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Subtitle: Ein Verfahren zur naturschutzfachlichen Evaluation von Erstaufforstungen
Doctoral Thesis / Dissertation, 2002, 206 Pages
Author: Dr. Ralf Eisenbeiß
Subject: Forestry / Forestry Economics
Details
Tags: Biodiversität, Waldvermehrung
Year: 2002
Pages: 206
Grade: cum laude
Bibliography: ~ 120 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-28131-2
ISBN (Book): 978-3-640-28426-9
Das hier entwickelte Verfahren ist ein neuartiger Ansatz, ökologische Wirkungen so zu bewerten, dass es als Grundlage für eine monetäre Förderung von Erstaufforstungen dienen kann. Die unterschiedlichen Parameter der betroffenen Fläche wie auch der unmittelbaren und sogar der weiteren Umgebung werden ausgewertet und sinnvoll kombiniert.
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Abstract
Obwohl sich die Fachdisziplinen generell einig sind, dass ein gewisser Prozentsatz der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Wald umgewandelt werden soll – die Angaben reichen von etwa 1 bis 3 Prozent – herrschen am konkreten Einzelfall unterschiedliche Meinungen vor. Verschiedene Gespräche mit den für die Aufforstungsgenehmigung zuständigen Behörden führten immer wieder zu den gleichen Schlussfolgerungen: die Forstwirtschaft propagiert Aufforstungen in den meisten Fällen. Nimmt die Landwirtschaft eine ablehnende Haltung ein, so erfolgt dies meist mit einem Hinweis auf die regionalen Strukturen und die ökonomischen Zwänge in der Bewirtschaftung. Spricht sich aber der Naturschutz gegen eine Aufforstung aus, so können unterschiedliche Gründe vorliegen. Häufig geht es um den Schutz einer besonderen, gefährdeten Art. Manchmal ist es das Landschaftsbild, manchmal auch ein angrenzendes Biotop, das vor negativen Auswirkungen der Aufforstung bewahrt werden soll. Insgesamt betrachtet, führt die wechselnde Argumentation dazu, dass die Entscheidung des Naturschutzes schwer kalkulierbar ist und so – vor allem auf Seiten der Grundbesitzer – Misstrauen entsteht. Es wird beklagt, dass der Naturschutz kein klares, allgemein gültiges Konzept zur Beurteilung von Erstaufforstungen besitzt. Tatsächlich ist es so, dass der Naturschutz verschiedene Leitbilder besitzt, die nicht immer miteinander harmonieren. Eine Prioritätensetzung ist kaum möglich. Die räumliche Konkretisierung durch die Definition regionaler Entwicklungsziele ist schwierig. Selbst ein Konsens im innerfachlichen Diskurs bringt noch keine Garantie für die Implementierung der Planungsergebnisse, da letztere nur über den Grundeigentümer erfolgen kann (Ausnahme: Schutzgebiete). In diesem Zusammenhang soll mit der vorliegenden Arbeit ein Versuch unternommen werden, entscheidende Kriterien für die ökologische Bewertung einer Fläche zu definieren und in einem Verfahren zusammenzuführen. Dies dient der Darstellung naturschutzfachlicher Ansprüche an den Landnutzungswandel im Rahmen der Agrarstrukturreform. Darüber hinaus bietet es eine Chance, durch die Entwicklung eines transparenten Verfahrens Anstöße zu geben für eine Planung ökologisch wertvoller Aufforstungen.
Excerpt (computer-generated)
Biodiversität und Waldvermehrung
Ein Verfahren zur naturschutzfachlichen Evaluation von
Erstaufforstungen
Dissertation
zur Erlangung des Doktorgrades
der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
der Georg-August-Universität Göttingen
vorgelegt von
Ralf Eisenbeiß
Göttingen 2002
Für Silke und Bendiks
Danksagung
Ich möchte mich bei all denen Bedanken , die mich in der Schaffensphase zu
dieser Arbeit tatkräftig unterstützt haben. Allen voran meine Frau Silke, deren
liebevoller Rückhalt mir sehr viel bedeutet, und meiner Mutter für den
aufmunternden Zuspruch aus der Ferne.
Außerdem bedanke ich mich bei Frau Prof. Bürger-Arndt für den
organisatorischen Freiraum und die gute Kooperation während meiner
Tätigkeit am Institut.
