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Créole réunionnais oder Krëol rënyonë?

Subtitle: Schreibweisen des Réunion-Kreolischen

Scholary Paper (Seminar), 2008, 15 Pages
Author: Daniel Bohé
Subject: Romance Languages - Other Languages

Details

Event: Sprachwissenschaft
Institution/College: University of Freiburg (Romanisches Seminar)
Tags: Créole, Krëol, Sprachwissenschaft
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 15
Grade: 2
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V123238
ISBN (E-book): 978-3-640-28910-3


Abstract

Kreolsprachen sind niemals einzige Sprache in ihrem Geltungsraum, meist befinden sie sich in einer Situation der Diglossie oder des Multilinguismus und haben häufig den Status einer dominierten Sprache, vielfach sogar einer gefährdeten. Grammatiken, Wörterbücher und Lexika aber auch Gedichte, Liedtexte und Romane tragen mit dazu bei, den Status der jeweiligen Kreolsprache aufzuwerten und ihre Verwendung als Schriftsprache im öffentlichen Leben und im Erziehungswesen zu verbreiten und zu etablieren. Dazu bedarf es als Basis dafür zuerst einmal einer einheitlichen Schriftform. Dass der Vorgang, ein einheitliches Schriftsystem zu entwickeln, nicht nur für die jeweilige kreolische Bevölkerung sondern auch für die Sprachwissenschaft von großem Interesse ist, zeigt folgendes Zitat: „Kreolsprachen haben in den letzten Jahren ein verstärktes Interesse der Linguistik gefunden, nicht zuletzt, weil sie gerade im Hinblick auf neueste Forschungen zu Sprachtypologie, Universalien und dem Übergang von Mündlichkeit zu Schriftlichkeit Sprachdaten von großem Wert bereitstellen.“ Im Fall der Kreolsprache des französischen Überseedepartements La Réunion beschäftigen sich Linguisten seit einiger Zeit mit dieser Problematik, ohne bisher eine zufrieden stellende Lösung gefunden zu haben. Aus der Tatsache heraus, dass das Reunion-Kreolische historisch bedingt nur mündlich überliefert wurde, gab es erst in den letzten 50 Jahren mehrere Versuche, eine allgemeingültige Schrift für diese sehr junge Sprache zu entwickeln und einzuführen. Dieser aktuelle Vorgang ist Thema dieser Arbeit und soll hier in seinen Grundzügen dargestellt werden.


Excerpt (computer-generated)

Albert Ludwigs Universität Freiburg

Romanisches Seminar

Proseminar 2, Sprachwissenschaft

Sommersemester 2007, Freiburg, 7.4.2008

Créole réunionnais

oder

Krëol rënyonë

?

Schreibweisen des Réunion-Kreolischen

von

Daniel Bohé


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 3

2 Aktuelle Schreibweisen 3

2.1

Etymologische Schreibweise 4

2.2

Phonologische Schreibweisen 4

2.2.1

Lékritir 77 4

2.2.2

KWZ 5

2.2.3

Tangol oder

Graphie 2001

6

3 Kritische Betrachtung der Schreibweisen 8

3.1

Die Etymologische Schreibweise 8

3.2

Lékritir 77 9

3.3

KWZ 10

3.4

Graphie 2001 10

4 Schlussbetrachtungen 12

Literaturverzeichnis 14

2


1

Einleitung

Kreolsprachen sind niemals einzige Sprache in ihrem Geltungsraum, meist befinden sie sich in

einer Situation der Diglossie oder des Multilinguismus und haben häufig den Status einer

dominierten Sprache, vielfach sogar einer gefährdeten. Grammatiken, Wörterbücher und Lexika

aber auch Gedichte, Liedtexte und Romane tragen mit dazu bei, den Status der jeweiligen

Kreolsprache aufzuwerten und ihre Verwendung als Schriftsprache im öffentlichen Leben und

im Erziehungswesen zu verbreiten und zu etablieren. Dazu bedarf es als Basis dafür zuerst

einmal einer einheitlichen Schriftform.

