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Untertitel: Umdenken im Umgang mit verwirrten alten Menschen
Anderes, 2005, 30 Seiten
Autor: Andrè Heß
Fach: Pflegemanagement / Sozialmanagement
Details
Tags: Aggression, Gewalt, Gerontopsychiatrie, Weiterbildung, Fachpfleger, Gerontopsychiatrie
Jahr: 2005
Seiten: 30
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 4 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-27950-0
ISBN (Buch): 978-3-640-29179-3
Die Hausarbeit wurde im Rahmen einer berufsbegleitenden Weiterbildung zum staatlich anerkannten Fachpfleger in der Gerontopsychiatrie angefertigt (Abschlußarbeit).
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Zusammenfassung / Abstract
Die Pflege von psychiatrisch auffälligen alten Menschen birgt ein erhöhtes Gewaltpotential in sich. Zum einem sind hiervon die psychisch erkrankten alten Menschen betroffen, weil sie aufgrund auftretender Verhaltensstörungen immer wieder auf Unverständnis ihrer Mitmenschen stoßen. Zum anderem sind die in der Pflege Tätigen betroffen, die mit gutgemeinten pflegerischen bzw. therapeutischen Angeboten krankheitsbedingt auftretende Beeinträchtigungen ausgleichen wollen. Dieses Motiv, helfen zu wollen, wird aber häufig von schwer an Demenz Erkrankten verkannt, die dann aggressiv und ablehnend reagieren. Es entsteht eine Art Teufelskreis, da Pflegekräfte in solchen Situationen oft hilflos und überfordert sind. Nicht selten wird dann autoritär durchgegriffen. In meiner bisherigen Berufspraxis auf einer geschlossenen gerontopsychiatrischen Abteilung habe ich immer öfter den Eindruck gewonnen, dass auftretende Aggressionen bei den Erkrankten stark mit dem Umfeld zu tun haben, in dem sie leben. Mit der Ausarbeitung der Hausarbeit wollte ich die Chance nutzen, meinen gewonnenen Eindruck zu hinterfragen und ggf. Wege aufzeigen, die ein Umdenken im Umgang mit verwirrten alten Menschen ermöglichen. Die Brisanz des Themas „Aggression / Gewalt in der Gerontopsychiatrie“ wird deutlich, wenn man sich die Zahlen der an Demenz erkrankten Menschen in der Bundesrepublik Deutschland ansieht. „Derzeit geht man von 800.000 mittelschwer und schwer erkrankten Demenzkranken aus, in 5-7 Jahren wird sich die Zahl auf 1,2 Millionen erhöhen. Die jährliche Rate der Neuerkrankungen liegt bei den über 65jährigen derzeit bei 200.000“ (Hamburg, 2000, S. 35).
Textauszug (computergeneriert)
Aggression / Gewalt
in der Gerontopsychiatrie
Umdenken im Umgang mit verwirrten alten Menschen
Abschlussarbeit im Rahmen der
Weiterbildung zum staatlich anerkannten Fachpfleger in der
Gerontopsychiatrie
André Heß
Hamburg, den 06.03.2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Begriffserklärungen 5
2.1 Der Begriff ,,gerontopsychiatrische Pflege" 5
2.2 Die Begriffe ,,Aggression" und ,,Gewalt" 6
3. Formen von Aggression und Gewalt in der Pflege 8
4. Aggressionstheorie 9
4.1 Frustrations-Aggressions-Hypothese 9
5. Historik 11
5.1 Historische Entwicklung im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen 11
5.2 Heutiges Meinungsbild über psychisch Kranke in unserer Gesellschaft und
deren mögliche Ursache 12
6. Der Pflegealltag auf einer gerontopsychiatrischen Abteilung 14
6.1 Der alltägliche Umgang mit verwirrten alten Menschen 14
6.2 Frustrationen im Pflegealltag 15
6.3 Mögliche Auslöser für Frustrationen im Heimlebenpsychisch erkrankter alter
Menschen 15
6.4 Das Selbstbestimmungsrecht verwirrter Bewohner 18
6.5 Mögliche Auslöser für Frustrationen im Berufsalltag der Pflegenden 19
7. Frustrationsprophylaxe im Pflegealltag 21
7.1 Professionalität der Pflegenden 21
7.2 Milieutherapie 22
7.3 In eigener Sache 25
8. Schlusswort 27
Literaturverzeichnis 29
2
1.
Einleitung
Diese Hausarbeit wurde im Rahmen einer berufsbegleitenden Weiterbildung zum staatlich
anerkannten Fachpfleger in der Gerontopsychiatrie angefertigt.
