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Thesis (M.A.), 2006, 95 Pages
Author: Zlatka Loukarsky
Subject: Scandinavian Languages
Details
Institution/College: LMU Munich (Scandinavian Languages)
Tags: Jahr, Neubeginn, Kinderliteratur, Schriftliche, Hausarbeit, Erwerb, Grades
Year: 2006
Pages: 95
Grade: 3
Bibliography: ~ 105 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-27306-5
ISBN (Book): 978-3-640-27327-0
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Abstract
Seit den 40er Jahren hat das schwedische Kinderbuch in einem Maße Bedeutung erlangt, dass es gegenüber der Literatur für Erwachsene als gleichwertig einzuschätzen ist. Dafür spricht sowohl die Vielfalt der Titel als auch ihre künstlerische Qualität. Auf internationalem Niveau weist man der Kinderliteratur des Landes nach schwedischer Meinung sogar eine größere Bedeutung zu, als der Erwachsenliteratur. Heute stellt sich das schwedische Kinderbuch als eine Literatur dar, die gewissermaßen enttabuisiert ist: Nichts, was Menschen berührt, bleibt ihr verschlossen. Weder für Inhalte noch für Darstellungsweisen scheint es Grenzen zu geben. Vielmehr strebt die Literatur für die Jungen und Jüngsten danach, die Selbständigkeit, Hilfsbereitschaft, Solidarität und gegenseitige Achtung der Kinder zu fördern, aber auch ihr kritisches Denkvermögen in Bezug auf die gesellschaftlichen, sozialen und zwischenmenschlichen Verhälntise der Erwachsenwelt zu entwickeln. Letzteres führte in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre im Zusammenhang mit der so genannten „antiautoritären“ Erziehung zu Extremen, die infolge der Experimentierfreudigkeit jüngerer Autoren verhältnismäßig breiten Raum einnahmen. Wo Erziehungsfragen im positiven wie im negativen Sinne des Wortes „fragwürdig“ geworden sind, ist auch ein Sturm der Entrüstung über ein Buch, das die Erziehungsnormen bricht, nur noch schwer vorstellbar. Allgemein kann man sagen, dass sich die schwedische Kinderliteratur durch ein frühes Aufgreifen gesellschaftlich und individuell relevanter Themen, durch einen fast vollständigen Verzicht auf die Idylle und durch eine realistische Darstellungsweise der Verhaltensnormen von Kindern in einem problembehafteten Alltagsleben charakterisiert.
Excerpt (computer-generated)
Schriftliche Hausarbeit zum Erwerb des
akademischen Grades
eines Magister Artium (M.A.) an der Fakultät für Sprach- und
Literaturwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München
Das Jahr 1945 als Neubeginn der schwedischen Kinderliteratur
Vorgelegt von Zlatka Ananochteva
München, Oktober 2006
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 4
1.1 Kinderliteratur in Schweden 4
1.1.1 Zum Thema 5
1.1.2 Fragestellung und Zielsetzung 6
1.1.3 Aufbau der Arbeit 7
1.2 Das schwedische Kinderbuch bis 1945 11
1.3 Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen und reformpädagogischen
Konzepten als Voraussetzung für die Entstehung des neuen Kinderbuches 14
1.3.1 Die Reformpädagogik der 30er und der 40er Jahre 14
1.3.2 Zur Verbindung von Pädagogik, Literatur und Politik 18
1.4 Die neue Schriftstellergeneration der 40er Jahre: Astrid Lindgren, Lennart
Hellsing, Tove Jansson 20
1.4.1 Astrid Lindgren und das moderne schwedische Kinderbuch 20
1.4.2 Lennart Hellsings Debütbuch und das moderne schwedische Kinderbuch 24
1.4.3 Tove Janssons Debütbuch und das moderne schwedische Kinderbuch 25
1.4.4 Weitere Autoren 27
2. PIPPI LÅNGSTRUMP 28
2.1 Geschichte des Buches: wie es dazu kam 28
2.2 Pippi Långstrump, ein Mädchenbuch? Das Problem der
geschlechtspezifischen Erziehungsmuster 30
