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Überlegungen zum Bild-Text-Verhältnis im "Orbis pictus" des Johann Amos Comenius close

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Überlegungen zum Bild-Text-Verhältnis im "Orbis pictus" des Johann Amos Comenius

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 19 Pages
Author: Julia Hohm
Subject: German Studies - Literature of History, Eras

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 19
Grade: 1-2
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V122803
ISBN (E-book): 978-3-640-27941-8

Notes :
Eine schöne Arbeit, die sich dem schwierigen Gegenstand im souveränen Zugriff auf die Sekundärliteratur widmet (und die eine sehr gute Auswahl von Sekundärtexten trifft). Insgesamt eine schöne, gut zu lesende Arbeit.


Abstract

In dieser Arbeit soll zum besseren Verständnis zunächst einmal kurz auf das Bild des Kindes bei Comenius eingegangen werden, worauf ein wiederum knapper Überblick über den Gesamtaufbau sowie die Gestaltung der Einzelkapitel im „Orbis pictus“ folgt. Anschließend soll dann der Frage nachgegangen werden, wie Comenius durch seine Bilder, die im Wechselspiel mit den zugehörigen Texten wirken, bei den Kindern einen Begriff von der ganzen göttlichen Weltordnung zu erzeugen vermag. Dazu ist zunächst zu klären, welcher Bildtradition er dabei folgt bzw. von welcher er sich abzusetzen versucht. Die Illustrationen, mit denen Comenius den Kindern die Gegenstände des naturwissenschaftlich-technischen Bereiches vor Augen führt, stehen zunächst im Zentrum der Untersuchung, woraufhin auch näher beleuchtet werden soll, auf welche Weise er sogar Abstrakta im Bild sichtbar und so den Kindern zugänglich macht. In einer kurzen Schlussbetrachtung wird zuletzt noch der Anschauungsbegriff des Comenius mit dem aus unserer Zeit verglichen.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte

Hauptseminar: Kinder- und Jugendliteratur I

Wintersemester 2007/2008

Überlegungen zum Bild-Text-Verhältnis im ,,Orbis pictus" des

Johann Amos Comenius

(eingereicht am 07.04.2008)












Julia Ebert

LAG Germanistik, Latein

6./5. Semester


Inhaltsverzeichnis

1. Einführende Worte 4

2. Comenius′ Bild vom Kind 5

3. Der Aufbau des ,,Orbis pictus" 6

4. Die Bilder im ,,Orbis pictus" 7

4.1. Abkehr von der Mnemonik 7

4.2. Die Bilder zum naturkundlich-technischen Bereich 8

4.3. Die Darstellung des Unsichtbaren im Bild 12

5. Schlussbemerkung: Das Anschauungsbild gestern und heute 17

6. Literaturverzeichnis: 18






















3


1. Einführende Worte

,,Es ist / wie ihr sehet / ein kleines Büchlein: aber gleichwol ein kurzer Begriff der ganzen

Welt und der ganzen Sprache / voller Figuren oder Bildungen / Benahmungen und der Dinge

Beschreibungen"1.

So charakterisiert Johann Amos Comenius selbst sein Lehrwerk ,,Orbis pictus" aus dem Jahr

1658, das er einerseits als Hilfe zum Lesenlernen, andererseits als Lehrbuch zum Erlernen der

lateinischen Sprachen konzipiert hat. Wie in jedem Schulbuch, spiegeln sich auch in ihm

wesentliche Tendenzen aus den Denkrichtungen und Weltanschauungen seiner

Entstehungszeit. So führte beispielsweise das Aufkommen empirischer Forschung zu einer

,,Profanwissenschaft, die sich der Erfassung konkreter Tatsachen und Erscheinungen

zuwandte"2. Ihre Ergebnisse fanden auch in die Schriften des Comenius Eingang.

Andererseits zeigen sich bei ihm aber auch weiterhin eine starke Betonung der Religion sowie

Darstellungen, die nach wie vor die alte Weltvorstellung repräsentieren. ,,Comenius kann

[demnach] als Vorläufer und Eröffner der Moderne ebenso wie als ihre noch unverarbeitete

Kontrastfigur studiert werden"3.

Außerdem kam es in enger Verbindung mit dem Zugänglichmachen dieser neu gewonnenen

Erkenntnisse auch für die unteren Schichten zu einer allmählichen Verdrängung der

lateinischen Sprache aus Wissenschaft und Literatur. Auch diese Hinwendung zur

muttersprachlichen Literatur findet ihren Niederschlag im ,,Orbis pictus".

Gemeinsam ist den pädagogischen Entwürfen dieser Zeit auch die Hinwendung zu den

,Realien′, im Mittelpunkt des Unterrichts sollen also nicht mehr, wie bisher, die Worte,

sondern die Beschäftigung mit den Dingen, das Sachwissen, stehen. So spricht auch

Comenius in seinem Vorwort von ,,[den] Bildungen / [...] aller sehbaren Dinge [...] in der

ganzen Welt", die er durch sein Büchlein den Kindern näher bringen möchte. Auf welche

Weise er dies tut, soll unter anderem Gegenstand dieser Arbeit sein.