Die Erstellung der Arbeit wäre natürlich kaum möglich gewesen, ohne die
Kooperationsbereitschaft diverser Behörden und Personen aus dem Bereich
Forstwirtschaft und Naturschutz. Besonderer Dank gebührt den Herren
Schwerhoff und Stiefel von der Thüringer Landesanstalt für Wald und
Forstwirtschaft, Gotha für die Bereitstellung von Daten und Luftbildern sowie
den Umweltämtern der Kreise Weimarer Land und Northeim für die
Bereitstellung von Karten und Informationen. Erwartungsgemäß große Hilfe
erfuhr ich auch von den Akteuren des Naturschutzes im Bereich Forst und
Ornithologie, insbesondere den Forstämtern Bad Berka (Thüringen) und
Dassel (Niedersachsen) sowie der Nabu Ortsgruppe Dassel-Einbeck. Ich
hoffe, ihnen allen mit dieser Arbeit nicht nur meinen Dank ausdrücken,
sondern auch ein paar interessante Impulse für die weitere Arbeit geben zu
können.
Inhalt
1 Einleitung 1
1.1 Arbeitshypothesen 2
2 Hintergrund 3
2.1 Erstaufforstung in der Diskussion 3
2.2 Naturschutzfachliche Bewertung zwischen Soll und Ist 9
2.3 Regionales Konzept als Grundlage für Einzelfallentscheidungen..12
3 Theoretischer Rahmen und Methodik 17
3.1 Planungsmethoden für den Naturschutz 17
3.2 Leitbilder des Arten- und Biotopschutzes 21
3.3 Die Wirkungsanalyse 28
3.3.1 Waldbauliche Prämissen 39
3.4 Bewertungskriterien 40
3.5 Indikatoren 48
3.5.1 Baumartenvielfalt 48
3.5.2 Naturnähe 52
3.5.3 Seltenheit des Biotops 55
3.5.4 Strukturpotential 61
3.5.5 Waldrandausprägung 68
3.5.6 Biotopverbund 71
3.5.7 Landnutzungsverhältnis 75
3.5.8 Randlinien-Vorkommen 77
Inhaltsverzeichnis I
4 Ergebnisse im USG 1 Region Apolda 82
4.1 Planungsgrundlagen 82
4.2 Teilergebnisse 92
4.2.1 Flächenspezifische Ergebnisse Aufforstungsvarianten und
Erstaufforstungszieltypen 92
4.2.2 Flächenspezifische Ergebnisse Raumbezug 96
4.3 Gesamtergebnisse für die Untersuchungsflächen in der Region
Apolda 109
5 Ergebnisse im USG 2 Region Dassel 113
5.1 Planungsgrundlagen 113
5.2 Teilergebnisse 124
5.2.1 Flächenspezifische Ergebnisse Aufforstungsvarianten und
Waldentwicklungstypen 124
5.2.2 Flächenspezifische Ergebnisse Raumbezug 128
5.3 Gesamtergebnisse für die Untersuchungsflächen in der Region
Dassel 139
6 Diskussion 141
6.1 Instrumentalisierung der naturschutzfachlichen Bewertung 141
6.2 Indikatoren 142
6.3 Planungsvoraussetzungen 144
6.4 Transferierbarkeit des Verfahrens 146
6.5 Entwicklungsempfehlungen 146
7 Zusammenfassung 148
8 Literaturverzeichnis 150
9 Anhang 157
Inhaltsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis
2.1-1
Kostenzuschuss bei der Erstaufforstung, gestaffelt nach Baumarten, nach der Richtlinie
des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Förderung der
ökologischen Waldmehrung im Freistaat Sachsen (RL-Nr. 93/2000)
6
3.1-1
Die Beiträge des Naturschutzes zur Landschaftsplanung auf verschiedenen Ebenen
18
3.3-1
Verflechtungsmatrix - Elemente der 1. Systemebene (Aufforstungsfläche)
33
3.3-2
Verflechtungsmatrix - Elemente der 2. und 3. Systemebene
(Ökologisches Umfeld und erweiterter Planungsraum)
36
3.4-1
Synoptischer Überblick zu Bewertungskriterien im Naturschutz nach
unterschiedlichen Autoren
42
3.5-1
Vergleich der geplanten Baumartenmischung mit der potentiell natürlichen des
angesprochenen Standortes; Auszug aus dem Erhebungsbogen
54
3.5-2
Synopse der festgestellten Biotoptypen in den Kartierungsverfahren Thüringen sowie der
Biotoptypen der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen der Bundesrepublik
