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Subtitle: Der afrikanische Ahnenkult als Herausforderung für die Inkulturation des Christentums in Schwarzafrika
Examination Thesis, 2007, 74 Pages
Author: Daniel Dittert
Subject: Theology - Practical Theology
Details
Tags: Afrikanischer, Ahnenkult, Glaube
Year: 2007
Pages: 74
Grade: 3,00
Bibliography: ~ 46 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-28086-5
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Abstract
Bevor man zur heutigen Inkulturation des Christentums in Schwarzafrika kommen kann, müssen verschiedene Epochen des Kontinents näher betrachtet werden. Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Kontext, um die religiöse Situation des Kontinents in der er sich heute befindet näher zu schildern und zu verstehen. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass die Theologie in Afrika von dieser Historie geprägt ist und viele Elemente der Geschichte immer noch einen wesentlichen Bestandteil der Theologie ausmachen. Die folgende Ausarbeitung wird sich in drei Hauptpunkte gliedern. Der erste Punkt befasst sich mit der Kolonialzeit und der Missionierung. Die Zeit der Kolonialherren und Missionare, die für die Gemeinschaft der Ethnien grundlegende Elemente aus dem Gleichgewicht brachten, legt den Grundstein für die befreiende Religion der negro-afrikanischen Tradition. Der zweite Punkt geht näher auf das zweite vatikanische Konzil ein, welches den Weg für die heutige Sichtweise der Theologie in Afrika und der ganzen Welt ebnet. Vor allem das Dekret „Ad gentes“, ist in diesem Kontext besonders wichtig, da hier die missionarische Tätigkeit der Kirche behandelt wird. Der letzte Punkt erarbeitet die Inkulturation des Christentums am Bespiel des Ahnenkultes. Die Frage, die hier gestellt wird ist, ob der Afrikaner, um sich zum Evangelium zu bekehren, die Beziehung zu den Ahnen abbrechen muss? In diversen Unterpunkten wird die Wichtigkeit der Ahnen für die afrikanischen Völker südlich der Sahara behandelt. Außerdem soll die Schwierigkeit gezeigt werden, inwiefern sich die afrikanischen Christen in einer religiösen Zerrissenheit befinden. Der christliche Glauben auf der einen Seite und die afrikanische Spiritualität auf der anderen. Weiterhin werden Bezüge zu afrikanischen Theologen hergestellt, die sich mit der Inkulturation des Christentums in Afrika befassen, aber auch den Christen das Verständnis für die Ahnenfrömmigkeit zu vermitteln versuchen. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, da die Inkulturation nicht nur als Monolog der euro- amerikanischen Seite gesehen werden darf, sondern als Dialog zwischen verschiedenen Religionen betrachtet werden sollte.
Excerpt (computer-generated)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Begegnung Schwarzafrikas mit dem Christentum 2
2.1 Vorbemerkung 2
2.2 Exkurs in die Zeit der europäischen Endeckungsfahrten 2
2.3 Die Kolonialzeit als bleibende Belastung für die Inkulturation des
Christentums in Schwarzafrika 4
2.3.1 Die Kolonialisierung Afrikas ab dem 19. Jahrhundert 4
2.3.2 Auswirkung der Kolonialisierung auf die afrikanische Gesellschaft 6
2.4 Die Missionierung als bleibende Belastung für die Inkulturation des
Christentums in Schwarzafrika 9
2.4.1 Definitionen des Missionsbegriffs 9
2.4.2 Exkurs in die evangelische Mission 11
2.4.3 Mission als historischer Hintergrund der schwarzafrikanischen
Bevölkerung 12
2.4.4 Missionierung am Beispiel der ,,Erziehung" 14
2.4.5 Missionierung am Beispiel der ,,Arbeitserziehung" 15
2.4.6 Das Christentum und der Islam
-die Wahl zwischen den Religionen-
.16
2.4.7 Fazit 18
