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Script, 2009, 187 Pages
Author: Wolf-Dieter Schmidt
Subject: Electrotechnology
Details
Institution/College: Pforzheim University
Tags: Grundlagen, Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung, Fertigung, Vorlesung
Year: 2009
Pages: 187
Bibliography: ~ 50 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-27709-4
ISBN (Book): 978-3-640-27779-7
Als Vorlesungskript 2002 entstanden und zuletzt Anfang 2009 aktualisiert
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Abstract
Vorlesung "Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und Fertigung" für Studenten der Elektrotechnik. An der Entstehung einer Leiterplattenbaugruppe sind mehrere Abteilungen einer Firma bzw. mehrere Firmen beteiligt. Unabhängig von der Konstellation gibt es zu den technischen Schwierigkeiten nur zu häufig Kommunikationsprobleme zwischen den Beteiligten. Wie leicht einzusehen ist, kann eine Arbeit nur dann sinnvoll, d.h. mit gutem technischen und wirtschaftlichem Ergebnis ausgeführt werden, wenn der oder die Ausführende zumindest einen Überblick über die aus der eigenen Arbeit resultierenden Konsequenzen für die nachfolgenden Fertigungsschritte hat. Aus den zuvor dargestellten Überlegungen resultiert der Ansatz für die Struktur dieser Vorlesung. In den folgenden Kapiteln sollen die Grundzüge der am Entstehungsprozess einer Leiterplattenbaugruppe beteiligten Technologieschritte erläutert werden. Sehr wichtig ist es, die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Fertigungsschritten zu betrachten. Dabei sollen die folgenden Stichworten eine Art Leitlinie darstellen: Darstellung der komplexen Verkettung der Einzelschritte, Übersicht über die beteiligten Verfahren (Grundlagen), Ausrichtung auf ‚gesamtheitliches Denken’, wirtschaftliches Engineering. Unter dem letzten Stichwort verstehe ich die Brücke zwischen der technischen und der kaufmännischen Welt. Jedem sind die immer wieder aufkommenden Diskussionen um den „Standort Deutschland“ und das Schlagwort „Lohnstückkosten“ bekannt. Nur wenn man sich bereits zu Beginn eines Projektes gründlich Gedanken über die Kostenanteile der ‚Zutaten’ macht bzw. die Wechselwirkung von Technologieauswahl und Kosten angemessen berücksichtigt, kommt man letztlich auch zu einem vermarktbaren Produkt. Diese Zusammenstellung kann viele Themen nur streifen und Anregungen vermitteln. Beim Beurteilen von Sachverhalten hilft ein gutes Verständnis grundlegender physikalischer Gesetzmäßigkeiten ganz erheblich. Wenn man bedenkt, wie verschiedenartig Leiterplattenbaugruppen sein können, dann wird schnell klar, dass es zu solch einem Thema keine „Kochrezepte“ geben kann.
Excerpt (computer-generated)
Grundlagen der
Leiterplatten-
Baugruppen-
Entwicklung
und
Fertigung
Dipl.-Ing. Wolf-Dieter Schmidt
Schmidt: Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und -Fertigung
Geschrieben als Skript für eine Wahlvorlesung gleichen Titels an der Hochschule Pforzheim für
Studenten der Elektro- und Informationstechnik.
Mit Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Ausbringung
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sind Arbeiten des Autors. Angaben in eckigen Klammern verweisen auf die Literatur-
und Quellenangaben am Ende.
1
Schmidt: Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und -Fertigung
Inhaltsverzeichnis
1. Übersicht
1.1. Hintergründe
1.2.
Ziel dieser Vorlesung
1.3.
Untergliederung des Lehrstoffes
1.4.
Begriffsbestimmungen
1.5. Normen
1.5.1.
Sinn und Zweck von Normen
1.5.2.
Herausgeber von Normen
1.5.3.
einige Normen als Beispiele
2.
Entstehung einer Leiterplattenbaugruppe
2.1.
Aufgliederung des technischen Ablaufes
2.2.
Einflüsse und Wechselwirkungen
3.
Technologie der Leiterplatte
3.1. Grundlagen
3.2. Materialien
3.3. Aufbautechniken
3.3.1.
einseitige Leiterplatte Grundlagen Ätztechnik
3.3.2.
doppelseitige Leiterplatte galvanisieren und modifizierte Ätztechnik
3.3.3. Multilayer
3.3.4.
