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"Bist du ein Haus aus dicken Steinen" - Analyse von Gottesbildern in Liedern für Grundschulkinder

Untertitel: Kriterien und Befunde

Doktorarbeit / Dissertation, 2008, 601 Seiten
Autor: Regine Rempe
Fach: Theologie - Didaktik, Religionspädagogik

Details

Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Kategorie: Doktorarbeit / Dissertation
Jahr: 2008
Seiten: 601
Note: magna cum laude
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V123486
ISBN (E-Book): 978-3-640-35711-6
ISBN (Buch): 978-3-640-35703-1
Anmerkungen :
Der ausführliche Anhang bietet: 1. Kriterienkatalog von 138 konkreten Fragen zur Auswahl und Analyse geeigneter Gottes-Kinder-Lieder, aber auch zur Beurteilung jeglicher Rede von Gott. 2. Kommentiertes tabellarisches Verzeichnis der betrachteten 250 Lieder; Kurzrezensionen der verwendeten Liederbücher. 3. 77 Gottes-Kinder-Lieder für den Religionsunterricht in der Grundschule. Dies ist eine Zusammenstellung besonders geeigneter neuerer Lieder. Sie erscheint hier nur als Angabe der Titel - Text und Noten können der Quellenangabe aus Anlage 2 entnommen werden.


Zusammenfassung / Abstract

Ein Unterrichtsgang zum Friedhof: „Warum hat Gott den Tod geschaffen?“ Wache Kinderaugen sehen mich an, Augen, die flehen: „Gib mir eine Antwort! Jetzt!“ Kinder fragen radikal. Sie haben ein „Recht auf Gott“. Diese Arbeit, die den Religionsunterricht der Grundschule im Blick hat, versteht sich als Spurensuche nach lebensförderlichen, tragfähigen Gottesbildern. Seit urbiblischen Zeiten sind Musik und Lied elementare Ausdrucksformen der Gottesbeziehung. Als sinnlich-ästhetisches Medium vermag das Lied unsere Schulkinder existentiell zu berühren und in ihnen eine Ahnung des Transzendierens zu wecken. In unverfügbaren Momenten kann es Gott selbst bzw. seine Nähe symbolisieren. Um diese potentielle Kraft im Religionsunterricht der Grundschule sinnvoll auszuschöpfen, ist es hilfreich, über ein theologisch, pädagogisch und hymnologisch begründetes Instrumentarium zur Analyse und Bewertung der impliziten und expliziten Gottesvorstellungen eines Liedes zu verfügen. Die Arbeit entwickelt dazu einen Kriterienkatalog von 138 relativ konkreten Maßgaben. Weiterhin werden 250 neuere religiöse Lieder auf ihre Gottesvorstellungen hin untersucht, als tabellarische Kurzanalyse der Einzelwerke und als Versuch, „das“ Gottesbild „des“ neuen Liedgutes zu beschreiben. Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt in der theologischen Betrachtung zahlreicher personaler und nonpersonaler Gottessymbole als Variationen des Leitmotivs „Liebe“.


Textauszug (computergeneriert)

,,Bist du ein Haus aus dicken Steinen?"
Analyse von Gottesbildern in Liedern für Grundschulkinder ­
Kriterien und Befunde

Inaugural-Dissertation
in der Fakultät Humanwissenschaften
der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

vorgelegt von
Regine Rempe, geb. Messerschmidt aus
Bamberg

Bamberg, den 5. Mai 2008

 


