und sitzt dann dort fest, weshalb Tony die Teamleitung übernimmt. Im
weiteren Verlauf wird deutlich, dass Kody per Ohrhörer manipuliert und auch die Bombe fremd gesteuert wird.
Die Mutter ist eine Agentin, die ihren Tod zum Schutz ihrer Familie vertäuschen musste.
3
Von Klischee und Stereotyp existieren diverse Definition, die über den starren und
unveränderlichen Charakter über das ,,Körnchen Wahrheit" bis zu der flexiblen Form dieser
Denkfolien reichen. In dieser Arbeit soll mit Berger/ Luckmann davon ausgegangen werden,
dass Klischees, ohne an dieser Stelle deren den Ursprung klären zu wollen, durchaus fluide
sind und sich immer nur auf diejenigen Personen (und Objekte) beziehen, die der eigenen
Lebenswelt fern sind. Erst mit zunehmender Nähe zu einem klischeebehafteten Subjekt oder
Objekt, können die dem Stereotyp anhaftenden Merkmale porös werden.
So spreche ich nur solange von den ,,im Allgemeinen" arroganten Juristen, bis ich Frank
kennenlerne, der mir durchaus sympathisch und gar nicht arrogant ist, trotzdem er Jura
studiert. Obwohl mein Bild der ,,Juristen an sich" gleich bleibt, nehme ich meinen Bekannten
davon aus. ,,Der Jurist" als Denkfolie bleibt bestehen, das Individuum Frank tritt hinzu.
Distanz und Nähe bestimmen folglich den Gebrauch meiner Klischees und diese sind, wenn
auch teilweise nur mühsam, wandelbar.
Das sich dieses Muster nicht kongruent auf in den Medien bemühte Stereotype übertragen
lässt und welche Folgen sich möglicherweise daraus ergeben, soll im weiteren Verlauf noch
eingehender behandelt werden. Zunächst werden für den hier erläuterten Zusammenhang
relevante Geschlechter(rollen)klischees vorgestellt.5
2.2 Exemplarische Stereotype
Da im Folgenden unmöglich alle erdenklichen Stereotype von Geschlecht behandelt und
analysiert werden können, soll eine exemplarische Auswahl von drei, ebenfalls nicht
vollständigen, Klischeekomplexen herangezogen werden, die für den dargestellten
Zusammenhang von besonderer Bedeutung sind. Wichtig ist dabei, dass es nicht darum gehen
soll, zu thematisieren, inwieweit Frauen und Männer tatsächlich im Hinblick auf die Erfüllung
der dargestellten Stereotype sozialisiert werden. Vielmehr soll gezeigt werden, welches Bild
von Geschlecht die analysierte Medienproduktion impliziert, um somit möglicherweise einen
Wandel konstatieren zu können.
Da die lange Zeit klassische Gegenüberstellung von ,,weiblicher" Privatsphäre und
,,männlicher" Arbeitwelt im vorgestellten Fall per se nicht greift, da sich die Untersuchung
auf Frauen in der Berufswelt beschränkt, kann direkt einen Schritt weiter gegangen und die
,,typische Karrierefrau" angesprochen werden. Hier steht als erstes Stereotyp die
5 Es ist anzumerken, dass auf eine Darstellung der kulturellen Bedingtheiten dieser Stereotype aufgrund des
begrenzten Rahmens der Arbeit verzichtet werden muss, zumal diese für den dargestellten Zusammenhang
sekundär sind.
4
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