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Der Missbrauch von Runen im Dritten Reich

Hausarbeit, 2002, 15 Seiten
Autor: Chrstiane Baltes
Fach: Skandinavistik

Details

Veranstaltung: GK Mediävistik - Skandinavische Runeninschriften
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Nordeuropa-Institut)
Tags: Missbrauch, Runen, Dritten, Reich, Mediävistik, Skandinavische, Runeninschriften
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 15
Note: 2
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V123592
ISBN (E-Book): 978-3-640-28662-1
ISBN (Buch): 978-3-640-28670-6

Zusammenfassung / Abstract

Einleitung Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Runenkunde im Dritten Reich und deren Steuerung durch den Nationalsozialismus. Im zweiten Kapitel skizziere ich die Grundlagen für die Entwicklung einer Runensymbolik, wobei ich dabei von der völkisch-esoterischen Bewegung als richtungsweisend ausgehe. Im dritten Kapitel behandle ich die Unterschiede und Ähnlichkeiten der Theorien einiger mir als repräsentativ für die damalige Forschung erscheinenden NS-Runenkundler über die Entstehung des Runenalphabets. Im Folgenden erläutert das vierte Kapitel die Bedeutung der Runen im Dritten Reich anhand ihrer Verwendung als Sinnzeichen bei gesellschaftlichen Feiern und innerhalb politischer Organisationen. Anschließend gehe ich im fünften Kapitel auf die Institutionen zur Erforschung und Popularisierung der Runen näher ein, indem ich jeweils die Struktur, die Zielsetzung und die Charakteristika des Amtes Rosenberg, des Ahnenerbes und der SS darzustellen versuche. Abschließend gelange ich im fünften Kapitel zu einer eigenen Beurteilung zum Missbrauch der Runen. Als zentrale Informationsquellen dieser Arbeit zähle ich aufgrund ihrer umfassenden Darstellung und der breiten Quellenlage, auf die sie sich stützen, die Arbeiten von Ulrich Hunger und Karlheinz Weissmann. Zu Weissmann möchte ich noch anmerken, dass mir seine rechtspolitische Einstellung bei der Lektüre seines Buches vor Augen war und ich mich um eine kritische Auseinandersetzung bemüht habe. Ferner zog ich die Arbeit Katers über das Ahnenerbe hinzu und benutzte das Buch von Fest in Bezug auf die SS und die Figur Heinrich Himmler. Mit Guido Lists „Geheimnis der Runen“ erhielt ich Einblick in die völkisch-okkulte Lehre. Andersson und Enoksen beleuchten das Thema aus schwedischer Sicht und bieten jeweils eine auf den Punkt gebrachte Zusammenstellung der wesentlichen Fakten das Thema betreffend.


Textauszug (computergeneriert)

Humboldt-Universität zu Berlin

Nordeuropa Institut

GK Mediävistik: Skandinavische Runeninschriften

SS 2002

Der Missbrauch von Runen im Dritten Reich

eingereicht von:

Christiane Baltes

MA Geschichte / Skandinavistik

2. Fachsemester


Inhaltsverzeichnis

Seite

1. Einleitung

1

2. Grundlagen für die Entwicklung der Runensymbolik im Dritten Reich

1

3. Die Entstehung des Runenalphabetes nach nationalsozialistischer Auffassung

3

4. Die Bedeutung der Runen im Dritten Reich

5

5. Institutionen zur Erforschung und Popularisierung der Runen

6

5.1. Das Amt Rosenberg

6

5.2. Das Ahnenerbe

7

5.3. Die SS

8

6. Abschließende Beurteilung zum Missbrauch der Runen

10

Literaturverzeichnis


1

1. Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Runenkunde im Dritten Reich und deren

Steuerung durch den Nationalsozialismus. Im zweiten Kapitel skizziere ich die Grundlagen für

die Entwicklung einer Runensymbolik, wobei ich dabei von der völkisch-esoterischen

Bewegung als richtungsweisend ausgehe. Im dritten Kapitel behandle ich die Unterschiede und

Ähnlichkeiten der Theorien einiger mir als repräsentativ für die damalige Forschung

erscheinenden NS-Runenkundler über die Entstehung des Runenalphabets. Im Folgenden

erläutert das vierte Kapitel die Bedeutung der Runen im Dritten Reich anhand ihrer

Verwendung als Sinnzeichen bei gesellschaftlichen Feiern und innerhalb politischer

Organisationen. Anschließend gehe ich im fünften Kapitel auf die Institutionen zur Erforschung

und Popularisierung der Runen näher ein, indem ich jeweils die Struktur, die Zielsetzung und

die Charakteristika des Amtes Rosenberg, des Ahnenerbes und der SS darzustellen versuche.

