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Subtitle: Über Religiöses Selbstbild und Fremdwahrnehmung Adolf Hitlers
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 26 Pages
Author: Mark Bothe
Subject: Theology - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Münster (Seminar für allgemeine Religionswissenschaft)
Tags: Hitler, Religion im 3. Reich, Religion, Krieg
Year: 2008
Pages: 26
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-29168-7
ISBN (Book): 978-3-640-29174-8
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Abstract
Der folgende Text befasst sich mit dem religiösen Aspekt der Figur Adolf Hitlers, basierend auf der neuen Untersuchung von Thomas Schirrmacher „Hitlers Kriegsreligion“. Dabei werden Belege für die Selbstwahrnehmung des Diktators Belegen über die Wahrnehmung der Bevölkerung gegenübergestellt, um so einen umfassenden Antwortversuch zu ermöglichen. „Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die erkennen, daß das höchste Gut des höchsten Einsatzes wert ist. Wir sind keine Partei fauler Spießbürger, keine Bewegung fauler Brüder, die sich begnügen an den Tatsachen des Tages und als Männer zu ihren Frauen sagen: Mein liebes Weib, der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Wille des Herrn sei gelobt, und wenn es ihm gefällt, dann macht er uns wieder frei. Nein! Der Herr hat uns seinen Segen gegeben, weil wir ihn verdienten, er hat uns seinen Segen genommen, weil wir seiner nicht mehr würdig waren, der Herr wird uns seinen Segen wiedergeben, wenn er ein neues Volk vor sich hat.“ Mit diesen Worten begeisterte der spätere Führer des Dritten Reiches 1927 die Massen auf einer NSDAP-Versammlung. Es sollte nicht bei einem Ausspruch dieser Art bleiben. Es gibt hunderte von Belegen, in denen deutlich wird, dass er nicht nur eine politische Ideologie vertrat, sondern einen politischen Glauben verkünden wollte. Welche Rolle Hitler innerhalb dieses Glaubens selber spielte, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Auf den folgenden Seiten gehe ich zunächst auf die Forschungsdiskussion über die Authentizität der Selbstaussagen Hitlers ein, um dann sein Weltbild und seine religiösen Vorstellungen zu beschreiben. In einem nächsten Schritt werde ich versuchen sein eigenes Rollenverständnis darzustellen um dann auf die Außensicht, also die Sicht des Volkes einzugehen. Ich habe mich dabei im Wesentlichen auf das zweibändige Werk von Thomas Schirrmacher „Hitlers Kriegsreligion“ gestützt, welches sich nicht nur zu einem Großteil mit meinem Thema deckt, sondern in seinem zweiten Band eine vollständige Zitatsammlung religiöser Aussagen Hitlers zur Verfügung stellt. Da sich gut begründete Aussagen über das Hitlerbild in Selbst- und Fremdwahrnehmung nur mit Textbelegen wagen lassen, ist diese Arbeit ungewohnt zitatlastig.
Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Katholisch-Theologische Fakultät
Seminar für allgemeine Religionswissenschaft
Hauptseminar: ,,Politische Religionen"
WS 2007/2008
Adolf Hitler eine religiöse Figur?
Über Religiöses Selbstbild und Fremdwahrnehmung Adolf Hitlers
von
Mark Bothe
Katholische Theologie, Diplom
Religionswissenschaft, Mittlere Geschichte, M.A.
