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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 35 Pages
Author: Stud. phil. Julia Schneider
Subject: Speech Science / Linguistics
Details
Institution/College: University of Heidelberg (Seminar für Übersetzen und Dolmetschen)
Tags: Bügelwäscheaufbewahrungstruhe, Kompositum, Wiedergabe, Französischen, Kontrastive, Linguistik, Translationstheorie, Translationspraxis
Year: 2008
Pages: 35
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-28520-4
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Abstract
Der Wortschatz einer Sprache wird auf verschiedene Art und Weise bereichert: Neue Wörter können auf der Grundlage bereits vorhandenen Wortmaterials gebildet werden, und man kann sie aus anderen Sprachen entlehnen. Außerdem lässt sich der Wortschatz durch Bedeutungsveränderung und durch Urschöpfung erweitern. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem zuerst genannten Fall, d. h. mit der Bildung von Wörtern aus Sprachmaterial, das bereits in einer Sprache vorhanden ist. Dank der Wortbildung ist es uns möglich, komplexe Sachverhalte kurz und bündig zu benennen. Dies geschieht nach verschiedenen Verfahren, die in den einzelnen Sprachen mehr oder weniger gebräuchlich sind. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Verfahren der Komposition, der Wortzusammensetzung. Im Deutschen und Französischen werden neue Wörter nach dem Kompositionsverfahren gebildet, jedoch ist das Verfahren unterschiedlich stark ausgeprägt, was für den Übersetzer ein Problem darstellen kann. Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, welche Probleme sich für den Übersetzer bei der Übersetzung deutscher Komposita in das Französische ergeben. Gegenstand ist also nur die Übersetzungsrichtung Deutsch-Französisch.
Excerpt (computer-generated)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Bügelwäscheaufbewahrungstruhe
schlüsselfertig
übereinstimmen:
Das deutsche Kompositum und seine Wiedergabe im Französischen
Hauptseminararbeit im Fach Sprach- und Übersetzungswissenschaft zum Thema:
"Kontrastive Linguistik Translationstheorie Translationspraxis"
Institut für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Heidelberg
Wintersemester 2007/2008
Vorgelegt von:
Julia Schneider
5. Semester
F1 Französisch/F2 Spanisch
Heidelberg, April 2008
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
0. Einleitung 3
1. Gegenstand der Wortbildungslehre 4
2. Das Morphem als Grundelement der Wortbildung 5
3. Synchrone Perspektive der modernen Wortbildungslehre 6
4. Motiviertheit der Wortbildungsprodukte 8
5. Die wichtigsten Wortbildungsverfahren 9
5.1. Derivation bzw. Ableitung 9
5.2. Konversion 10
5.3. Wortkürzung 10
5.4. Komposition 11
5.4.1.
Determinativ- und Kopulativkomposita 11
5.4.2.
Semantische Beziehungen bei Determinativkomposita 12
5.4.3.
Syntaktische Fügungen bzw. Mehrwortbenennungen 13
5.4.4.
Gelehrte Bildungen 13
6. Produktivität der Wortbildungsmuster 15
7. Exkurs: Einteilung der Wortbildungsverfahren nach inhaltlichen Kriterien .16
8. Die Rolle der Komposition im Deutschen 18
8.1. Deutsche Substantivkomposita 18
8.2. Deutsche Adjektivkomposita 20
8.3. Verbkomposita 21
9. Die Komposition im Französischen 22
9.1. Französische Substantivkomposita 22
9.2. Adjektivkomposita 23
9.3. Verbkomposita 24
10. Probleme der Übersetzung deutscher Komposita ins Französische 25
10.1. Gefahr der Fehldeutung von Komposita 25
10.2. Resemantisierung von Komposita 26
11. Wiedergabe deutscher Komposita im Französischen 28
11.1. Wiedergabe deutscher Substantivkomposita im Französischen 28
11.2. Wiedergabe deutscher Adjektivkomposita im Französischen 29
12. Wiedergabe deutscher Verbkomposita im Französischen 30
13. Schlussbetrachtung 31
14. Literaturangaben 33
Das deutsche Kompositum und seine Wiedergabe im Französischen Seite 3
0. EINLEITUNG
Der Wortschatz einer Sprache wird auf verschiedene Art und Weise bereichert: Neue
Wörter können auf der Grundlage bereits vorhandenen Wortmaterials gebildet
werden, und man kann sie aus anderen Sprachen entlehnen. Außerdem lässt sich der
Wortschatz durch Bedeutungsveränderung und durch Urschöpfung erweitern.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem zuerst genannten Fall, d. h. mit der
Bildung von Wörtern aus Sprachmaterial, das bereits in einer Sprache vorhanden ist.