Mit der Hausarbeit ,,Aggression / Gewalt in der Gerontopsychiatrie" - Untertitel ,,Umdenken
im Umgang mit verwirrten alten Menschen" möchte ich einen Beitrag zur Gewaltprävention
leisten. Die Hausarbeit soll helfen, bestimmte Verhaltensweisen der Erkrankten besser zu
verstehen, um darauf als Pflegepersonal gelassener und mit Toleranz reagieren zu können.
Die Pflege von psychiatrisch auffälligen alten Menschen birgt ein erhöhtes Gewaltpotential in
sich. Zum einem sind hiervon die psychisch erkrankten alten Menschen betroffen, weil sie
aufgrund auftretender Verhaltensstörungen immer wieder auf Unverständnis ihrer
Mitmenschen stoßen. Zum anderem sind die in der Pflege Tätigen betroffen, die mit
gutgemeinten pflegerischen bzw. therapeutischen Angeboten krankheitsbedingt auftretende
Beeinträchtigungen ausgleichen wollen. Dieses Motiv, helfen zu wollen, wird aber häufig von
schwer an Demenz Erkrankten verkannt, die dann aggressiv und ablehnend reagieren. Es
entsteht eine Art Teufelskreis, da Pflegekräfte in solchen Situationen oft hilflos und
überfordert sind. Nicht selten wird dann autoritär durchgegriffen.
In meiner bisherigen Berufspraxis auf einer geschlossenen gerontopsychiatrischen Abteilung
habe ich immer öfter den Eindruck gewonnen, dass auftretende Aggressionen bei den
Erkrankten stark mit dem Umfeld zu tun haben, in dem sie leben. Mit der Ausarbeitung der
Hausarbeit wollte ich die Chance nutzen, meinen gewonnenen Eindruck zu hinterfragen und
ggf. Wege aufzeigen, die ein Umdenken im Umgang mit verwirrten alten Menschen
ermöglichen.
Die Brisanz des Themas ,,Aggression / Gewalt in der Gerontopsychiatrie" wird deutlich,
wenn man sich die Zahlen der an Demenz erkrankten Menschen in der Bundesrepublik
Deutschland ansieht. ,,Derzeit geht man von 800.000 mittelschwer und schwer erkrankten
Demenzkranken aus, in 5-7 Jahren wird sich die Zahl auf 1,2 Millionen erhöhen. Die jährliche
Rate der Neuerkrankungen liegt bei den über 65jährigen derzeit bei 200.000" (Hamborg,
2000, S. 35).
Die Hausarbeit soll im theoretischen Teil grundlegende Dinge zum Thema erklären, um den
Einstieg in den praxisbezogenen Teil zu ermöglichen. Hier soll die Frage geklärt werden, was
sich hinter den Begriffen Aggression und Gewalt verbirgt und warum eine Trennung dieser
Begrifflichkeiten durchaus sinnvoll ist. Weiterhin möchte ich hier auf eine mögliche
Einteilung der Formen von Aggression und Gewalt eingehen. Dies hat den Hintergrund, dass
3
die LeserInnen sich ins Bewusstsein rufen, was alles darunter zu verstehen ist, um eine
gewisse Sensibilität für das Thema zu entwickeln. Außerdem möchte ich im theoretischen
Teil auf eine Aggressionstheorie eingehen, die mögliche Ursachen für die Entstehung von
Aggressionen benennt.
Schwerpunkt im praxisbezogenen Teil ist es, Probleme, die sich im Pflegealltag des Personals
und im Heimleben psychisch erkrankter alter Menschen ergeben, sowie deren Ursachen und
mögliche Problemlösungsstrategien aufzuzeigen.
4
2.
Begriffserklärungen
Zunächst muss einmal geklärt werden, was überhaupt Gegenstand der Betrachtung ist.
Deshalb möchte ich als Erstes die Begrifflichkeiten des Themas der Hausarbeit ,,Aggression /
Gewalt in der Gerontopsychiatrie" erläutern. Damit soll zum einen die Frage beantwortet
werden, was gerontopsychiatrische Pflege ist und womit sie sich beschäftigt, zum anderen soll
erklärt werden, wann man den Begriff Gewalt und wann besser den Begriff Aggression
gebrauchen sollte. Diese Erklärung soll helfen, die Begriffe richtig einzusetzen.
2.1
Der Begriff ,,gerontopsychiatrische Pflege"
,,Mit dem Begriff ,,gerontopsychiatrische Pflege" wird seit den 70er-Jahren eine spezielle
Fachrichtung der geriatrischen Pflege ab dem 60. Lebensjahr verstanden. Sie umfasst alle
pflegerischen Maßnahmen zur Prävention und Rehabilitation sowie die Therapie bei alten
Menschen mit psychischen Störungen.
