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Die guatemaltekische Revolution und der Sturz von Arbenz

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 25 Pages
Author: Eva Dorothée Schmid
Subject: History - Non-German

Details

Event: Diktatur, Demokratie und Gewalt in Lateinamerika nach dem Zweiten Weltkrieg
Institution/College: University of Hamburg (Lateinamerikastudien)
Tags: Guatemala, Revolution, Arbenz
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 25
Language: German
Archive No.: V12343
ISBN (E-book): 978-3-638-18251-5

File size: 96 KB

Abstract

Am 1. Juli 1944 musste Diktator General Jorge Ubico nach 14 Jahren an der Macht als Präsident abtreten. Zehn Jahre später, am 27. Juni 1954, musste der demokratisch gewählte Präsident Jacobo Arbenz Guzmán abdanken. Die zehn Jahre, die dazwischen liegen, nennt man auch den zehnjährigen Frühling Guatemalas. Mit dieser Zeitspanne beschäftigt sich diese Arbeit. Besonderes Augenmerk ist darauf gerichtet, warum dieser verheißungsvolle zehnjährige Frühling zu Ende ging, warum Arbenz gestürzt wurde und das Land nach einer kurzen demokratischen Phase wieder in eine vierzig Jahre andauernde, äußerst blutige Diktatur zurückfiel. Meine Hypothese ist, dass die USA eine entscheidende Rolle beim Übergang von der Demokratie zur Diktatur spielten. Zunächst wird kurz auf die wichtigsten Charakteristika der Amtszeit von Juan José Arévalo und von Jacobo Arbenz eingegangen. Dann möchte ich aufzeigen, welche Akteure und welche Interessen beim Sturz von Arbenz eine Rolle spielten. Danach wird der Verlauf des Sturzes geschildert und im Fazit möchte ich untersuchen, was zum Sturz von Arbenz geführt hat und aus welchen Motiven heraus die USA gehandelt haben. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Betrachtung der eigentlichen Situation in Guatemala im Unterschied zur wahrgenommenen Situation durch die USA. Abschließend sollen kurz die Folgen der guatemaltekischen Revolution und ihrer Niederschlagung für Guatemala selbst, aber auch für den gesamten lateinamerikanischen Kontinent aufgezeigt werden.


Excerpt (computer-generated)

Universität Hamburg
Lateinamerikastudien
Sommersemester 2001

Hausarbeit

Die guatemaltekische Revolution und der Sturz von Arbenz

Eva Dorothée Schmid

 

Inhalt

1. EINLEITUNG  3

2. DIE GUATEMALTEKISCHE REVOLUTION 1944-1954  4
2.1 DIE REGIERUNG UNTER ARÉVALO (1945-1951)  4
2.2 DIE REGIERUNG UNTER ARBÉNZ (1951-1954)  6

3. DER STURZ ARBENZ‘: AKTEURE UND INTERESSEN  8
3.1 USA: UNITED FRUIT COMPANY, ANTIKOMMUNISMUS UND CIA  8
3.2 GUATEMALA: KONTRAREVOLUTIONÄRE, OLIGARCHIE UND MILITÄR  13

4. DER VERLAUF DES STURZES: DIE OPERATION SUCCESS  15

5. FAZIT: WER WAR ENTSCHEIDEND FÜR DEN STURZ VON ARBENZ?  18

6. AUSBLICK: FOLGEN FÜR DIE WEITERE GESCHICHTE GUATEMALAS UND FÜR LATEINAMERIKA  22

7. LITERATUR  25

ABKÜRZUNGEN

CIA Central Intelligence Agency, amerikanischer Geheimdienst
IRCA International Railways of Central America
NSC National Security Council, amerikanischer nationaler Sicherheitsrat
OAS Organization of American States
PGT Partido guatemalteca de Trabajo, guatemaltekische Arbeiterpartei
UFCo United Fruit Company
UN United Nations

 

1. Einleitung

Am 1. Juli 1944 musste Diktator General Jorge Ubico nach 14 Jahren an der Macht als Präsident abtreten. Zehn Jahre später, am 27. Juni 1954, musste der demokratisch gewählte Präsident Jacobo Arbenz Guzmán abdanken. Die zehn Jahre, die dazwischen liegen, nennt man auch den zehnjährigen Frühling Guatemalas. Mit dieser Zeitspanne beschäftigt sich diese Arbeit. Besonderes Augenmerk ist darauf gerichtet, warum dieser verheißungsvolle zehnjährige Frühling zu Ende ging, warum Arbenz gestürzt wurde und das Land nach einer kurzen demokratischen Phase wieder in eine vierzig Jahre andauernde, äußerst blutige Diktatur zurückfiel. Meine Hypothese ist, dass die USA eine entscheidende Rolle beim Übergang von der Demokratie zur Diktatur spielten.