Deutschland
60
3.5-3
Auswirkung der Mischung von Baumarten unterschiedlicher sukzessionaler Stellung (nach
OTTO 1994)
64
3.5-4
Strukturpotential der Baumarten nach artspezifischen Charakteristika
66
3.5-5
Checkliste zum Indikator
Waldrandausprägung
; Bewertung nach der Summe der
festgestellten Merkmale bei Waldrandbegründung
70
4.1-1
Übersicht zu den vorkommenden Bodentypen im Untersuchungsgebiet und den
zugehörigen natürlichenWaldgesellschaften
85
4.1-2
Flächennutzungsanteile in der Region Apolda / Niedertreba
86
4.1-3
Regionales Leitbild für das Innerthüringer Ackerhügelland
89
4.1-4
Baumarten potentiell natürlicher Wälder im forstlichen Wuchsgebiet Thüringer Becken
(Auszug)
92
4.2-1
Aktuelle und angestrebte Flächennutzungsanteile in der Region Apolda / Niedertreba
97
4.2-2
Daten zum Bezugsraum Apolda-1 und zur Aufforstungsfläche AP-1
99
4.2-3
Daten zum Bezugsraum Apolda-2 und zur Aufforstungsfläche AP-2
101
4.2-4
Daten zum Beuzgsraum Apolda-3 und zur Aufforstungsfläche AP-3
103
4.2-5
Daten zum Bezugsraum Apolda-4 und zur Aufforstungsfläche AP-4
106
4.2-6
Daten zum Bezugsraum Apolda-5 und zur Aufforstungsfläche AP-5
108
5.1-1
Die potentiell natürliche Vegetation (PNV) im Untersuchungsraum Dassel und ihre
forstlichen Ersatzgesellschaften
115
5.1-2
Die den Aufforstungsflächen zuzuordnenden natürlichen Waldgesellschaften mit Haupt-
und Nebenbaumarten
116
5.1-3
Landwirtschaftliche Nutzungsfläche in Relation zur Gesamtfläche der
Verwaltungseinheiten
117
5.2-1
Daten zum Bezugsraum Dassel-1 und zur Aufforstungsfläche DA-1
129
5.2-2
Daten zum Bezugsraum Dassel-2 und zur Aufforstungsfläche DA-2
131
5.2-3
Daten zum Bezugsraum Dassel-3 und zur Aufforstungsfläche DA-3
133
5.2-4
Daten zum Bezugsraum Dassel-4 und zur Aufforstungsfläche DA-4
135
5.2-5
Daten zum Bezugsraum Dassel-5 und zur Aufforstungsfläche DA-5
137
Inhaltsverzeichnis
III
Abbildungsverzeichnis
2.1-I
Zusammensetzung der Erstaufforstungsförderung im Freistaat Thüringen (LAWUF
1999)
4
3.1-I
Flächennutzungsevaluation als operationalisiertes Planungsinstrument
auf der Grundlage einer ökologischen Wirkungsanalyse. verändert; nach BECHMANN
(1977) verändert in BUCHWALD/ENGELHARDT (1980)
20
3.3-I
Der Transformationsprozess in einem System
31
3.3-II
Das Transformationsmodell der 1. Systemebene (Aufforstungsfläche)
35
3.3-III
Das Transformationsmodell der 2. Systemebene (Ökologisches Umfeld)
36
3.4-I
Übersicht zu den Kriterien, Indikatoren, Leitbildern und Datenquellen des
Evaluationsverfahrens
46
3.5-I
Bewertungsschema des Indikators Baumartenvielfalt; Vergleich der realen Vielfalt mit
der potentiellen Vielfalt der natürlichen Waldgesellschaft
51
3.5-II
Bewertungsstufen zum Indikator
Baumartenvielfalt
52
3.5-III
Die Einordnung des potentiellen Waldbiotops in die Liste der gefährdeten und
schützenswerten Biotope; Auszug aus dem Erhebungsbogen
61
3.5-IV
Bewertungsstufen zu den Strukturpotential-Klassen im Indikator Struktur
67
3.5-V
Feststellung der Biotopverbundwirkung und Habitatergänzung durch die Aufforstung;
Auszug aus dem Erhebungsbogen
74
3.5-VI
Die Nutzung des Waldrandes als Lebensraum durch Tierarten des Waldes, des
Offenlandes und der Übergangsbereiche
78
3.5-VII
Bewertung der Veränderung des Randlinienvorkommens unter Berücksichtigung der
Randlinien-Dichte (lfm/ha) und der effektiven Waldrandverlängerung; Auszug aus dem
Erhebungsbogen
81
4.2-I
Die Beziehung zwischen der Baumartenzahl und dem Indikatorwert
Baumartenvielfalt
