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Hauptseminararbeit, 2007, 21 Seiten
Autor: M.A. Franziska Hirschmann
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Europäische Ethnologie/ Volkskunde)
Tags: Aspekte, Familienlebens, Arbeiter, Hauptseminar, Familienformen, Leitbildern, Orientierungen
Jahr: 2007
Seiten: 21
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-28049-0
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Zusammenfassung / Abstract
Im Folgenden sollen deshalb familiärer Alltag und familiäre Verhältnisse der Arbeiterfamilien sowie das Verhältnis der einzelnen Familienmitglieder zueinander betrachtet werden. Der Typus der Arbeiterfamilie entstand mit dem Beginn der Industrialisierung in Deutschland und endete erst mit den entscheidenden sozialen Verbesserungen im Zuge des Wirtschaftswunders der 1950er. Der Untersuchungszeitraum ist somit die Zeit vom Beginn der Industrialisierung bis zum Beginn der modernen Dienstleistungsgesellschaft, also von ca. 1850-1950, wobei aufgrund der Quellen- und Literaturlage der Schwerpunkt in der Kaiserzeit und der Weimarer Republik liegt, also 1870-1930. Der Fokus wird hierbei auf die Verhältnisse in Deutschland gelegt. Vernachlässigt werden bei der Untersuchung detaillierte Angaben zur Arbeitsverhältnissen, Wohnungssituation und zur Arbeiterbewegung. Da aufgrund der Zeitspanne, die untersucht wird, keine empirische Herangehensweise mehr möglich ist, beschränkt sich diese Untersuchung methodisch auf das Auswerten von Literatur und gedruckter Quellen zur Arbeiterfamilie. Es muss aber bemerkt werden, dass sowohl die Verhältnisse in Deutschland sich von Region zu Region unterschieden und sich im Laufe der Zeit wandelten, als auch die Arbeiterklasse nicht homogen war. Aussagen zum Alltag der Arbeiter sind somit zwangsläufig stark verallgemeinert. Auch die Beschreibungen von familiären Verhältnissen und Beziehungen können nur repräsentativ für die Mehrheit der Arbeiterfamilien sein.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig- Maximilians- Universität München
Institut für Volkskunde/ Europäische Ethnologie
Hauptseminar: Familienformen zwischen traditionellen Leitbildern und neuen kulturellen
Orientierungen
Aspekte des Familienlebens der Arbeiter
von Franziska Hirschmann
1
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
3
1. Heirat
5
2. Innerfamiliäre Beziehungen
8
2.1 Beziehungen zwischen Ehepartnern
8
2.2 Beziehungen zwischen Eltern und Kindern
13
Zusammenfassung
18
Literatur
20
2
Einleitung
,,Der eigentliche Beruf des Weibes wird zu allen Zeiten das Haus und die Ehe sein. Sie soll
Kinder gebären und erziehen. (...) Wer wirklich ein Herz hat für die niederen Stände, der
wird (...) zu dem Schlusse kommen, dass es Aufgabe der Sozialpolitik ist, soviel wie möglich
dafür zu sorgen, dass gar keine Frauen mehr in den Fabriken tätig sind. Es muss dahin
kommen, dass der Fabrikarbeiter durch seine Arbeit allein genug erwirbt, um seine Familie
ernähren zu können. Dass aber die Frau in die Fabrik geht, und dass damit die Mahlzeit und
alle Bequemlichkeiten des häuslichen Lebens fortfallen, führt zur völligen Zerstörung der
Ehe."1 Dieses Zitat des konservativen Historikers, politischen Publizisten und Mitglied des
Reichstages, Treitschke, wirft die Frage auf, ob er mit der These, Fabrikarbeit der Frauen
führe zur Zerstörung der Ehe, recht behielt.