2.3 Pippis Eigenwelt 34
2.3.1 Das Chaos 34
2.3.2. Verkehrte Werte 38
2.4 Antiautoritäre Züge in ,,Pippi Långstrump": Pippis Souveränität 39
2.4.1 Der Bruch mit den Erziehungsnormen der Zeit 40
2.4.2 Die Souveränität der Figur 42
2
2.4.2.1 Die körperliche Souveränität 42
2.4.2.2 Die sprachliche Souveränität 44
2.4.2.3 Die finanzielle Souveränität 47
2.4.3 Das freie Spiel 48
2.5 Pippi Långstrump als komische Figur 52
2.6 Intertextuelle Andeutungen in ,,Pippi Långstrump" 55
2.7 Stilistische Innovation 58
2.8 Politische Anspielungen bei ,,Pippi Långstrump" 59
3. BRÖDERNA LEJONHJÄRTA 61
3.1 Geschichte des Buches: wie es dazu kam 62
3.2 Der Erzähler 63
3.3 Das Motiv des Phantastischen 67
3.4 Das Thema der Angst 71
3.5 Das Problem des Bösen 74
3.6 Todesmärchen oder Trostbuch? 78
4. SCHLUSSFOLGERUNGEN 82
APPENDIX 86
Literaturliste 86
Internetquellen, ausgewählte Medienberichte und
Dokumentenverzeichnis 93
3
1. EINLEITUNG
1.1 Kinderliteratur in Schweden
Seit den 40er Jahren hat das schwedische Kinderbuch in einem Maße Bedeutung erlangt, dass es gegenüber der Literatur für Erwachsene als gleichwertig einzuschätzen ist. Dafür spricht sowohl die Vielfalt der Titel als auch ihre künstlerische Qualität. Auf internationalem Niveau weist man der Kinderliteratur des Landes nach schwedischer Meinung sogar eine größere Bedeutung zu, als der Erwachsenliteratur. Heute stellt sich das schwedische Kinderbuch als eine Literatur dar, die gewissermaßen enttabuisiert ist: Nichts, was Menschen berührt, bleibt ihr verschlossen. Weder für Inhalte noch für Darstellungsweisen scheint es Grenzen zu geben. Vielmehr strebt die Literatur für die Jungen und Jüngsten danach, die Selbständigkeit, Hilfsbereitschaft, Solidarität und gegenseitige Achtung der Kinder zu fördern, aber auch ihr kritisches Denkvermögen in Bezug auf die gesellschaftlichen, sozialen und zwischenmenschlichen Verhälntise der Erwachsenwelt zu entwickeln.
Letzteres führte in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre im Zusammenhang mit der so genannten ,,antiautoritären" Erziehung zu Extremen, die infolge der Experimentierfreudigkeit jüngerer Autoren verhältnismäßig breiten Raum einnahmen. Wo Erziehungsfragen im positiven wie im negativen Sinne des Wortes ,,fragwürdig" geworden sind, ist auch ein Sturm der Entrüstung über ein Buch, das die Erziehungsnormen bricht, nur noch schwer vorstellbar. Allgemein kann man sagen, dass sich die schwedische Kinderliteratur durch ein frühes Aufgreifen gesellschaftlich und individuell relevanter Themen, durch einen fast vollständigen Verzicht auf die Idylle und durch eine realistische Darstellungsweise der Verhaltensnormen von Kindern in einem problembehafteten Alltagsleben charakterisiert. Die facettenreiche - und immer reicher werdende - Themenpalette aus allen Lebensbereichen der Gegenwart hat dazu geführt, dass das Verhältnis von erzieherischer Funktion und künstlerischer Wirkung des Kinderbuchs sowie von Phantasie und Realität bei der Gestaltung von Stoffen für das junge Lesepublikum andere Dimensionen erreicht hat. Dazu spielte auch die immer stärker in den Vordergrund tretende Doppelfunktion des Kinderbuches eine enorme Rolle, das sich nicht nur an die kindlichen Leser wandte, sondern auch an die Erwachsenen. Schließlich sollte das Kinderbuch auch Anregungen für den Umgang mit Kindern und
4
Verständnis für deren Reaktionen vermitteln. Das alles hat Thematik und Stil der Kinderliteratur des Landes bemerkenswert vervollkommt und zum Bruch von fest etablierten literarischen Konventionen geführt.