93
4.2-II
Indikatorsummen in Abhängigkeit vom Pflanzplan (EAZT und AV für Apolda)
94
4.2-III
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Apolda-1
100
4.2-IV
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Apolda-2
102
4.2-V
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Apolda-3
105
4.2-VI
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Apolda-4
107
4.2-VII
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Apolda-5
109
4.3-I
Mindest- und Maximalpunktzahl auf verschiedenen Flächen (USG Apolda)
111
4.3-II
Waldrandsummen mit und ohne Doppelbewertung der Süd- und West-Exposition
112
5.2-I
Flächenbezogene Indikatorwerte für die PNV-optimierten Erstaufforstungsvarianten
(USG Dassel)
125
5.2-II
Flächenbezogene Indikatorwerte für die Erstaufforstung nach Waldentwicklungstypen
(USG Dassel)
126
5.2-III
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Dassel-1
130
5.2-IV
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Dassel-2
132
5.2-V
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Dassel-3
134
5.2-VI
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Dassel-4
136
5.2-VII
Raumbezogene Indikatorenwerte für den Bezugsraum Dassel-5
138
5.3-I
Mindest- und Maximalpunktzahl auf verschiedenen Flächen (USG Dassel)
140
Inhaltsverzeichnis
IV
Eisenbeiß: Biodiversität und Waldvermehrung
1 Einleitung
Die Idee zu der vorliegenden Arbeit entstand im Rahmen eines internationalen Projektes,
das vom Institut für Forstpolitik, Forstgeschichte und Naturschutz koordiniert wurde. Das
Projekt befasste sich mit unterschiedlichen Fragestellungen zur Erstaufforstung in
unterbewaldeten Regionen. In verschiedenen Landstrichen Europas ist die Aufforstung
landwirtschaftlicher Flächen ein wichtiges Thema. Nicht zuletzt aufgrund der Bedeutung, die
der Erstaufforstung als flankierende Maßnahme in der Gemeinsamen Agrarpolitik der E.U.
zugedacht wird. Internationale Richtlinien und nationale Förderprogramme sollen die
Neustrukturierung des landwirtschaftlich geprägten Raumes ordnen. Meist erfordert die
Aufforstungsmaßnahme aber eine vorhergehende, interdisziplinär abgestimmte
Genehmigung. Und obwohl sich die Fachdisziplinen generell einig sind, dass ein gewisser
Prozentsatz der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Wald umgewandelt werden soll die
Angaben reichen von etwa 1 bis 3 Prozent herrschen am konkreten Einzelfall
unterschiedliche Meinungen vor.
Verschiedene Gespräche mit den für die Aufforstungsgenehmigung zuständigen Behörden
führten immer wieder zu den gleichen Schlussfolgerungen: die Forstwirtschaft propagiert
Aufforstungen in den meisten Fällen. Nimmt die Landwirtschaft eine ablehnende Haltung ein,
so erfolgt dies meist mit einem Hinweis auf die regionalen Strukturen und die ökonomischen
Zwänge in der Bewirtschaftung. Spricht sich aber der Naturschutz gegen eine Aufforstung
aus, so können unterschiedliche Gründe vorliegen. Häufig geht es um den Schutz einer
besonderen, gefährdeten Art. Manchmal ist es das Landschaftsbild, manchmal auch ein
angrenzendes Biotop, das vor negativen Auswirkungen der Aufforstung bewahrt werden soll.
Insgesamt betrachtet, führt die wechselnde Argumentation dazu, dass die Entscheidung des
Naturschutzes schwer kalkulierbar ist und so vor allem auf Seiten der Grundbesitzer
Misstrauen entsteht. Es wird beklagt, dass der Naturschutz kein klares, allgemein gültiges
Konzept zur Beurteilung von Erstaufforstungen besitzt.
