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Ökobilanzen - Was sagen sie aus? Was leisten sie?

Hausarbeit, 2007, 29 Seiten
Autor: B. Eng. Ines Munoz Zuniga
Fach: Technik

Details

Veranstaltung: Ökologie der Verpackung
Institution/Hochschule: Technische Fachhochschule Berlin (Fachbereich V – Life Sciences and Technology)
Tags: Verpackung, Ökobilanz
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 29
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 45  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V122918
ISBN (E-Book): 978-3-640-28524-2
ISBN (Buch): 978-3-640-28589-1

Zusammenfassung / Abstract

Ökobilanzen gewinnen als relativ junges, ISO-genormtes Instrument zur Beurteilung produktbezogener Lebenszyklen sukzessive mehr an Bedeutung. Dies gilt im Besonderen für den Verpackungsbereich vor dem Hintergrund der Verpackungsverordnung, wie unter anderem durch die im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführten Ökobilanzen zu Getränkeverpackungen deutlich wird. Trotz bzw. wegen ihrer strukturell bedingten begrenzten Aussagefähigkeit vermögen es Ökobilanzen, Unternehmen quantitativ im Sinne monetärer Einsparungen und qualitativ im Sinne von Entwicklungspotenzialen aufzuzeigen, so bei der ökologischen Produktoptimierung, als Informationsinstrument oder im Marketing. Politische Entscheidungsträger indes berufen sich auf Ökobilanzen als Entscheidungshilfe, so etwa bei der Einführung des Zwangspfandes. Vor dem Hintergrund der vielfältigen Einsatzpotenziale von Ökobilanzen sollte, um unsachgemäße Vereinfachungen und dadurch ggf. Fehlentscheidungen zu vermeiden, stets darauf geachtet werden, gemäß der relevanten Normen zu verfahren und Ökobilanzen stets nur unter Einbeziehung der Randbedingungen des Systems zu betrachten, nie aber für sich isoliert. Zudem muss im immer bedacht werden, dass Ökobilanzen wegen ihrer Begrenztheit auf Stoff- und Energiekreisläufe nur einen Aspekt im Rahmen von Entscheidungsprozessen für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft darstellen. Für eine ganzheitliche Betrachtung sind umfassendere Fragestellungen erforderlich, die z.B. auch ökonomische und soziale Aspekte mit einbeziehen.


Textauszug (computergeneriert)

Facharbeit zum Thema

,,

Ökobilanzen ­
Was sagen sie aus? Was leisten sie?"

verfasst von

Ines Çakir

im Rahmen der

Übung ,,Ökologie der Verpackung" (WS 2007/8)

Studiengang: Packaging Technology (B.E)

Fachbereich V ­ Life Sciences and Technology

Technische Fachhochschule Berlin

Abgabetermin:

7.12.2007


Kurzfassung

Kurzfassung

Ökobilanzen gewinnen als relativ junges, ISO-genormtes Instrument zur Beurteilung pro-

duktbezogener Lebenszyklen sukzessive mehr an Bedeutung. Dies gilt im Besonderen

für den Verpackungsbereich vor dem Hintergrund der Verpackungsverordnung, wie unter

anderem durch die im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführten Ökobilanzen zu

Getränkeverpackungen deutlich wird.

Trotz bzw. wegen ihrer strukturell bedingten begrenzten Aussagefähigkeit vermögen es

Ökobilanzen, Unternehmen quantitativ im Sinne monetärer Einsparungen und qualitativ

im Sinne von Entwicklungspotenzialen aufzuzeigen, so bei der ökologischen Produktop-

timierung, als Informationsinstrument oder im Marketing. Politische Entscheidungsträger

indes berufen sich auf Ökobilanzen als Entscheidungshilfe, so etwa bei der Einführung

des Zwangspfandes.