Bevor 1944 Juan José Arévalo erster demokratisch gewählter Präsident wurde, wurde Guatemala von und für eine kleine Gruppe Großgrundbesitzer regiert, die mit den Offizierskorps der Armee verbündet waren und von Repräsentanten ausländischer Firmen und der Hierarchie der katholischen Kirche unterstützt wurden. Die politische und wirtschaftliche Macht lag vor allem bei den Produzenten von Bananen und Kaffee, den wichtigsten Exportprodukte Guatemalas. Das Erbe Ubicos bestand aus einer Kombination von politischer Unreife, einer archaischen Sozialstruktur und wirtschaftlicher Rückständigkeit.

Auf dem Land führte das Bevölkerungswachstum dazu, dass immer mehr Menschen von der gleichen Fläche verfügbaren Bodens leben mussten. Zwei Prozent der Grundeigentümer besaßen 72 Prozent des Bodens, von denen weniger als 1 Prozent kultiviert war und 90 Prozent der Bevölkerung zusammen gehörten nur 15 Prozent des bestellbaren Landes.1 Obwohl fruchtbares Land in Fülle vorhanden war, zwang dessen ungenügende Nutzung Guatemala zur Einfuhr wichtiger
Grundnahrungsmittel.

Indígenas auf dem Land waren an große Plantagen gebunden und zu mindestens 150 Tagen Pflichtarbeit im Jahr verpflichtet. Die für die Landarbeiter herrschenden Bedingungen ließen sich kaum von denen einer Knechtschaft unterscheiden. 75 Prozent der Bevölkerung waren Analphabeten, bei den Indígenas lag der Prozentsatz sogar bei 95 Prozent.2 Die meisten Menschen arbeiteten in der Landwirtschaft, Industrie gab es so gut wie nicht.3 Die guatemaltekische Revolution war der erstmalige Versuche, an dieser wirtschaftlichen und sozialen Situation etwas zu verändern.

Zunächst wird kurz auf die wichtigsten Charakteristika der Amtszeit von Juan José Arévalo und von Jacobo Arbenz eingegangen. Dann möchte ich aufzeigen, welche Akteure und welche Interessen beim Sturz von Arbenz eine Rolle spielten. Danach wird der Verlauf des Sturzes geschildert und im Fazit möchte ich untersuchen, was zum Sturz von Arbenz geführt hat und aus welchen Motiven heraus die USA gehandelt haben. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Betrachtung der eigentlichen Situation in Guatemala im Unterschied zur wahrgenommenen Situation durch die USA. Abschließend sollen kurz die Folgen der guatemaltekischen Revolution und ihrer Niederschlagung für Guatemala selbst, aber auch für den gesamten lateinamerikanischen Kontinent aufgezeigt werden.

2. Die guatemaltekische Revolution 1944-1954

2.1 Die Regierung unter Arévalo (1945-1951)

Jorge Ubico bekam es im Juni 1944 zum ersten Mal mit einer ernsthaften Opposition zu tun. Lehrer, Ladenbesitzer, Facharbeiter und Studenten demonstrierten öffentlich und es gab einen Generalstreik. Außerdem begann Ubicos Diktatur die Unterstützung der USA zu verlieren. Eine derartige, gegen die Regierung gerichtete Aktivität, war in der Geschichte des Landes etwas ganz Neues. Ubico trat am 1. Juli zurück und übergab die Macht an General Federico Ponce. Dieser wurde im Oktober von einer Militärrevolte, angeführt von Francisco Arana und Jacobo Arbenz, gestürzt. Bekannt ist dieses Ereignis auch als die guatemaltekische Oktoberrevolution.

Die Oktoberrevolutionäre waren vor allem städtische Kleinbürger, die gebildet waren aber frustriert, dass es keine politischen Freiheiten und Möglichkeiten für

wirtschaftlichen Fortschritt gab. Angeführt wurde die Bewegung von einer Generation Studenten, die größtenteils aus der Mittelklasse kamen und sich selbst als
klassenlos wahrnahmen.

Die siegreichen Helden Francisco Arana und Jacobo Arbenz bildeten zusammen mit dem Geschäftsmann Jorge Toriello eine Interimsjunta und kündigten sogleich freie Wahlen an. Diese waren die ersten in der Geschichte des Landes, die unter einer demokratischen Verfassung stattfanden.

[....]


1  Schlesinger, Stephen/Kinzer, Stephen (1984): Bananen-Krieg. CIA-Putsch in Guatemala, S. 44; Gleijeses, Piero (1991): Shattered Hope. The Guatemalan Revolution and the United States, 1944-1954, S. 36
2 Schlesinger/Kinzer: Bananen-Krieg, S. 45
3 Gleijeses: Shattered Hope, S. 37


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