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Hauptseminararbeit, 2006, 27 Seiten
Autor: Bettina Gransche
Fach: Archäologie
Details
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Institut für Archäologie, Bauforschung und Denkmalpflege)
Tags: Rohstoff, Holz, Seine, Gewinnung, Verarbeitung, Archäologische, Erzeugnisse, Landwirtschaft, Bergbau, Rohstoffgewinnung, Energieversorgung, Einrichtungen
Jahr: 2006
Seiten: 27
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 19 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-27866-4
ISBN (Buch): 978-3-640-28652-2
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Zusammenfassung / Abstract
Im Mittelalter und der Neuzeit spielte Holz eine sehr wichtige Rolle im Alltag der Menschen. Es ist verhältnismäßig leicht zu bearbeiten und vielseitig verwendbar. Holz diente als wichtigster Energielieferant und als Material für ein reiches Spektrum an Erzeugnissen. Diese Arbeit soll einen Überblick über den Rohstoff Holz, seine Gewinnung und Verarbeitung im Mittelalter und der Neuzeit geben. Anhand ausgewählter Beispiele wird die Forschungslage zu schriftlichen, bildlichen und archäologischen Quellen untersucht. Dabei werden auch grundlegende Arbeitsweisen und –techniken anhand des Zimmerns, Drechselns, Schreinerns und Böttcherns beleuchtet.
Textauszug (computergeneriert)
Der Rohstoff Holz
-
Seine Gewinnung und Verarbeitung
Von
Bettina Gransche
geb. Rheingans
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Institut für Archäologie, Bauforschung und Denkmalpflege
Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit
WS 2006/07
HS: Archäologische Erzeugnisse von Landwirtschaft, Bergbau, und
Rohstoffgewinnung sowie Energieversorgung und sonstige technische
Einrichtungen
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 3
1
Quellenlage 4
2
Datierungsmethoden 4
3
Holzgewinnung 5
4
Holzverarbeitung 6
4.1
Zimmern 6
4.2
Schreinern 7
4.3
Böttchern 8
4.4
Drechseln 9
5
Archäologische Beispiele 10
5.1
Böttcherei in Lübeck 10
5.2
Holzverarbeitung auf der Wurt Feddersen Wierde 10
5.3
Eine Werkbank in Tartu / Estland 11
6
Fazit 12
7
Literatur 13
2
Einleitung
Im Mittelalter und der Neuzeit spielte Holz eine sehr wichtige Rol e im Al tag der
Menschen. Es ist verhältnismäßig leicht zu bearbeiten und vielseitig verwendbar.
Holz diente als wichtigster Energielieferant und als Material für ein reiches Spektrum
an Erzeugnissen.
Diese Arbeit kann nur einen Überblick über den Rohstoff Holz, seine Gewinnung und
Verarbeitung geben. Es werden grundlegende Arbeitsweisen und techniken anhand
des Zimmerns, Drechselns, Schreinerns und Böttcherns beleuchtet. Aufgrund des
begrenzten Umfanges der Arbeit können weitere Techniken, Berufe und Erzeugnisse
nicht berücksichtigt werden.
Wie lassen sich Holzgewinnung und verarbeitung nachweisen?
Den direkten Nachweis liefern schriftliche und bildliche Quel en, welche Werkzeuge
und Arbeitsweisen darstel en. In der Archäologie zeugen Funde von Werkzeugen
und Produktionsstätten über Gewinnung und Verarbeitung von Holz. Halb- und
Fertigfabrikate zeugen von handwerklicher Tätigkeit und liefern den indirekten
Nachweis. Am Besten gelingt dies, wenn das Produkt noch Bearbeitungsspuren
aufweist, welche auf mögliche Werkzeuge und Arbeitsweisen hindeuten. Holz ist ein
organisches Material. Die Erhaltungsbedingungen im Boden sind schlecht und so
stel t die geringe Anzahl von gut erhaltenen Funden nur einen sehr kleinen Teil des
eigentlichen Spektrums dar.
Im Laufe der Zeit gab es in der Gewinnung und Verarbeitung von Holz Innovationen:
Nennenswert ist die Nutzbarmachung von Eisen, welches Werkzeuge aus Bronze
ablöste. Ein weiterer Punkt ist die Verbesserung der Stahlqualität, durch technische
Innovationen in der Eisenverhüttung. Die Formen der Werkzeuge blieben fast 2000
Jahre gleich.1 Bei der Holzgewinnung und -verarbeitung gab es mehrere Werkzeuge,
die als Universalgeräte für unterschiedliche Tätigkeiten gebraucht wurden. Hierzu
zählen vor al em Äxte, Beile und Sägen.2 Im Laufe der Zeit entwickelten sich
spezialisierte Formen, die den einzelnen Arbeitstechniken genauer angepasst waren.