Im Folgenden sollen deshalb familiärer Alltag und familiäre Verhältnisse der Arbeiterfamilien
sowie das Verhältnis der einzelnen Familienmitglieder zueinander betrachtet werden. Der
Typus der Arbeiterfamilie entstand mit dem Beginn der Industrialisierung in Deutschland und
endete erst mit den entscheidenden sozialen Verbesserungen im Zuge des Wirtschaftswunders
der 1950er. Der Untersuchungszeitraum ist somit die Zeit vom Beginn der Industrialisierung
bis zum Beginn der modernen Dienstleistungsgesellschaft, also von ca. 1850-1950, wobei
aufgrund der Quellen- und Literaturlage der Schwerpunkt in der Kaiserzeit und der Weimarer
Republik liegt, also 1870-1930. Der Fokus wird hierbei auf die Verhältnisse in Deutschland
gelegt. Vernachlässigt werden bei der Untersuchung detaillierte Angaben zur
Arbeitsverhältnissen, Wohnungssituation und zur Arbeiterbewegung. Da aufgrund der
Zeitspanne, die untersucht wird, keine empirische Herangehensweise mehr möglich ist,
beschränkt sich diese Untersuchung methodisch auf das Auswerten von Literatur und
gedruckter Quellen zur Arbeiterfamilie. Es muss aber bemerkt werden, dass sowohl die
Verhältnisse in Deutschland sich von Region zu Region unterschieden und sich im Laufe der
Zeit wandelten, als auch die Arbeiterklasse nicht homogen war. Aussagen zum Alltag der
Arbeiter sind somit zwangsläufig stark verallgemeinert. Auch die Beschreibungen von
familiären Verhältnissen und Beziehungen können nur repräsentativ für die Mehrheit der
Arbeiterfamilien sein.
1 Vom ,,eigentlichen Beruf des Weibes". Heinrich von Treitschke (1870/80er Jahre), in: Klaus Saul/ Jens
Flemming (Hrsg.): Arbeiterfamilien im Kaiserreich. Materialien zur Sozialgeschichte in Deutschland 1871-1914.
Düsseldorf 1982, S.182f.
3
Die Leitfragen sind: Welche Gründe hatten Arbeiter, als Familien zusammenzuleben? Wie
sah die Beziehung zwischen den Ehepartnern aus? Wie war das Verhältnis zwischen Eltern
und Kindern?
Zu dem Thema Alltag der Arbeiterfamilie sind vor allem in den 1980ern einige Werke
entstanden2, neue Arbeiten gibt es hierzu nicht. Zentral sind die Werke von Heidi
Rosenbaum3, die sich mit dem Alltagsleben und den innerfamiliären Verhältnissen der
Arbeiter ausführlich beschäftigt. Hilfreich bei der Frage nach dem Familienleben der Arbeiter
sind ebenso die Werke von Ruppert4 und Soder5.
Quellen zum Arbeiteralltag sind zu finden bei Saul6 sowie bei Emmerich7, wobei in letzterem
Werk der Schwerpunkt der Quellenauswahl auf der Entstehung der Arbeiterbewegung und der
Sozialdemokratie liegt. Allgemein ist zu sagen, dass Quellen zum Arbeiteralltag wenig
Aussagen über innerfamiliäre Verhältnisse enthalten. Dies liegt vor allem daran, dass die
Quellen häufig von Männern stammen, die später in der Sozialdemokratischen Partei Karriere
machten. Außerdem entstanden die Quellen meist unter anderen Fragestellungen, wie die
nach Arbeitsbelastung, Ernährung und Wohnverhältnissen.8 Daneben ist es schwer, generelle
Aussagen über private Verhaltensweisen von Arbeitern zu machen, denn diese waren
naturgemäß breit gefächert.9
Zunächst sollen Aspekte der Familiengründung von Arbeitern untersucht werden. Neben den
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen werden vor allem Gründe für die Heirat erläutert. Der
nächste Abschnitt behandelt die innerfamiliären Beziehungen. Zum einen werden die
Beziehungen zwischen den Ehepartnern untersucht. Hier stellt soll die Frage beantwortet
werden, ob von einer Gleichberechtigung der Eltern besprochen werden kann. Des weiteren
werden die Rollen und Aufgaben des Mannes und der Frau betrachtet. Zum anderen werden
die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern betrachtet, wobei hier neben Kinderarbeit vor
2 vgl.: Axel Kuhn: Die proletarische Familie. Wie Arbeiter in ihren Lebenserinnerungen über den Ehealltag
berichten. In: Heiko Haumann (Hrsg.): Arbeiteralltag in Stadt und Land. Neue Wege der Geschichtssschreibung.
Berlin 1982, S.89-119, hier: S.89f.
3 Heidi Rosenbaum: Formen der Familie. Untersuchungen zum Zusammenhang von Familienverhältnissen,
Sozialstruktur und sozialem Wandel in der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Frankfurt 1982. und:
Heidi Rosenbaum: Proletarische Familien. Arbeiterfamilien und Arbeiterväter im frühen 20. Jahrhundert
zwischen traditioneller, sozialdemokratischer und kleinbürgerlicher Orientierung. Frankfurt 1992.