Im Folgenden soll jedoch zum besseren Verständnis zunächst einmal kurz auf das Bild des

Kindes bei Comenius eingegangen werden, worauf ein wiederum knapper Überblick über den

Gesamtaufbau sowie die Gestaltung der Einzelkapitel im ,,Orbis pictus" folgt. Anschließend

soll dann der Frage nachgegangen werden, wie Comenius durch seine Bilder, die im

1 Comenius, Johann Amos: Orbis sensualium pictus. Faksimiledruck der Ausgabe von 1658. Mit einem

Nachwort von Heiner Höfener. Dortmund: Karl Hitzegrad 1978. Vortrag. An den Leser.

Alle weiteren folgenden Verweise und Zitate beziehen sich ebenfalls auf diese Ausgabe und werden nicht

gesondert zitiert.

2 Alt, Robert: Herkunft und Bedeutung des Orbis Pictus. Ein Beitrag zur Geschichte des Lehrbuchs. Berlin:

Akademie-Verlag 1970. S. 9.

3 Scheuerl, Hans: Johann Amos Comenius (1592-1670). In: Klassiker der Pädagogik. Erster Band. Von

Erasmus von Rotterdam bis Herbert Spencer. Hrsg. von Hans Scheuerl. München: C.H. Beck 1979. S. 68.

4


Wechselspiel mit den zugehörigen Texten wirken, bei den Kindern einen Begriff von der

ganzen göttlichen Weltordnung zu erzeugen vermag. Dazu ist zunächst zu klären, welcher

Bildtradition er dabei folgt bzw. von welcher er sich abzusetzen versucht. Die Illustrationen,

mit denen Comenius den Kindern die Gegenstände des naturwissenschaftlich-technischen

Bereiches vor Augen führt, stehen zunächst im Zentrum der Untersuchung, woraufhin auch

näher beleuchtet werden soll, auf welche Weise er sogar Abstrakta im Bild sichtbar und so

den Kindern zugänglich macht. In einer kurzen Schlussbetrachtung wird zuletzt noch der

Anschauungsbegriff des Comenius mit dem aus unserer Zeit verglichen.

2. Comenius′ Bild vom Kind

Um die Konzeption des ,,Orbis pictus" besser verstehen zu können, erscheint ein kurzer Blick

auf das Verständnis, das Comenius vom Kind hatte, hilfreich. In der Pädagogik von Johann

Amos Comenius, die unter anderem durch den Pietismus beeinflusst wurde, erscheint auch

das Kind erstmals als Ebenbild Gottes, als Gotteskind, das ebenso wie die Erwachsenen eine

direkte Beziehung zu Gott hat. Daraus ergibt sich, dass auch die Kindheit als Lebensphase

durchaus ernst zu nehmen ist und dass ,,die Realisierung des Königreichs Gottes auf Erden

[...] bereits auch die Aufgabe der Kinder als Menschen"4 ist. Dies ist umso mehr möglich, als

den Kindern ein unbefangenes Hindrängen zu Jesus zugeschrieben wird, indem sie sich ohne

die Vorbehalte, wie sie die Erwachsenen haben, ,,auf jenes von Christus wieder geknüpfte

Band zu Gott"5 einlassen.

Aus dieser doch positiv besetzten Naivität ergibt sich zugleich, dass der kindliche Geist ,,der

ankommenden Weisheit [...] noch grenzenlos offensteht"6 und daher bereits in sehr frühen

Jahren mit der Bildung des Menschen begonnen werden muss, zumal früh Gelerntes dem

Gedächtnis besser eingeprägt bleibt wie spät Gelerntes. Daraus resultiert aber gleichzeitig der

Anspruch, dass es auch für Kinder eigene Bücher geben muss, mit deren Hilfe ihnen bereits in

jungen Jahren mitgeteilt werden kann, wie die Welt beschaffen ist, und durch die ihnen

,,Weisheit, Tugend und Frömmigkeit"7 eingeprägt werden können. Zu diesem Zweck

konzipierte Comenius seine Lehrbücher auf einer einfachen, für Kinder leicht zugänglichen

Ebene. Speziell der ,,Orbis pictus", der in seiner Konzeption als Bilderbuch auch bei der

4 Schaller, Klaus: Das Kind in der Pädagogik des J.A. Comenius (1592-1670). In: Das Kind in Pietismus und

Aufklärung. Beiträge des Internationalen Symposions vom 12.-15. November 1997 in den Franckeschen

Stiftungen zu Halle. Hrsg. von Josef N. Neumann und Udo Sträter. Tübingen: Verlag der Frankeschen

Stiftungen Halle im Max-Niemeyer-Verlag 2000. S. 24.

5 Ebd. S. 23.

6 Hornstein, Herbert: Weisheit und Bildung. Studien zur Bildungslehre des Comenius. Düsseldorf:

Pädagogischer Verlag Schwann 1968. S. 179.

7 Schaller, K.: Das Kind in der Pädagogik des J.A. Comenius. S. 19.

5



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