11. Semester / 7. Semester
Münster, den 16.04.2008
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung 3
1 Die Authentizität der Aussagen Hitlers 4
2 Hitlers Weltbild 5
2.1 Hitlers geistige Herkunft 5
2.2 Hitlers Weltbild 6
2.2.1 Erste Säule: Krieg 6
2.2.2 Zweite Säule: Blut 7
2.2.3 Dritte Säule: Persönlichkeit 7
2.4 Hitlers Kriegsreligion 7
2.4.1 Hitlers Gottesvorstellung 8
2.4.2 Gott und Volk 9
2.4.3 Gott und Kampf/Krieg 9
3 Hitlers Selbstwahrnehmung Prophet, Messias, Religionsstifter? 10
3.1 Hitler als Prophet 10
3.1.1 Exkurs: Der biblische Prophet 11
3.2 Hitler als Messias 12
3.2.1 Exkurs: Der biblische Messias 13
3.3 Hitler als Religionsstifter 14
3.4 Hitler als Christus? 15
4 Hitler Rezeption im deutschen Volk 15
4.1 Zur Problematik der ,,Volksmeinung" 16
4.1.1 Quellenlage 16
4.1.2 Meinungsbildung 17
4.2 Das Bild Hitlers in der Bevölkerung 17
4.2.1 Die Umstände des Reiches vor der Machtergreifung 17
4.2.2 Hitler in der Sicht der breiten Masse - Arbeiter und Mittelstand 18
4.2.2.1 Hitler als Retter 18
4.2.2.2 Hitler als ,,Pater Patriae" 19
4.2.3 Die religiösen Aspekte des Hitlerbildes 20
4.3 Hitler-Jugend 20
4.4 Die Katholiken 21
5 Hitler als religiöse Figur Fazit und Ausblick 23
Literaturverzeichnis 24
2
0 Einleitung
,,Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die erkennen, daß das höchste Gut des höchsten
Einsatzes wert ist. Wir sind keine Partei fauler Spießbürger, keine Bewegung fauler Brüder,
die sich begnügen an den Tatsachen des Tages und als Männer zu ihren Frauen sagen: Mein
liebes Weib, der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Wille des Herrn sei
gelobt, und wenn es ihm gefällt, dann macht er uns wieder frei. Nein! Der Herr hat uns seinen
Segen gegeben, weil wir ihn verdienten, er hat uns seinen Segen genommen, weil wir seiner
nicht mehr würdig waren, der Herr wird uns seinen Segen wiedergeben, wenn er ein neues
Volk vor sich hat."1
Mit diesen Worten begeisterte der spätere Führer des Dritten Reiches 1927 die Massen auf
einer NSDAP-Versammlung. Es sollte nicht bei einem Ausspruch dieser Art bleiben. Es gibt
hunderte von Belegen, in denen deutlich wird, dass er nicht nur eine politische Ideologie
vertrat, sondern einen politischen Glauben verkünden wollte.
Welche Rolle Hitler innerhalb dieses Glaubens selber spielte, soll Gegenstand dieser Arbeit
sein. Auf den folgenden Seiten gehe ich zunächst auf die Forschungsdiskussion über die
Authentizität der Selbstaussagen Hitlers ein, um dann sein Weltbild und seine religiösen
Vorstellungen zu beschreiben. In einem nächsten Schritt werde ich versuchen sein eigenes
Rollenverständnis darzustellen um dann auf die Außensicht, also die Sicht des Volkes
einzugehen.
Ich habe mich dabei im Wesentlichen auf das zweibändige Werk von Thomas Schirrmacher
,,Hitlers Kriegsreligion" gestützt, welches sich nicht nur zu einem Großteil mit meinem
Thema deckt, sondern in seinem zweiten Band eine vollständige Zitatsammlung religiöser
Aussagen Hitlers zur Verfügung stellt.
Da sich gut begründete Aussagen über das Hitlerbild in Selbst- und Fremdwahrnehmung nur
mit Textbelegen wagen lassen, ist diese Arbeit ungewohnt zitatlastig.
1 Rede Adolf Hitlers auf einer NSDAP Versammlung in München am 2.4.1927 in: Schirrmacher,
Thomas.
Kriegsreligion
. Band 2. 116.
3
1 Die Authentizität der Aussagen Hitlers
In der Literatur wird an mehreren Stellen diskutiert, ob es überhaupt ein authentisches Bild
von Hitlers Denkweise geben könne. Denn das, was er nach außen hin dem Volk und der
Welt verkündete, müsse nicht zwangsläufig das gewesen sein, was er auch selbst dachte.