3. Die Entwicklung des Afrikabildes der Christen durch das Vaticanum II 20
3.1 Vorkonzilszeit 20
3.2 Entstehungsgeschichte des II. Vatikanum 22
3.3 Der Aufbau und Verlauf des Konzil 24
3.4 Nachkonzilszeit
-Problem des Konzils-
26
3.5 Dekret über die missionarische Tätigkeit der Kirche ,,Ad gentes" 27
3.5.1 Vorwort zum Dekret ,,Ad gentes" 27
3.5.2 Entstehungsgeschichte des Missionsdekrets 28
3.5.3 Der Inhalt des Missionsdekrets 31
3.6 Die neue theologische Sichtweise 36
3.7 Die Verbindung zwischen Gesamtkirche und Teilkirchen 38
I
4. Der Inkulturationsprozess als Schlüssel der Verbindung zwischen dem
Christentum und der afrikanische Spiritualität 40
4.1 Vorwort zur Inkulturation des Christentums in die afrikanische
Ahnenfrömmigkeit 41
4.2 Grundlinien der afrikanischen Ahnenfrömmigkeit 42
4.3 Der soziale Umgang im Klan und die Beziehung zum Ahnenkult 44
4.4 Das Christentum und der afrikanische Ahnenkult 45
4.5 Theologische Modelle der Inkulturation des Christentums in
Schwarzafrika 47
4.5.1 Bénézet Bujos ,,Christus als Proto-Ahn" 47
4.5.2 Christologiemodell von Anselme Titianma Sanon in Bezug auf ,,Jesus
als Proto-Ahn" 50
4.6 Die Lehre der Kirche in Verbindung mit der Ahnentheologie nach Bujo...53
4.7 Problematik der verschiedenen Eschatologie- Modelle 54
4.8 Die Bibel und das afrikanische Erbe nach John S. Mbiti 55
4.9 Die Pfingstbewegungen in Verbindung mit der Kirche 57
5. Schlusswort 61
Literaturverzeichnis 66
II
1. Einleitung
Bevor man zur heutigen Inkulturation des Christentums in Schwarzafrika
kommen kann, müssen verschiedene Epochen des Kontinents näher betrachtet
werden. Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Kontext, um die religiöse
Situation des Kontinents in der er sich heute befindet näher zu schildern und zu
verstehen. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass die Theologie in Afrika von
dieser Historie geprägt ist und viele Elemente der Geschichte immer noch einen
wesentlichen Bestandteil der Theologie ausmachen.
Die folgende Ausarbeitung wird sich in drei Hauptpunkte gliedern. Der erste
Punkt befasst sich mit der Kolonialzeit und der Missionierung. Die Zeit der
Kolonialherren und Missionare, die für die Gemeinschaft der Ethnien
grundlegende Elemente aus dem Gleichgewicht brachten, legt den Grundstein für
die befreiende Religion der negro-afrikanischen Tradition.1
Der zweite Punkt geht näher auf das zweite vatikanische Konzil ein, welches den
Weg für die heutige Sichtweise der Theologie in Afrika und der ganzen Welt
ebnet. Vor allem das Dekret ,,Ad gentes", ist in diesem Kontext besonders
wichtig, da hier die missionarische Tätigkeit der Kirche behandelt wird.
Der letzte Punkt erarbeitet die Inkulturation des Christentums am Bespiel des
Ahnenkultes. Die Frage, die hier gestellt wird ist, ob der Afrikaner, um sich zum
Evangelium zu bekehren, die Beziehung zu den Ahnen abbrechen muss? In
diversen Unterpunkten wird die Wichtigkeit der Ahnen für die afrikanischen
Völker südlich der Sahara behandelt. Außerdem soll die Schwierigkeit gezeigt
werden, inwiefern sich die afrikanischen Christen in einer religiösen Zerrissenheit
befinden.2 Der christliche Glauben auf der einen Seite und die afrikanische
Spiritualität auf der anderen.
Weiterhin werden Bezüge zu afrikanischen Theologen hergestellt, die sich mit der
Inkulturation des Christentums in Afrika befassen, aber auch den Christen das
Verständnis für die Ahnenfrömmigkeit zu vermitteln versuchen. Dieser Aspekt ist
besonders wichtig, da die Inkulturation nicht nur als Monolog der euro-
amerikanischen Seite gesehen werden darf, sondern als Dialog zwischen
verschiedenen Religionen betrachtet werden sollte.