1.1.1 Zum Thema
Mitte der 40er Jahre beginnt die zweite Blütezeit der schwedischen Kinderliteratur. Wie schon um die Jahrhundertwende, wird Schweden diesmal in noch größerem Umfang zu einem international führenden Land auf dem Gebiet der Kinderliteratur. Nun wurden Kinder- und Jugendbücher preisgekrönt, die sich nicht durch Wissensvermittlung oder moralische Tendenzen auszeichneten, sondern durch echtes Leben und dichterische Erzählkraft. Anregungen aus ausländischen Kinderbuchklassikern wurden ausgetauscht und weitergegeben, die Grenzen im Reich der Kinder- und Jugendlektüre waren gefallen.
Dies führt uns zur historischen Leistung der schwedischen Kinderbuchautoren Astrid Lindgren, Tove Jansson und Lennart Hellsing und zu deren Bedeutung für die Geschichte der Kinderliteratur ihres Landes. Ihre bahnbrechenden Werke Astrid Lindgrens "Pippi Långstrump", Tove Janssons "Småtrollen och den stora översämningen" und Lennart Hellsings "Katten blåser i silverhorn" betraten die kinderliterarische Szene Schwedens im Jahr 1945, erlangten schnell große Beliebtheit und sind bis heute aus der Kultur des Landes nicht mehr wegzudenken. Sie bezeichnen den Beginn des neuen schwedischen Kinderbuchs und sorgten dafür, dass in den Kinderzimmern eine Revolution Einzug gehalten hat.
Den literarischen Innovationen des Kindheitsbildes der Autoren dieser Generation lagen die reformpädagogischen Tendenzen der 30er und der 40er Jahre zugrunde, die im Geiste des ,,antiautoritären Erziehungsprinzips" die starken, selbstbewussten Kindern ausriefen, die tun, was ihnen gefällt und keine Anweisungen durch Erwachsene benötigen. Neben Pippi, die
,,en barnens egen projektion av åtråvärda egenskaper, alla välartade Annikos och Tommiers säkerhetsventil"
1 wurde, sind die kleine My aus Tove Janssons Miminbüchern sowie Krakel Spektakel und sein Cousin Vitamin von Lennart Hellsing als Vertreter des starken, selbständigen, freien Individuums anerkannt, das sich über die geltenden Normen und Regeln der
1 Orvig, Mary / Eriksson, Marianne / Sjöquist, Birgitta: Duvdrottningen. En bok till Astrid Lindgren. Stockholm 1987. S. 29.
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Erwachsenwelt hinwegsetzt und nach dem Lustprinzip lebt. So kam ein neues Kinderbild zustande, das die Festung der konventionellen Kinderliteratur im Sturm nahm, seinen Eigenwert betonte und zum Aufbruch des neuen Kinderbuches Schwedens führte.
So entstand in den 40er Jahren eine ganz neue Dimension der schwedischen Kinderliteratur, die einen neuen Kindheitsentwurf zustande brachte und Innovationen im Hinblick auf die ästhetische, die inhaltliche und die formale Ebene des Kinderbuches forderten. Phantasie, experimentelle Subjektposition, Bruch mit konventionellen Kinderbuchschilderungen, Neubewertungen der Kinder- wie der Mädchenrolle, komische Elemente, stilistische Innovation, Verbindung verschiedener Gattungen und die doppelte Adressiertheit an ein sowohl erwachsenes als auch kindliches Lesepublikum führten zu einer neuen Form der Kinderliteratur.
1.1.2 Fragestellung und Zielsetzung
Ausgangspunkt der Untersuchung der vorliegenden Arbeit ist der Aufbruch des neuen Kinderbuches, der mit dem Dreifachdebüt von Astrid Lindgren, Tove Jansson und Lennart Hellsing im Jahr 1945 in Schweden entsteht. Dadurch wird ein neues selbständiges Kindheitsbild vermittelt, das die fest etablierten literarischen Normen und Regeln der Kinderliteratur attackiert. Gleichzeitig kommt es zu Grenzüberschreitungen und Normenbrüchen auf dem ästhetischen, inhaltlichen und formalen Niveau der Kinderliteratur.