1 SCHEFFOLD 2004, S. 20
2 Es gibt keine einheitliche Definition von und Unterscheidung zwischen Axt und Beil, da beide einen
gemeinsamen Ursprung haben. Sie sind stark regional geprägt. In dieser Arbeit wird wie folgt
unterschieden: Axt -> beidseitig geschärft und keilförmiges Blatt; Beil -> einseitig geschärft und
flaches Blatt.
3
1 Quellenlage
Die al gemein bekannte schlechte Schriftquel enlage im Frühmittelalter betrifft auch
mögliche schriftliche Quel en zur Holzgewinnung und verarbeitung. Erst ab dem
Spätmittelalter mehren sich Texte und Bilder, die sich mit diesem Thema
beschäftigen. Als Beispiel wäre hier das Hausbuch der Mendelschen
Zwölfbrüderstiftung aus Nürnberg zu nennen (Abb.16, 22, 24, 33, 43). Diese Stiftung
nahm 12 mittel ose Handwerker auf, die im Zwölfbrüderhaus ihren Lebensabend
verbringen konnten und gewährte ihnen neben Unterkunft auch Kost, Kleidung und
ein Taschengeld. In dem Hausbuch sind Aufzeichnungen von etwa 300 Brüdern aus
den Jahren 1380 bis 1549 erhalten. Jedem Bruder ist eine Seite gewidmet, auf der
er bei seiner ehemaligen Tätigkeit abgebildet ist.3 Ein weiteres bekanntes Exemplar
ist das Musterbuch des Vil ard de Honnecourt von 1235 mit Zeichnungen zu
verschiedenen Holzgewerken und Holzkonstruktionen.4 Dort enthalten ist eine der
ersten Zeichnungen einer mechanisch betriebenen Sägemühle (Abb.1).
2 Datierungsmethoden
Da Holz ein organisches Material ist, kann man archäologische Fundstücke mit der
,,C14"-Methode datieren. Heutzutage greift man aber häufiger zu der
Dendrochronologie, da diese genauer ist. Mit ihrer Hilfe kann man das Fäl jahr des
Baumes, aus dem das Fundstück stammt, bestimmen. Hierfür werden die
Jahresringbreiten gemessen und ein Diagramm erstel t (Abb.2). Die
Jahresringbreiten vari eren relativ stark. Sie werden bedingt durch unterschiedliche
Temperaturen und Niederschlag. Das Diagramm zeigt ein charakteristisches Muster,
welches sich nicht wiederholen kann. Durch die Überlappung von Jahresringkurven
von historischen Hölzern kann eine Standartchronologie aufgestel t werden. Wegen
Wuchsschwankungen sol ten immer mehrere Proben genommen werden. In einem
sehr fruchtbaren Jahr kann ein Baum zum Beispiel gut wachsen und einen breiten
Ring entwickeln. Daraufhin folgt ein weniger gutes Jahr, in dem er nur einen
wesentlich dünneren Ring ausbilden kann. Vergleicht man das Diagramm, welches
3 JANSSEN 2000, S. 167
4 ebd. 2000, S. 125 f.
4
entsteht, mit der bereits aufgestel ten Standartchronologie (Abb.3), kann man die
Probe zeitlich einordnen. 5
3 Holzgewinnung
Holz ist ein Naturprodukt, es ist ,,technisch unvol kommen"6: Holz arbeitet, schwindet
und verzieht sich. Dieser Vorgang kann nur teilweise durch die Trocknung gestoppt
werden7 und zusätzlich können ,,Wuchsfehler"8 auftreten.
Holz wurde meist im Winter gefäl t. In dieser Zeit hat das Holz einen geringeren
Nährstoffgehalt, was es weniger anfäl ig für tierische und pflanzliche Schädlinge
macht.9 Wenn es nötig war, wurde aber auch das ganze Jahr über Holz geschlagen.
Anhand von Trockenrissen zum Beispiel an Bauhölzern kann nachgewiesen werden,
ob das Holz gelagert und getrocknet oder direkt verbaut wurde (Abb.4). Im Hausbau
wurden die Hölzer meist ohne vorherige Trocknung bearbeitet, im Gegensatz zu
Drechselholz.10
Die Fäl axt (Abb.5) war bis ins 20. Jahrhundert das typische Werkzeug um Holz zu
schlagen. Mit der Fäl axt wurde auch ,,abgelängt"11. Ab Mitte des 17. Jahrhundert
setzte langsam die Verwendung der Schrotsäge (Abb.6) für diese Arbeit ein.12 Die
Säge als Fäl werkzeug hatte ihren Durchbruch erst im 18. und 19. Jahrhundert. Zwar
gab es bereits seit Jahrhunderten Sägen, jedoch wurden sie erst nach der
Verbesserung der Stahlqualität und der Erfindung der geschränkten Sägezähne13 im
15. Jahrhundert (Abb.8) im Wald eingesetzt.14 Die großen Äste entfernte man mit
einer Astaxt (Abb.9), die kleinen mit dem Krageleisen oder dem Schneidhaken.15
Dann wurde der Stamm entrindet, entweder mit einem Schäl- oder einem
5 EISSING 2004, S. 28: Bei einer Jahresringkurve mit 50 ,,Jahrringbreitenwerten" kann die
,,Wiederholung desselben Musters für einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren ausgeschlossen
werden". Die Chronologien können nach Region und Baumart sehr unterschiedlich sein.