1 Vgl. Bujo B., Afrikanische Theologie, S. 20.
2 Vgl. Bududuira, B.: Afrikanische Spiritualität und christlicher Glaube, S. 115.
1
2. Die Begegnung Schwarzafrikas mit dem Christentum
2.1 Vorbemerkung
Meine Überlegung diesen Punkt betreffend war, die Geschichte Schwarzafrikas
als bleibende Belastung für den heutigen Inkulturationsprozess des Christentums
herauszuarbeiten. Das Ziel der Arbeit ist es aber nicht, die Mission und die
Erneuerung des Missionsbegriffs durch das Vatikanum II. explizit zu untersuchen.
Der Focus dieser Arbeit richtet sich also vielmehr auf den Inkulturationsprozess
und die damit zusammenhängenden Prozesse. Eine stellenweise auftretende
Plakativität in den ersten beiden Punkten kann daher in Kauf genommen werden.
2.2 Exkurs in die Zeit der europäischen Endeckungsfahrten
Als Einführung in das Thema sollen hier zuerst die Geschichte Afrikas und die
ersten Kontakte zwischen Europäern und Afrikanern dargestellt werden. Da in
dieser Arbeit nur die letzten 200 Jahre der Geschichte Afrikas beleuchtet werden,
muss die Epoche der See- und Enddeckungsfahrten vernachlässigt, wenn auch
nicht ganz unbeachtet gelassen werden. Deshalb im Folgenden nur einige kurze
Bemerkungen.
Der Pionierverdienst an der Entdeckung des Kontinents geht auf die Portugiesen
und Spanier zurück. Die ersten Fahrten des Christoph Columbus und Heinrichs
des Seefahrers führten 1492-1540 zu einem regen Aufschwung der
Entdeckertätigkeit. Von Staat und Kirche gefördert, stand die Erweiterung der
wirtschaftlichen, missionarischen und wissenschaftlichen Horizonte an erster
Stelle.3 Die ersten Kulturkontakte mit dem schwarzafrikanischen Volk verliefen
meist friedlich. Berichte zeigen, dass die Friedensbereitschaft und die Ehrfurcht
des Afrikaners vor dem weißen Mann den Europäer positiv beeindruckten
.
In
einem Bericht von dem Venezianer Cadamosto, der 1454 nach Westafrika segelte,
ist von einem solchen Zusammentreffen die Rede.
,,«Diese Neger», heißt es in
seinem Reisebericht, »liefen zusammen, um mich zu sehen, als ob ich eine
Wundererscheinung gewesen wäre. Es schien für sie eine neue Erfahrung zu sein,
einen Christenmenschen zu sehen ... ; einige berührten meine Hände und
3 Vgl. Bitterli, U.: Die ,,wilden" und die ,,Zivilisierten", S. 19.
2
Gliedmaßen und rieben meine Haut mit Speichel, um herauszufinden, ob das Weiß
natürlich oder gefärbt sei...«"4
Des Weiteren gibt es Belege, dass die Portugiesen zwischen den gutartigen
,,Schwarzafrikanern" einerseits und beispielsweise den bösartigen Mauren
andererseits unterschieden.5 Doch obwohl sie als ,,gutartige Schwarzafrikaner"
beschrieben wurden, war die Angst vor dem Unbekannten groß. Diese
Menschen
," die sich aufgrund ihrer Lebensart (z. B. Fischesser und
Höhlenbewohner) oder physischer Unnormalität (Giganten, Pygmäen) von
anderen Völkern abhoben"
und am
,,Rande der bewohnten Welt"
siedelten,
wurden beispielsweise beschrieben als
,,Hundsköpfe", ,,Kopflose", ,,Völker ohne
Zungen", ,,Menschenfresser".
6Afrika wurde also zunächst als animalischer,
,,
monströser"7
, aber auch kannibalischer Ort begriffen.
Da diese Entdeckungsfahrten durch die Kirche bewilligt und teilweise finanziert
wurden, war der Anteil der Missionare auf den Schiffen hoch.
Der damalige Missionsgedanke, den schwarzen Mann von seinem Heidenglauben
zur göttlichen Erlösung zu bekehren, war allerdings schwer verständlich zu
machen, da die Völker in der Verbreitung des Christenglaubens nicht mehr als
eine Zerstörung ihrer Kultur sahen. Der weiße Mann zerstörte die Kultstätten und
verdrängte die afrikanischen Traditionen immer mehr. Aus dieser Situation heraus
entwickelte sich ein Misstrauen den Europäern gegenüber. Der Durchbruch der
christlichen Idee, die sich um 1500 zu eröffnen schien, blieb völlig aus.8
300 Jahre später, zur Zeit der Kolonialisierung durch die großen europäischen
Kolonialmächte, waren auch die Missionare an der Verbreiterung ihres Glaubens
in Afrika interessiert. Die Ausbreitung der Kolonien und der Missionstätigkeit ab
Mitte des 19. Jahrhunderts führte zu einem grundlegenden Strukturwandel in
Teilen des afrikanischen Kontinents.