Vor dem Hintergrund der vielfältigen Einsatzpotenziale von Ökobilanzen sollte, um un-

sachgemäße Vereinfachungen und dadurch ggf. Fehlentscheidungen zu vermeiden,

stets darauf geachtet werden, gemäß der relevanten Normen zu verfahren und Ökobilan-

zen stets nur unter Einbeziehung der Randbedingungen des Systems zu betrachten, nie

aber für sich isoliert.

Zudem muss im immer bedacht werden, dass Ökobilanzen wegen ihrer Begrenztheit auf

Stoff- und Energiekreisläufe nur einen Aspekt im Rahmen von Entscheidungsprozessen

für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft darstellen. Für eine ganzheitliche Betrachtung sind

umfassendere Fragestellungen erforderlich, die z.B. auch ökonomische und soziale As-

pekte mit einbeziehen.

Ines Çakir - Hausarbeit -

Ökobilanzen - Was sagen sie aus? - Was leisten sie?


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung 1

2

Begriffsbestimmungen 2

3

Historisches 3

3.1

Entwicklungsgeschichte von Ökobilanzen allgemein 3

3.2

Historie zu Ökobilanz und Verpackung 5

4

Ökobilanz als Methode 6

4.1

Internationale Normung 6

4.2

Ökobilanzen - Was sagen sie aus? 8

4.2.1

Allgemeine Überlegungen 8

4.2.2

Ökobilanzen für Getränkeverpackungen 10

4.2.3

Ökobilanz für Getränkeverpackungen II 10

4.3

Ökobilanzen - Was leisten sie? 14

4.3.1

Allgemeine Betrachtungen 14

4.3.2

Betrachtung im speziellen Zusammenhang

mit dem Verpackungswesen 17

5

Diskussion 19

6

Fazit 21

7

Glossar 22

8

Literaturverzeichnis 23

Ines Çakir - Hausarbeit -

Ökobilanzen - Was sagen sie aus? - Was leisten sie?

1 - 1


1 Einleitung

1

Einleitung

Umweltbelastungen werden seit Jahren in der Öffentlichkeit diskutiert, und es wurden

zahlreiche Studien durchgeführt, die sich mit der Frage befassen, wie diese Umweltbelas-

tungen erfasst und vor allem verringert werden können. Als ein wertvolles Instrument hat

sich dabei die Ökobilanz erwiesen, und Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umwelt-

bundesamtes (UBA), führt hierzu an:

,,Um umweltschutzorientierte Entscheidungen zur

Herstellung, Konstruktion, Design oder Nutzung und Entsorgung von Produkten an den

verschiedenen Schnittstellen und auf den unterschiedlichen Ebenen möglich zu machen,

bedarf es eines Instrumentes, das den jeweiligen Lebensweg erschließt und aufbereitet,

die komplexen Daten erhebt und zusammenfasst, in ihren - auch gegenläufigen- Auswir-

kungen auf die Umwelt einschätzt und schließlich in eine Auswertung überführt. Diese An-

forderungen werden durch Ökobilanzen erfüllt."

(

Troge 2006

)

Ökobilanzen sind insbesondere von Bedeutung bei der Beurteilung von Verpackungen.

Verpackungen sind ein Paradebeispiel für die Wegwerf-Mentalität der Gesellschaft. Als

Transport-, Verkaufs- und Umverpackungen haben sie in der Regel ihr Soll schnell erfüllt,

und sie werden - im besten Falle - wieder verwendet, verwertet oder entsorgt. Verpackun-

gen erfüllen vielfältige, für die Lagerung und Distribution von Produkten notwendige Funk-

tionen; sie gehören somit zum Lebenszyklus (,,

life-cycle

") der jeweiligen Füllgüter. Somit

müssen Verpackungen zum einen per se als Produkte betrachtet werden und zum ande-

ren als ,,

Bestandteil

" von Produkten.

Die ökologische Bilanzierung von Verpackungen und Verpackungssystemen hat in den

letzten Jahren vor allem durch die Verpackungsverordnung (

VerpackV

) und die mit die-

ser verbundenen veränderten wirtschaftlichen Handlungsbasis für Unternehmen an Be-

deutung gewonnen.