Multilayer spezielle Bauformen und besondere Aspekte
3.3.4.1.
Sacklöcher, Buried Vias, Laserstrukturierung
3.3.4.2.
Sequentiell aufgebaute Multilayer (SBU), ultradünne Multilayer (UTM) und LASER-
Strukturierung
3.3.4.3.
Multilayer mit integrierten Wärmeableitschichten
3.3.5. sonstige
Leiterplatten(-Sonder)bauformen
3.4.
mechanische Bearbeitung: Stanzen, Bohren, Fräsen und Ritzen
3.5. Lackschichten
3.6.
metallische Oberflächen bzw. Oberflächenschutz
3.7.
Qualitätsaspekte und Leiterplatten-Fehler
3.7.1. Lagenversatz
3.7.2. Bohrprobleme
3.7.3. Kontaktabriss
3.7.4. Orangenhaut
3.7.5. Delaminierung
2
Schmidt: Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und -Fertigung
3.7.6. Entnetzung
3.8. Kostenaspekte
4. elektronische
Bauteile
4.1. Begriffsbestimmung
4.2. bedrahtete
Bauteile
4.3.
SMDs (,,Surface Mounted Devices") bzw. OMBs (,,oberflächenmontierte Bauteile")
4.3.1.
Chips in Bauform ,,MA"
4.3.2.
Chips in Bauform ,,AB"
4.3.3.
diskrete Halbleiter in diversen Bauformen
4.3.4.
integrierte Schaltungen in diversen Bauformen
4.4.
Materialaspekte: Gehäuse und Anschlüsse
4.4.1. Gehäuse
4.4.2. Anschlüsse
4.4.3. Materialprobleme
4.5. Bauteil-Empfindlichkeiten
4.5.1. Mechanik
4.5.2.
ESD Electro Static Discharge
4.5.3. Feuchte
5. Bestücktechnik
5.1. Bauteilbereitstellung
5.2. Handbestückung
5.3. Maschinenbestückung
5.3.1. bedrahtete
Bauteile
5.3.2. SMDs
5.3.2.1. Bestückvorbereitung
5.3.2.2.
bedrahtete Bauteile und SMDs / einseitig Wellen-Löttechnik
5.3.2.3.
bedrahtete Bauteile und SMDs / Reflow- und Wellenlöt-Technik
5.3.2.4.
SMDs auf beiden Seiten / beidseitig Reflow-Technik
5.3.3. Pick-and-Place-Prinzip
5.3.3.1 Detail-Unterschiede
5.3.3.2 ortsfeste
Leiterplatte
5.3.3.3
Leiterplatte entlang einer Achse bewegt
5.3.3.4
Leiterplatte entlang beider Achsen bewegt
5.4. Sondertechniken
6. Verbindungstechnologie
6.1. Begriffsbestimmung
6.2. Löttechnik
3
Schmidt: Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und -Fertigung
6.2.1. allgemeine
Grundlagen
6.2.1.1.
Abgrenzung Löten Schweißen
6.2.1.2. wichtige
Lotlegierungen
6.2.1.3.
Aufbau der Lötstelle
6.2.1.4.
Fähigkeit zum Ausbilden einer Lötstelle Benetzungseigenschaften
6.2.1.5.
Kompatibilität von bleihaltigen und bleifreien Loten und Oberflächen von
Bauteilanschlüssen
6.2.1.6.
Funktion des Flussmittels
6.2.2. Handlötung
6.2.3. Wellenlöten
6.2.3.1. Grundlageninformationen
Welle
6.2.3.2.
Lötbilder und Lötfehler Welle
6.2.4. Reflow-Löten
6.2.4.1. Grundlageninformationen
Reflow
6.2.4.2. Heißgas-Reflow-Anlagen
6.2.4.3. Vapourphase-Löten
6.2.4.4.
Lötbilder und Lötfehler Reflow
6.2.5.
,,Pin in Paste"
6.2.6. sonstige
Löttechniken
6.2.7.
Kompatibilität Bauteil Lötprozess
6.3. Leitklebetechnik
6.4.
Schweißen / Bonden
6.5. Einpresstechnik
7. Prüfung
7.1.
Begriffsbestimmung Prüfung Abgleich
7.2. Prüfmethoden
7.2.1. Optische
Methoden
7.2.1.1. Sichtprüfung
7.2.1.2.