Tatsächlich ist es so, dass der Naturschutz verschiedene Leitbilder besitzt, die nicht immer
miteinander harmonieren. Eine Prioritätensetzung ist kaum möglich. Die räumliche
Konkretisierung durch die Definition regionaler Entwicklungsziele ist schwierig. Selbst ein
Konsens im innerfachlichen Diskurs bringt noch keine Garantie für die Implementierung der
Planungsergebnisse, da letztere nur über den Grundeigentümer erfolgen kann (Ausnahme:
Schutzgebiete).
In diesem Zusammenhang soll mit der vorliegenden Arbeit ein Versuch unternommen
werden, entscheidende Kriterien für die ökologische Bewertung einer Fläche zu definieren
und in einem Verfahren zusammenzuführen. Dies dient der Darstellung
naturschutzfachlicher Ansprüche an den Landnutzungswandel im Rahmen der
Agrarstrukturreform. Darüber hinaus bietet es eine Chance, durch die Entwicklung eines
transparenten Verfahrens Anstöße zu geben für eine Planung ökologisch wertvoller
Aufforstungen.
Einleitung
1
1.1 Arbeitshypothesen
·
Der Transfer von Leitbildern der regionalen Planung in ein allgemeines
methodisches Verfahren mit regionalem Maßstab ermöglicht die gleichzeitige
Berücksichtigung überregionaler Interessen sowie regionaler
Entwicklungsziele und Bedingungen.
Der Naturschutz hat längst eine nationale und internationale Dimension erreicht, die
in Initiativen und Förderprogrammen zum Ausdruck kommen. Bei der Umsetzung der
überregionalen Ziele müssen auch die regionalen Bedürfnisse und lokalen
Bedingungen berücksichtigt werden. Ein Bewertungsverfahren muss daher den
Ansprüchen der verschiedenen Verwaltungsebenen gerecht werden.
·
Ökologische Auswirkungen von Erstaufforstungen können anhand einer
ordinalen Skala bewertet werden.
Durch die Verwendung von ordinalen Skalen im Rahmen der Bewertung, kann das
Verfahren Hinweise für eine Befürwortung oder Förderung beantragter Maßnahmen
liefern, wodurch den Entscheidungsträgern im Genehmigungsverfahren ein neues
Hilfsmittel entsteht.
·
Unterschiedliche Ziele können in einem einheitlichen Verfahren berücksichtigt
und bewertet werden.
Innerhalb des Naturschutzes bestehen eine Reihe unterschiedlicher, teilweise
konkurrierender Zielsetzungen. Die Durchsetzung eines Zieles auf Kosten anderer,
ebenfalls berechtigter Interessen ist zu vermeiden. Daher soll aufgezeigt werden,
dass die Bewertung eines Nutzungswandels dessen Beitrag zur Erreichung
verschiedener Ziele nebeneinander berücksichtigen kann.
·
Generelle Ansprüche des Naturschutzes sind in unterschiedliche Landschaften
transferierbar.
Es soll gezeigt werden, dass in unterschiedlich stark bewaldeten Landesteilen ein
einheitliches Verfahren zur Anwendung kommen kann, welches auf die wichtigsten
Kriterien und Indikatoren des wissenschaftlichen Diskurses Rücksicht nimmt.
·
Ein transparentes Bewertungsverfahren fördert nicht nur die
Nachvollziehbarkeit, sondern erhöht auch die Möglichkeit der Einflussnahme
durch den Grundeigentümer.
Der Antragsteller kann die Chancen einer Genehmigung selbst abschätzen und durch
gezielte Flächenwahl sowie einen an ökologischen Kriterien orientierten
Aufforstungsplan beeinflussen.
·
Ein Verfahren mit externen Bewertungsschlüsseln schafft eine hohe Flexibilität
gegenüber variablen Anwendungsbedingungen.
Landschaftspläne und andere Entwicklungspläne formulieren die Entwicklungsziele
anhand der Interessenlage zum Zeitpunkt der Planerstellung. Veränderungen der
relevanten Bedingungen, z.B. Eigentümerinteressen durch Generationenwechsel,
Landschaftsbild durch fortgeschrittene Einflussnahmen, machen eine Revision der
Ziele und Überarbeitung des Planes notwendig. Ein hinsichtlich der
Umgebungsbedingungen flexibles Verfahren kann dagegen unabhängig von
detaillierten Plänen agieren, wenn die regionalen Leitbilder feststehen.