Dank der Wortbildung ist es uns möglich, komplexe Sachverhalte kurz und bündig
zu benennen. Dies geschieht nach verschiedenen Verfahren, die in den einzelnen
Sprachen mehr oder weniger gebräuchlich sind. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt
auf dem Verfahren der Komposition, der Wortzusammensetzung. Im Deutschen und
Französischen werden neue Wörter nach dem Kompositionsverfahren gebildet,
jedoch ist das Verfahren unterschiedlich stark ausgeprägt, was für den Übersetzer ein
Problem darstellen kann. Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, welche Probleme sich
für den Übersetzer bei der Übersetzung deutscher Komposita in das Französische
ergeben. Gegenstand ist also nur die Übersetzungsrichtung Deutsch-Französisch.
Im ersten Kapitel meiner Arbeit werde ich zunächst genauer auf den Gegenstand der
Wortbildungslehre eingehen und sie von der Morphologie abgrenzen. Danach
werden die Grundelemente der Wortbildung und die wichtigsten materiellen
Wortbildungsverfahren vorgestellt, wobei der Schwerpunkt auf der Komposition
liegt. In Kapitel 7 werde ich im Rahmen eines Exkurses auf die inhaltlichen
Wortbildungsverfahren nach Gauger und Coseriu eingehen. Im nächsten Schritt
erläutere ich die Rolle der Komposition im Deutschen und Französischen anhand der
wichtigsten bzw. produktivsten Kompositionsmuster und zeige die Probleme auf, die
sich dem Übersetzer bei der Wiedergabe deutscher Komposita im Französischen
stellen. Im letzten Kapitel meiner Arbeit zeige ich schließlich mögliche
Lösungsansätze auf.
Das deutsche Kompositum und seine Wiedergabe im Französischen Seite 4
1. GEGENSTAND DER WORTBILDUNGSLEHRE
Die Wortbildungslehre ist ein Teilgebiet der Sprachwissenschaft. Sie untersucht und
beschreibt die äußere Struktur der Wörter, ihre Segmentierbarkeit in Morpheme1 und
die Regeln, nach denen neue Wörter in Analogie zu schon vorhandenen Wörtern
gebildet werden.
Traditionell, d. h. in der historischen Grammatik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
sah man die Wortbildung noch als Teilgebiet der Morphologie an. Heute gilt die
Wortbildungslehre jedoch als eigenständiges Gebiet der Linguistik.
Im Unterschied zur Wortbildung ist die Morphologie die Lehre von den kleinsten
bedeutungstragenden Elementen der Sprache. Diese Elemente sind sprachliche
Zeichen mit ,,signifiant" und ,,signifié", die nicht weiter zerlegbar sind. Sie
beschäftigt sich mit der grammatischen Ebene, mit der Flexion der Wörter und wird
auch als Formenlehre bezeichnet. Es werden lediglich ,,bestehende Lexien an
variable syntaktische Kotexte [adaptiert]"2 und keine neuen lexikalischen Einheiten
geschaffen. Bei der Wortbildungslehre geht es im Gegensatz dazu um die Schaffung
neuer lexikalischer Einheiten nach bestimmten Wortbildungsverfahren (siehe Kapitel
5).3 Die Ergebnisse dieser Verfahren nennt man Wortbildungen oder
Wortbildungsprodukte.
Der Begriff ,,Wort" kann unterschiedlich definiert werden. Die Wortbildung definiert
ihn wie folgt: Laut Thiele ist das Wort als Lexem, d. h. als kleinste, relativ
selbstständige bedeutungstragende Einheit zu verstehen. Er unterscheidet einfache
Lexeme, sogenannte Simplizia, und komplexe lexikalische Einheiten. Simplizia
bestehen nur aus einem Morphem, wie z. B.
chaise, Stuhl.