Bei der Analyse dieses literarischen Phänomens sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Aufschlussreich ist die Tatsache, dass es in den 30er und 40er Jahren in den skandinavischen Ländern nach den wechselseitigen Beeinflussungen von Gesellschaftsentwürfen und reformpädagogischen Strömungen von Ellen Keys "Erziehung vom Kinde aus" bis zur anitautoritären Erziehung im Sinne von Bertrand Russel und Alexander Neills zu der Erschaffung eines spezifisch skandinavischen Kindheitsverständnisses kommt. Vor diesem Hintergrund ist der Schwerpunkt der vorliegenden Magisterarbeit zu sehen, der bei den Innovationsleistungen der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren liegt. Im Hinblick darauf werden ihre Kinderbuchklassiker "Pippi
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Långstrump" und "Bröderna Lejonhjärta" unter die Lupe genommen: Lindgrens zwei Meisterwerke, die in der damaligen Zeit für kontroverse Debatten gesorgt haben. Hier werden die zentralen Leitfragen der Magisterarbeit entwickelt, nämlich jene, inwieweit die Kinderbuchautorin die Grenzen der traditionellen konventionellen Kinderliteratur sprengt, um das Kind als Ausdrucksform darzustellen. Gleichzeitig sollen dem Leser ihre innovativen Leistungen im Hinblick auf die Thematik, die Struktur und Ästhetik des Kinderbuches vor Augen geführt werden. Dabei geht die Arbeit von der Prämisse aus, dass das Bilderbuch und dessen Entwicklung innerhalb des schwedischen Kinderliteratursystems nicht der Fragestellung der Magisterarbeit entsprechen, da beim Bilderbuch semantische TextBildBezüge mitprägend sind.
1.1.3 Aufbau der Arbeit
Im
1. Teil
der vorliegenden Arbeit wird der Leser im Allgemeinen in die Thematik und Problematik der Magisterarbeit eingeführt. In
Kapitel 1
werden die schwedische Kinderliteratur und deren spezifische Normen vor Augen geführt, damit vor diesem Hintergrund im weiteren Verlauf des Kapitels die Bedeutung der neuen kinderliterarischen Normen beleuchtet werden kann. Dabei wird orientiert vorgegangen, um die Zusammenhänge zwischen den gesellschaftlichen Normen und der Funktion und Gestaltung des Kinderbuches darzustellen. Als Ergebnis daraus werden das Thema und die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit aufgezeigt.
In
Kapitel 2
werden zuallererst die unterschiedlichen Komponenten und die zentralen Prämissen der schwedischen Kinderliteratur von ihrer Entstehung bis zum Wendejahr 1945 komprimiert skizziert, um einen kurzen Überblick über das facettenreiche Wesen des Kinderbuches zu verschaffen. Dabei werden auch die Probleme und die Herausforderungen angedeutet, mit denen die Gestaltung des Kinderbuches zu tun haben und an denen das neue Kindheitsverständnis gemessen wird.
Im Hinblick darauf wird in
Kapitel 3
auf die gesellschaftlichen und reformpädagogischen Konzepte der 30er und der 40er Jahre eingegangen, die den Aufbruch des neuen skandinavischen Kinderbuches begründet haben. Anschließend wird in diesem Kapitel die Verbindung von Pädagogik, Literatur und Politik beleuchtet.
7
Im Weitern werden die Innovationsleistungen der neuen Schriftstellergeneration der 40er Jahre in
Kapitel 4
des ersten Teils der Magisterarbeit skizziert. Dabei wird die Aufmerksamkeit besonders auf die drei wichtigsten Erneuerer der schwedischen Kinderliteratur Astrid Lindgren, Tove Jansson und Lennart Hellsing gelenkt, um sich später mit der Sonderrolle der schwedischen Småländerin auseinanderzusetzen, vor allem aufgrund von deren spezifischer schriftstellerischer Komplexität. Im Verlauf des Kapitels wird kurz auch auf den Beitrag anderer Autoren dieser Generation zum Neubeginn der Kinderliteratur eingegangen.