,,Im Zuge der über die letzten Jahre in Deutschland geführten Pfand-

pflicht-Debatte lag es im Erkenntnisinteresse von Verpackungsherstellern zu erfahren, ob

eine Verpackung,ökologisch vorteilhaft′ ist und damit ggf. vom Zwangspfand ausgenom-

men werden kann."

(

IFEU 2007a

)

Was unter Ökobilanzen zu verstehen ist, was sie aussagen und was sie - als Instrument

des Umweltmanagements - leisten können, wird in dieser Hausarbeit dargestellt. Dabei

wird ein Bezug zum Bereich Verpackungswesen hergestellt, indem aufgezeigt wird, wel-

chen Einfluss die Ökobilanz bereits hierauf hatte, aktuell hat und welches zukünftige Po-

tential ihr inhärent ist. Wie die aktuellen Projekte des Instituts für Energie- und Umweltfor-

schung (IFEU) belegen, stehen Verpackungssystem nach wie vor im Brennpunkt des In-

teresses. So wurden und werden Ökobilanzen für unterschiedlichste Verpackungssyste-

me erstellt. Im Rahmen dieser Arbeit wird beispielhaft der Bereich der

Getränkeverpackungen ausführlicher diskutiert.

Ines Çakir - Hausarbeit -

Ökobilanzen - Was sagen sie aus? - Was leisten sie?

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2 Begriffsbestimmungen

2

Begriffsbestimmungen

,,Eine Ökobilanz ist eine Methode, ist ein Instrument. Es versetzt in die Lage, Systeme zu

beschreiben und die Umweltbelastungen von Systemen zu bestimmen. Es ist das erste

und bisher einzige Instrument der Umweltbewertung, das weltweit in einer ISO-Norm

standardisiert wurde."

(

IFEU 2007b

)

Der Begriff Ökobilanz wurde in früheren Jahren vielfältig genutzt und es finden sich in der

Literatur unterschiedliche Definitionen und unterschiedliche Auslegungen. Heute gibt es

nur noch eine offiziell gültige Definition. Diese ist genormt. Wegen der großen internatio-

nalen Bedeutung wurden für die Erstellung und Anwendung von Ökobilanzen internatio-

nale Normen in der Normenreihe ISO 14040 bis ISO 14043 erarbeitet. Im Oktober 2006

wurden diese vier Normen durch nunmehr nur noch zwei Normen, DIN EN ISO

14040:2006-10 und DIN EN ISO 14044:2006-10, ersetzt. In diesen Normen ist auch der

Begriff Ökobilanz definiert.

Ökobilanz:

,,Zusammenstellung und Beurteilung der Input- und Outputflüsse und der po-

tenziellen Umweltwirkungen eines Produktsystems im Verlauf seines Lebensweges."

(

DIN EN ISO 14040:2006-10

, Begriff 3.2)

Der englische Begriff von Ökobilanz lautet

,,life cycle assessment"

mit dem Kürzel LCA

und lässt bereits in der Benennung deutlicher als in dem deutschen Begriff ,,Ökobilanz"

erkennen, dass es sich um eine Bewertung (

,,assessment

") über den gesamten Lebens-

zyklus bzw. Lebensweg

(,,life cycle"

), wie es in der Norm heißt, handelt. D.h., die Ökobi-

lanz bezieht die Umweltaspekte sowie die möglichen Umweltwirkungen im Verlauf des

Lebensweges eines Produkts - ,,von der Wiege bis zur Bahre" - in die Betrachtung ein.

Hierzu gehören die Rohstoffgewinnung, der Produktionsprozess, die Anwendung bzw.

die Nutzung des Produkts, die Abfallbehandlung, das eventuelle Recycling und die Ent-

sorgung. Die Norm führt hierzu an:

,,Durch einen vollständigen Ansatz erhält man einen

systematischen und umfassenden Überblick und die Verlagerung einer möglichen Um-

weltbelastung von einem Abschnitt in einen anderen kann vermieden werden."