4 Bitterli, U.: Die ,,wilden" und die ,,Zivilisierten", S. 82.
5 Vgl. a. a. O., S. 92.
6 Herkenhoff, M.: Der dunkle Kontinent, S. 145 ff.
7 A .a. O., S. 140.
8 Vgl. Bitterli, U.: Die ,,wilden" und die ,,Zivilisierten", S. 107.
3
2.3 Die Kolonialzeit als bleibende Belastung für die Inkulturation des
Christentums in Schwarzafrika
2.3.1 Die Kolonialisierung Afrikas ab dem 19. Jahrhundert
Am Anfang des 19. Jahrhunderts war Afrika nur dünn von Europäern besiedelt.
Der größte Teil der Weißen wohnte in einem Radius von 100 Kilometern um
Kapstadt herum. Dieser Bereich galt als sehr fruchtbar, da der Niederschlag höher
war als in den meisten anderen Regionen Afrikas.9 Die Fremdherrschaft der
Europäer beschränkte sich also auf Handelsniederlassungen und Stützpunkte an
der Küste, was aber auch mit den klimatischen Bedingungen zu tun hatte.
Die rasche Ausbreitung der Kolonien geht auf Forscher, Entdecker, Abenteurer
und Missionare zurück. Sie lieferten sich einen regelrechten ,,Wettlauf", um den
unerforschten Kontinent, der direkt ,,vor der Haustür" lag, zu erkunden. Das
Forscherinteresse galt zu dieser Zeit vornehmlich den Quellgebieten der großen
Flüsse wie dem Niger, dem Kongo und dem Nil.10
Die aus diesem Entdeckungsgedanken entstandenen Ideen der Aufklärung hatten
aber auch indirekt dem Missionsgedanken neuen Aufschwung gegeben. Während
lange Zeit die schwarze Bevölkerung Afrikas vornehmlich als ,,gottlose Wilde"
betrachtet wurde, die deshalb nicht in den ,,Genuss" der christlichen
Heilsbotschaft kommen konnte, hatte die Aufklärung der Europäer das Bild der
afrikanischen Urbevölkerung verändert und zumindest seine Menschlichkeit als
unzweifelhaft festgestellt. Damit stand für die europäischen Kirchen die
Verpflichtung außer Frage, ihre Missionstätigkeit auf dem afrikanischen
Kontinent auszudehnen.11
Einer der wichtigsten Merkmale der Kolonialisierung war der Handel. Einige
Händler, die im 17. bis hin zum 19. Jahrhundert verstärkt mit Sklaven handelten,
bildeten ihre Vorrechte gegenüber anderen konkurrierenden Kolonien immer
weiter aus. Die Schutzabkommen für den Im- und Export vom afrikanischen
Volk, die sie mit ihren Heimatstaaten bildeten, veranlassten den Wachstum des
Wettbewerbs unter den Händlern. Der unmenschliche Sklavenhandel durch
9 Vgl. Schlumberger, J. A. / Segl, P. / Duchhardt, H.: Afrika, S. 149.
10
Vgl. Mair, S.: ,,Ausbreitung des Kolonialismus", S. 13.
11 Vgl. ebd.
4
koloniale Mächte, war damals der wesentlichste Bestandteil der Ausbeutung des
Kontinents.12
Die erste Einsicht und Umkehr, weg von den menschenunwürdigen Lebensweisen
der versklavten Afrikaner, kam nicht ganz uneigennützig aus Großbritannien.
England war sich bewusst, dass sich der Zusammenschluss mit dem afrikanischen
Volk positiv auf den britischen Handel auswirken würde. Durch das Verbot der
Sklaverei, welches in Verträgen mit afrikanischen Herrschern besiegelt wurde,
schufen sich die Briten Handelsfreiheit und Meistbegünstigungsrechte auf
afrikanischem Boden. England sicherte nun zur ,,Überwachung" des
Sklavenhandels den Seeweg und hatte dadurch eine Monopolstellung gegenüber
anderen Kolonialmächten.