Im
2. Teil
der vorliegenden Hausarbeit wird der Leser in ihren Schwerpunkt eingeführt. Hier wird Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker ,,Pippi Långstrump" in Bezug auf dessen Innovation auf dem Gebiet der Kinderliteratur analytisch präsentiert. In
Kapitel 1
dieses Abschnitts
wird
auf Lindgrens Debütkinderbuch ,,Pippi Långstrump" und dessen Entstehungsgeschichte eingegangen. Die emanzipatorische Wirkung des Buches im Hinblick auf die damalige literarische Grenze von Mädchen- und Jugendbüchern, die durch die festgeschriebenen Geschlechterrollen bedingt war, wird in
Kapitel 2
untersucht. So ist das Ziel dieses Kapitels, die Gestalt Pippi Långstrump als einen Normenbruch auf dem Gebiet der geschlechtsspezifischen Erziehungsmuster zu präsentieren. Pippis Eigenwelt, der das Schema von Chaos und ,,veralteten" Tugenden zugrunde liegt, wird im darauf folgenden
Kapitel 3
zum Gegenstand. Hier wird Pippis kindliche ,,mundus inversus" dargestellt, in der zum einen der Eigenwert der Kindheit betont wird, die zum anderen aber auch als Sprachrohr für Lindgrens Angriff auf die veralteten gesellschaftlichen und moralischen Prinzipien der 40er Jahre aufgefasst werden kann.
Der Bruch mit der übergeordneten pädagogischen und erzieherischen Funktion von Kinderliteratur jener Zeit, die Lindgren mit ihrer neunjährigen Protagonistin zum Ausdruck bringt, ist Gegenstand des
Kapitels 4.
Der Zweck dieses Teils ist also, die Figur der kleinen rothaarigen sommersprossigen Protagonistin als Verkörperung aller Kinderbedürfnisse im Geiste der antiautoritären pädagogischen Impulse darzulegen, die im Sinne des kindlichen Rechts auf Freiheit, auf Selbstbestimmung und
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Selbstentfaltung, auf kindliche Souveränität und die Verwirklichung der Sehnsüchte von Machtausübung und Spiellust zu verstehen sind. In
Kapitel 5
wird dem Leser das Komische bei Lindgrens Supermädchen analytisch vor Augen geführt, das sich zum einen durch das heitere Dasein als eine autonom aufgefasste Kindheit von der damaligen ernsten Kinderliteratur absetzt und zum anderen die spießigen Gesellschaftsnormen jener Zeiten attackiert und bloßstellt. Astrid Lindgrens Kreativität auf dem Gebiet des Umgangs mit Vorlagen, Intertexten und Motiven wird in
Kapitel 6
vor Augen geführt. Hier sollen Lindgrens Anregungen aus anderer Kinderliteratur sichtbar gemacht werden, ein literarisches Verfahren, das sie als Vertreterin einer literarischen Moderne kennzeichnet.
In
Kapitel 7
wird auf Lindgrens stilistische Innovationen eingegangen, mit denen sie sich vom alten Kinderbuch absetzt: Kinderbücher jener Zeit sollten eine klare, grammatikalisch richtige Sprache aufweisen, um ihre pädagogische und ihr Vorbildfunktion erfüllen zu können.
Kapitel 8
verfolgt die politischen Anspielungen in der PippiTrilogie, ein zusätzlicher Aspekt in Lindgrens Buch, der sich von den traditionellen literarischen Konventionen der Kinderliteratur absetzt. Dieses Verfahren bezeugt die Hinwendung Lindgrens sowohl an das erwachsene, wie auch das kindliche Leserpublikum.
Im
3.
Teil
der vorliegenden Magisterarbeit
richte ich meine Aufmerksamkeit auf
das 32. Buch der schwedischen Kinderbuchautorin ,,Bröderna Lejonhjärta", das im Dezember 1973 die gesamte Kinderbuchszene Schwedens in Aufruhr versetzte und über das Astrid Lindgren äußerte:
,,Noch nie ist die Reaktion auf eins meiner Bücher so schnell erfolgt."
2 Hier beweist die Schwedin erneut, dass nicht nur die Erwachsenliteratur, sondern auch die Kinderliteratur die höchsten moralischen und tugendhaften Kriterien verteidigen muss, und dass die Kinder in der Lage sind, sich durchaus auch Problemen zu stellen und die harte Wirklichkeit anzunehmen. In
Kapitel 1
wird der Entstehungsgeschichte des Buches nachgegangen, das erneut beweist, dass Lindgren gegen den Strom schwimmt: In einer Zeit, in der die Literaturschaffenden nach möglichst realistischen Wirklichkeitsdarstellungen in ihren Werken strebten, schreibt die Kinderbuchautorin ein Märchen von Widrigkeiten und Magie.
2 Schönfeldt, Sybil Gräfin: Astrid Lindgren. Reinbek bei Hamburg 1997.S.119.
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