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Architektur als Gegenstand medialer Darstellung

Subtitle: Am Beispiel der INFO-BOX am Potsdamer Platz in Berlin

Doctoral Thesis / Dissertation, 1999, 226 Pages
Author: Dr. Ing. Thomas Fietz
Subject: Art - Architecture / History of Construction

Details

Category: Doctoral Thesis / Dissertation
Year: 1999
Pages: 226
Grade: cum laude
Language: German
Archive No.: V122505
ISBN (E-book): 978-3-640-30749-4
ISBN (Book): 978-3-640-30579-7

Abstract

Zu Beginn meiner Arbeit stelle ich die wichtigsten Stationen gebauter Architektur- und Bauausstellungen in Deutschland vor, und komme zu dem Ergebnis, daß die INFO BOX der vorläufige Höhepunkt einer langjährigen Entwicklung von Ausstellungen mit einer medial vermittelten Darstellung von Architektur ist. Darauf folgt die Beschreibung vergleichbarer Konzepte und die Erläuterung der Hintergründe, welche zum Bau der INFO BOX geführt haben. Nach der Vorstellung der einzelnen Ausstellungen in der INFO BOX geht es um die Frage, was mit dieser Form der Architekturdarstellung erreicht werden soll und wie sie auf den Besucher der INFO BOX wirkt. Dazu wird von mir eine empirische Untersuchung in Form einer Besucherbefragung vorgenommen. In der anschließenden Auswertung der Umfrage werden zunächst die auffälligsten Erscheinungen der Randauszählung und die Profile der einzelnen Besuchergruppen beschrieben. Im Anschluß folgt die Analyse der wichtigsten Komponenten, die den Charakter der INFO BOX-Aktion ausmachen. Der Aspekt der medialen Architekturdarstellung und die INFO BOX als Architekturdarstellungsmedium werden dabei vertieft. Schließlich erfolgt eine Gegenüberstellung der Erwartungshaltungen von INFO BOX-Betreibern und INFO BOX-Besuchern. Es wird gezeigt, daß Architekturdarstellung, im Zusammenhang mit dem INFO BOX-Konzept, weit mehr als nur die multimediale Simulation eines zukünftigen Bauvorhabens ist, bei der die INFO BOX-Besucher " informiert" werden sollen. Sie ist eine Kunst- und Unterhaltungsform geworden, bei der Stadtentwicklung mit Hilfe modernster Marketingstrategien in Szene gesetzt wird und die in der Lage ist, unsere Wahrnehmung von Architektur durch mediale Vermittlung zu beeinflussen.


Excerpt (computer-generated)

Brandenburgische Technische Universität Cottbus

Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktoringenieurs

Architektur als Gegenstand medialer Darstellung

Am Beispiel der INFO-BOX am Potsdamer Platz in Berlin

Thomas Fietz

 

Inhaltsverzeichnis


Vorwort ... 4

1 Einführung

1.1  Fragestellung ... 4
1.2 Abstrakt ... 6
1.3 Bezugsobjekt INFO BOX ... 6

2 Architekturdarstellung in Architektur- und Bauausstellungen

2.1 Darmstadt Mathildenhöhe ... 7
2.2 Stuttgart Weißenhof ... 10
2.3 Nationalsozialismus ... 15
2.4 Nachkriegszeit ... 19
2.5 IBA Berlin und IBA Emscher Park ... 24
2.6 Architektur- und Bauausstellungen in der DDR ... 31
2.7 Zusammenfassung ... 32

3 Die INFO BOX am Potsdamer Platz

3.1 Vergleichbare Konzepte ... 34
3.2 Hintergründe und Ursachen zum Bau der INFO BOX ... 38
3.3 Die Investoren und ihre Ausstellungen ... 46
3.4 Zusammenfassung ... 51

4 Voruntersuchung

4.1 Einleitung ... 53
4.2 Gästebuch der INFO BOX ... 54
4.3 Pressespiegel ... 58
4.4 Zusammenfassung ... 63

5 Fragebogen

5.1 Methodenbeschreibung/ Fragebogenkonzept ... 65
5.2 Randauszählung ... 69
5.3 Zusammenfassung ... 78

6 Besucherprofile

6.1 Differenzierung in Besucherprofile ... 79
6.2 Besucherprofil nach Herkunft ... 81
6.3 Besucherprofil nach Alter ... 86
6.4 Besucherprofil nach Geschlecht ... 90
6.5 Besucherprofil nach Bildung ... 93
6.6 Besucherprofil nach Beruf ... 96
6.7 Besucherprofil nach Computernutzung ... 99
6.8 Besucherprofil nach Wochentagen ... 101
6.9 Besucherprofil nach Intervieweffekt ... 101
6.10 Besucherprofil nach Bewertung der Bauvorhaben ... 102
6.11 Besucherprofil nach dem Aspekt: "nicht aufgefallen/ keine Meinung" ... 102
6.12 Besucherprofil nach dem Aspekt: "Eintritt Dachterasse" ... 104
6.13 Zusammenfassung/ Profilvergleich ... 105