Dank

Es war ein langer Weg.
Er begann mit der namenlosen Wut auf einen kleinlichen Gott, führte in das Verstummen und die Gleichgültigkeit, bis wieder Neugier erwachte, fremde und eigene Worte sich suchten und fanden, befreiende Ahnungen Gestalt annahmen. Am Ende bleibt erneut Sprachlosigkeit, die Stille des Staunens.
Irgendwann hat sich die akademische Auseinandersetzung mit dem Leben verwoben, in meiner persönlichen Orientierung, aber auch in der bereichernden Tätigkeit als Religionslehrerin. Man wird dies der Arbeit anmerken, ich kann nicht anders.
Mein Dank gilt wunderbaren Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet und gestützt haben:
(?);- Prof. Dr. Dr. habil. Rainer Lachmann für die freundlich-energische Ermutigung, für ein gerüttelt Maß an Vertrauensvorschuss, aber auch für sein Wirken als „Optiker“, dessen Brille des „Agapekriteriums“ sich für mich als immens „lebensförderlich“ erwiesen hat;
-(?); meinem Mann Rafael für seine ungezählten liebevollen existentiellen Verifikationen dieses Agapekriteriums und für die geduldige Korrekturarbeit;
(?);- meinen Töchtern Hanna und Sarah für das Aushalten einer unverfügbareren Mutter, für das Ertragen mancher theologischer Erziehungsweisheiten und für ihre Unterstützung beim Aufrechterhalten eines haushaltstechnischen Grundstandards;
(?);- Dr. Albin Muff für das gemeinsame Testen eines neuen konzeptionellen Prototyps („Theologisieren mit einem Erwachsenen anhand der methodischen Kategorie des Ausdauerlaufs - ein Grenzgang zwischen Religionspädagogik und Sportdidaktik“) sowie für seine computertechnische Unterstützung im Erstellen von Grafiken;
(?);- Sportfotograf Reinhold Eckert für seine professionelle Hilfe beim Einscannen der Fotos;
(?); „meinen“ Schulkindern, die so voller Leben sind, dass es eine wahre Freude ist, gemeinsam mit ihnen auf Spurensuche nach „Gott und der Welt“ zu gehen.

 


INHALT

Einleitung ... 7
Sich einstimmen: Motivation der Arbeit ... 7
Sich aufmachen: Ziele und Wege ... 11
Begriffsklärungen ... 18
(1) ,,Gott" ­ ein verzichtbares Wort? ... 18
(2) Gottesbild ­ Gottessymbol ­ Gottesbegriff ­ Gottes Eigenschaften ... 19
(3) Gotteserfahrung ­ Gottesvorstellung ­ Gotteskonzept ­ Gottesrepräsentation ... 22
(4) Das neue religiöse Lied ... 23
I. Um Gottes willen ­ Gottesbilder theologisch ... 26
1. Wie können, dürfen, müssen wir von Gott erzählen? ... 27
1.1 ,,Gibt es Gott"? Interessierte Rede ... 28
1.2 ,,Wo und wie finden wir Gott?" Bewahrheitende Rede ... 32
1.2.1 Gott offenbart sich ... 33
1.2.2 ,,Spuren der Engel": die ,,natürliche" Gotteserkenntnis ... 34
1.2.3 ,,Sola scriptura": Gott in Jesus Christus ... 39
1.2.4 ,,Wir sehen jetzt durch einen Spiegel" (1. Kor 13,12): Zum Verhältnis von Grunderfahrungen und Glaubensantworten ... 41
1.3 ,,Und ­ was soll sich für mich ändern?" Ultimative Rede ... 44
1.4 ,,Wenn ich mir Gott vorstellen möchte ...?" Symbolisch-bildhafte Rede ... 46
1.5 ,,Aber manchmal verstehe ich Gott nicht!" Mit dem Verborgenen rechnende Rede ... 51
2. Was können, dürfen, müssen wir von Gott erzählen? ... 55
2.1 Versuch einer Gottes,,definition" ... 57
2.2 Grundzüge des biblischen Gottesbildes ... 60
2.2.1 Gott im Alten Testament ... 61
2.2.2 Gott im Neuen Testament ... 66
2.3 Das Thema: Gottes Wesen als Liebe ... 71
2.4 Gottesbilder: Variationen des Themas ,,Liebe" ... 83
2.4.1 Personale Gottesbilder ... 85
(1) Person ­ Name ­ Trinität ... 85
(2) Schöpfer und Erhalter ... 99
(3) Gott, der Allmächtige ­ und das Leid? ... 107
(4) Vater ­ Mutter ­ Freund/Freundin ... 117
(5) Herr ... 132
(6) König ... 139
(7) Hirte ... 141
(8) Retter und Helfer ... 145
(9) Richter ... 150
(10) Unkonventionelle personale Bilder ­ Künstler, Designer, Dirigent, DJ, Manager, Joker, Protagonist ... 160
2.4.2 Nonpersonale Gottesbilder ... 170
(1) Gottesbilder aus dem Bereich des menschlichen Körpers ... 171
Auge: ,,Gott sieht alles, Gott weiß alles"? ... 171
Ohr: ,,Gott hört" ... 175
Hand ... 179
Angesicht, Mund, Herz ... 182
(2) Gottesbilder aus Natur und Kultur ... 184
,,Der Herr ist mein Licht und mein Heil" (Ps 27,1) ... 185