Bereits Zeitgenossen vertraten die These, Hitlers einziges Ziel sei Macht gewesen und das
Glaubensgebäude von Vorsehung und Bestimmung nichts weiter als das propagandistische
Mittel, dieses Ziel auch zu erreichen. Aus seinen Reden und Aussagen könne man
dementsprechend also keine Rückschlüsse auf Hitlers Weltanschauung und Überzeugungen
ziehen. Er sei nur ein Opportunist gewesen, der alles gesagt und getan hätte, hätte es nur
seinem Ziel gedient: Macht.2
Eine Wende dieser Beurteilung erfolgte durch den Briten Hugh Trevor-Roper und den
Deutschen Ernst Nolte. Sie vertraten die These, Hitler habe in einer unglaublichen
Konsequenz sein Ideengebäude umgesetzt. ,,
Mein Kampf
" spiegele eine ,,völlig
durchkonstruierte Philosophie wider".3
Aus den beiden Lagern einer funktionalistischen Sicht (Hitlers Programm diente nur dem
Machterhalt) und einer intentionalistischen Sicht (Hitlers Programm war Ausdruck seiner
inneren Überzeugung) versucht nicht zuletzt Thomas Schirrmacher eine Synthese, wenn er
sagt, dass auf das ,,Warum" nur die Intentionalisten und auf das ,,Wie" nur die
Funktionalisten antworten könnten.
Letztlich bleibt jedoch festzuhalten, dass ohne die Annahme, Hitlers Reden seien ebenfalls
auch das, was er selber glaubte und dachte, keine Aussagen über ihn möglich sind und jede
wissenschaftliche Arbeit über seine Person hinfällig wird. Zudem geben seine privaten Briefe
vor der Machtergreifung sowie Geheimdokumente und Gesprächsaufzeichnungen Grund zur
Annahme, dass er wirklich an das glaubte, was er sagte.4 Vor diesem Hintergrund fällt der
Unterschied in der Gewichtung von Reden und persönlicher Korrespondenz Hitlers denkbar
klein aus. In ihren Grundaussagen sind sie identisch es gibt also kein ,,mehr" an Wahrheit in
seinen Briefen, als in seinen Reden.
2 Vgl. Schirrmacher, Thomas.
Kriegsreligion
. Band 1. 73 f.
3 Trevor-Roper, Hugh. Hitlers Kriegsziele. 121 133. zitiert in: Schirrmacher, Thomas.
Kriegsreligion
. Band 1. 75.
4 Vgl. Schirrmacher, Thomas.
Kriegsreligion
. Band 1. 82.
4
2 Hitlers Weltbild
Um zu begreifen, wie Hitler sich selbst sah und was er von sich hielt ist es notwendig
zu verstehen, wie er seine Umwelt sah. Seine Anschauungen waren ganz entschieden
religiös. Daher soll es hier zunächst um Hitlers Weltbild und dann um die Inhalte seiner
Religion gehen.
2.1 Hitlers geistige Herkunft
Hitler war Katholik. Sein Elternhaus war streng katholisch, genau wie seine
Schulausbildung in der Kindheit. Zeit seines Lebens hat er vor allem die Institution
Kirche bewundert, speziell ihre Fähigkeit, Feste und Feiern zu inszenieren und die
Massen an sich zu binden.5 Dass er versucht hat, auch nach der Machtergreifung
Katholik zu bleiben, wird in seinen Versuchen deutlich, die Kirchen zu einen. Erst mit
dem Scheitern dieses Versuches kam er zu der Einsicht, dass Kirche und NS-Staat
unvereinbar seien.6
Er hat den geistlichen Rahmen des christlich-katholischen nie verlassen, was sich im
Versuch äußerte, seine Bewegung als konsequente, praktische Weiterführung des
christlichen Glaubens darzustellen. So war das wahre Christentum für ihn das
,,Kampfchristentum" und Jesus war für ihn in erster Linie deswegen ein Vorbild, weil
er den ,,Bluteinsatz" am Kreuz für seine Sache geleistet habe. Außerdem sah er in
Christus jemanden, der immer schon die Juden bekämpft habe:
,,Gerade für den Nationalsozialisten habe das Weihnachtsfest erhöhte Bedeutung, denn
Christus sei der größte Vorkämpfer im Kampfe gegen den jüdischen Weltfeind
gewesen. Christus sei nicht der Friedensapostel gewesen, den erst die Kirche aus ihm
gemacht habe, sondern er sei die größte Kämpfernatur gewesen, die je gelebt hat. Die
Lehre Christi sei für Jahrtausende grundlegend gewesen für den Kampf gegen den
Juden als Feind der Menschheit. Das Werk, welches Christus angefangen habe, aber
nicht beenden konnte, werde er (Hitler) zu Ende führen. Der Nationalsozialismus sei
nichts anderes als eine praktische Befolgung der Lehre Christi."7
Hitler arbeitete das Christentum quasi in sein Weltbild ein.