Dass der Vorgang, ein einheitliches Schriftsystem zu entwickeln, nicht nur für die jeweilige

kreolische Bevölkerung sondern auch für die Sprachwissenschaft von großem Interesse ist, zeigt

folgendes Zitat:

,,Kreolsprachen haben in den letzten Jahren ein verstärktes Interesse der Linguistik gefunden, nicht

zuletzt, weil sie gerade im Hinblick auf neueste Forschungen zu Sprachtypologie, Universalien und

dem Übergang von Mündlichkeit zu Schriftlichkeit Sprachdaten von großem Wert bereitstellen."1

Im Fall der Kreolsprache des französischen Überseedepartements La Réunion beschäftigen sich

Linguisten seit einiger Zeit mit dieser Problematik, ohne bisher eine zufrieden stellende Lösung

gefunden zu haben. Aus der Tatsache heraus, dass das Reunion-Kreolische historisch bedingt nur

mündlich überliefert wurde, gab es erst in den letzten 50 Jahren mehrere Versuche, eine

allgemeingültige Schrift für diese sehr junge Sprache zu entwickeln und einzuführen.

Dieser aktuelle Vorgang ist Thema dieser Arbeit und soll hier in seinen Grundzügen dargestellt

werden.

2

Aktuelle Schreibweisen

Heutzutage verwendet man ­ im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen die Verschriftlichung

des

créole réunionnais

noch in den Anfängen steckte und sie sich ausschließlich etymologisch

vollzog ­ mehrere verschiedene Schreibweisen und Mischformen.

Diese lassen sich in zwei Kategorien einteilen; die ursprüngliche und eben erwähnte

etymologische Schreibweise bildet dabei die eine Kategorie, die andere beinhaltet mehrere

phonetisch-phonologische Schreibweisen, die dem jeweiligen aktuellen Standpunkt der

Sprachwissenschaftler entsprechen.

1 Bollée, Annegret:

Dictionnaire étymologique des créoles français de l′Ocean Indien

, Hamburg 2000, S.4.

3


2.1

Etymologische Schreibweise

Diese Schreibweise, die sich an der Rechtschreibung des französischen orientiert2, lässt sich

an wenigen Zeilen eines Gedichts von Jean Albany, welches als gutes Beispiel für die

etymologische Schreibweise erachtet werden kann, leicht und unmissverständlich aufzeigen:

«Commandeur cass′ pas ton chabouc

Ti tap à moin ti fais ton blanc

Ton gueul′ l′est comme ein gros babouc

Poique à moin té lé ressemblant» 3 (4-7).

Der Autor bedient sich hierbei im Wesentlichen der Graphie des französischen

Ursprungswortes, insofern dieses überhaupt verändert wurde. Bei den Wörtern

,,Commandeur", ,,blanc", und ,,ressemblant" bleibt er beispielsweise im Kreolischen bei der

französischen Schreibweise, andere wie ,,cass′", ,,ti" oder ,,gueul′" passt er dieser unter

Beachtung der kreoltypischen Aussprache an. Zumal sich die Mehrheit des reunionesischen

Wortschatzes vom Französischen ableitet, spricht man bei dieser Graphie von einer

Etymologischen. 4

2.2

Phonologische Schreibweisen

2.2.1 Lékritir 77

Schon vor dem Jahre 1977 gab es diverse Versuche, phonologische Schreibweisen des

créole

réunionnais

zu etablieren, wie dies unter anderem Boris Gamaleya 1974 mit ,,Bardzour

Maskarin" versuchte.

Lékritir 77

jedoch war die erste und fast 25 Jahre lang die einzige

Graphie, der ein Übereinkommen zahlreicher Linguisten, Schriftsteller, Ethnologen und

anderer Vorreiter der kreolischen Schriftsprache zu Grunde lag.5 Etabliert wurde sie von

Alain Armand durch sein Wörterbuch, sowie von Daniel Baggioni mit dessen zweiter

Auflage. 6

Anhand eines Auszuges aus dem Gedicht ,,Moringér" von Jean Claude Carpanin Marimoutou

lassen sich einige Besonderheiten dieser Graphie herausarbeiten:

«si mi sant somin kaskasé

si mon fonnkér lé malizé

mi di lo tan la komansé

pou bat si mon ti kouloumbé

trap mon salak ma batayé

i fo mi doz la fors mon pié

atansion mi sa va tapé

amoin minm garson kabaré» 7 (1-8).

2 Vgl. Gauvin, Axel:

Petite traité de traduction

, St Denis 2003, S.9.

3 Albany, Jean:

Bal Indigo

, Paris 1976, S.12.

4 Gauvin, Axel:

Les indispensables compromis: l′écriture du créole réunionnais

, St Denis 2004, S.26.

5 Vgl. Gauvin 2003, S.9.

6 Vgl. Gauvin 2004, S.27.

7 Marimoutou, Jean Claude Carpanin:

Metissages

, St Denis 1992, S.51.

4



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