3

 


,,Denn bei dir ist die Quelle des Lebens" (Ps, 36,10) ... 187

,,Herr, mein Fels und Berg meines Heiles" (Ps 18,3) ... 188

,,Ein′ feste Burg ist unser Gott" ... 192

Wind, Hauch, Atem, Feuer ­ der Symbolkomplex ,,Geist" ... 193

(3) Abstrakte Gottesbilder ... 197

Ort, Höhe, Tiefe, Allgegenwart, Reich Gottes ­ der Symbolbereich ,,Himmel" ... 198

Gott ­ der Heilige ... 203

Gott als Geheimnis ... 204

Gott ­ die Mitte ... 206

Zusammenfassung: Theologische Voraussetzungen des Redens von Gott in Liedern ... 211

II. Um des Menschen willen ­ Gottesbilder pädagogisch ... 214

1. Kind und Schule ­ schulpädagogische und religionspädagogische Faktoren des Redens von Gott im Religionsunterricht ... 216

1.1 Die Auseinandersetzung mit Gottesbildern im Rahmen einer allgemeinen Schulpädagogik ... 216

1.1.1 Menschenbild und Gottesbild ... 216

1.1.2 Persönlichkeitsentwicklung und Gottesbild: Beitrag der Rede von Gott zum Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule ... 218

1.2. Die Auseinandersetzung mit Gottesbildern im Rahmen der Religions- pädagogik ... 222

1.2.1 Versuch einer konzeptionellen Verortung ... 222

1.2.2 Ziele einer religionsunterrichtlichen Auseinandersetzung mit der Gottesfrage in Liedern ... 236

1.2.3 Die Gottesfrage im aktuellen Lehrplan für den Evangelischen Religionsunterricht an der Grundschule in Bayern ... 246

2. Kind und Gesellschaft ­ soziokulturelle Faktoren ... 253

2.1 Kind und Welt: einige gesellschaftliche Rahmenbedingungen für das Aufwachsen von Kindern ... 258

2.1.1 Postmoderne Orientierungsproblematik ­ Optionsgesellschaft ... 258

2.1.2 Konsumorientierung ­ Spaßgesellschaft? ... 262

2.1.3 Domestizierte bzw. inszenierte Kindheit ­ Leistungsgesellschaft ... 264

2.1.4 Wandel der sozialen Beziehungen ­ Patchworkgesellschaft ... 266

2.1.5 ,,Verkabelte Kindheit" ­ Mediengesellschaft ... 270

2.2 Gott und Welt: Überlegungen zum gesellschaftlichen Stellenwert des Gottes- glaubens ... 276

3. Kind und Entwicklung ­ psychologische Faktoren ... 289

3.1 Entstehung und Veränderung von Gottesbildern ... 292

3.2 Wie Kinder glauben: Strukturen und Entwicklungsstufen von Gottesvorstellungen ... 299

4. Kind und Glauben ­ empirisch-phänomenologische Faktoren: Annäherungen an eine Kindertheologie ... 311

4.1 Das Phänomen ,,Kindertheologie" und ihr Erkenntniswert für die Frage nach Gottesbildern in Liedern ... 312

4

 


4.2 Was Kinder glauben - Gottesbilder von Grundschulkindern: Name Gottes ­Person ­ der ganz Andere ­ Ort ­ Schöpfer ­ Gottes Handeln ­ Allmacht und Theodizee ­ weitere biblisch-christliche Symbole ­ unkonventionelle Metaphern ­ Gottesbeziehung und Erfahrbarkeit ... 326