5 Vgl. Heer, Friedrich.
Glaube
. 19 22.
6 Vgl. Schirrmacher, Thomas.
Kriegsreligion
. Band 1. 311.
7 Rede auf einer NSDAP-Versammlung in München am 9.1.1922, Polizeibericht. In: Schirrmacher,
Thomas.
Kriegsreligion
. Band 2. 520.
5
2.2 Hitlers Weltbild
In einer Rede aus dem Jahr 1928 in Zwickau sagt Hitler:
,,Wir sehen diesen Kampf in der Natur, durch den die Auslese der Tüchtigsten stattfindet. [...]
Sie ist das eherne Naturgesetz, dem wir alle unterstellt sind. Darum muß das Leben eines
Volkes auf Wahrhaftigkeit, auf Selbstbehauptung, auf Kampf eingestellt sein. [...] Völker und
Kulturen sind nicht geworden durch die Masse, sondern durch Einzelpersönlichkeiten, die
eines Hauptes länger waren als alles Volk. Darum heißt die zweite Forderung neben der
Wahrhaftigkeit: Gebt Raum der Persönlichkeit! Der Persönlichkeitswert ist entscheidend!
Neben dem Kampfgedanken, neben der Anerkennung der Persönlichkeit ist es der rassische
Volkswert, der das Schicksal eines Volkes bestimmt."8
Zusammengefasst heißen die drei Säulen der hitlerschen Weltanschauung Kampf, Blut und
Persönlichkeit. Man kann sie auch mit den Worten Franz Feiges mit Nationalismus,
Führerprinzip und Heroismus beziehungsweise Militarismus benennen.9 Demgegenüber
stellte Hitler die Gegenpositionen Internationalismus, Demokratie und Pazifismus heraus,
deren Träger die Juden waren. Gleichzeitig wurden alle Gegenpositionen zu Hitlers
Überzeugungen von ihm mit dem Judaismus verbunden, was ihm wiederum deren
Bekämpfung erlaubte. 10
2.2.1 Erste Säule: Krieg
Es verwundert nicht, dass Hitler seine Weltanschauung sehr stark mit Krieg in Verbindung
bringt. Die Zeit des Ersten Weltkrieges hatte ihn extrem geprägt:
,,Er [Hitler] bekennt bis zum Ende seines Lebens die Erfahrung des Ersten Weltkrieges als die
,unvergesslichste und größte Zeit meines irdischen Lebens′. Das irdische Leben ist Prüfung
von Gott her, Prüfung des Mannes im Kriege."11
Zeit seines Lebens blieb Adolf Hitler ein Mann der Vergangenheit, fixiert an sein
Kriegserlebnis.12
Krieg war der Dreh- und Angelpunkt seiner Weltanschauung und seiner religiösen
Auffassung. Der Krieg hatte für Hitler die Funktion eines Beweises beziehungsweise einer
Bewährungsprobe. Im Krieg und im Kampf bewährt sich eine Persönlichkeit. Analog beweist
sich der Wert eines Volkes im Krieg. Die Fähigkeit zu einer kriegerischen
8 Schirrmacher, Thomas.
Kriegsreligion
. Band 2. 426.
9 Vgl. Feige, Franz G.
Varieties
. 124.
10 Vgl. Feige, Franz G.
Varieties
. 124.
11 Heer, Friedrich.
Glaube
. 191.
12 Heer, Friedrich.
Glaube
. 191.
6
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