Einleitung
2
Eisenbeiß: Biodiversität und Waldvermehrung
2 Hintergrund
2.1 Erstaufforstung in der Diskussion
Biodiversität ist ein aktuelles und modernes Thema. Aktuell, weil viel davon gesprochen wird
modern, weil kaum eine Veranstaltung, eine Vereinbarung oder ein Abkommen zu Umwelt-
und Naturschutz heute ohne dieses Thema auszukommen scheint. Spätestens seit der
Biodiversitäts-Konvention (Rio de Janeiro, 1992) sind Schutz und Nutzen der Biodiversität in
aller Munde. Dabei lässt die Vielschichtigkeit des Begriffes viel Raum für politische
Interpretationen. Unbestritten ist, dass sich die Biodiversität auf verschiedenen ökologischen
Ebenen, von den Genen bis zu Ökosystemen beschreiben lässt. Weitgehend unbestritten ist
auch, dass der umfassende Charakter der Biodiversität eine Vielzahl von Ressourcen
einschließt. Sie stellt eine Generalressource dar, deren nachhaltiges Management zu einer
zentralen Aufgabe der globalen Politik und Kooperation wird (SPELLERBERG/SAWYER 1996).
Somit müssen sich alle landverbrauchenden oder ökosystemverändernden Entwicklungen
an deren Auswirkungen auf die Biodiversität messen lassen.
Die Erstaufforstung landwirtschaftlich genutzter Flächen kann ebenfalls als aktuelles Thema
bezeichnet werden. Modern ist es deshalb nicht. Seit den großen Heideaufforstungen im
späten 18. Jahrhundert spielte die Waldvermehrung immer wieder eine mehr oder weniger
große, doch immer landschaftsprägende Rolle. Auch eine Begrenzung des
Betrachtungszeitraumes auf das 20. Jahrhundert zeigt, dass es mehrere Aufforstungswellen
gab, die zumindest regional bedeutende Ausmaße annahmen. In diesem Zusammenhang
sei nur an die großflächigen Rekultivierungsprojekte der Bergbaufolgelandschaften oder an
die Großflächenaufforstungen entwässerter , abgetorfter Moorgebiete in Norddeutschland
erinnert. Das aktuellste Beispiel für eine flächig landschaftsprägende Aufforstungswelle ist
wohl Irland, welches in Bezug auf das Verhältnis zwischen Aufforstung und existierender
Waldfläche in Europa eine Spitzenreiter-Rolle übernimmt (IDF 2001). In den vergangenen
Jahrzehnten spielten aber zunehmend auch gesetzliche Bestimmungen und öffentliche
Förderprogramme eine wichtige Rolle als Motor für die Waldvermehrung. Damit wandelten
sich auch die gesellschaftlichen Ansprüche an die Umwandlungsmaßnahmen. Neue Wälder
müssen heute in Planung, Anlage und Entwicklungsmöglichkeiten den Zielen der Agenda 21
entsprechen und neben ökonomischen und ökologischen vor allem auch
gesellschaftspolitischen Zielen verpflichtet sein (FRIEDRICHSDORF 1999).
Noch in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sah es die Europäische
Gemeinschaft als eine ihrer vordringlichsten Aufgaben an, den Stand der
Nahrungsmittelproduzenten als Garant für die Versorgung der Bürger vor den Unbilden der
freien Marktwirtschaft zu schützen. Anfang der 1990er Jahre bestand der EG-Haushalt zu
75 % aus Agrarausgaben. Die verfehlte Agrarpolitik der 1970er und 1980er Jahre führte zu
einer gemeinschaftsweiten Überproduktion an landwirtschaftlichen Erzeugnissen. 1992
startete eine EG-Agrarreform (Gemeinsame Agrarpolitik - GAP) mit den Zielen, die staatlich
gestützten Erzeugerpreise auf Weltmarktniveau abzusenken und die Überproduktion zu
verringern. Durch eine Verringerung der Stützpreise und Interventionsmengen für Getreide,
Ölsaaten und Hülsenfrüchte wurde zunächst Druck auf die Landwirte ausgeübt. Gleichzeitig
wurden aber direkte Beihilfen als Ausgleich für Einkommensverluste bei bestimmten
Fruchtarten (Getreide, Hülsenfrüchte, Ölsaaten) in Aussicht gestellt. Den Anspruch auf diese
Beihilfen erwarb der Agrarbetrieb durch das Einrichten von Rotations- oder
Dauerbrachflächen.