Automatic Optical Inspection (AOI)
7.2.1.3. Röntgenuntersuchung
7.2.2. Elektrische
Methoden
7.2.2.1.
Moving Probe Tester / Flying Probe Tester
7.2.2.2.
In-Circuit-Test = ICT
7.2.2.3. Boundary-Scan
7.2.2.4.
Funktions-Test = FUT
7.3. Abgleich
4
Schmidt: Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und -Fertigung
8. Arbeitsorganisation
8.1. Analyse
8.2. Zeitplanung
8.3. Fertigungskonzept
8.4. Typengebundene
Werkzeuge
8.5.
Daten- bzw. Unterlagenverteilung, Arbeitspläne
9.
Leiterplatten-Layout allgemeine Voraussetzung
9.1.
Definition prozessrelevanter Parameter
9.1.1 Feinheit
der
Struktur
9.1.2
Pad und Bohrung
9.1.2.1 grundlegende
Dimensionierung
9.1.2.2
Besonderheiten der Bohrung-Pad-Kombination
9.1.3 Lötstopplack
9.1.4. Kennzeichnungsdruck
9.1.5
Technologische Anforderung als Auswahlkriterium
9.2 Symbol-Bibliothek
9.2.1
Sinn einer Bibliothek, Aufbau & Struktur
9.2.2
Elemente der Bibliothekssymbole
9.2.3.
Funktion der Sperrzonen
9.3.
bedrahtete Technik (THT)
9.3.1.
Block- und Scheiben-Gehäuse, 2-polig
9.3.2.
axiale Bauteile, 2-polig
9.3.3. vielpolige
Gehäuse
9.3.3.1.
Steckverbinder, Schalter u.a. (,,Electromechanics")
9.3.3.2.
Transistorgehäuse, Ics in runden Metallgehäusen o.ä.
9.3.3.3.
Ics in DIL-Gehäusen (Dual-Inline)
9.3.3.4.
Leistungshalbleiter mit Kühlkörpern u.ä.
9.4. SMT
9.4.1 Grundlagen
9.4.1.1
SMD in der Lötwelle
9.4.1.2 SMDs
beim
Reflowlöten
9.4.1.3. Lötstopplackfenster
9.4.1.4 Lotpastenfenster
9.4.2.
Layout für Chip-Bauteil (Anschluss-Typ ,,MA")
9.4.2.1. Wellen-Löten
9.4.2.2.
Reflowlöten (Anschluss-Typ ,,MA")
9.4.3.
Layout für Chip-Bauteil (Anschluss-Typ ,,AB")
5
Schmidt: Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und -Fertigung
9.4.3.1. Wellen-Löten
9.4.3.2.
Reflowlöten (Anschluss-Typ ,,AB")
9.4.4.
Layout für Halbleiter-Gehäuse (Anschluss-Typ ,,GW")
9.4.4.1.
Wellen-Löten (Anschluss-Typ ,,GW")
9.4.4.2.
Wellen-Löten spezielle Aspekte (Anschluss-Typ ,,GW")
9.4.4.3.
Reflowlöten (Anschluss-Typ ,,GW")
9.4.5.
Layout für IC-Gehäuse (Anschluss-Typ ,,JL") nur Reflow-Technik
9.4.6
Layout für IC-Gehäuse (Anschluss-Typ ,,BGA")
9.4.7
Layout für ,,Exoten"
9.4.7
schwere / große Bauteile (,heavy components′):
10.
Leiterplatten-Layout Details
10.1
Festlegung der Eckdaten der zu konstruierenden LP
10.1.1
Kontur und Befestigung
10.1.2 Technologieauswahl
10.1.3
Definition des Aufbaus
10.2.
erste Schritte im Layout
10.2.1 Bauteilplatzierung
10.2.2. thermische
Aspekte
10.3.