7 Wesentliche Aspekte des INFO BOX Konzeptes

7.1 Die Baustelle als Event ... 113
7.2 Die Ausstellungen als Infotainmentkonzept ... 119
7.3 Die INFO BOX als "Multimedium" ... 122
7.4 Zusammenfassung ... 125

8 Erwartungshaltungen

8.1 Veranstaltermotiv versus Besuchererwartung ... 126
8.2 Glaubwürdigkeit ... 137
8.3 Information und/oder Entertainment ... 142
8.4 Zusammenfassung ... 149

9 Architekturdarstellung zwischen künstlicher und realer Welt

9.1 Komplexitätsreduzierung durch das Medium oder durch den Planer ... 150
9.2 Der gelenkte Blick ... 158
9.3 Die INFO BOX als Architekturdarstellungsmedium ... 168
9.4 Zusammenfassung ... 173

10 Zusammenfassung, Konsequenzen, Ausblick ... 175


Quellenverzeichnis ... 178

Anhang

Fragebogen der Besucherbefragung ... 186
Tabellarische Auswertung ... 190
Bildanhang ... 226

 

 

1 Einführung


1.1 Fragestellung

Als im November 1996 die INFO BOX am Potsdamer Platz ihre Pforten öffnete, war sie nicht nur das erste Gebäude, das nach der Maueröffnung an diesem öden und leeren ehemaligen Grenzabschnitt entstand, es sollte auch für mehrere Jahre der einzige Bau inmitten einer bizarren und unwirklichen Baustellenlandschaft sein. Die "Wüstenei"1 auf dem Potsdamer Platz, der vor dem 2. Weltkrieg den belebtesten Verkehrsknotenpunkt in Europa markierte, soll bis 2005 beseitigt sein und der Potsdamer Platz wieder den Glanz und die Belebtheit alter Tage erreichen. Bis dahin muß aber noch viel Erde und mehrere Millionen Tonnen an Baumaterial diese Vision Wirklichkeit werden lassen bewegt werden. Schon bei kleinen Bauvorhaben ist es nicht einfach, sich nur anhand von Zeichnungen und Modellen vorzustellen, wie der Bau einmal in der Realität aussehen wird. Bei einer Bauaufgabe in dieser Größenordnung fehlt bei den meisten von uns die Vorstellungskraft, sich das Resultat der Bauarbeiten vorzustellen. Deshalb, so die Veranstalter, wurde die INFO BOX gebaut. Sie verschafft den interessierten Bewohnern und Besuchern Berlins eine Einsicht in die Bauvorhaben und die zukünftige Verkehrsplanung.

Das Interesse an der INFO BOX war derart groß, daß die Veranstalter von ihrem eigenem Erfolg ein wenig überrascht worden sind. Der als Provisorium konzipierte Ausstellungspavillon wurde inzwischen das mit Abstand meist besuchte Gebäude der Stadt, wenn man das Brandenburger Tor als Gebäude nicht mitzählt. Hatte man anfänglich mit etwa 300 Besuchern im täglichen Durchschnitt gerechnet, so lagen schließlich an manchen Wochenenden die Besucherzahlen bei weit über 3000. Keine Ausstellung in Berlin war bisher derart stark besucht worden, und das Interesse schien nicht abzunehmen. Ließ sich dieses Interesse allein dadurch begründen, daß sich hier die größte Baustelle Europas befindet? Aber warum ist besonders diese Baustelle "hoffähig"2 geworden? Lag es vielleicht an der historischen Bedeutung des Potsdamer Platzes? Ausstellungen zur Planung am Alexanderplatz oder zur Neugestaltung des Regierungsviertels am Spreebogen hatten keine vergleichbare Resonanz beim Publikum. Lag es möglicherweise an der außergewöhnlichen Form der INFO BOX? Eine Neuerfindung ist die INFO BOX nicht, denn Architektur- und Bauausstellungen in avantgardistischer Architektur gab es beispielsweise schon auf der Interbau 1957. Oder sind es die Ausstellungen der Investoren in der INFO BOX?

Was ist die INFO BOX? Welche Rolle spielt sie bei der medialen Vermittlung von Architektur? Welchen Einfluß auf Architektur- und Bauausstellungen, auf die Darstellung von Architektur und schließlich auf unsere Wahrnehmung von Architektur hat das INFO BOX-Konzept? Dies sind die Ausgangsfragestellungen, die zu meiner Auseinandersetzung mit der INFO BOX führten.

 

[...]


1 Diepgen, Eberhard: Vorwort, in: Nishen, Dirk (Hrsg.): INFO BOX Katalog, Berlin 1996, S. 6.
2 Pröfener, Franz: Zeitzeichen Baustelle - Realität, Inszenierung und Metaphorik eines abseitigen Ortes, Frankfurt/ New York 1998, Klappentext.


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