4.3 Kindertheologie: Religionspädagogische Konsequenzen und Kriterien für die Auswahl und Analyse von Liedern ... 345

Zusammenfassung: Kind und Gottesbild als Parameter der Liedanalyse ... 352

III. Um des Liedes willen ­ Gottesbilder hymnologisch ... 355

Vorbemerkungen: Literaturüberblick und Aufbau des Kapitels ... 355

1. Musik und Lied in ihrer Bedeutung für die Entstehung und Veränderung von Gottesbildern ... 365

1.1 ,,Singwort, das viel weiter trägt" ­ die Transzendenzkraft des Liedes ... 365

1.1.1 Anthropologischer Zugang: durch Musik und Lied bewirkte Grunderfahrungen ... 366

(1) Persönlichkeitsbildung: individuell-existentielle Dimensionen des Liedes... ... 366

(2) Gemeinschaftsbildung: soziokulturell-existentielle Dimensionen des Liedes ... 377

(3) Sinnstiftung: transzendent-existentielle bzw. religiös-existentielle Dimensionen des Liedes ... 386

1.1.2 Theologischer Zugang: das Lied als Gottessymbol ... 393

(1) Gott als Liebeslied ... 394

(2) Gott als Offenbarungslied ... 396

(3) Gott als Schöpfungslied ... 398

(4) Gott als Befreiungslied ... 400

(5) Gott als Klagelied ... 401

(6) Gott als das ,,Neue Lied" ... 403

1.2 Einzelkomponenten des Liedes in ihrer Bedeutung für das Gottesbild ... 404

1.2.1 Der Musikkorpus eines Liedes und sein implizites Gottesbild ... 404

(1) Melodie und Gottesbild ... 405

(2) Rhythmus und Gottesbild ... 411

(3) Harmonie und Gottesbild ... 414

(4) Klangfarbe ... 417

1.2.2 Der Textkorpus eines Liedes und sein implizites Gottesbild ... 419

1.2.3 Der Gesamtkorpus eines Liedes und sein implizites Gottesbild ... 428

2. Das Lied im Religionsunterricht: Vermittlungs- und Rezeptionsbedingungen einer lebensförderlichen Rede von Gott im Lied ... 434

2.1 Haltungen der Religionslehrkraft als Bausteine einer liedfreundlichen Unterrichtsatmosphäre 435

2.2 Der didaktische Ort des Liedes innerhalb einer Unterrichtseinheit zur Gottesfrage ... 438

2.3 Einige methodische Variationen des Umgangs mit Liedern im Dienst eines dynamisch-lebendigen Gottesbildes ... 442

Zusammenfassung: ,,Gott ist Klang, sein Wesen ist Gesang" ... 445

IV. Um der Praxis willen ­ Gottesbilder ausgewählter Lieder ... 451

1. Der Gott des neuen Liedes? Zusammenschau der Gottessymbolik von 250 gesammelten Liedern ­ eine Annäherung ... 451

1.1 Das ,,Wie" der Rede von Gott ... 455

5

 


1.2 Das ,,Was" der Rede von Gott ... 461

1.2.1 ,,Liebe" als Leitperspektive? ... 461

1.2.2 Beschreibung der expliziten Gottesbilder: Dominanz einzelner Symbole ­ Akzentuierungen ­ theologische Leerstellen ... ... 466

1.2.3 Verzerrungen und Fehlformen der Gottesbilder in den betrachteten Liedern ... 475

1.3 Der Mensch bzw. das Kind und die Rede von Gott in den ausgewählten Liedern .. ... 479

1.3.1 Erfahrungsbezug: Verifikation und Korrelation ... 479

1.3.2 Gotteserkenntnis jenseits menschlicher Erfahrung ... 489

1.3.3 Menschenbild und Gottesbild in den untersuchten Liedern ... 491

2. Exemplarisches: Synoptische Betrachtung der Gottesbilder von zwei Kinderliedern anhand des Kriterienkatalogs Lied Nr. 157: ,,Bist du ein Haus aus dicken Steinen?" Lied Nr. 246: ,,Wo ist denn Gott? ... 498