Detaillierung des Layouts
10.3.1 Layout
10.3.2
Justierung und Test
10.4 High-Speed-Layout
10.4.1
ideale Leitungen und Anpassung
10.4.2
reale Leitungen auf Leiterplatten
10.4.3 Ausgangs-
und
Eingangsimpedanzen
10.4.4
Konsequenzen für das Layout
10.5
Abschluss des Themas ,,Layout"
Literatur und Quellen
Verzeichnis gängiger Abkürzungen
6
Schmidt: Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und -Fertigung
1. Übersicht
1.1. Hintergründe
An der Entstehung einer Leiterplattenbaugruppe sind mehrere Abteilungen einer Firma bzw.
mehrere Firmen beteiligt, was im 2. Abschnitt genauer betrachtet werden soll. Unabhängig von der
Konstellation gibt es zu den technischen Schwierigkeiten nur zu häufig Kommunikationsprobleme
zwischen den Beteiligten. Wie leicht einzusehen ist, kann eine Arbeit nur dann sinnvoll, d.h. mit
gutem technischen und wirtschaftlichem Ergebnis ausgeführt werden, wenn der oder die
Ausführende zumindest einen Überblick über die aus der eigenen Arbeit resultierenden
Konsequenzen für die nachfolgenden Fertigungsschritte hat. Hier muss man aber leider allzu oft
deutliche Mängel feststellen.
1.2.
Ziel dieser Vorlesung
Aus den zuvor dargestellten Überlegungen resultiert der Ansatz für die Struktur dieser Vorlesung.
In den folgenden Kapiteln sollen die Grundzüge der am Entstehungsprozess einer
Leiterplattenbaugruppe beteiligten Technologieschritte erläutert werden, wobei der Schwerpunkt
auf Standard-Techniken Stand 2008 liegt. Bei spezialisierten Firmen und / oder ohne Berücksichti-
gung der Kosten sind auch heute schon weitaus anspruchsvollere Konstruktionen möglich.
Sehr wichtig ist es, die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Fertigungsschritten zu
betrachten. Dabei sollen die folgenden Stichworten eine Art Leitlinie darstellen:
Darstellung der komplexen Verkettung der Einzelschritte
Übersicht über die beteiligten Verfahren (Grundlagen)
Ausrichtung auf ,gesamtheitliches Denken′
wirtschaftliches
Engineering
Unter dem letzten Stichwort verstehe ich die Brücke zwischen der technischen und der
kaufmännischen Welt. Jedem sind die immer wieder aufkommenden Diskussionen um den
,,Standort Deutschland" und das Schlagwort ,,Lohnstückkosten" bekannt. Nur wenn man sich
bereits zu Beginn eines Projektes gründlich Gedanken über die Kostenanteile der ,Zutaten′ macht
bzw. die Wechselwirkung von Technologieauswahl und Kosten angemessen berücksichtigt, kommt
man letztlich auch zu einem vermarktbaren Produkt. Ingenieuren wird häufig nachgesagt zu
,verspielt′ zu sein und zu wenig auf das ,liebe Geld′ zu achten. Daher werden auch immer wieder
Denkanstöße für das Kostendenken gegeben. Eine Kostenoptimierung bis zur letzten Konsequenz
dürfte allerdings in den meisten Fällen ein Wunschtraum bleiben, da der dafür notwendige
Aufwand nur unter besonderen Randbedingungen realisiert werden kann.
Diese Zusammenstellung kann viele Themen nur streifen und Anregungen vermitteln. Beim
Beurteilen von Sachverhalten hilft ein gutes Verständnis grundlegender physikalischer Gesetz-
mäßigkeiten ganz erheblich. Wenn man bedenkt, wie verschiedenartig Leiterplattenbaugruppen
sein können, dann wird schnell klar, dass es zu solch einem Thema keine ,,Kochrezepte" geben
kann.
7
Schmidt: Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und -Fertigung
1.3.
Untergliederung des Lehrstoffes
Der gesamte Lehrstoff ist in 10 Hauptkapitel mit unterschiedlichem Umfang unterteilt:
1.
Übersicht
2.
Entstehung einer Leiterplattenbaugruppe
3. Technologie der Leiterplatte
4.
elektronische Bauteile
5.
Bestücktechnik
6. Verbindungstechnologie
7.
Prüfung
8.
Arbeitsorganisation LP-Baugruppen-Fertigung
9. LP-Layout allgemeine Voraussetzungen
10. LP-Layout Details
Dabei sind die kursiv und fett gedruckten 4 Kapitel verhältnismäßig umfangreich. Die Reihenfolge
der Kapitel ergibt sich aus der Erkenntnis, dass für ein erfolgreiches Layout die Grundkenntnisse
über die sich daraus abzuleitenden Prozessschritte notwendig sind.