Abschließend gelange ich im fünften Kapitel zu einer eigenen Beurteilung zum Missbrauch der

Runen.

Als zentrale Informationsquellen dieser Arbeit zähle ich aufgrund ihrer umfassenden

Darstellung und der breiten Quellenlage, auf die sie sich stützen, die Arbeiten von Ulrich

Hunger und Karlheinz Weissmann. Zu Weissmann möchte ich noch anmerken, dass mir seine

rechtspolitische Einstellung bei der Lektüre seines Buches vor Augen war und ich mich um eine

kritische Auseinandersetzung bemüht habe. Ferner zog ich die Arbeit Katers über das

Ahnenerbe hinzu und benutzte das Buch von Fest in Bezug auf die SS und die Figur Heinrich

Himmler. Mit Guido Lists ,,Geheimnis der Runen" erhielt ich Einblick in die völkisch-okkulte

Lehre. Andersson und Enoksen beleuchten das Thema aus schwedischer Sicht und bieten

jeweils eine auf den Punkt gebrachte Zusammenstellung der wesentlichen Fakten das Thema

betreffend.

2. Grundlagen für die Entwicklung einer Runensymbolik

Die dem Nationalsozialismus zugrunde liegende Kernidee einer Völkerhierarchie mit den Ario-

Germanen als herrschende Rasse an der Spitze entwickelte sich aus der völkisch-okkultistischen

Bewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihr wichtigster Vertreter war der erste

völkische Schriftsteller Guido List (auch ,,von List", wie er sich selbst nannte). Er lebte von


2

1848 bis 1919 in Wien und Berlin und galt als Begründer der Runen-Esoterik und der

Ariossophie, die die Lehre von der höheren Rasse der aus Nordeuropa stammenden Arier

bezeichnete und die Verbindung zur nordischen Mythologie und Sagenwelt herstellte. Im

Mittelpunkt seiner Runenkunde stand das Armanen-Futhark, das er selbst entwarf und das 18

Zeichen enthielt. Die Zeichenzahl entsprach den 18 Strophen des Odin-Liedes der ,,Edda"-Saga,

in dem - nach Lists Auslegung - der germanische Gott Wuotan die Richtlinien für einen

völkisch-okkulten Glauben bestimmt hatte. Dieses okkultistische Runensystem wurde von

anderen Gruppen dieser Bewegung wie dem Germanenorden oder der Thule-Gesellschaft zu

Beginn des 20. Jahrhunderts übernommen1.

Hitler trat zum ersten Mal in Wien in Kontakt mit antijudaistischer, völkischer Literatur und

verkehrte dort in den Kreisen der Vertreter dieser Ideologie, zu denen neben List auch Jörg

Lanz von Liebenfels gehörte. Nach der Machtergreifung verbat Hitler hingegen alle

Geheimgesellschaften (okkulte Gruppierungen gehörten aufgrund der Bedeutung des Wortes

okkult = verborgen zu dieser Kategorie) aus Angst vor Verschwörung und zugunsten der

Gleichschaltung des Volkes. Hitler übernahm dennoch einige völkische Runenzeichen, wobei er

die gesamte Symbolik vereinheitlichte und vereinfachte. Dadurch konnte er den zweifelhaften

Ursprung dieser Runenlehre verdecken und bot somit weniger Angriffsfläche für potentielle

Kritiker. Außerdem war dem Volk eine leichtere Orientierung durch eindeutige Zeichen und

deren simpler Bedeutung möglich. Die Runen sollten von nun an nicht mehr Elemente einer

Lehre für einen auserwählten Kreis sein, sondern die Identifizierung mit der ariosophischen Idee

für alle Deutschen gewährleisten2.

Die Forschungsrichtungen, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Beginn der NS-

Zeit mit der Runenkunde befassten, wie z. B. die vergleichende Sprachwissenschaft, die

Germanistik oder die Archäologie, wurden in den dreißiger Jahren einer dem

Nationalsozialismus entsprechenden Umwandlung unterworfen. Ohne die völkisch-okkulten

Lehren von List oder Liebenfels, die schon Jahre zuvor die Runen zur Erklärung einer

zweifelhaften Rassenphilosophie missbrauchten, wäre diese Veränderung in der deutschen

Forschungslandschaft schwer möglich gewesen3.

1 http: //www.idgr.de/lexikon(bio/1/list-guido/list-g.html, 16.06.2002

2 FEST, Joachim C.: Das Gesicht des Dritten Reiches. Profile einer totalitären Herrschaft, München 1993, S. 23 ff.

3 KATER, Michael H.: Das Ahnenerbe der SS, München 1997. S. 49.



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