6 BECKMANN 1994, S. 164
7 ebd. 1994, S. 164: ,,Die natürliche Trocknung des Holzes dauerte bei Nadelschnittholz im Mittel zwei
bis drei Jahre, bei Laubschnittholz vier bis sechs und bei manchen Hölzern sogar bis zu 10 Jahren."
8 Gemeint sind Krummwuchs, Drehwuchs und andere Abweichungen von der gleichmäßigen Form
eines Stammes.
9 PLATZ 2002, S. 27
10 Siehe: 5.4 Drechseln
11 Das Holz wurde für den besseren Transport gekürzt.
12 PLATZ 2002, S. 27
13 Sie erzeugen eine viel höhere Sägeleistung.
14 Auch die Erfindung der M-Zahnung machte die Säge effektiver, siehe Abb. 7.
15 PLATZ 2002, S. 27, Abb. 9
5
Zieheisen.16 Nach dieser Arbeit war der Stamm transportfertig. Die Stämme wurden
mit Pferden oder Ochsen aus dem Wald herausgezogen und auf Fuhrwerken
weitertransportiert.17 Ein weiteres Transportmittel konnte je nach Region der Fluss
sein. Die Stämme wurden geflößt, d.h. zu Flößen zusammen gebunden und dann
den Fluss hinunter geschifft. Daraus entstand ein eigenes Gewerbe (Abb.10 u. 11).
4 Holzverarbeitung
Bis zum 13. Jahrhundert führte der Zimmermann fast al e Holzarbeiten aus. Erst mit
der Entwicklung der Zünfte fand eine Spezialisierung des Handwerks statt. Es
spalteten sich z. B. die Wagner oder Stel macher, Holzbildhauer und Kistler von den
Zimmerleuten ab. Im Laufe des Spätmittelalters entwickelten sich aus den Kistlern
die Schreiner. Eine genaue Abgrenzung und Aufgabentrennung zwischen
Zimmerleuten und Schreinern bis zur frühen Neuzeit ist problematisch, da Schreiner
auch am Bau arbeiteten. Diffizilere Möbelarbeiten gewannen erst ab der
Renaissance an Bedeutung.18
4.1 Zimmern
Beim Bauholz unterscheidet man zwischen Balken und Kanthölzer, Bohlen und
Brettern. Die Ersteren haben einen hochrechteckigen bis quadratischen Querschnitt,
die Zweiten einen flachrechteckigen.19 Kleine Kanthölzer, Bohlen und Bretter wurden
mit der Spaltaxt (Abb.12) gespalten. Große Dielen und Kanthölzer wurden mit der
Schottsäge (Abb.13) oder der Klobsäge (Abb.14) aufgesägt. Die Balken wurden
hierfür auf bis ca. 2 m große Böcke gelegt. Ein Mann stand oben auf dem Werkstück,
der andere darunter und so wurde gesägt.20 Nach SCHEFFOLD ist der Einsatz von
Sägemühlen erst ab der 1. Hälfte des 14. Jahrhundert nachgewiesen, eine der ersten
Zeichnung einer Sägemühle stammt wie bereits erwähnt von Vil ard de Honnecourt
(Abb.1) aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhundert.21
Beim Bau eines Hauses wurde meistens auf dem Abbundplatz22 (Abb.18) gearbeitet.
Der Baumeister ritzte die Konstruktionen in den Boden des Platzes, die Zimmerleute
16 SCHEFFOLD 2004 S. 21
17 PLATZ 2002, S. 27
18 PLATZ 2002, S. 53
19 SCHEFFOLD 2004, S. 22
20 PLATZ 2002, S. 35: Die Säge konnte aber auch von drei Leuten bedient werden.
21 SCHEFFOLD 2004, S. 22
22 Die Städte hatten eigene Abbundplätze, sonst wurde entweder auf dem Bauplatz selbst (wenn
genügend Platz war) oder in dessen Nähe der Abbund ausgeführt.
6
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