1.4. Begriffsbestimmungen
Bisweilen werden die gleichen Begriffe für verschiedene Dinge verwendet. Diese verschiedenen
Bezeichnungen sind nicht genormt und ich möchte die üblichen Bezeichnungen hier erläutern und
den Gebrauch innerhalb unserer Veranstaltung festlegen:
Tab. 1.1: Begriffe
andere Bezeichnungen
Erläuterung
Leiterplatte:
PB (= printed board)
die nicht bestückte einzelne
PCB (= printed circuit board)
Leiterplatte
gedruckte Schaltung
Leiterplatten-
PBA (= printed board assembly)
die einzelne bestückte Leiterplatte
Baugruppe:
PCBA (= printed circuit board
assembly)
Flachbaugruppe
Baugruppe:
assembly
-
einzelne Baugruppe
(z.B. Einschub in System)
oder
-
mehrere Leiterplattenbaugruppen
zusammengebaut
Gerät:
system
-
eine oder mehrere
Leiterplattenbaugruppe(n)
oder
-
Baugruppen, meist eingebaut in
Gehäuse oder Gestell
8
Schmidt: Grundlagen der Leiterplatten-Baugruppen-Entwicklung und -Fertigung
1.5. Normen
1.5.1. Sinn und Zweck von Normen
Zu Beginn des industriellen Zeitalters wurden technische Produkte nach Gutdünken des ,Machers′
erstellt. Vor rund 100 Jahren erkannte die Industrie wie auch ihre Großkunden, dass man Regeln
erstellen musste, so dass verschiedene Firmen vergleichbare Produkte herstellen konnten. Mit der
Einführung leistungsfähigerer Maschinen und der Elektrizität ergaben sich auch beträchtliche
Gefahren, die durch die Anwendung von Sicherheitsnormen begrenzt werden mussten. Hier
mischte sich dann auch der Gesetzgeber in das Geschehen ein. Das war der Beginn der
Normung.
Normen wurden im Laufe der Zeit von den verschiedensten Institutionen und Verbänden erstellt
und herausgegeben. Es gibt fünf Hauptgründe Normen zu erstellen:
a.) Vereinheitlichung
(Festlegung technischer Daten um gleiche Produkte von verschiedenen Herstellern
herstellen lassen bzw. beziehen zu können.)
Bekannteste Vertreter sind die DIN-Normen (z.B. für Schrauben, Muttern,
verschiedenste Materialien, Kabel, ).
Im Bereich der Elektronik sind das vor allem JEDEC und EIA für Gehäusebauformen
und für Bauteile mit vergleichbaren elektrischen Daten.
Dazu ein Beispiel:
Zu Beginn der Transistortechnik hatten die einzelnen Transistoren nur gemein, dass
aus einem Glasröhrchen 3 Beinchen herausragten mehr nicht. Von Telefunken gab
es den TF65, von Valvo den OC71 aber die waren nur ähnlich. Industrieunterneh-
men sind andererseits immer bestrebt, das gleiche Bauteil von mehreren Herstellern
beziehen zu können (Liefersicherheit). So begann JEDEC Transistor-Kenndaten zu
definieren. Alle wesentlichen Daten eines 2N2222 oder 2N2907 wurden festgelegt,
und jetzt konnte man ohne Schaltungsänderung den Transistor gleichen Namens
von Texas Instruments, RCA, Philips, Motorola usw. einsetzen.
b.)
Definition technischer Sachverhalte und Darstellungsmethoden
(Ziel ist das gleiche Verständnis für Begriffe und zeichnerische Darstellungen in
Dokumentationen und Unterlagen zu gewährleisten)
Im deutschsprachigen Raum waren es zunächst die DIN-Normen, inzwischen sind
es Neuveröffentlichungen in Verbindung mit IEC- und ISO-Normen (meist mit
identischem Inhalt), die z.B. Auflistungen von Fachbegriffen und deren Definitionen
enthalten oder aber die einheitliche Methoden zur Darstellungen in technischen
Zeichnungen beschreiben.
c.) Definition von Mindestanforderungen an Produkte
(Funktion eines Lastenheftes)
Die ältesten Beispiele sind die MIL-Normen und die Normen des FTZ (Fernmelde-
technisches Zentralamt der Bundespost), wichtig sind heute VDA-Normen, sofern
diese inzwischen nicht in Form von DIN- oder ISO-Normen erscheinen. Diese
Normen sind die Basis für viele Lieferverträge. Sie binden zwar den Lieferanten auf
der einen Seite, aber sie schaffen auch von vornherein Klarheit und vermeiden
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