Sie sind nicht Gegenstand
der Wortbildungslehre. Die komplexen lexikalischen Einheiten setzen sich hingegen
aus zwei oder mehreren Morphemen zusammen, wie z. B.
baladeur, chasse-neige,
Schneekönig, bettelarm
etc. Die Wortbildungslehre beschreibt und analysiert nur
diese komplexen Zeichen. Einzige Ausnahme sind die sogenannten Rückbildungen,
(beispielsweise im Französischen
pli-plier, accueil acueillir
) und Kurzwörter
(
automobile auto, Auszubildender Azubi
). Das Wort wird als Wörterbucheinheit
verstanden. Man untersucht den abstrakten Wortbegriff und alle ihm zugehörigen
1 Morphem: Ein Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit der Sprache.
2 Vgl. Wunderli 1998: S. 74
3 Wunderli 1998: S. 74 f
Das deutsche Kompositum und seine Wiedergabe im Französischen Seite 5
Wortformen (z. B.
grand/grande/grands/grandes; König/Könige/Königs/Königen
etc.).4
Thiele weist darauf hin, dass französische Wortbildungen oftmals mehr als nur
eine graphische Einheit darstellen. Während Wortbildungen im Deutschen
zusammengeschrieben werden, werden französische Wortbildungen auch getrennt
geschrieben. Sie sind daher als lexikalisch-semantische Einheit zu verstehen, z. B.
salle de pain, fromage blanc, chaise longue, machine à laver 5
(mehr dazu in Kapitel
5.4.3).
Anhand des Morphems als Grundelement der Wortbildung können alle komplexe
Zeichen bzw. Wortbildungsprodukte beschrieben werden. Sie werden nun im
Folgenden genauer definiert.
2. DAS MORPHEM ALS GRUNDELEMENT DER WORTBILDUNG
Um die Struktur und den Aufbau der Wortbildungsprodukte adäquat beschreiben zu
können, bedient sich die Wortbildungslehre des Morphembegriffs. Das Morphem
(griech. morph = Gestalt, Form)
besteht strukturell aus einem oder mehreren
Phonemen6. Semantisch gesehen ist das Morphem die kleinste bedeutungstragende
Einheit der Sprache. Es ist ein nicht weiter segmentierbares Minimalzeichen, das
komplexe Wörter, sogenannte Morphemgefüge, aufbauen kann.
Die Morpheme lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen: Grundsätzlich
unterscheidet man zwischen freien und gebundenen Morphemen.
Freie Morpheme
werden auch Grundmorpheme genannt.7 Ein Morphem ist dann frei, wenn es für sich
allein als grammatisches Wort auftreten kann.8 Es ist das semantisch wichtigste,
zentrale Element in einer Morphemkonstruktion und trägt die lexikalisch-begriffliche
Bedeutung des Wortes.9 Der Bestand der freien Morpheme ist unbegrenzt und die
Bildungsmöglichkeiten sind sehr groß.10 So kann das Morphem
structure
die
Grundlage für Wortbildungen sein wie
structurel, structurer, structuration,
structural
usw. bilden.
Im Gegensatz dazu stellen die
gebundenen Morpheme
eine geschlossene Gruppe
dar. Sie können nicht allein als Wort auftreten, jedoch besitzen sie wie die freien
4 Vgl. Thiele 1993: S. 7
5 Vgl. Thiele 1993: S. 7
6 Phonem: Ein Phonem ist die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit der Sprache.
7 Vgl. Lohde 2006: S. 13
8 Vgl. Schpak-Dolt 2006: S. 25
9 Vgl. Thiele 1993: S. 17
10 Vgl. Lohde 2006: S. 13
Das deutsche Kompositum und seine Wiedergabe im Französischen Seite 6
Morpheme eine lexikalisch-begriffliche Bedeutung. ,,Die durch sie bezeichneten
Begriffe haben jedoch einen erheblich höheren Grad der Verallgemeinerung"11, d. h.
sie haben semantisch gesehen eine abstraktere Bedeutung wie z. B.: ,,in der Art wie";
in bezug auf" oder ,,Wiederholung des im Stamm ausgedrückten Vorgangs".12 Die
gebundenen Morpheme lassen sich wiederum in Wortbildungsmorpheme und
Flexionsmorpheme unterteilen:
Wortbildungsmorpheme
dienen ausschließlich der
Bildung von Wörtern. Dazu zählen Präfixe (
ré
élire;
re
konstruieren), Infixe
(
organisation
) und Suffixe (
culturel
;
natürlich
)
.