4 Wolfgang Ruppert (Hrsg.): Die Arbeiter. Lebensformen, Alltag und Kultur von der Frühindustrialisierung bis
zum Wirtschaftswunder. München 1986.
5 Martin Soder: Hausarbeit und Stammtischsozialismus. Arbeiterfamilien und Alltag im Deutschen Kaiserreich.
Giessen 1980.
6 Saul: Arbeiterfamilien.
7 Wolfgang Emmerich (Hrsg.): Proletarische Lebensläufe. Autobiographische Dokumente zur Entstehung der
Zweiten Kultur in Deutschland. Band 1: Anfänge bis 1914. Reinbeck 1974.
8 vgl. Gerhard Ritter/ Klaus Tenfelde: Arbeiter im Deutschen Kaiserreich 1871-1914. Bonn 1992, S.618f.
9 ebd., S.632.
4
allem das emotionale Verhältnis analysiert werden soll. Im Abschnitt über innerfamiliäre
Beziehungen soll allgemein erarbeitet werden, wie sich Familienalltag, räumliche und
ökonomische Verhältnisse auf die innerfamiliären Beziehungen auswirkte. Zusammenfassend
soll beantwortet werden, warum die Ehe auch bei Arbeitern üblich war und wie die
Rollenverteilung in der Arbeiterfamilie aussah.
1. Heirat
Erst Ende des 19. Jahrhunderts fielen Heiratsbeschränkungen weitgehend weg, so dass auch
es auch den Unterschichten ermöglicht wurde, die Ehe zu schließen. Ehe war auch in
Arbeiterkreisen der Inbegriff von Anständigkeit, Ehrbarkeit und Respekabilität.10
,,Familie war zumindest in der männerbestimmten Ideologie der Zeit eine friedvolle Insel,
wo der Ehemann, von der zärtlichen, opferfreudigen, selbstverständlich nicht berufstätigen
Gattin umsorgt, Erholung von den Anspannungen des Berufslebens fand. Hier konnte sich
zugleich die Elternliebe entfalten, hier sollte den Kindern eine frohe, unbeschwerte, behütete
Kindheit bereitet und ihre Zukunft sorgfältig geplant werden."11 Familie war aber in der
Realität für Arbeiter vor allem eine Erwerbs-, Zweck- und Notgemeinschaft; die primäre
Funktion der Arbeiterfamilie war, das Überleben zu sichern.12 Aber dennoch oder gerade
deswegen hielt sich auch in Arbeiterkreisen das Ideal der bürgerlichen Familie. Nachdem
die Frau neben finanziellen Sorgen unter der Doppelbelastung von Arbeit, Hausarbeit und
Kindererziehung litt, konnte es für sie nur eine Wunschvorstellung geben: das bürgerliche
Familienidyll mit der sorglosen nicht arbeitenden Hausfrau.13 Aber vor allem männliche
Arbeiter hielten an diesem für sie attraktiven bürgerlichen Familienideal fest, das sie in
ihrer dominanten patriarchalischen Rolle als Ernährer der Familie bestätigte und die Frauen
auf ihre Rolle der Hausfrau beschränkte.14 Dementsprechend war die Arbeit, vor allem die
außerhäusliche Lohnarbeit der Frauen unter Arbeitern streng tabuisiert.15
Die Eheschließung steigerte das soziale Ansehen der Frau, aber gleichzeitig verlor sie damit
bürgerliche Rechte. Ehe bedeutete für die Frau Schutz und Gefängnis zugleich. Gesetzlich
10 Rosenbaum: Proletarische Familien, S.130f.
11 Saul: Arbeiterfamilien, S.9, vgl. Soder: Hausarbeit, S.24f.
12 Saul: Arbeiterfamilien, S.11. und: Ingeborg Weber-Kellermann: Die deutsche Familie. Versuch einer
Sozialgeschichte. Frankfurt 1982, S.139.
13 Weber-Kellermann: Familie, S.140f. und: Dieter Hoffmeister: Arbeiterfamilienschicksale im 19. Jahrhundert.
Qualitative Untersuchungen zum Zusammenhang von familiärer Unvollständigkeit, Notbehelfsökonomie und
Arbeiterbewegung. Marburg 1984, S.13f.
14 Kuhn: proletarische Familie, S.93.
15 Soder: Hausarbeit, S.49.
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