Um dem entgegenzuwirken rüsteten die anderen Kolonialmächte auf. Ein enormer
Aufschwung der kolonialen Eroberung begann Ende des 19. Jahrhunderts. Die
Expeditionen nahmen zu und Südafrika wurde bald von den verschiedensten
europäischen Bevölkerungsschichten besiedelt, die sich in Afrika niederließen.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Afrika, bis auf wenige Ausnahmen, unter
den alten und neuen Kolonialmächten aufgeteilt. Die imperialistischen Mächte
Frankreich, Großbritannien, Portugal, Spanien, Deutschland, Belgien und Italien
hatten die Vorherrschaft. Der daraus entstandene Konkurrenzkampf um Rohstoffe
und Absatzmärkte führte zur verstärkten kolonialen Expansion, woraus wiederum
Kolonialkriege entstanden.13
Der Abbau von mineralischen Bodenschätzen und die Ausbeutung der
landwirtschaftlichen Güter wurden von den Afrikanern unter Aufsicht der
Kolonialherren verrichtet. Für einen Mindestlohn mussten der Afrikaner meist
mehr als nur einen Beruf ausüben, während seine Familie gezwungen war
uneingeschränkt bei der Arbeit zu helfen, da diese sonst nicht zu bewältigen
gewesen wäre.14
12 Vgl. Loth H.: Geschichte Afrikas, S. 5.
13 Vgl. a. a. O., S. 7.
14
Vgl. Illy, Hans F., ,,Entwicklung durch Verwaltung?", S. 15.
5
2.3.2 Auswirkung der Kolonialisierung auf die afrikanische Gesellschaft
Die einzelnen kolonialen Einrichtungen bestanden aus mehreren Ämtern, welche
die Afrikaner in ihrem Lebensraum einschränkten. Man drängte die Afrikaner zur
Unterwerfung und Ausbeutung ihres Landes, versuchte aber gleichzeitig, ihnen
die Chance zu begrenzter Partizipation einzuräumen. So besetzte man die
niedrigen, verantwortungsfreien Positionen, der einzelnen Ämter mit Afrikanern.
Die Auswahl dieser Amtsträger wurde in Abhängigkeit der sozialen Stellung
getroffen. Das kolonial geprägte Modernisierungsideal wurde durch die Afrikaner
verkörpert, die dem Kolonialsystem am intensivsten verbunden waren (Beamte,
Lehrer etc.).15 Das Prestige, das man durch einen Arbeitsplatz in einem Amt
bekam, war weitaus größer als das beispielsweise eines Bauers. Und das ist bis
heute so. So schreibt Illy:
,,Die Vision der Schüler ist eingleisig: Wer die dörfliche
Agrarstruktur hinter sich gelassen und die Schule bewältigt hat, hat ein Anrecht
auf einen Platz in der Verwaltung. Gut bezahlte Arbeitsplätze in der Industrie
erschienen daraufhin befragten Schülern weniger attraktiv als administrative
Tätigkeiten auch auf niedrigstem Niveau."16
2.3.3 Der Kolonialismus als Wandelbegriff
Der Begriff des Kolonialismus wurde über die Jahre unterschiedlich geprägt und
dessen semantischer Inhalt verändert. Der nächste Abschnitt soll den Wandel des
Begriffs Kolonialisierung und die daraus resultierenden unterschiedlichen
Bedeutungen für die Kolonialisierung Afrikas bis hin zur Gegenwart beleuchten.
Im Folgenden werden Auszüge aus verschiedenen Lexika zum Begriff
,,Kolonialismus" dargestellt.
Die Religion in Geschichte und Gegenwart (1912):
,,Unter Kolonialismus im eigentlichen Sinne des Wortes versteht man das
Sichausbreiten einer Bevölkerung über außerhalb ihrer Grenzen gelegene
Gebiete. In den Gebieten, die eine große Dichtigkeit der Eingeborenen ausweisen,
oder wo klimatische Verhältnisse die Sesshaftmachung und Fortpflanzung der
Europäer unmöglich machen, kann man nur von K. im weiteren Sinne des Wortes
15 Vgl. Illy Hans F., "Entwicklung durch Verwaltung?", S. 15.
16 Ebd.
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