Präfixe werden dem Grundmorphem
vorangestellt, Suffixe werden an das Grundmorphem angehängt und Infixe treten
zwischen das Grundmorphem und ein gebundenes Morphem.13
Flexionsmorpheme
hingegen kennzeichnen grammatische Inhalte und Beziehungen
und dienen der Charakterisierung der Wortarten. Hierzu zählen im Deutschen alle
Morpheme, die bei Verben Tempus, Modus, Genus Verbi, Person und Numerus
ausdrücken (Bsp.:
-e, e(st), -(e)t, -(e)n, -end, -te, ge-)
bzw. solche die bei Nomen
Genus, Kasus, Numerus und Komparation bestimmen (Bsp.
Herzenssache)
.
Präpositionen und Konjunktionen haben keine Flexionsmorpheme.14 Im
Französischen sind dies z. B. Morpheme, die beim Substantiv den Plural ausdrücken
(
pommes
), Tempus, Modus oder Person beim Verb (
nous chantions, je savais
) oder
Genus beim Adjektiv (
pomme verte; grosse dame
).15
3. SYNCHRONE PERSPEKTIVE DER MODERNEN WORTBILDUNGSLEHRE
Charakteristisch für die moderne Wortbildungslehre ist ihre synchrone Perspektive.
Dies bedeutet, dass die Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachtet wird und
nicht in ihrer historischen Entwicklung. Die traditionelle Wortbildungslehre war
diachron ausgerichtet. Man untersuchte die Wörter in ihrer historischen Entwicklung
und ,,die Wortbestandteile [wurden] in bezug auf ihre Einzelbedeutung(en)
untersucht"16. Heute kommt es in der modernen Wortbildungslehre jedoch nicht
darauf an, wie sich ein Wort im Laufe der Geschichte entwickelt hat. Aus synchroner
Sicht geht es darum, ob ein Wort zu einem bestimmten Zeitpunkt analysierbar ist, d.
h. in seine einzelnen Komponenten zerlegbar ist (Bsp.:
cerise cerisier, wagon-lit
).
11 Lohde 2006: S. 14
12 Thiele 1993: S. 17
13 Vgl. Lohde 2006: S. 14
14 Vgl. Lohde 2006: S. 16
15 Vgl. Thiele 1993: S. 17
16 Thiele 1993: S. 9
Das deutsche Kompositum und seine Wiedergabe im Französischen Seite 7
Das Wort ,,panier" ist zum Beispiel aus synchroner Sicht nicht mehr analysierbar. Es
stammt vom Lateinischen PANIS + ARIUM = PANARIUM = ,,
Brotkorb
". Das
französische Wort ,,
panier
" hat aber ,,im Laufe der Zeit sowohl inhaltlich als auch
formal die Beziehung zu seinem ursprünglichen Konstituenten verloren"17. Aus
diesem Grund ist es nicht Gegenstand der synchron ausgerichteten
Wortbildungslehre. Weitere Beispiele für diesen Typ aus dem Französischen sind die
Wörter
message, courage
und
tablette
. 18
In der synchron ausgerichteten Wortbildungslehre werden also nur solche
Wortbildungen behandelt, die formal und inhaltlich zerlegbar sind bzw. bei denen
erkennbar ist, nach welchem Wortbildungsverfahren sie entstanden sind. Nach der
Terminologie von Hans-Martin Gauger sind diese Wortbildungen ,,durchsichtig".
Der Hörer kann sich die Bedeutung des Wortes aus den einzelnen Bestandteilen
ableiten.19
Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Diachronie in der modernen
Wortbildung dennoch eine Funktion hat: einerseits bei der Frage nach der
Produktivität (siehe Kapitel 6), denn diese ist bereits eine diachrone Fragestellung,
und andererseits ,,zum besseren Verständnis der heutigen Wortverwendungen"20.
17 Wunderli 1989: S. 75f
18 Vgl. Wunderli 1989: S. 76
19 Vgl. Rohrer: S. 16
20 Thiele 1993: S. 9
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