Zusätzliche Möglichkeiten zur Verringerung der Überproduktion erhoffte sich die
Gemeinschaft von einer Förderung der Erstaufforstungen (VO EWG 2080/92, später
VO EG 1257/99). Diese sollten den Landwirten langfristige Perspektiven bieten. Zur
Verringerung des Einkommensverlustes in den ersten Jahren, wurden Aufforstungs- und
Pflegeprämien eingeführt. In der Folge wurde ein Großteil der in Deutschland ausgeführten
Hintergrund 3
Erstaufforstungen über dieses Förderprogramm im Rahmen einer Kofinanzierung zwischen
Bundesländern und EU gefördert.
Bei den aus der Produktion ausscheidenden Flächen handelte (und handelt es sich noch
immer) in erster Linie um jene, die unter den Bedingungen des EU-Binnenmarktes keine
hohe landwirtschaftlichen Erträge mehr versprechen. Diese bilden keineswegs einen
repräsentativen Querschnitt durch die verschiedenen Standortbedingungen
(FINCK/SCHRÖDER 1997), sondern können mit dem Begriff Grenzertragsböden umschrieben
werden. Sie zeichnen sich durch besondere Nährstoffarmut, Feuchtigkeit oder Trockenheit,
bzw. durch eine Kombination dieser Merkmale aus. Gerade auf diesen Flächen sind aber für
den Artenschutz besonders wertvolle Biotope und Lebensgemeinschaften zu finden, weshalb
eine Umwandlung in eine andere Nutzungsart aus Naturschutzgründen zu vermeiden wäre.
Die Verordnung EWG 2080/92 war so konzipiert, dass sie vor allem die klassische
Aufforstung nach forstökonomischer Planung förderte. Neben einer Kostenbeihilfe für die
Initialphase gab es weitere Finanzmittel für die zugehörigen Pflege- und
Bewirtschaftungsmaßnahmen sowie eine Erstaufforstungsprämie als Ausgleich für
Einkommensverluste aus bisher landwirtschaftlicher Nutzung (vgl. Abb. 2.1-I). Die Förderung
erfolgte im Rahmen der Kofinanzierung aus Mitteln der EU, des Bundes und der Länder.
Abb.2.1-I: Zusammensetzung der Erstaufforstungsförderung im Freistaat Thüringen
(LAWUF 1999)
Investitionsförderung und Pflegezuschuss wurden in Abhängigkeit vom Bestandestyp
gezahlt. Die Finanzhilfe sollte die Pflegemaßnahmen der ersten fünf Jahre abdecken.
Zusätzlich konnten Grundeigentümer eine Prämie erhalten, die den Einkommensverlust aus
dem Übergang von der landwirtschaftlichen zur forstlichen Nutzung in den ersten Jahren
ausgleichen sollte. Für diese Prämie erfolgte eine Bemessung des Zahlungszeitraumes am
gewählten Bestandestyp. Die Höhe der Zahlungen wurde dagegen über die Qualität des
Bodens errechnet.
Obwohl der gewählte Bestandestyp bei der Bemessung der Fördermittel berücksichtigt
wurde, kann nicht ernsthaft von einer Berücksichtigung naturschutzfachlicher Aspekte
gesprochen werden. Es wurden weder Anreize für besonders vielfältige Bestände
geschaffen, noch schlug sich eine naturschutzorientierte Gestaltung, beispielweise durch
einen strauchreichen, breiten Waldrand, in der Fördersumme nieder.
Auch die Orientierung der Aufforstungsprämie an den Bodenwerten führten zu einer
ökologischen Fehlentwicklung. In Verbindung mit einer maximalen Prämie von DM 1400 pro
ha führte diese Bemessungsweise nämlich dazu, dass die Grundeigentümer in aller Regel
nur zur Aufforstung von Grenzertragsstandorten bereit waren.
Hintergrund 4
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