Abgesang ... 530

(1) Retrospektive: eine Kurzzusammenfassung ... 530

(2) Introspektive: Grenzen und Desiderata ... 532

(3) Perspektive ... 535

Abkürzungen ... 537

Literatur ... 538

Anhang 548

1. Kriterienkatalog zur Auswahl und Analyse geeigneter Gottes-Kinder-Lieder 549

2. Kommentiertes tabellarisches Verzeichnis der betrachteten 250 Lieder; 561

Kurzrezensionen der verwendeten Liederbücher 3. ,,Gott, deine Liebe, ein Lied" ­ 597

77 Gottes-Kinder-Lieder für den Religionsunterricht in der Grundschule 6

 


Gott, deine Liebe, ein Lied,
das mich seit je zu dir zieht.
Singt Vögel, Wellen und Winde,
dass meinen Ursprung ich finde.
Dein Atem belebt, die Schwermut flieht:
Gott, deine Liebe, ein Lied.

Eugen Eckert (Lied Nr. 73 aus Anlage 2)

Einleitung

Sich einstimmen: persönliche Motivation der Arbeit

,,Warum hat Gott den Tod geschaffen?"
Große, fragende Kinderaugen sehen mich an, Augen, die flehen: ,,Gib mir eine Antwort! Jetzt!" Schwere Wolken verdunkeln den Himmel eines nasskalten Februarmorgens. Wir ­ die Religionsgruppe der Jahrgangsstufen 3 und 4 einer Dorfschule im westlichen Landkreis Bamberg mit mir, ihrer Lehrerin ­ besuchen den örtlichen Friedhof. Ein Junge weicht nicht von meiner Seite. Es ist ihm unheimlich.
An Gräbern von Bekannten und Angehörigen verweilen wir, erzählen, zünden eine Kerze an, singen: ,,Ich möcht´, dass einer mit mir geht, der′s Leben kennt, der mich versteht."1
Männer heben ein frisches Grab aus. Sie hören unseren Gesang, lächeln uns zu. Unvermittelt ein verhaltener Schrei: ,,Frau Rempe, kommen Sie, schnell!" In einer versteckten Ecke eine wüste Ansammlung umgestürzter, verwitterter Grabsteine. Alle sehr klein. ,,Kinder!"
,,Wieso lässt Gott die Kinder sterben?" Andrea ist überzeugt: ,,Die haben bestimmt was Böses gemacht."
Wieder unser Lied: ,,Ich möcht, dass einer mit mir geht". Behutsam richten die Kinder einige Steine auf, versuchen die Inschriften zu entziffern. Plötzlich öffnen sich Herzen, Lebensgeschichten brechen hervor: das Mädchen, das nicht Fahrrad fahren darf, da alle Geschwister im Mutterleib oder kurz nach der Geburt starben; der Junge, dessen Vater sich im Jahr zuvor aufgehängt hat; Viertklässer, die im Schulbus an der tödlich verunglückten Frau vorbeifahren mussten. ,,Warum macht der Gott da nichts?" ,,Ich möcht, dass einer mit mir geht."
Am Friedhofstor bilden wir einen Kreis, fassen uns an und singen: ,,Ich bin bei euch jeden Tag."2 Auf dem Heimweg reichen sich einige Mädchen die Hand, skandieren die fröhliche Melodie des neuen Liedes und hüpfen im Takt. Spannung löst sich. Die Sonne bricht durch die Wolken: ,,Es heißt, dass einer mit mir geht, der′s Leben kennt, der mich versteht." (Strophe 3)

1 In: Andreas Ebert u.a. (Hrsg.), Das Kindergesangbuch, München 1998, Nr. 211.
2 Aus dem Liederbuch ,,Sein Ruhm-unsere Freude", hrsg. Geistlichen Rüstzentrum Krelingen 1988, Nr. 367.

7

 



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