(

DIN EN

ISO 14040:2006-10

, S. 14)

Auch der Begriff Bilanz verdeutlicht sinnbildlich gemäß dem etymologischen Ursprung

des Wortes - nämlich dem lateinischen Wortes ,,

bilanx

", welches eine Waage mit zwei

Waagschalen beschreibt - eine Gegenüberstellung bzw. das Gleichgewicht von ein- und

ausströmenden Faktoren eines Systems bzw. Produktes. Öko- sowie Sachbilanzen sind

dabei entgegen dem allgemeinen kaufmännischen Bilanzverständnisses dem naturwis-

senschaftlichen bzw. physikalischen Bilanzverständnis zuzuordnen (vgl.

Kanning 2000

,

S. 39 ff.).

Ines Çakir - Hausarbeit -

Ökobilanzen - Was sagen sie aus? - Was leisten sie?

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3 Historisches

Im Sinne der neuen Normen wird dabei heute unter Produkt jede Ware oder Dienstleis-

tung verstanden. Diese Begriffsbestimmung entspricht nicht unbedingt dem allgemeinen

heutigen Verständnis.

In engem Zusammenhang mit der Ökobilanz steht die Sachbilanz. Diese bildet das Kern-

stück der Ökobilanz und ist in den Normen wie folgt definiert:

Sachbilanz:

,,Bestandteil der Ökobilanz, der die Zusammenstellung und Quantifizierung

von Inputs und Outputs eines gegebenen Produktes im Verlauf seines Lebensweges um-

fasst"

(

DIN EN ISO 14040:2006-10

, Begriff 3.3)

Im Allgemeinen werden in Ökobilanzen ökonomische und soziale Aspekte eines Produk-

tes nicht berücksichtigt. Der Ansatz und die Methodik können jedoch auch auf diese As-

pekte angewendet werden (vgl.

DIN EN ISO 14040:2006-10

, S. 6).

In der Praxis werden entgegen der genormten Definition der Ökobilanz, die sich auf Pro-

dukte begrenzt, auch Ökobilanzen durchgeführt, die andere Objekte zum Gegenstand ha-

ben. Hierzu gehören z.B. Betriebsökobilanzen, Prozessökobilanzen, Standortökobilan-

zen und Substanzökobilanzen. Es werden sogar als Ökobilanz Umwelt-Berichte für gan-

ze Städte erstellt (vgl. z.B.

Bund Niedersachsen 2001

).

Das UBA findet diese Begrifflichkeiten verwirrend und regt in diesem Zusammenhang an,

dass der Begriff ,,

Ökobilanz

" als Oberbegriff gelten soll (vgl.

Rehbinder

2001,

S. 4). Als

Bezugssysteme von Ökobilanzen wären dann Produkte, Verfahren, Anlagen, Unterneh-

men sowie der Raum geeignet (vgl.

ebd

., S. 7 ff.).

In der Praxis werden zudem häufig auch Studien als Ökobilanz-Studien bezeichnet, die

eigentlich Sachbilanz-Studien sind. Darunter versteht man Bilanz-Studien, welche dem

Aufbau nach einer Ökobilanz ähneln, bei denen jedoch die Phase der Wirkungsabschät-

zung fehlt (vgl.

DIN EN ISO 14040:2006-10

, S. 5 und S. 25 ff.).

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird die Ökobilanz im Sinne der Norm

DIN EN ISO

14040:2006-10

erörtert.

3

Historisches

3.1

Entwicklungsgeschichte von Ökobilanzen allgemein

Die ersten Ökobilanzen wurden in der späten 60er Jahren des letzten Jahrhunderts als

interne Firmenreporte verfasst, welche allerdings nie publiziert worden sind. So erstellte

Ines Çakir - Hausarbeit -

Ökobilanzen - Was sagen sie aus? - Was leisten sie?

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