Geronto-
psych-
ia- trische
Pflege
Greis Seelen Heil Kunde Begleitung
Es handelt sich um die Pflege von geistes- und gemütskranken alten Menschen."
(Höwler, 2000, S. 21).
Zu den am häufigsten vorkommenden Krankheitsbildern in der Gerontopsychiatrie gehört die
Demenz. Um als Pflegekraft Verhaltensweisen an Demenz erkrankter Menschen verstehen
und zuordnen zu können, möchte ich im Folgenden klären, um was es sich dabei handelt und
welche Einschränkungen die Betroffenen haben können.
,,Demenz ist ein Symptom vieler Krankheiten, bei denen es im Verlauf des Lebens zu einem
Verlust der geistigen Leistungsfähigkeiten kommt. Dieser Verlust ist so stark, dass es zu
Beeinträchtigungen im täglichen Leben (zum Beispiel bei der Versorgung des Haushalts oder
im Kontakt zu Mitmenschen) kommt" (Borutta, 2000, S. 197, zitiert nach Krämer, 1996)
,,Krankheitszeichen einer Demenz sind Verknüpfungen verschiedenartiger Störungen.
Hierzu zählen insbesondere:
Gedächtnisstörungen, Störungen des Denkens und des Urteilsvermögens,
Orientierungsstörungen, Benennungsstörungen (Anomie), Sprachstörungen (Aphasie),
Störungen des Erkennens (Agnosie), Störungen bei Bewegung und Handlung (Apraxie),
5
Lese-, Schreib- und Rechenstörungen (Alexie, Agraphie, Akalkulie),
Antriebs- und Aufmerksamkeitsstörungen, Persönlichkeitsstörungen."
(Borutta, 2000, S. 197, zitiert nach Krämer, 1996)
2.2
Die Begriffe ,,Aggression" und ,,Gewalt"
Immer wieder haben Wissenschaftler Aggression und Gewalt unterschiedlich bewertet und
gewichtet, so dass die Begriffe eine immer weitere Ausdehnung erfahren haben. Dies wird
besonders deutlich in den zahlreichen Erklärungsversuchen der einschlägigen Literatur. Je
nach Wissensdisziplin (Psychologie, Soziologie, Rechtswissenschaft usw.) haben
Wissenschaftler hier ein Sammelsurium von unterschiedlichen Gewaltbegriffen geschaffen.
Um bei den theoretischen Grundlagen meiner Hausarbeit Verwirrung zu vermeiden, möchte
ich mich deshalb nur mit einem Erklärungsversuch, der im Zusammenhang mit der Pflege
steht, auseinandersetzen.
So unterscheidet Ruthemann (1993, S. 14 f.) die Aggression von der Gewalt wie folgt:
,,Es wird immer dann von
Gewalt
gesprochen, wenn eine Person zum Opfer wird, d.h.
vorübergehend oder dauernd daran gehindert wird, ihrem Wunsch oder ihren Bedürfnissen
entsprechend zu leben. Gewalt heißt also, dass ein ausgesprochenes oder unausgesprochenes
Bedürfnis des Opfers missachtet wird. Dieses Vereiteln einer Lebensmöglichkeit kann durch
eine Person verursacht sein (personale Gewalt) oder von institutionellen oder
gesellschaftlichen Strukturen ausgehen (strukturelle Gewalt). Bei der personalen Gewalt
erscheint darüber hinaus die Unterscheidung wichtig zwischen aktiver Gewaltanwendung im
Sinne der Misshandlung, und passiver Gewaltanwendung im Sinne der Vernachlässigung.
Gewalt sollte immer aus Sicht des Opfers definiert werden."
,,
Aggressives Verhalten
liegt nur dann vor, wenn die Absicht der Schädigung bei einem
Täter vorhanden ist. Wenn also eine Person absichtlich etwas macht oder unterlässt, um eine
psychische oder physische Beeinträchtigung einer anderen Person herbeizuführen, verhält sie
sich aggressiv. Aggression wird aufgrund der Intention eines Täters definiert."
Damit will Ruthemann (1993, S. 17) also sagen, dass Gewalt aus der Sicht des geschädigten
Opfers definiert wird, nämlich die gegen seinen Willen und seine Einsicht erlittenen
Einschränkungen seiner Entfaltungsmöglichkeiten, während die Aggression aufgrund der
Schädigungsabsicht eines Täters definiert wird. Folglich geht erlittene Gewalt nur dann auf
zugefügte Aggression zurück, wenn ein Täter einen Wunsch oder ein Bedürfnis seines Opfers
kennt, aber dennoch missachtet, obwohl er die Möglichkeit hätte, auf die Wünsche
einzugehen.
6
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